Bloggen gegen Eis – nicht mit mir

Letzte Woche und auch beim Beitrag vorhin bereits angesprochen, habe ich mal wieder einen eher peinlichen Vorfall von „Wie schreibe ich Blogger richtig an“ in meinem Posteingang liegen. Als positives Beispiel vorweg hier mal das Anschreiben von HalloLeinwand:

Sehr geehrter Hr. Behrendt,

zufällig bin ich durch ein Gespräch mit einer Bekannten auf Ihren Blog gestoßen. Wir saßen in einem Kaffee und ich erzählte ihr gerade über ein neues Projekt. Da sie regelmäßig Ihren Blog liest, empfohl sie mir, mich mit Ihnen in Kontakt zu setzen. Ehrlich gesagt, war ich von der Vielfalt der Themen auf Ihrer Seite erstaunt.

Ich arbeite bei HalloLeinwand.de, dem Experten im Druck von Fotos auf Leinwand. Wir machen aus Ihren schönsten Erinnerungen ein Foto auf Leinwand.

Wir sind von unserem Service und unserem Produkt überzeugt aber lassen es immer wieder gerne von relevanten Personen auf Qualität überprüfen. Und genau deshalb wenden wir uns an Sie.

Wir würden Ihnen gerne eine unserer Leinwände zum testen schicken. Wenn wir Sie auch überzeugen können, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie vielleicht darüber in Ihrem Blog berichten könnten.

Wäre das für Sie interessant?

Dann schicken Sie und Ihre Adresse und Ihr schönstes Bild. Eines, von dem Sie glauben, dass die Qualität niemals so auf einer Leinwand erhalten bleiben kann. Wir drucken es für Sie auf eine 50 x 70 cm Leinwand und schicken sie Ihnen, damit Sie es bewerten können.

Über Ihre Teilnahme würde ich mich sehr freuen und stehe Ihnen für weitere Fragen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Elena Pérez

Nun gut, ob das mit der Bekannten nun so stimmt, wage ich mal zu bezweifeln – wir sind aber gut drauf, schließlich kommt der Frühling und hat Bier mitgebracht, also sagen wir: sie hat sich zumindest ein bisschen Mühe gegeben beim ausdenken. Selbstverständlich ist hier auch fast schon zu viel Marketingblabla drin, aber damit verdient sie ihre Brötchen, also muss das wohl auch so. Was mir allerdings sehr angenehm aufgefallen ist und weswegen es dann auch den Beitrag von heute morgen gab: sie stellt es mir frei, ob ich darüber schreiben möchte oder nicht. Ein einfaches und lockeres „mach, was du willst, aber gucks dir wenigstens mal an“ – man kann es kaum besser machen.

Nun das Negativ-Beispiel, von dem ich sprach und bei dem ihr merken werdet, dass die Headline nicht nur aus Jucks und Dallerei so lautet, wie sie lautet:

Lieber Martin,

erst einmal ein großes Kompliment zu Deinem Blog, gerade Dein amüsanter Schreibstil gefällt mir richtig gut.

Kannst Du Dich noch erinnern, welcher Song vor 18 Jahren im Radio rauf und runter lief? Kleine Hilfe: Es war das perfekte Lied um kalte Regentage hinter sich zu lassen und in den Sommer zu starten. Richtig – gemeint ist „So schmeckt der Sommer“

Ich arbeite für die Agentur Edelman in Hamburg für unseren Kunden Langnese. Langnese hat den Hit von damals in diesem Jahr neu aufgenommen – und zwar zusammen mit Sängerin Cassandra Steen.

Wir haben den Song hier vorliegen und würden ihn Dir gern noch vor der offiziellen Veröffentlichung am 19. März zur Verfügung stellen. Sag doch einfach kurz Bescheid, vielleicht ist er ja für Dich oder auch für Deine Leser interessant?!?

Viele Grüße vom Kampnagel
Julian

Na klar, wieder ein bisschen Honig ums Maul schmieren im Anfangssatz, wie soll man denn auch sonst eine emotionale Bindung zum gegenüber aufbauen, wenn man letztendlich doch nur seinen Kram loswerden will? Aber nun gut, vielleicht bekommt man das in den üblichen Seminaren so beigebracht – Blogger sind leicht zu ködern mit Standard-Komplimente-Floskeln. Wieauchimmer – wichtiger ist viel mehr, dass hier also eine Agentur möchte, dass man irgendein Lied für einen Kunden postet oder anders: ich soll kostenlos Werbung für deren Kunden machen. Von dem sie Geld bekommen. Ich nicht. Aha. So entsprechend dann auch meine naive Nachfrage:

Moin Julian,

versteh ich das richtig, dass ich für euch als Agentur kostenlos Werbung für euren Kunden Langnese machen soll?

