Menschen – :: Was is hier eigentlich los :: https://www.wihel.de Entertainment, LifeStyle, Gadgets, Kultur und ein bisschen WTF Sun, 30 Aug 2020 13:35:29 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.1 Wie ein Typ mit Kindern umgeht, die in seiner Einfahrt spielen https://www.wihel.de/wie-ein-typ-mit-kindern-umgeht-die-in-seiner-einfahrt-spielen/ https://www.wihel.de/wie-ein-typ-mit-kindern-umgeht-die-in-seiner-einfahrt-spielen/#comments Mon, 31 Aug 2020 14:27:18 +0000 https://www.wihel.de/?p=103555 Wie ein Typ mit Kindern umgeht, die in seiner Einfahrt spielen | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich kann und will mich absolut nicht davon freisprechen, dass der Alman in mir relativ groß ist, zumindest was bestimmte Verhaltensweisen angeht. Ich bin einer der größten Parknazis der Welt, was ich schon öfter mal in diversen Beiträgen kund getan hab und auch wenn mir klar ist, dass eingezeichnete Linien nur eine Art Empfehlung und keine Anordnung sind, platzt mir doch jedes Mal der Arsch, wenn ich sehe, wie rücksichtslos manche Leute parken. Denn darum geht es ja eigentlich:

Da hat sich jemand Gedanken gemacht, wie man den Platz optimal nutzen kann und damit alle von diesem Wissen profitieren, hat derjenige Linien auf den Boden gezeichnet. Macht jeder mit, ist das eine tolle Win-Win-Situation – außer halt, wenn Jürgen kommt und einfach viel zu dumm ist, um Rücksicht auf andere zu nehmen. Aber wehe, du parkst dann zu dicht an seinem Wagen, dann bricht der 3. Weltkrieg aus.

Ähnliches Prinzip: unsere verhassten Nachbarn unter uns, die eigentlich von niemandem wirklich gemocht werden (sie werden toleriert und das ist für mich eigentlich die schönste Beleidigung überhaupt) haben das Glück und besitzen eine Garage. Die kostet nicht viel, die Anzahl ist stark begrenzt, sodass man sich lediglich auf eine Warteliste setzen lassen kann, wenn man auch eine möchte. Und trotz Besitz dieser Garage fährt der Typ seine Karre regelmäßig morgens aus der Garage, blockiert damit einen der freien Parkplätze – die halt vornehmlich für die Leute gedacht sind, die KEINE Garage besitzen – und lässt das scheiß Ding dort den ganzen Tag stehen. Und warum? Weil er abends mal für 10 Minuten seine Olle rumfahren muss. Ich hasse Menschen. Nicht alle, aber die meisten.

Dabei kann es auch so leicht anders gehen – in dem man Rücksicht nimmt und nicht nur an seinen eigenen Arsch denkt. Schließlich hört die eigene Freiheit da auf, wo die der anderen anfängt. Und es ist auch nicht besonders schwer, anderen Leuten etwas Gutes zu tun – so wie er das hier macht.

Ich glaube, sein Name ist Dave und Dave beobachtete regelmäßig, wie ein kleiner Junge mit seinem Fahrrad regelmäßig vorbei fuhr, eine Runde in seiner Einfahrt drehte und einfach wieder weg fuhr. Statt dafür zu sorgen, dass der kleine Scheißer das nie wieder macht – ist ja schließlich sein Grund und Boden – hat er stattdessen … seht einfach selbst:

Every night I would get an alert from my driveway security camera, and at first I was a bit annoyed, but then I found myself looking forward to the evening alert. And then inspiration struck, in the form of my wife giving me this great idea. What transpired has turned into the best part of an otherwise dreary pandemic summer.

So einfach und leicht kann man Menschen glücklich machen. In dem man einfach kein Arschloch ist.

