Startseite » Dies Und Das » Nicht schon wieder: Wir schalten das Netz einfach ab

Nicht schon wieder: Wir schalten das Netz einfach ab

Gestern bei Schrempfy gesehen, danach direkt bei heise noch mal nachgelesen, gibt es wieder ein lustiges Gedankenspiel in Sachen Internet und Politik.

Zur Sache selbst:

Neue Verkehrsregeln Color Nicht schon wieder: Wir schalten das Netz einfach ab

Bild von baselifter.ba.funpic.de

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter wünscht sich Verkehrsregeln im Internet (Stop-Schilder wird es aber vermutlich nicht geben, denkt man an Uns-Ursula zurück). Und falls das große Chaos ausbricht, möchte man den kleinen roten Knopf betätigen und direkt alles abschalten.

Soviel dazu. Gelacht? Ich auch.

Nichtsdestotrotz hat sich Schrempfy ein paar Gedanken dazu gemacht, zu denen wiederum ich mir Gedanken gemacht. Vielleicht findet sich ja jemand, der sich mal dazu Gedanken macht.

Ich zitiere daher seine Aussagen und geb meinen eigenen kleinen dünnen Haufen dazu:

Ermittlungen in Sozialen Netzwerken
Wonach wollen die denn da ermitteln? Entweder bin ich es der blauäugig durch das Internet stiefelt, oder mir fallen keine schweren Verbrechen in solchen Netzwerken auf. Ohnehin werden Verstöße gegen Deutsche Gesetze durch die Admins nicht geduldet und geahndet. Daher empfinde ich dieses Argument als eher unnötig. Vielleicht ist es auch einfach nur der Frust der Beamten.
Um an nähere Informationen über registrierte Mitglieder z.B. auf Facebook oder den VZ’s zu gelangen müsste man schon zum jeweiligen Anbieter der Sozialen Netzwerke gehen und diese bemühen sich die Daten nicht an Dritte weiterzugeben. Ein neues Gesetz könnte das natürlich wieder kippen.

Naja. Was kann man da tatsächlich großartig ermitteln. Vermutlich irgendwelche Pedärasten, aber da wird der eine oder andere Admin wohl ein bisschen fixer sein, bekommt er doch durch eine Fülle an vernünftigen Usern als erstes Bescheid. Was bleibt noch? Vermutlich irgendwelche braunen Parolen, aber auch hier wird die Community von selbst gegen halten.
Und ebenso gilt: jeder ist für das, was er im Internet preisgibt selbst verantwortlich. Wer doof ist, muss bestraft werden. Und wer nichts von sich preis gibt, ohne dass Bedenken geäußert werden müssten, brauch sich selbst im Falle eines staatlichen Scans keine Gedanken zu machen.
Nichtsdestotrotz glaube ich an die Selbstreinigung und –aufsicht einer Userschaft. Ich widerspreche aber dem Frust-Argument. Das ist keine Frust – das ist eine Mischung aus blindem Aktionismus, Suche nach Beschäftigung und Angst. Da gibt es dieses Internet mit diesen Communities, kleine Gemeinschaften unter sich und wir dürfen da nicht mitspielen. Dat geht nicht!

Notschalter für das Internet
Was hätte das nur zu Folge? Das wären Schäden von Geldsummen die die meisten von uns niemals besitzen werden. Damit unter anderem zu argumentieren dass man so einen Hackerangriff aus China abwehren könnte ist auch totaler Blödsinn. Die Hacker kommen ins Opfersystem, dieses wird abgeschaltet (in diesem Fall wird ganz Deutschland vom Internet getrennt) und die Hacker fliegen raus. Irgendwann geht alles wieder online und nach 5 Minuten sind dieselben Hacker wieder im selben System weil der Fehler nicht behoben wurde.
Eine komplett unausgereifte und inkompetente Idee.

Meiner Meinung nach der lustigste Punkt von allen. Wie soll denn das umgesetzt werden? Nimmt man der Telekom den Strom weg?
Davon mal abgesehen, dass ein unglaublicher Großteil der Wirtschaft einen so großen Schaden nehmen würde, dass man sich über jede Finanzkrise nur freuen kann. Und wie Schrempfy schon sagt, der Geduldige wird der Sieger sein.
Da möchte das Schaf wieder mal mit dem Kopf durch die Wand.

