Gedanken-Tüdelüt (08): Bürokratie – Die Pest des Alltags

Gedanken-Tüdelüt (08): Bürokratie - Die Pest des Alltags

Lasst uns über Bürokratie reden. Bzw. lasst uns lieber nicht Bürokratie reden, denn vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, diese Alltags-Pest endlich mal loszuwerden. Die Bürokratie ist eine regelrechte Krankheit, die recht schnell und dennoch schleichend EInzug halten kann. Ich glaube, dass Bürokratie deswegen entsteht, weil irgendwelche Nasen (ich im übrigen auch – ihr glaubt gar nicht, wie erschreckend das ist, wenn man sich selbst dabei erwischt, wie man Bürokratie praktiziert. Dagegen ist sogar das Überqueren der Straße bei roter Ampel ein Scheißdreck gegen) Regeln aufstellen und diese immer und immer wieder modifziert und angeglichen werden müssen.

Mir wird das besonders immer wieder bewusst, wenn ich die monatliche Buchhaltung für dieses bisschen Internetspeicherplatz machen muss. Belege und Rechnungen zusammenpuzzlen und alles in mein Tool – Fastbill – reinhämmern. Eigentlich eine gute Tat, schließlich bekomm ich nur darüber einen einigermaßen guten Überblick, wann denn der finanziell Konkurs endlich ansteht, gleichzeitig freut sich mein Steuerberater, dass alles ganz wunderbar nach Farben und Tönen sortiert ist.

Aber bereits beim Erfassen von Eingangs- und Ausgangsrechnung geht der Dreck schon los, denn bei jedem Beleg muss ich eine Kategorie angeben, die sich anschließend um die Versteuerung kümmert. Kleinstunternehmerregelung, 7% oder 19% Mehrwertsteuer, steuerfreier Umsatz oder steuerfreier innergemeinschaftlicher Umsatz nach $dreihundertdrölf Absatz keine Ahnung Punkt Nazikommunisten. Kein Mensch weiß, was sich dahinter verbirgt, außer natürlich er hat Steuerrecht im Master studiert, wohnt im Wald und kennt kein Internet – genau dann weiß man natürlich, was dieses Kauderwelch zu bedeuten hat. Aber doch nicht als kleiner Blogger, der den ganzen Mist sowieso nur machen muss, weil das Finanzamt dann nicht nur 90% der Einnahmen einkassieren will, sondern gleich die nächsten 3 Generationen an Nachkommen inkl. Hund.

Gedanken-Tüdelüt (08): Bürokratie - Die Pest des Alltags

Anderes Beispiel, mit dem ich mich gerade rumärgern muss: Arbeitslosengeld inkl. Nebengewerbe. Natürlich darf man auch bei Bezug von Arbeitslosengeld ein Nebengewerbe ausführen, ist ja auch nur vernünftig, wenn man nicht auf der faulen Haut rumliegt und sich vom Nachmittagsfernsehprogramm berieseln lässt – allein schon aus gesundheitlichen Gründen. Aber auch hier gibt es wieder Fallstricke, denn in der einfachsten Version darf man nur 165€ dazu verdienen. Warum das nun ausgerechnet der Betrag ist und warum der vor allem unabhängig von der Höhe des Arbeitslosengeldes festgelegt ist, kann ich nicht beantworten – dürften auch nur Menschen wissen, die zusammen mit den Steuerrechtsprofis im Wald wohnen.

Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen, denn offenbar gibt es Freibeträge, je nachdem, wann man das Nebengewerbe angefangen hat – mindestens 12 Monate vorher muss es wohl sein und idealerweise durchgehend betrieben. Denn – und das ist auf wieder eine ganz faire Nummer – hat man Pause dazwischen gemacht (warum auch immer), wird die Zeit dennoch berücksichtigt. Verdient also einer 12 Monate lang immer 500€ nebenher (insgesamt also 6.000€), darf er die auch bei Arbeitslosigkeit behalten. Hat er aber von den 12 Monaten 3 Monate Pause gemacht, weil vielleicht krank oder keine Lust oder weißdergeierwas, sprechen wir am Ende von insgesamt 4.500€. Für den Freibetrag werden aber dennoch 12 Monate herangezogen, sodass sich für den einzelnen Monat nur noch 375€ ergeben.

Gedanken-Tüdelüt (08): Bürokratie - Die Pest des Alltags

Sind nur 125€ weniger? Stimmt. Aber nehmen wir einfach mal an, dass dieser Mensch durch die Arbeitslosigkeit nun mehr Zeit für sein Nebengewerbe hat und ordentlich aufdrehen will. Er verdient mehr, freut sich, dass er erfolgreich ist – und darf alles über die 375€ abdrücken. Sinnlos? Klingt so. Demotivierend? Definitiv.

„Aber er kann sich doch einfach selbstständig machen“ ruft es aus dem Steuerprofiwäldchen. Natürlich kann er das. Aber direkt neben dem Wald wartet schon wieder das Bürokratiemonster, dass mit noch mehr Paragraphen um sich spuckt und so eine Selbstständigkeit ohne finanzielle Basis im Vornherein nahezu unmöglich macht.

Das zumindest ist mein Eindruck von diesem Land und natürlich nervt das mehr als Filzläuse (glaub ich, in den Genuss bin ich selbst noch nicht gekommen). Und dann wundert sich das Land über die sozialen Missstände an der nächsten Ecke. Merkste selbst ne?

Vielleicht ist das aber alles auch viel einfacher und ich blick es einfach nicht. Wobei das ja auch schon wieder ein Anzeichen dafür ist, dass es zu kompliziert für den Ottodurchschnittsidioten ist.

[Papierberg-, Bürokratiehengst– und Idiot-Bild via shutterstock ]

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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