Den letzten Urlaubstag sollte man ja immer besonders genießen, schließlich geht am nächsten Tag der Ernst des Lebens wieder los. Und das so richtig, denn zum einen muss man alles aufarbeiten, was liegen geblieben ist, gleichzeitig versuchen, wieder den Anschluss zu finden und nicht selten genau so weitermachen, wie man aufgehört hat. Klassische Dreifachbelastung, die dann gern auch noch mal damit garniert wird, dass man allen anderen vom Urlaub erzählen muss – obwohl man ohnehin schon keine Zeit hat.

Außer es ist Corona, dann bleibt zumindest der Smalltalk weg, was in den ersten Wochen durchaus schade war, aber gerade in dieser Situation sehr hilfreich ist. Mein letzter Urlaubstag stand nun gestern an und ich hab ihn … nicht genossen. Denn nicht nur auf der Arbeit blieb einiges liegen, sondern auch in meinem privaten E-Mail-Postfach, sowie im Feedreader und überhaupt müssen die Beiträge für den heutigen Tag ja noch vorgeschrieben werden.

Genau wie auch dieser – mit dem kleinen Unterschied, dass ich mir an meinem letzten Urlaubstag aber doch mal zwei Stunden Zeit nehme, die Füße hoch lege und Kurt Krömer sowie Gregor Gysi bei ihrem Gespräch lausche. Denn wir alle wissen ja, dass die beiden Herren nicht selten außerordentlich schlagfertig sind und überhaupt sehr gut im Reden. Ich würde sogar so weit gehen, dass Gregor Gysi ein durchaus sympathischer Typ ist, auch wenn ich mal vor Jahren einen längeren Artikel über sein Schaffen gelesen habe, bei dem er nicht sonderlich gut weg kam, gerade was sein Privatleben angeht.

Aber wer sind wir schon, dass wir aus der Ferne urteilen, sehen wir doch immer nur einen kleinen Teil des Ganzen. Nachfolgend etwas mehr, denn beide Videos ergeben zusammen irgendwas um die 2 Stunden:

Hier ist der erste Teil des Gesprächs vom 17.12.2017 in der Berliner Distel zwischen
Gregor Gysi & Kurt Krömer.
Dabei erlebt Ihr die “Berliner Schnauze” unter den Komikern nicht nur so schlagfertig, wie ihn alle kennen und lieben, sondern auch so privat wie selten, denn er erzählt Gregor Gysi Vieles aus seinem Leben, was bisher noch nicht bekannt war.

Und hier ist der zweite Teil des Gesprächs vom 17.12.2017 in der Berliner Distel zwischen
Gregor Gysi & Kurt Krömer.

Und eine kleine spontane Blogsuche zeigt dann auch, dass ich witziger Weise (mit einigen Jahren Abstand dazwischen) beide sogar zur Lage der Nation habe zu Wort kommen lassen.

Ich denke, über die Sinnhaftigkeit von Waffen brauchen wir uns nicht großartig unterhalten, ebenso wenig über die Sinnhaftigkeit des Besitzes von Waffen in privater Hand. Und wir brauchen auch nicht darüber sprechen, dass es doch viel besser wäre, wenn es gar keine Waffen auf der Welt geben würde. Ja, wäre es, aber die Menschheit ist nun mal vollständig bekloppt und irgendein Trottel schafft es immer wieder, alles mühsam aufgebaute mit Leichtigkeit und seinem Arsch wieder einzureißen. Ich mein, ich durfte mal beinahe nicht in ein Fußballstadion, weil der Ordner glaubte, ich würde mein sündhaft teures Smartphone als Wurfgeschoss verwenden wollen …

Immerhin, manch staatliche Organisation versucht immerhin ein bisschen regulierend einzugreifen und der eine oder andere hat sicher auch schon gesehen, wie Handfeuerwaffen in teils riesigen Schmelzkesseln eingeschmolzen werden. Ein bisschen beeindruckend, aber vielleicht auch einfach nur Sisyphus-Arbeit, denn es braucht ja keiner denken, dass für eine eingeschmolzene Waffe nicht mindestens zwei neue produziert werden.