Viren, Trojaner, etc auf fremden System entfernen
Das ist doch nichts weiter als die Forderung auf alle Systeme zugreifen zu dürfen. Ein Bundestrojaner. Wie wollen die eigentlich feststellen, dass der Rechner infiziert ist – ohne selbst den Rechner unter die Lupe genommen zu haben? Ergo, man braucht uneingeschränkten Eingriff. Die totale Überwachung aller Rechner, aller Bürger …

Wie zum Geier kann denn da jemand auf die Idee kommen, sich an den grünen Tisch zu setzen, das ausgedruckte Internet zur Seite zu legen und dann meinen wollen, dass er besser Bescheid weiß, wie man mein System zu schützen hat, als ich?
Auch hier setze ich viel lieber auf die Intelligenz- und Erfahrungswolke einer Userschaft, die mit zahlreichen Meinungen, Wissen und Erfahrungsberichten wohl am besten weiß, was gut für den heimischen Rechner ist und was nicht.
Zumal es auf der Hand liegt, dass ein einheitliches System leichter zu entschärfen ist, als viele kleine unterschiedliche Bausteine. Allein der Aufwand schreckt da zu einem gewissen Teil ab.

Stichwort Bundestrojaner. Ich drück es mal leicht verständlich aus: Grunz … Trojaner … böse! Bundestrojaner … auch böse … weil Trojaner.
Oder noch deutlicher: scheiß egal, ob Kacke braun oder gelb ist, es bleibt Kacke. Und das stinkt.

Daher: is ja nett, das ihr meinen Rechner schützen wollt, aber ich glaub, ich kann das selbst schon ganz gut. Also – danke, aber nein danke.

Letztendlich kommt diese ganze dumme Geschichte in die „Blinder Aktionismus“-Schublade. Das Ziel ist hier nicht Schutz des Bürgers, sondern viel mehr der Wunsch nach Kontrolle eines Bereiches, der nicht kontrolliert werden will, kann und braucht.

Natürlich gibt es Kriminalität und Betrug. Aber ist das im „Offline“-Bereich nicht der Fall? Wie viel Prozent der User werden denn tatsächlich über den Tisch gezogen und nachhaltig geschädigt? Und vor allem: aus welchen Gründen werden sie geschädigt.

Es hat sich in den ganzen Jahren trotz der rasanten Entwicklung gezeigt, dass sich die große Gruppe, die sich im Internet bewegt, zum Großteil selbst reguliert. Und das meiner Meinung nach auch sehr gut. Nirgendwo sonst werden schwarze Schafe so schnell und so deutlich an den Pranger gestellt. Man muss sich nur informieren.

Der Knackpunkt, um den es bei dieser ganzen Scheiße geht, steht bei heise ganz deutlich da:

Jansen fordert auch “Verkehrsregeln” für das Internet, da sonst das Gewaltmonopol des Staates auf dem Spiel stünde.

Es geht nur um das Gewaltmonopol. Der Staat hat Angst vor einem Bereich, der nicht auf den Staat selbst angewiesen ist, der sich selbst reguliert und über den keine Kontrolle herrscht. Was kann da schon gutes draus erwachsen? Das der Bürger selbstständig denkt und handelt, sich nicht mehr von den tagtäglichen Formulierungen – und nennen wir das Kind doch beim Namen – Lügen blenden lässt. Kann sich eigentlich noch jemand an die Stasi erinnern?

Nein, da sollte man gegen vorgehen. Am besten mit Stoppschildern, direkt auf den Bildschirm geklebt. Dann sieht man gar kein Internet mehr. Lieber zu viel als zu wenig Schutz.

Über den Autor

Martin

Wahlhamburger, Unterhaltungsblogger, von Windows zu Apple-Gewanderter, Apple-Liebhaber und Gründer von diesem bisschen Internet-Speicherplatz. Bloggt außerdem auch noch auf serieslyAWESOME.tv
Alle Beiträge von Martin ansehen.

Letzte Artikel von Martin (Alle anzeigen)

Kommentare

Ping- & Trackbacks