ebay, weißte?

ebay, weißte?

Ihr habt ja mitbekommen, dass ich letzte Woche oder wann das iPad von meinem Vadder über ebay verschleudert hab. Auch hier gibts natürlich ’ne Geschichte – und die ist noch nicht mal zu Ende.

Ebay ist ja an sich immer nervig. Ich brauch ein Weilchen, bis ich überhaupt erst Mal das Gebot fertig hab – warum seht ihr weiter unten auf dem Screenshot. Infos zusammen suchen, Bilder machen und hochladen usw usw.

Und dann die Zeit bis zum Auktionsende. Keiner bietet, alle gucken nur und die Million kommt auch noch nicht Mal zusammen. Mein Ärger ging schon während der Auktion los. Da war ein Typ (oder Typin, was weiß ich denn), der lustig bis auf 433€ hochgeboten hat. Fand ich super, waren ja auch noch zwei Tage bis Ende, was willste denn mehr? Mal ehrlich!

Und dann löscht der Idiot seine Gebote. Alle. Ich natürlich nachgefragt, was der Schmodder soll. Als Antwort kam: „Hatte mich vertippt, hatte aus Versehen 4.330 eingegeben.“ Na ok, aber warum dann nicht das korrekte Gebot wieder abgeben? Ich also mal nachgeschaut, was er denn eingegeben hat (aufs Bild klicken für größere Ansicht):

ebay, weißte?

Wirste erstmal bekloppt.

Allerdings ging die Auktion dann doch noch recht erfolgreich über die Bühne, insgesamt sind 505€ zusammen gekommen. Macht nach Abzug von Ebay um die 470€, vielleicht auch weniger, hab das nich ausgerechnet.

Also meinem Vater Bescheid gegeben, dass er das Paket fertig machen und abschicken kann, ging ebenfalls reibungslos. Und dann erreicht mich die nächste Hiobsbotschaft:

Sehr geehrter Herr Behrendt,

vielen Dank für den raschen Versand des o.g. Artikels.

Den Artikel habe ich bereits heute erhalten und musste bei der Überprüfung leider folgendes feststellen (und ich weiß,dass so eine Nachricht ungern gelesen wird):

Leider handelt es sich bei dem Kauf um einen Irrtum.
Beim Gebot ging ich davon aus, dass es sich bei dem iPad um das Folgemodell „iPad 2“ handelt.

Demnach fechte ich meine Willenserklärung wg. Inhaltsirrtum an und schicke den Artikel umgehend an die Absenderadresse zurück.

Die Auslagen für Verpackung und Versand lege ich bar bei (10,- EUR).
Nach Erhalt der Rücksendung bitte ich Sie die Zahlung via PayPal als „Rückzahlung“ zu überweisen.

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich um Voraus und bitte dieses Versehen zu entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen

xxx

What the fucking hell? Da guckste erstmal blöde. Ich werd jetzt mal nicht den kompletten Schriftverkehr hier reinhauen, so viele Paragraphen vertragt ihr nicht – ich musste mich auch zwei Mal übergeben. Auf jeden Fall bestehe ich natürlich auf die Abnahme des Produktes. Sollte ja schließlich nicht mein Problem sein, dass Käufer es nicht geschissen kriegen, Artikelbeschreibung zu lesen und Bilder anzuschauen oder?

Ich weiß auch nicht, ob das alles nicht eindeutig ist, sagt ihr mal (aufs Bild klicken für größere Ansicht):

ebay, weißte?

Natürlich bin ich mir zum einen meiner Sache sehr sicher, hab allerdings doch noch den ebay-Kundenservice angeschrieben und mal gefragt, was die dazu sagen. Auch wahnsinnige Antwort:

Hallo Herr Behrendt,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie haben uns geschrieben, weil Sie einen iPod verkauft haben, aber der Kaufer den Artikel nicht mehr haben möchte. Ich kann Ihnen begränzt behilflich sein.