Jason Young hat eine recht wortlose Dokumentation über zwei Menschen gemacht, die in den ersten Minuten des Videos sich scheinbar einfach nur dazu entschieden haben, möglichst abgeschieden und einigermaßen autark zu leben. Das ist visuell natürlich ganz große Kunst und einfach nur schön anzusehen – zum Ende hin sieht man aber, was John und Nancy Little so besonders macht und was vielleicht der eigentliche Grund für diese Dokumentation ist:

Written and directed by Jason Young (Animals, Inside Time), Gun Killers takes us into the rural, secluded paradise that retired blacksmiths John and Nancy Little call home. As the tranquil light of a typical day of harvesting vegetables descends into the night, we experience the secret work that John and Nancy are sometimes called upon to undertake for the RCMP.

Wie gesagt, irgendwo hab ich auch schon mal gesehen, wie Waffen eingeschmolzen und dadurch zerstört werden – wusste aber nicht, dass da auch im privaten Bereich heimlich (!) Privatleute mit eingespannt werden.

Ich glaube, das einzige Mal, dass ich Helge Schneider wirklich ernst erlebt hab, war in einer Doku vor ein paar Jahren, die sich um ihn gedreht hat. Da hat er ein bisschen von seiner Kindheit und seinem Zuhause erzählt und wie er zum Künstler wurde – hauptsächlich ist mir aber hängen geblieben, dass er irgendwann in seiner Schulzeit nur noch vorne ins Gebäude reingegangen und umgehend auf der Hinterseite wieder rausgegangen ist, weil … einfach kein Bock auf Schule.

Ansonsten steht Helge Schneider aber für Blödelei, vor allem aber für eine Unberechenbarkeit, die seinesgleichen sucht. In den meisten Fällen funktioniert das auch hervorragend, in seltenen Fällen denk aber auch ich mir „Wäh?“ Völlig normal, 100%ige Trefferquoten gibt es nicht.

Und dann taucht das nachfolgende Video auf, ebenso unberechenbar wie fast alles, was Helge Schneider so gemacht hat und zeigt ihn mal wieder von seiner ernsten Seite. Vor allem geht es darum, wie Künstler mit der Corona-Scheiße umgehen, was es für sie bedeutet, nicht auftreten zu können und eben auch, dass die Lockerungen, die man aktuell vorgenommen hat und demnächst vornehmen wird, nicht die ultimative Lösung für jeden sind:

Ein bisschen erschütternd. Auf der anderen Seite: Nach dem Video, letzten Freitag ist Helge Schneider dann eben doch vor leeren Rängen beim Free ESC auf ProSieben aufgetreten. Naja.

Ich hab ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Lieferfahrern: Als Kunde finde ich sie natürlich super, weil sie mir das schnell bringen, was ich kurz zuvor bestellt hab. Ebenso hab ich auch schon selbst Kuriere in Auftrag gegeben, was eigentlich unfassbar selten bis gar nicht vorkommt, aber wenn man sie denn mal braucht, sie sind sie recht schnell da und erledigen ihren Job – insofern eigentlich ganz cool und scheinbar war zumindest bis vor Corona ja auch Bedarf da, der der ganzen Branche Recht gibt.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und sich so ein Fahrradkurier mit mir die Straße teilt … das wird nicht selten kritisch, wobei ich mich hier nicht ausnehme, denn mittlerweile hat sich eine regelrechte Antipathie entwickelt. Merkwürdigerweise spielt dabei eigentlich nie eine Rolle, dass ich mit meiner Blechkiste dann doch am längeren Hebel sitze, als der Drahteselcowboy – aber nicht selten lernt man final durch Schmerzen (was natürlich nicht heißt, dass ich einen von ihnen jemals über den Haufen gefahren hätte – aber scheinbar ist das mit dem Verkehrsregeln auf dem Fahrrad noch mal eine ganz andere Herausforderung …)

Was ich damit sagen will: Eigentlich sind Lieferfahrer, ob nun auf dem Fahrrad oder im Auto oder per Flugtaxi oder was auch immer, ziemlich cool und – wenn wir den Terminus ohnehin schon einmal benutzen können – sowas wie systemrelevant, auf der anderen Seite machen sie es einem aber auch nicht immer leicht, dass man sie mögen kann.

