Ali, Murat und das Europäische Parlament

Als ich mich heute Morgen auf den Weg machte, die erste Klausur meines Studiums in den Sand zu setzen, war ich tatsächlich ziemlich aufgeregt. Draußen war es noch dunkel, also viel zu früh, um das warme Bett und Moody darin zu verlassen und es war -10 Grad kalt. Optimale Bedingungen für Jemanden, der sich gleich voller Konzentration auf die zu bearbeitenden Klausuraufgaben stürzen muss. Zudem handelte es sich hier um eine Wirtschaftsinformatikklausur, mein absolutes Lieblingsfach. Dementsprechend musste ich natürlich auch nicht lernen.

Haha, schön wärs. Ich hab die letzte Woche damit verbracht, hauptsächlich für diese Klausur zu lernen und dennoch hatte ich heute Morgen das Gefühl, ich wüsste nichts mehr. Trotz Moodys Gewinnerfrühstück wollten sich die meisten Informationen, die ich in den letzten Tagen aufgenommen hatte, auch nicht so recht zeigen. In der Bahn spielten sich dann in meinem Kopf alle möglichen Szenarien ab, was nach der Klausur so geschehen könnte.

Ich könnte zB einen Blick darauf werfen, feststellen, dass ich doch nichts kann und wieder gehen. Oder ich würde auf einmal zum Supergeniefreaknerd werden und alle Aufgaben fehlerlos bearbeiten können. Es gäbe natürlich auch einfach die Möglichkeit, zu machen, was man kann und den Rest zu lassen und dann zu hoffen, dass es fürs Bestehen ausreicht.

Ich entschied mich dann für die letzte Methode, denn ich könnte die Klausur – vorausgesetzt ich fiele durch – Ende März noch einmal schreiben. Abgesehen davon, dass es nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, mich mit Informatikkram rumzuärgern, würde ich meine Ferien doch aber lieber mit allen anderen Dingen außer Lernen verbringen. Das Ende meines Gedankengangs war dann, dass es wohl viel wichtigere Dinge im Leben gibt als so eine Klausur.

Zum Beispiel Weltfrieden. Haben wir zwar noch nicht, aber die jungen Türken in der Bahn neben mir SCHWÖREN, dass sie es ins Europäische Parlament schaffen und als erste Amtshandlung ihren rassistischen Berufsschullehrer entlassen würden. Das mit dem Weltfrieden dauert also nicht mehr lang, macht euch auf etwas gefasst – Ali und Murat sind auf dem besten Weg, die Welt zu retten!

Doch dann wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, denn mittlerweile stand die Bahn schon länger als üblich an einer Haltestelle und der Fahrer verkündete durch den Lautsprecher, dass er eine Störung habe. Ehh, eine Türstörung meinte er natürlich. Und ob denn die Fahrgäste so nett seien, einmal alle Türen der Fahrzeuge zu öffnen, damit wir weiterfahren könnten.

Gesagt, getan, alle Türen öffneten sich und der Fahrer meldete sich nach automatischem Schließen der Türen noch einmal zu Wort und erklärte, dass das geholfen habe, die Störung jetzt beseitigt sei und wir die Fahrt fortsetzen könnten. So kam ich also rechtzeitig an der Uni an, schrieb auf, was ich wusste, ließ weg, was ich nicht wusste und hoffe ab jetzt bis Ende Februar, dass mein Wissen gereicht hat.

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Sängerin, Gelegenheitsgenießerin, Fotografie-Liebhaberin, manchmal eine Herausforderung, literaturbegeistert, verrückt nach Sommer, Sonne, Strand und Meer, moralisch flexibel und gekommen, um zu bleiben. Alle Beiträge von Alina ansehen.

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