Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung – Ein Ausflug zum Fährmanssand

Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung - Ein Ausflug zum Fährmanssand

Schon seit Jahren hört man immer wieder an irgendeiner Ecke jemanden schreien, dass Entschleunigung gerade in unserer heutigen Zeit gar nicht genug geschätzt werden kann. Tausende E-Mails, die uns jeden Tag den Posteingang verstopfen, eine unwichtiger als die andere. Dazu Millionen von Tweets, Milliarden von Facebook-Updates und die hiesigen Nachrichtenapps schubsen auch eine „Eilmeldung“ nach der anderen auf das Smartphone. Die ständige Erreichbarkeit ist Fluch und Segen zugleich.

Wer hier das Gefühl hat, dass selbst die unwichtigen Sachen mittlerweile als wichtig eingestuft werden, liegt nicht so falsch – man muss sich nur mal die Eilmeldungen von Focus und Spiegel anschauen und ehrlich reflektieren, ob diese Infos das eigene Dasein tatsächlich bereichern. Bei der ganzen Informationsflut wird es aber auch wirklich schwierig, selbst zu erkennen, was wichtig ist, was vielleicht einfach nur interessant und was man tatsächlich auch ruhig hätte nicht wissen müssen.

Vielleicht ist aber auch gar nicht die schiere Masse das Problem, sondern nur der Indikator, der zeigt, dass wir mit etwas anderem Schwierigkeiten haben: der Priorisierung. Jeder muss am Ende für sich selbst entscheiden, was für ihn wichtig ist und was er ignorieren kann. Sicher, keine einfache Aufgabe, die irgendwie auch nie zu enden scheint – der einfache Weg scheint hier wirklich, einfach alles mitzunehmen, was da ist. Doof nur, dass sowohl Akkus (technische als auch menschliche) als auch Aufnahmefähigkeiten begrenzt sind.

Vor einer Weile wurde ich auf den Namen dieser kleinen Seite angesprochen mit dem offensichtlichen Tipp, dass er sich doch perfekt dazu eignet, Restaurants, Locations, Events und sonstige Ausflugsziele zu besprechen. Warum also nicht einfach mal machen, besonders wenn es hier gerade zum Thema passt?

Und so haben wir im Sinne der Entschleunigung einfach mal an einem Nachmittag Kamera und Regenjacke eingepackt und sind zum Fährmanssand gefahren.

Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung - Ein Ausflug zum Fährmanssand

Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung - Ein Ausflug zum Fährmanssand

Der Fährmanssand war ursprünglich eine Elbinsel westlich von Wedel und somit auch , mittlerweile steht der Name für das Gehöft mit Gaststätte, das dort beheimatet ist. Was man dort findet, ist eigentlich nicht viel: natürlich das Gehöft nebst Gasthof und ansonsten nur Deich. Aber eine Wucht von einem Deich. Denn das eigentlich Coole ist, dass man nicht nur auf dem Deich herrlich rumlaufen kann, sondern schlichtweg die ganze Zeit von Schafen umgeben ist. Die grasen dort fröhlich vor sich hin und kümmern sich nicht um die Besucher. Gerade in einer Großstadt wie Hamburg gibt es vermutlich keinen näher gelegenen Ort, an dem man so „im Einklang mit der Natur“ seine Zeit verbringen kann.

Alle paar Meter steht dann auch mal eine Bank für kurze Ruhepausen, ansonsten Landschaft soweit das Auge reicht. Und vor allem: Ruhe. Fairerweise muss man sagen, dass die Schafe natürlich so ziemlich alles vollkacken, was unter ihnen ist – das beste Schuhwerk sollte also zu Hause bleiben. Wer aber ein bisschen das Gefühl von Norddeutschland, Küste und Natur inhalieren will, wird hier recht schnell glücklich werden. Grün soweit das Auge reicht, hier und da ein Schafsgeblök und bei passendem Wetter jede Menge Sonne.

Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung - Ein Ausflug zum Fährmanssand

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Im Gasthof selbst waren wir tatsächlich nicht, haben aber einen kurzen Blick auf die Karte geworfen. Tagessuppe für 3,50€, Rühreier mit Bratkartoffeln gibt es für 7€, Kännchen Kaffee für 3€ – es schwankt also zwischen okay und „ernsthaft?“. Käse-, Schinken- und Leberwurstbrot gibt es saisonbedingt, ich vermute, dass hier die eigenen Tiere verwendet werden, was immerhin den Preis einigermaßen rechtfertigen würde.

Gedanken-Tüdelüt (23): Die Sache mit der Entschleunigung - Ein Ausflug zum Fährmanssand

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Was ich damit sagen will

Diese Entschleunigung ist tatsächlich eine gute Sache. Es muss ja nicht immer gleich ein Sabbatical sein, aber so ein kleiner Ausflug am Nachmittag (und seien es einfach nur zwei Stunden auf dem Deich stehen), können nicht nur sehr entspannend sein, sondern einen auch wieder auf das Wesentliche konzentrieren lassen. Am besten lässt man das Smartphone einfach mal im Auto liegen, steigt den Deich hoch und guckt den Schafen beim Grasen zu. Denn ohne Internet und Co. wirken die eigentlich auch ganz glücklich.

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Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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