Gedanken-Tüdelüt (26): Günther Oettinger – Ist der Kunst oder kann der weg?

Gedanken-Tüdelüt (26): Günther Oettinger - Ist der Kunst oder kann der weg?
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Ih, schon wieder Politik. Ja, weiß ich – aber eben auch eine lustige, zumindest wenn es nicht so traurig wär. Vor einiger Zeit kam von der EU-Politik eigentlich ein sehr geiler Vorschlag, der da besagte: Roaming-Gebühren sind der letzte Mist, lasst uns die doch mal abschaffen. „Geil“ dachten sich die Leute, denn endlich konnte man auch im Ausland mit der Familie zu Hause telefonieren oder zumindest mal eine SMS schicken, ohne dass dabei die komplette Altersvorsorge draufgeht.

Wie komfortabel das sein kann (und vor allem auch wichtig), habe ich in den letzten Jahren selbst gemerkt. Für unseren Türkei-Urlaub habe ich mir damals extra noch eine Sim-Karte besorgen müssen, damit wir auch vor Ort ein wenig mobil sind. Nicht um Mutti zu erzählen, wie unfassbar warm das dort ist, sondern vielmehr weil Google Maps in einem fremden Land definitiv nicht verkehrt ist. Das hat auch ziemlich okay geklappt – nur war das Datenvolumen eben stark begrenzt, die Kosten jetzt auch nicht wirklich schmal und natürlich war ich für Notfälle und Co. über meine normale Nummer nicht erreichbar. In Zeiten von WhatsApp mag das okay sein, wirklich schön ist es dennoch nicht.

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Vor einem Jahr hab ich mir dann mal einen Telekom-Vertrag gegönnt. Zum einen weil die Netzabdeckung von o2 – bei denen ich wirklich extrem lang war – in Hamburg teilweise extrem schlecht ist (ey, am Hauptbahnhof kein Empfang? AM HAUPTBAHNHOF?), zum anderen musste ich berufsbedingt deutlich häufiger telefonieren. Da wir im Büro nur Telefone mit Schnur hatten, musste also was fürs Smartphone her. Gern auch mit dickem Datenpaket, schließlich will ich Spotify und Online-Radio auf dem Weg zur und von der Arbeit weg hören und dabei nicht ständig in Angst leben, dass mich die Drosselmafia ins Jahr 1991 in Sachen Geschwindigkeit katapultiert. Also hab ich mit den Complete XXXXXXXXXL-Tarif gegönnt, der im Monat wirklich schweine-teuer ist.

Für unseren kleinen London-Trip hat sich das aber schon allemal gelohnt, denn dank dem Telekom-Vertrag konnte ich auch im Großen Britannien ohne Einschränkungen mein Smartphone weiter nutzen – geil. So muss das, so fühlt sich Europa doch genau nach dem an, was es eigentlich gern sein möchte. Eine Einheit. Auch beim Smartphone.

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Mittlerweile wissen wir, dass die Briten da kein Bock mehr drauf haben und auch das der Wegfall der Roaming-Gebühren eine ziemliche Mogelpackung ist. Ehrlicherweise muss man sagen: das war ja fast schon zu erwarten – die Lobbyisten sollen schließlich für ihr Geld arbeiten und den großen Konzernen die Gewinne sichern. Man möge sich nur mal vorstellen, die Kunden würden plötzlich zu einem Anbieter aus dem Ausland greifen, der mehr Datenvolumen zu einem kleineren Preis ermöglicht. Und dafür auch noch unsere heimischen Netze nutzt. Wo kommen wir denn da hin?

Günther Oettinger, der fleischgewordene Internet-Beauftragte der EU, dem die Kompetenz vor lauter Kompetenzigkeit schon aus der Nase läuft, hat dafür kein Verständnis. Aber immerhin eine Erklärung, die so schlüssig ist, dass selbst die Erdbeer-Käse-Tante dem nur zustimmen kann:

Hab ich das nun wirklich richtig verstanden? Wenn der französische Anbieter mir ermöglicht, dass ich seinen günstigen Tarif nutze, er aber rote Zahlen aufgrund der Einkaufspreise für den deutschen Markt schreibt – dann ist das meine Schuld? OH – MEIN – GOTT, ich hatte ja keine Ahnung, was für eine Verantwortung auf mir lastet. Und auf euch. Auf uns alle!!!111 Was fällt euch eigentlich ein, dass ihr Kosten sparen wollt? Wisst ihr denn nicht, was ihr damit anrichtet?

Gut, man könnte nun glauben, dass nahezu jeder Geschäftsführer darauf bedacht ist, eben genau keine roten Zahlen zu schreiben. Vielleicht könnte man sogar auf die Idee kommen, dass dieser Geschäftsführer bei seinem Angebot genau bedacht hat, dass er Einkaufspreise in ausländischen Märkten berücksichtigen muss. Vielleicht kommt man sogar noch auf die Idee, dass es sich finanziell trotzdem lohnen würde – sowohl für die Firma als auch den Endkunden.

Muss man ja aber zum Glück nicht, denn der Regulierer achtet penibel darauf, dass der Verbraucher nicht unnötig viel bezahlen muss und die Gewinne nicht höher als notwendig sind – übrigens mein Lieblingssatz. Denn auch hier muss man Fragen: wo kommen wir denn da hin, wenn der Verbraucher plötzlich selbst anfängt, Preise zu vergleichen, nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland?

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Ich weiß wirklich nicht, wie Günther Oettinger an seinen Posten bei der EU gekommen ist, stelle es mir aber so vor, dass die Besetzung auf irgendeinem dem Flur besprochen wurde und er zufällig gerade aus dem Klo kam.

„Ey Günni, was machstn hier?“
„Ich war gerade auf Klo, aber die Handtücher sind alle“
„Ah, ärgerlich. Sag mal, wo ich dich hier gerade sehe: kennste dich mit dem Internet aus?“
„Ich hab E-Mails. Also eigentlich, aber ich find die AOL-CD nicht mehr.“
„Klasse, ich hätt da was für dich“

Uff. Einfach nur uff.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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