Law Chen hat ein kleines Portrait über Lieferfahrer in Manhattan gemacht, dass nicht nur aufgrund seiner Geschichte(n) und Protagonisten toll ist, sondern auch visuell ein richtiger Augenschmaus:

A slice of life in the time of corona. Thousands of invisible front line workers risk their health every day to bring food to your couch. They aren’t just immigrants struggling to survive in New York City. They aren’t just the delivery men and women you don’t look at when you open your door. They are the backbone of this city, they are the essential. Most importantly, they are people too and they deserve our respect and recognition now more than ever. Tip generously if you’d like and give them PPE if you can.

I’ve been riding alongside couriers and messengers in the city for a decade. In the past, I’ve been mistaken as a delivery biker whenever I carry any sort of bag even in my own building, probably because I’m asian. That used to annoy me, but now I realize they’re more needed than most of us.

Gestern bereits versprochen, heute direkt geliefert: Eine Doku, die sich mal nicht im Corona und Co. dreht, wenngleich die aktuelle Situation einen Anteil hat, dass wir Zuhause die eine oder andere Doku mehr schauen. So hab ich mich am Wochenende mal hingesetzt und bin die eine oder andere Mediathek abgegrast, um ein bisschen Futter zu finden, dass wir uns einverleiben können, wenn wir am Wochenende mit den Lokalnachrichten durch sind, aber noch Kaffee in der Tasse ist.

Eine dieser Dokus ist die nachfolgende über Ronald Miehling, von dem zumindest wir bis zum Wochenende nichts gehört haben. Was insofern spannend ist, als dass Miehling zwischenzeitlich DER Drogenboss Hamburgs war – wenig verwunderlich bei dem Titel, haben wir doch mit Schnee in Hamburg eher selten Bekanntschaft.

Spannend dabei ist nicht nur der Werdegang Miehlings, der hier natürlich stark verkürzt dargestellt wird, sondern vor allem auch die Wiedersehen mit alten Weggefährten, was die so zu berichten und welche klugen Ratschläge sie im Nachhinein zu geben haben.

Ebenso natürlich, was Miehling rückblickend selbst zu seiner Karriere sagt und welche Zukunftspläne er hat. Um es direkt mal zusammen zu fassen: Es gibt viele Gründe, warum Klischees bis heute aufrecht erhalten werden können.

Dennoch, wie so oft bei Dokus vom NRD: Absolut sehenswert.

Ronald Miehling, genannt “Blacky”, war der “Schneekönig”, einer der größten Kokainhändler Hamburgs. Mit 17 entscheidet er sich ganz bewusst für eine Karriere als Krimineller, wird Zuhälter, Geldeintreiber, Drogenhändler. “Ich bin kriminell geworden, weil ich es so wollte, weil ich ein Abenteuer gesucht hab”, sagt er mit über 60 Jahren.

Ende der 1980er-Jahre versorgt Miehling Hamburgs Schickeria mit Kokain, handelt mit den kolumbianischen Drogenkartellen. Seine Welt teilt sich in zwei Hälften. In einer gibt es Geld, schnelle Autos und Frauen. In der anderen lauern Folter, Tod und Freiheitsentzug. Blacky wird reich. Für ein Vollbad gießt er 400 Flaschen Champagner in die Wanne. Sein wichtigster holländischer Partner wird bei lebendigem Leib mit Benzin übergossen und in Brand gesetzt.

Miehlings Geschäfte laufen lange gut. Doch die Polizei kommt ihm auf die Spur. Zwölf Einsatzwagen jagen Miehling. Die Polizei fährt BMW und Opel, Miehling einen Mercedes 500 SL. Er flieht nach Kolumbien, wird erst zwei Jahre später in Venezuela gefasst. Ronald Miehlings Vater war Polizist. Der Sohn saß fast 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis: “Mein Vater hat immer gesagt: Es ist dein Leben, und wenn du jetzt in diese Richtung gehst, dann wirst du auch irgendwann dafür bezahlen. Mit diesem Wissen habe ich es auch gemacht und ich habe auch dafür bezahlt.”