Haben Sie versucht, Ihren Handelspartner anzurufen?

Die meisten Probleme lassen sich am besten in einem direkten Gespräch klären. Bitten Sie Ihren Handelspartner per E-Mail um einen Anruf oder seine Telefonnummer. Oder erfragen Sie die Telefonnummer bei der Auskunft.

Schildern Sie in dem Gespräch, was Sie von der Transaktion erwarten und welchen Eindruck Sie von dem bisherigen Ablauf haben. Es kann auch hilfreich sein, eine angemessene Frist für die Klärung zu setzen.

Wir können den Artikel nicht in Augenschein nehmen und uns auch kein unmittelbares Bild von der Abwicklung machen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir deshalb in solchen Fällen nicht eingreifen.

Unser Online-Marktplatz ist der Ort, an dem wir Käufer und Verkäufer zusammenbringen. Wir schaffen den Rahmen für einen sicheren Handel (z.B. mit dem Bewertungssystem). Der Vertrag kommt aber zwischen Käufer und Verkäufer zustande. Für die korrekte Abwicklung können nur die Handelspartner selbst Sorge tragen. In welchen Fällen wir Nachforschungen anstellen, können Sie hier nachlesen:

http://pages.ebay.de/help/buy/report-trading.html#whatinvestigates

Allgemeine rechtliche Hinweise zum Handel bei eBay, die aber keine Rechtsberatung ersetzen, haben wir in unserem Rechtsportal für Sie zusammengestellt:

http://pages.ebay.de/rechtsportal/index.html

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich mit Ihrem Handelspartner im direkten Kontakt einigen können.

Mit freundlichen Grüßen

xxx

Soso, ebay hat also keine Möglichkeit die Abwicklung in Augenschein zu nehmen. Naaaja gut, ist ja auch nicht so, dass alles online erfasst wurde und sich der Rest aus dem Schriftverkehr ergibt. Artikel in Augenschein nehmen geht bei den Bildern natürlich auch nicht – ich bin da voll bei den Jungs. Natürlich ist so ein Anruf auch die beste Lösung, gerade weil die Standpunkte ja noch nicht ganz klar waren.

Um nun wirklich auf Nummer sicher zu gehen, hab ich auf frag-einen-anwalt.de – ihr ahnt es – einen Anwalt gefragt. Ist natürlich nicht ganz für Umme, aber die 22€ kann man in solch einem Falle ruhig mal investieren. Und die Antwort will ich hier ebenfalls keinem Vorenthalten:

Sehr geehrter Ratsuchender,

zunächst ist der Käufer an seine Vertragserklärung gebunden. Der Käufer kann allerdings grundsätzlich eine Erklärung gemäß § 119 BGB anfechten, wenn er diese so nicht abgeben wollte. Auch ein Irrtum über die Identität der Kaufsache kann eine Anfechtung rechtfertigen! Der Erklärungsempfänger (Sie) ist aber insoweit geschützt, als er auf die Erklärung vertrauen durfte. Daher resultiert auch der Ersatzanspruch gemäß § 122 Abs.1 BGB bezüglich des Vertrauensschadens, also des Schadens, der dadurch entstanden ist, dass Sie auf die Wirksamkeit der Erklärung vertraut haben. Wie Sie richtig gesehen haben sind dies zunächst die im Zusammenhang mit dem Versand entstehenden Kosten. Aber auch der durch ein entgangenes Geschäft (Verkauf) nicht erlangte Kaufpreis. Hätte Ihr Käufer nicht geboten, so hätten Sie das iPad für etwas weniger an den nächsthohen Bieter verkauft. Dieses Geschäft ist Ihnen nun entgangen. Verkaufen Sie den iPod erneut für weniger, so können Sie die Differenz zum entgangegenen Geschäft ersetzt verlangen.

