Gedanken-Tüdelüt (01): Ich und die Verkaufstante vom Telefon

Gedanken-Tüdelüt (01): Ich und die Verkaufstante vom Telefon

Und damit wären wir wohl bei der auffälligsten Neuerung, die ich bereits in der Wochenzusammenfassung kurz angerissen habe: noch mehr Quatsch von mir, weniger Quatsch von anderen. Dieter Nuhr hat zwar mal sehr weise gesagt, dass jeder gern eine eigene Meinung haben darf, aber nicht jeder sie auch direkt aussprechen muss. Definitiv wahre Worte, an die ich mich gern auch im großen Maße halte (was soll ich denn anderen meine Meinung aufdrücken, wenn sie nicht danach fragen? Bin ich AfD-Vorstand oder was?), auf der anderen Seite lebt so eine Seite ja auch hauptsächlich von den Menschen, die den lieben langen Tag auf ihren Bildschirm starren und in die Tasten hauen, damit ihr kleinen Schweinchen was zu lesen habt. Außerdem kommt man ja gar nicht drumherum, sich automatisch über all die Sachen, die man liest und hört, Gedanken zu machen – außer natürlich man verbringt den Großteil seines Lebens mit dem Fernsehprogramm von RTL, aber mei – solln se halt machen. Jeder wie er mag.

Gedanken-Tüdelüt (01): Ich und die Verkaufstante vom Telefon

Ich bin mir noch nicht so ganz klar, welche Themen hier überhaupt Platz finden (oder gar gewollt werden?), ob es Sinn macht, vielleicht mal politische Themen anzureißen oder einfach nur der übliche Nonsens, der mir so wiederfährt. Vielleicht ist das aber auch eine der wenigen, wirklich guten Gelegenheiten um mal völlig frei von irgendwas drauf loszuschreiben. Lets give it a try wie der schlechtgelaunte Angelsachse sagen würde.

Im Moment geht mir eine Dame aus München gehörig auf den Sack, wobei im Moment gar nicht richtig ist – das tut sie schon seit über einem Jahr. Anfang 2015 ist sie irgendwie an meine Arbeitsnummer gekommen und wollte wohl per Telefon einen fancy DDOS-Schutz verkaufen. Grundsätzlich ist das natürlich sehr nett von ihr, gerade weil DDOS-Scheiße nun mal scheiße ist. Deswegen nennt man das ja auch DDOS-Scheiße.

Wie man das als busy Geschäftsmensch aber so macht: „Das ist ja toll. Schreiben Sie mir doch gern eine Mail und ich meld mich dann bei ihnen“. Gleichzusetzen mit dem „natürlich ruf ich dich an“ nach dem Date, während man in Gedanken bereits den Antrag auf Namensänderung ausfüllt und überlegt, was man alles für die Ausreise nach „Ganz weit weg“ so braucht.

Besagte E-Mail kam dann auch, war mir natürlich viel zu lang und schlummert jetzt mit dem Label „Später“ irgendwo in meinem Posteingang. Ich war ja schließlich aus dem Schneider, immerhin würde ICH mich ja melden.

Gedanken-Tüdelüt (01): Ich und die Verkaufstante vom Telefon

Denkste.

Seit dem hab ich am Tag 4 bis 28 Anrufe aus München, alle unbeantwortet, teilweise weg geklickt, teilweise auf stumm gestellt – aber NIEMALS NIE ein Wort gewechselt. Was mich nun zu folgenden Schlüssen kommen lässt:

1. Besagte Mitarbeiterin scheint definitiv zu viel Zeit zu haben, was gerade ihr Chef im Hinblick auf effizient genutzte Arbeitszeit mal dringlichst überdenken sollte.
2. Besagte Mitarbeiterin hat definitiv ein Problem mit Ablehnung, was ich natürlich sehr schade für sie finde – ABER ICH WILL DEN MIST NICHT KAUFEN!!!111
3. Besagte Mitarbeiterin ist dafür aber ziemlich schmerzbefreit
4. Besagte Mitarbeiterin kann sich definitiv nicht vorwerfen lassen, sie würde nicht am Ball bleiben – wenn sie den Abschluss will, setzt sie alles, aber auch einfach alles daran, ihn zu bekommen
5. wahrscheinlich werd ich schlichtweg kündigen müssen, um sie jemals wieder loszuwerden

Nun könnte man sich fragen, warum ich denn nicht einfach rangehe und ihr sage, dass sie das doch bitte endlich mal unterlassen soll. Spart ja nicht nur meine Zeit, sondern auch ihre. Nun, ich hoffe immer noch auf den gesunden Menschenverstand. Leute anrufen, die seit über einem Jahr jegliches Gespräch verweigern (und auch nicht mal per E-Mail nachfragen, was denn los ist), wird halt irgendwann sehr lächerlich. Darüber hinaus haben wir mittlerweile einen Grad erreicht, bei dem ich – selbst wenn ich wöllte (!) – nicht mehr ansatzweise freundlich bleiben könnte. Und ob mein Gewissen damit klar kommt, dass ich der erste Mensch wäre, der seinen Gesprächspartner physisch durch ein Telefon gezogen hätte, will ich (noch) nicht heraus finden.

First World Problem? Ja, natürlich. Aber irgendwas ist halt immer.

Und vielleicht sitzt in München jetzt irgendwo eine Mitarbeiterin, die seit einem Jahr so einen Spacko in Hamburg jeden Tag mehrfach anruft und sich auf ihrem Blog darüber auslässt, was für ein ungezogener Flegel das doch wohl sein muss.

[Schreibtisch– und Telefon-Tanten-Bild via shutterstock]

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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