Farmville und das Thema Datenschutz

Steckt in uns allen nicht ein Farmer? Zumindest 75 Millionen Facebooknutzer können das von sich behaupten, denn genau so viele spielen Zyngas Über-Erfolg Farmville.

Was kann man tun? Nun ja, das übliche eben: man pflügt Felder, sät dort Gemüse, Obst oder Blumen, erntet das Zeug wieder und bekommt dafür Erfahrungspunkte und Geld. Je mehr man davon hat, umso mehr kann man säen und in Gebäude, Fahrzeuge und Tiere stecken. Klingt simpel, ist es auch. Aber wie bei den Sims scheint genau das die breite Masse anzusprechen. Interaktion mit Freunden natürlich inklusive.

Farmville und das Thema Datenschutz

Wer nicht erst lange rumfarmern möchte, kann auch gegen echtes Geld diverse Gegenstände und Gebäude schneller kaufen, das „lästige Freispielen“ entfällt. Abgebucht wird über Kreditkarte und Paypal.

Und genau da legt sich ein übler Schatten über die Bauernidylle. Denn wie es scheint, bucht Zynga unrechtmäßig Geld von den registrierten Konten ab. Was mit ein paar Cent die Spielfreude schneller brachte als normal, kann sich nun zu einem üblen Scherz herausstellen.

So erging es einer 25-jährigen Münchnerin. Auch begeisterte Bäuerin hat sie sich vermutlich für ein paar Cent ihre Farm verschönert – und wenig später hat Zynga 3 Mal unrechtmäßig von ihrem Konto abgebucht. In den USA läuft sogar eine Sammelklage gegen Facebook und Zynga.

Meiner Meinung nach kommt hier ein ganz wichtiges Thema auf den Tisch: die „Anonymität“ im Netz. Für mich gibt es diese nicht, zumindest nicht vollständig. Irgendwo muss man immer persönliche Daten angeben und weiß letztendlich nicht wirklich, was damit veranstaltet wird. Sollte ja bereits bekannt sein, wenn man plötzlich Werbesendungen im Briefkasten hat.

Das mit solchen Informationen Dritte ordentlich Geld verdienen, sieht man regelmäßig in Reportagen und kann man sich selbst auch zusammen reimen.

Ich handhabe es so (und das mag sicherlich Irrglaube sein, aber in meiner kleinen Seifenblase bin ich damit recht zufrieden): da es nicht möglich ist, gar nicht im Internet aufzutauchen, gebe ich ein bisschen von mir preis. Lieber steuern, als ständig hinterher sein zu müssen, dass ja kein Schnipsel auftaucht.

Mit Spam wird man so oder so zugeballert. Bei Google taucht man immer auf. Aber ganz ehrlich: na und? Ist doch vollkommen lachs, ob man mich dort unter meinem Namen findet, ob man auf diese Seite kommt oder weiß, wo ich wohne.

Doch wer leichtgläubig seine Bankdaten irgendwo eingibt, vor allem für ein Spiel, der ist selbst Schuld. Es gibt eine Vielzahl an Situationen, in denen es besser ist, genau diese Infos für sich zu behalten (ich spreche da aus Erfahrung).

Da mag es auch löblich sein, dass vor solchen Machenschaften gewarnt wird, aber warum nicht einmal eine Ecke weiter denken: es ist ein Spiel, es ist Facebook, will ich, dass diese Leute meine Bankverbindung kennen?

Es sollte doch allgemein bekannt sein, dass allein mit diesen Infos nur noch wenige Schwellen überschritten werden müssen, um mal so richtig auf die Kacke zu hauen.

Von daher kann ich nur sagen: böses böses Zynga, aber dämliche dämliche Spieler, die so lapidar mit wirklich wichtigen eigenen Infos umgehen. Einfach mal in den Spiegel schauen, vielleicht steht ja dann doch Idiot auf der Stirn.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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