Gute Idee schlecht umgesetzt

Viele haben es ja schon gesehen: den neuen Wahlwerbespot, der alle Wahlbeteiligten dazu auffordern soll, Wählen zu gehen. Unter anderem sieht man dort Sandra Maischberger, Jan Hofer, aber auch den Koch Zacherl, Patrice und Mike Krüger. Ursprünglich soll auf ironische Weise darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Leute wählen gehen sollen, wenn sie denn etwas verändern wollen bzw. politisch aktiv werden, um ihre Vorstellungen umsetzen zu können.

Die Idee dafür kam aus Amerika, hier das Original-Video:

An sich finde ich die Idee sehr gut, es ist mal was anderes und vor allem kein Aufruf a la „Geh wählen, das macht man so“. Viel mehr zeigen vor allem die amerikanischen Vertreter, dass man vielleicht doch wählen gehen sollte, wenn man in dem einen oder anderen Thema mitreden möchte.

Nun die Umsetzung der deutschen. Der erste Teil ist fast identisch mit dem amerikanischen Vorbild. So weit so gut. Allerdings taucht dann schon nach den ersten Minuten das Hauptproblem auf: es gibt keine Auflösung. Der geneigte Fernsehzuschauer oder Youtube-ist schaut sich also den ersten Teil an und bekommt lediglich die Aussage serviert: Medienverrtreter gehen nicht wählen. Warum auch? Hier und da gibt es ja doch das eine oder andere „schlüssige“ Argument, dass Wählen ja nichts bringt. Natürlich gab es daraufhin Beschwerden und Proteste, einige riefen sogar im Falle Jan Hofers zum Boykott der Nachrichtensendung auf ARD auf. Wie sollte es auch anders sein?

Hier das deutsche Video:

Wie auch im amerikanischen Vorbild wird der Spot natürlich auch aufgelöst. Denn selbstverständlich gehen (fast) alle der abgebildeten Personen gehen wählen. Sollte man auch definitiv tun!

Hier der zweite Teil:

Wie bereits gesagt, die Idee find ich definitiv gut. Aber vergleicht man nun die beiden Videos, schneidet das amerikanische definitiv besser ab. Das fängt bei der Wahl der Darsteller schon an. Da gibt es einen Will Smith, einen WIll I Am und einen Leonardo DiCaprio, die Weltstars sind und zu denen Millionen von Menschen aufschauen und sie als Vorbilder haben. Richtige Weltstars, die definitiv mit ihrer Meinung viele viele andere Beeinflussen.

Und auf deutscher Seite? Jan Hofer, Sandra Maischberger, Sarah Kuttner, Markus Kafka und Sascha Lobo stellen speziell für mich noch die größten Meinungsbildner in dem Video dar. Der Rest, so leid es mir tut, fällt zumindest für mich unter B-Prominenz und wenig politisch engagiert bzw. würde ich sagen, dass nach den 5 erstgenannten die politische Präsenz stark abflacht.

Dazu die Auflösung: im amerikanischen Clip wird ein Tenor angeschlagen, der zusammengefasst sagt: wenn du dich für dies und das interessierst, solltest du vielleicht doch wählen gehen. Im deutschen Clip: irgendwas is da mit dem Konzept falsch gelaufen, jetzt sagen alle am Ende doch mal ihre ehrliche Meinung. Da ist der Schlusssatz von Frau Maischberger noch am … ich würd fast sagen sympathisch … : „na weils beschissen ist nicht wählen zu gehen“.

Kurz um: die Idee ist verdammt gut, von den Amerikanern auch einigermaßen gut umgesetzt, vor allem was den Aufbau und die Argumentation sowie die Auswahl der Darsteller angeht. Von den Deutschen leider nur schlecht kopiert, wenig wirkliche Meinungsbildner eingesetzt und reicht leider mit der Auflösung nicht an das Original heran. Wirklich Schade eigentlich.

Aber ein Gutes hat die Ganze Sache dann doch: das hat wieder für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, dass bei dem Einen oder Anderen doch noch die eigentliche Botschaft hängen bleibt. Nämlich wählen zu gehen.

Ich geh wählen. Auch ohne Wahlwerbespot.

In diesem Sinne
Bless

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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