Die Streikdeppen vom Dienst

Vor einigen Tagen kam die Diskussion über das, besonders in Hamburg und Schleswig-Holstein neuerdings beliebte, Thema „Streik“ auf. Kurz zum Hintergrund: in den letzten Wochen haben die Pinneberger Verkehrsbetriebe und einige andere auch die tolle Idee zum Streik gehabt. Mich persönlich hat es dahingehend betroffen, dass ich meine Freundin ohne öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr erreichen konnte.

Natürlich verstehe ich, dass ein Busfahrer viel arbeiten muss und dafür scheinbar recht wenig auf sein Konto überwiesen bekommt. Natürlich verstehe ich den Unmut darüber und natürlich verstehe ich auch, dass man da schnell auf den Trichter „Ey Digga, lass ma streiken“ kommt.

Aber …

… warum muss ich, der jeden Monat 80 € für eine scheiß Monatskarte zahlt, dafür bluten? Ich bezahle ein Haufen Geld für eine Dienstleistung, die nicht erbracht wird. Zumal ich definitiv nicht für die Entlohnung der Busfahrer verantwortlich bin und selbst wenn dem so wäre: bisher durfte ich jedes verdammte Jahr eine Erhöhung der Fahrpreise hinnehmen. Warum das an die Fahrer nicht weitergegeben, entzieht sich meiner Kenntnis, ist mir aber auch ehrlich gesagt egal, die Verantwortung liegt dort bei anderen.

… niemand zwingt jemanden, als Busfahrer zu arbeiten und das bis ans Ende seiner Tage. Ich vertrete schon seit sehr langer Zeit die These „Qualität setzt sich immer durch“. Das gilt höchstwahrscheinlich auch für den Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn das Geld, was die Busbeförderungsfachkraft verdienen könnte, zu wenig ist, ja, dann muss man sich eben einen anderen Bereich suchen, in dem man mehr verdient. Ich nehme auf keinen Fall die Arbeitgebersippschaft in Schutz. Aber es ist doch vollkommen logisch, dass bei Wegbleiben der Arbeitskräfte aufgrund von zu geringer Bezahlung irgendwann der Denkprozess einsetzen muss, dass es genau daran liegt und man die Lohntüte ein wenig mehr befüllen sollte.

… ich verstehe nicht, warum versucht wird, den Geldgeber mit einer Form der Erpressung zu ändern und dafür andere auch noch leiden müssen und für etwas bezahlen, was sie nicht bekommen.

Klingt für mich alles nach Kindergarten, Arschloch-Dasein und Betrug am Kunden.

Daher, liebe Busfahrer: ja, ihr verdient zu wenig und müsst zu viel arbeiten. Aber warum nicht einen anderen Beruf wählen? Zu aufwändig? Zu alt? Selbst schuld. Wer sich nicht weiterbildet und auf einer Stelle tritt, darf sich auch nicht wundern, wenn dasselbe mit dem Einkommen passiert. Qualität setzt sich immer durch, unabhängig vom Alter. Wenn die Jugend genauso viel auf dem Kasten hat, wie ein 40-jähriger, dann sollte sich der 40-jährige Wissen und Erfahrung aneignen, die die Jugend nicht haben kann.

Einfach mal in erster Linie an sich selbst arbeiten, statt immer wieder andere für das eigene Leid verantwortlich zu machen. Deppen!

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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