Gruß
Martin

Bloggen gegen Eis - nicht mit mir

Die Antwort – einen Tag später fiel dann wie folgt aus:

Moin Martin,

danke für deine Rückmeldung. Mit meiner Mail wollte ich lediglich nachfragen, ob der Song generell für dich und deinen Blog interessant ist. Ob du etwas zu dem Thema bringen möchtest, ist und bleibt natürlich komplett dir überlassen.

Ganz unabhängig davon, ob du etwas darüber schreiben möchtet oder nicht, haben wir aber eine kleine Überraschung für deine Tiefkühltruhe. Sag einfach Bescheid und schick uns deine Anschrift, wenn du Interesse daran hast. ;)

Ich hab dir den Song jetzt einfach mal angehängt. Du kannst ja mal reinhören – wie gesagt, guck einfach, ob er für dich und deine Leser interessant ist – oder eben nicht.

Und hier auch noch ein echt nettes Making Of-Video:
File(s) available for download until 31 March 2012

File: Making of So Schmeckt der Sommer-Kurz Version.mp4, 29.96 MBytes

In aller Kürze noch ein paar Infos zum Song:
Nach 18 Jahren ist der Langnese Kult-Hit „So schmeckt der Sommer“ zurück! Mit der Stimme von Cassandra Steen heißt es ab sofort: Sound ab! Sommerfeeling an!
Insgesamt geht es in der neuen Langnese Kampagne darum, den Winter hinter sich zu lassen und den Sommer früher zu starten! 1994 wurden der Werbespot und das dazugehörige Lied „So schmeckt der Sommer“ zum absoluten Kult, weshalb Langnese sich jetzt entschlossen hat, Spot und Lied neu zu produzieren. Am 21. März läuft der neue Spot mit dem Lied in den Kinos an und kommt dann eine Woche später ins Fernsehen. Außerdem wird Cassandra Steen den Song auf einigen Konzerten ihrer Tour singen.

Herzliche Grüße
Julian

Ah ja. Ist euch mal aufgefallen, dass genau solche Nasen IMMER dazu neigen, die selbe Anredeflosekl zu verwenden, die man in seiner Mail vorher verwendet hat? Ich weiß nicht, woran es liegt – vielleicht ist ihm aufgefallen, dass die Anrede „Liebe(r) …“
ein weeeeeenig zu altbacken ist oder er möchte genauso cool sein wie ich mit meinem extravaganten „Moin …“. Aber das wird jetzt hier auch zu kleinkariert, also weiter im Text. Dass ich hier sowieso nur das mache, worauf ich Bock habe und dementsprechend auch frei darüber entscheide, was ich bringe und was nicht, war mir nicht ganz unneu, dennoch danke fürs erinnern.

Ui, eine Überraschung für meine Tiefkühltruhe. Ich hab doch gar keine, die groß genug ist für einen eigenen Panzer. Oder ist es doch das neue iPad, dass man allerdings nur in der Kühltruhe lagern sollte? Ich bin schon ein bisschen neugierig, was es sein könnte, muss mir aber auch erst überlegen, ob ich es annehmen möchte oder nicht. Ihr fragt euch ja sicherlich auch, ob ihr jeden Monat euer Gehalt haben wollt oder nicht mal zur Abwechslung drauf verzichtet. Schwierig, schwierig.

Wirklich interessant wird es aber erst jetzt danach: das Video soll ich mir selbst runterladen und entsprechend auch wieder auf meinen Server hochladen. Aha. Warum nicht einfach bei Youtube hochladen? Link in die Mail und fertig. Statt dessen muss ich dann meinen Server damit belasten. Gibt schlimmeres. Die alles entscheidende Frage ist aber: warum werde ich angeschrieben, ob dieser ganze Quatsch interessant für mich und euch ist und bekomme dann dennoch alle relevanten Infos ein einer anschließenden Mail OBWOHL noch nicht mal klar ist, ob dieser ganze Quatsch interessant für mich und euch ist.

Macht man das neuerdings so, dass man erst nach etwas fragt, um die Antwort in der nächsten Mail zu ignorieren?

Ich sag es ganz offen: ich bin fassungslos. Fassungslos darüber, dass eine Agentur offensichtlich glaubt, mit dieser Vorgehensweise Leistung einheimsen zu können, die sie dann rotzfrech ihrem Kunden in Rechnung stellt. Und was bekommt man dafür? Eine Überraschung für die Tiefkühltruhe. Wow!

Wir haben zwar kaum Niveau hier und mit der Würde ist es jetzt auch nicht soooooooo dolle – aber das hier grenzt ja schon fast an Majestätsbeleidigung. Alter … gegen Eis. Gehts noch?

Ich befürchte allerdings, dass es tatsächlich irgendwen gab, der sich dafür hat breitschlagen lassen. Verdammt!

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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