Gedanken-Tüdelüt (17): Die Sache mit dem Urlaub

Gedanken-Tüdelüt (17): Die Sache mit dem Urlaub
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In ein paar Tagen ist es wieder so weit und wir gönnen uns eine kleine Auszeit – der Ottonormalmensch nennt sowas „Urlaub“. Eine entspannende Erfindung, die dazu dient, den Akku wieder aufzuladen, die Möglichkeit gibt, neue entfernte Orte kennenzulernen, vielleicht sogar andere Kulturen und einfach mal was anderes zu machen, als nur dumm rumzuarbeiten. So gesehen also eigentlich eine gute Sache.

Aber irgendwie bin ich nicht der Urlaubsmensch. Denn Urlaub bedeutet für mich in erster Linie Stress und das geht bereits bei der

Vorbereitung

los. Ich war damals sehr dankbar, dass sich Line komplett um den London-Urlaub gekümmert hat (was sie übrigens sehr gut gemacht hat), denn diese ganze Planung im Vorfeld kann schon sehr nerven. Recherchieren, Rahmenprogramm basteln und dann am besten auch noch auf alle Unwegbarkeiten vorbereitet sein – gerade beim Thema Wetter ist die Entschärfung einer Bombe aus dem 2. Weltkrieg mit weniger Risiko behaftet – fühlt sich nicht nur wie Arbeit an, sondern ist in den meisten Fällen auch genau das, was man während der Arbeit macht.

Dazu kommt, dass nicht nur der Urlaub vorbereitet werden will, natürlich muss diese kleine Pupsseite hier auch irgendwie weiterlaufen. Klar, man könnte einfach alles liegen lassen, aber das fühlt sich am Ende nicht richtig an. Also heißt es Blogartikel vorschreiben, vielleicht Urlaubsvertretungen suchen (funktioniert in den meisten Fällen nicht sonderlich gut) und vor allem Themen finden, die einigermaßen zeitlos und trotzdem spannend, interessant und/oder lustig sind. Was bei diesem schnelllebigen Internet sowieso schon immer so eine Sache ist.

Fast zum Schluss sind dann da noch die typischen Reisevorbereitungen, Tasche packen und all so ein Kram. Wir machen das mittlerweile mit handgeschriebenen Packlisten, was auch ziemlich gut funktioniert – aber irgdnwas vergisst man dann doch wieder und natürlich ist das immer irgendwas, was tatsächlich wichtig ist. Und selbst wenn man nichts vergisst, ist da noch immer dieses Gefühl, dass man eben doch etwas vergessen hat – das im übrigen direkt neben dem Gefühl schläft, dass sich einen fragen lässt, ob man Kaffeemaschine und Herd ausgeschaltet hat (auch wenn man den Herd niemals benutzt).

Hat man sich dann irgendwie doch einigermaßen erfolgreich durch die Vorbereitungen gekämpft, geht es direkt mit der

Anreise

weiter. Löst bei mir in der Regel genauso viel Stress aus, gerade wenn es mit dem Flugzeug zu tun hat. Im Grunde hab ich nichts gegens Fliegen, solange ich es vermeiden kann – mir missfällt einfach der Gedanke, dass ich mich komplett auf andere Menschen und Maschine verlassen muss, genauso wie auf das Wetter. Und wie geil das dieses Jahr funktioniert, wissen wir – hier kommt ja nicht mal ein richtiger Sommer zu Stande.

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Und selbst wenn es nicht mit dem Flugzeug in den Urlaub geht, sondern mit dem Auto – wer darf dann fahren? Klar, ich. Was natürlich auch Spaß macht, aber eben nicht mehrere Stunden am Stück.

Bleibt am Ende noch der Zug, aber wie nervig die Bahn teilweise werden kann, wissen wir ebenfalls alle – genauso will das Gepäck ja erstmal zum Bahnhof geschleppt werden, ebenso in den Zug und irgendwann wieder vom Zielbahnhof weg. Hat man all das aber auf sehr wundersame und übermenschliche Weise geschafft, kann er endlich losgehen, der

Eigentliche Urlaub

Wäre da nicht – wie bereits angesprochen – das miserable Wetter, dass einem immer heimtücksich auflauert. Doof, wer da keinen Plan für hat und bei der Vorbereitung schluderte. Aber selbst wenn das Wetter passt, gibt es bei uns irgendwie immer nur zwei Extreme: entweder den ganzen Tag rumlatschen und Zeug anschauen oder den ganzen Tag nur rumgammeln, vorzugsweise am Strand.

Klar, kann das erholsam sein, aber ich bin einfach nicht der Typ dafür. Ich muss immer irgendeinen Kram machen, irgendwas gucken, irgendwie auf dem Smartphone/iPad rumtippen und irgendwelche News lesen oder Seiten checken. Einfach NUR rumliegen und nichts machen kann ich zwar auch – nennt sich dann aber Schlafen.

Auch das andere extrem muss nicht sein, denn den ganzen Tag rumlaufen und irgendwelche Gebäude anschauen hat halt auch nur einen Unterhaltungsgrad von Pudding. Kann gut sein, aber nicht sehr lange. Da kommt dann das Eichhörnchen in mir hervor mit seiner bekanntlich eigenartigen Aufmerksamkeitsspanne.

Wahrscheinlich ist das alles einfach nur eine riesengroße Macke von mir. Urlaub ist für mich eben nicht nur am Strand rumliegen, nicht nur irgendwelche Städte in Grund und Boden laufen und auch nicht unbedingt total weite Orte besuchen. Allein wenn ich daran denke, was das alles kostet und wie vergänglich das doch ist, geb ich Geld lieber für Kram aus, den ich anfassen, benutzen kann und von dem ich deutlich länger etwas hab. Technische Spielereien, für die mein Vater zu Hause schon Ärger bekommen hat und ich mittlerweile auch – die aber einfach langfristig mehr Spaß machen.

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Einfach das machen, worauf man Lust hat, die Dinge erledigen, die man schon immer erledigen wollte (und auch erledigen will), aber immer aufschieben musste – das ist Urlaub. Ich hab eigentlich schon Urlaub, wenn ich endlich die Freiheit hab, nur das machen zu können, was ich will. Und das darf dann gern auch mal nichts sein, nur eben nicht zu lang.

Das aber allerallerallerschlimmste ist: wenn wir dann erstmal im Urlaub sind, ist es doch wieder ganz schön. Und das ist dann auch der Moment, an dem ich sagen darf/kann/muss, dass ich sehr dankbar bin, dass Line das alles mitmacht. Ist nicht so einfach, wenn der Freund in so einem Punkt echt nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Aber irgendwas ist ja immer.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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