In Ihrem Falle könnte aber auch ein unbeachtlicher Motivirrtum vorliegen, der nicht zur Anfechtung berechtigt. Ein solcher ist beispielsweise gegeben, wenn der Erklärende (hier der Käufer) sich nur über den Wert der Sache geirrt hat. Also wenn er beispielsweise später feststellen muss, dass er den Artikel über Marktwert mithin zu teuer gekauft hat.
Auch kann der Käufer nicht anfechten, wenn er seine Erklärung in dem Bewusstsein abgegeben hat, nicht genau zu wissen, worauf sich seine Kauf-Erklärung bezieht. Also wenn er beispielsweise sehr kurzfristig bietet, ohne sich die Artikelbeschreibung vorher genau angesehen zu haben. Dies ist so, als würde man einen Vertrag unterschreiben, ohne diesen vorher gelesen zu haben. Dann kann später aber ebenfalls nicht wegen Inhaltsirrtums angefochten werden. Aufgrund Ihrer detaillierten Artikelbeschreibung und dem Foto gehe ich davon aus, dass eher dies der Fall war.

Ihr Käufer müsste seinen Irrtum im Streitfall auch beweisen. Ich persönlich halte die Erklärung, er habe ein iPad2 kaufen wollen, für eine Schutzbehauptung die nicht der Wahrheit entspricht. Dies ist aber nur meine persönliche Einschätzung, die der Richter nicht zwingend teilen muss. Ich würde den Kaufpreis, wenn es für Sie ein guter Preis ist, nicht erstatten. Ein Prozessrisiko besteht aber durchaus für Sie, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Käufer seine Behauptung doch beweisen kann.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, erstatten Sie nach Rücksendung und Überprüfung des Gerätes den Kaufpreis und verkaufen das Gerät erneut. Anschließend können Sie Ihren eventuell entstehenden Vertrauensschaden beim Käufer geltend machen.

Ganz gleich wie Sie sich entscheiden, stehe ich Ihnen gerne mit tatkräftiger Hilfe zur Verfügung.
Meine Kanzlei ist für Probleme beim eBay-Kauf über untenstehende E-mail-Adresse jederzeit erreichbar.

Ich weise darauf hin, dass meine Antwort lediglich eine Ersteinschätzung darstellt, die eine ausführliche Beratung nach vollständiger Sachverhaltsaufklärung nicht ersetzen kann und hoffe, Ihnen ein wenig weitergeholfen zu haben.

So siehts aus. Für mich eine absolut zufriedenstellende Antwort – wenn ich denn richtig verstanden habe, dass ich am Ende so oder so auf die 505 minus den ganzen Gebührenquatsch komme. Also zumindest wenn man auf Schadenersatz klagt, weil einem das Geschäft insgesamt durch die Lappen gegangen ist. In meinem Kopf macht das dann folgende Rechnung:

– iPad (scheinbarer Wert auf ebay von 500€) zurück an mich
– 505€ Schadenersatz vom Käufer durch Nichtzustandekommen eines von mir gewollten Geschäftes
– Erstattung sämtlicher Gebühren, wie Versand, ebay und Paypal
= mehr als 1010€

An sich kein schlechtes Geschäftsmodell oder?

Da ich aber so ein Herzensguter Mensch bin, hab ich das Angebot einem unterlegenen Bieter angeboten – natürlich nur unter der Bedingung, dass Käufer 1 das iPad an Käufer 2 versendet und er damit leben muss, dass er definitiv nicht seinen vollen Betrag erstattet bekommt.

Bisher gabs da noch keine Antwort drauf, liegt vielleicht aber auch an meinem nicht mehr ganz so freundlichen Ton. Vielleicht kommt es aber auch zum Prozess – dann hätt ich vermutlich noch mehr zu erzählen. Btw: kennt jemand eine gute Rechtschutzversicherung?

Wirste doch bekloppt bei den ganzen Idioten hier..

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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