Gedanken-Tüdelüt (02): Die Kinder über uns

Gedanken-Tüdelüt (02): Die Kinder über uns

Seit keine Ahnung wie viel Monaten ist über uns eine neue Mieterin eingezogen. Eigentlich eine sehr nette Person, die sich auch prompt vorgestellt hat und auch sonst eher unauffällig ihr Dasein fristet – genau wie wir und entsprechend sympathisch. Das Problem allerdings: diese Mieterin ist Mutter. Eigentlich auch nicht schlimm, schaut man sich die Geburtenraten der vergangenen Jahre an, ist das pro-aktive Mitwirken am Populationsanstieg absolut zu begrüßen – finden nicht zuletzt auch die AfD-Wähler, die ja gar nicht mehr ruhig schlafen können wegen ihrer Angst, dass das deutsche Volk bald aussterben wird. Warum pimpern die eigentlich nich wie die Karnickel? Oh Moment … noch mehr Nazis braucht die Welt ja auch nicht.

Eigentlich ist das Problem auch nicht die Mutter, sondern ihre Kinder. Zwei Stück davon hat sie in die Welt gesetzt und ich bin sicher, es gab eine Zeit, da war das richtig toll – nur wir haben sie nicht miterlebt. Stattdessen ein Getrampel und Gehüpfe, dass gern mal um 7:30 Uhr am Samstag beginnt und merkwürdigerweise auch nach 20 Uhr noch nicht vorbei ist. Keine Ahnung, aber als ich noch Kind war, war nach dem Sandmann Schicht im Schacht. Decke übern Kopf und dann ist Ruhe – denn was bei Vögeln funktioniert, funktionierte damals auch bei Kindern. Oder so.

Gedanken-Tüdelüt (02): Die Kinder über uns

Ein bisschen Mitleid hab ich mit ihrer Mutter allerdings schon – allein wenn sie mit ihren Kids abends mit dem Fahrrad nach Hause kommt (oder auch am Wochenende morgens loszieht), scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Es gab nicht ein einziges Mal, wo das Anschließen des Fahrrads und das Betreten des Treppenhauses unter einer halben Stunde zu schaffen war.

Line hat extra vor dem Beitrag gesagt, ich soll nicht zu hart sein, also versuch ich es positiv zu sehen: die Lampen an der Decke halten locker ein Erdbeben der Stufe 4 aus. Großes Gewackel, aber sie hängen nach wie vor. Und auch der Hängeschrank in der Küche, der seit Anbringung dank der Altbauwände schon immer einen recht flexiblen Eindruck machte, hat seinen Bestimmungsort noch nicht verlassen.

Wir haben sogar neue Lautstärkestufen bei unserem Fernseher entdeckt – was war das nicht für eine freudige Überraschung, wie laut das Ding doch werden kann.

Gedanken-Tüdelüt (02): Die Kinder über uns

Irgendwie ist es ja auch ganz beruhigend, wenn man im Leben etwas hat, worauf man sich freuen kann. Selbst wenn es nur die Terrorkids sind, die alle zwei Wochen bei ihrer Mutter sind (die man im übrigen NIEMALS hört). Konstanz ist im Leben schließlich wichtig.

Bevor kluge Ratschläge kommen, ich hab mich bereits informiert – man muss sowas als Mieter aushalten. Da ist der Gesetzgeber knallhart. Auch hier die positive Sicht: ein kostenloses Survival-Training alle zwei Wochen, bei dem das Nervenkostüm aufs Härteste geprüft wird, ist ja auch nicht zu verachten.

Aber ernsthaft: wenn die Kinder mal wieder über den Flur rennen und ich mir wünsche, dass sie doch bitte hinfallen mögen (vielleicht sogar so sehr, dass ein Krankenhausbesuch nötig wird, einfach nur um mal ein paar Stunden Ruhe zu haben), ist das ok. Wenn sich Line das aber auch wünscht, dann will das schon was heißen. Und das alles, nachdem ich mittlerweile Kinder eigentlich auch ganz okay finde – aber so manches Mal schmeißt sich der liebe Gott mit dem Karma halt zusammen und prüft einen bis ins Knochenmark. Das Leben ist eben eines der Härtesten.

[Tee-, Mutter- und Terror-Kind-Bild via shutterstock]

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Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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