Auf seinen Freigängen trifft Miehling alte kriminelle Freunde, besucht Kurse der Agentur für Arbeit und versucht sich auf das Leben nach dem Gefängnis vorzubereiten: Wenn er jetzt noch ein einziges Mal kriminell wird, droht ihm lebenslange Haft.

Offen erzählt Miehling von seinem Leben als Drogenboss. Die Berichte der Mutter, der Freunde, ehemaliger Partner, der LKA- und BKA-Beamten, die ihn verfolgt und geschnappt haben, ergänzen Miehlings Erzählungen und verdichten sie zum einem Einblick in eine Welt, von der man sonst nur aus den Schlagzeilen erfährt.

Ein Jahr lang haben die Autoren Johannes Edelhoff und Timo Großpietsch Ronald Miehling während seines offenen Vollzugs mit der Kamera begleitet. Der Dokumentarfilm gibt eine Innensicht einer Welt, die man vielleicht ahnen kann, so aber nicht für möglich halten würde.

“Der Schneekönig” ist eine Entdeckungsreise durch die Heimat von “Blacky”, die er sich auf verschiedenen Freigängen aus dem Knast selbst wieder erschließt, das Psychogramm einer Verbrecherkarriere, ein ungeschminkter Blick in das Leben eines Mannes, der von seinen kriminellen Taten keinen Abstand nimmt und nichts bereut.

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Hamburg: Die Reeperbahn in der Corona-Krise https://www.wihel.de/hamburg-die-reeperbahn-in-der-corona-krise/ https://www.wihel.de/hamburg-die-reeperbahn-in-der-corona-krise/#comments Mon, 20 Apr 2020 10:53:58 +0000 https://www.wihel.de/?p=101294 Hamburg: Die Reeperbahn in der Corona-Krise | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich weiß, ich weiß, das Thema nervt mich auch, aber so schnell werden wir es auch mit den kommenden Lockerungen nicht los – ich geh sogar aus, dass es uns bis ins nächste Jahr begleiten wird. Und ich will auch gar nicht zu laut sagen, dass das alles ja gar nicht so schlimm ist, schließlich kümmern sich Gesundheitssystem und Politik ja (hoffentlich) nach besten Kräften, aber schaut man mal in die anderen Länder, muss man zugeben, dass es Deutschland bis hier hin gar nicht so schlecht gemacht hat.

Zumindest haben wir noch keine 22 Millionen Arbeitslose wie in den USA (WTF – das ist einfach mal ein Viertel der deutschen Bevölkerung), im Vergleich zu Spanien, Italien oder Frankreich sind die statistischen Zahlen einigermaßen okay und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es in Hokkaido die Rolle rückwärts mit erneutem Ausnahmezustand.

Was ich somit eigentlich sagen will: Irgendwie hat sich für alle beinahe alles verändert, aber es hätte noch wesentlich schlimmer kommen können. Und solange manche Leute Zeit haben, darüber zu jammern, dass Baumärkte zwar offen haben, aber Kirchen geschlossen bleiben müssen, kann es so schlimm in diesem Land nicht sein.

Der NDR war vor ein paar Wochen unterwegs und hat einen kleinen Blick auf das Leben auf der Reeperbahn geworfen – eine der belebtesten Straßen in Deutschland, die natürlich ebenso zum Erliegen kam, wie andere auch. Und auch dort zeigt sich, dass das Leben weiter geht – anders und vielleicht nicht unbedingt besser im Vergleich zu vor der Corona-Scheiße, aber eben doch irgendwie weiter.

Kleine Anmerkung noch: Ich bin ja großer Fan der NDR-Dokus und empfehle die eigentlich ausnahmslos weiter – so auch diese, aber irgendwie merkt man doch, dass sie mit recht heißer Nadel gestrickt wurde. Irgendwie fehlt da ein bisschen der rote Faden. Es gab auf jeden Fall schon bessere, nichtsdestotrotz ebenfalls sehenswert:

Eine Reportage über die wohl berühmteste Straße der Welt, die Reeperbahn. Hier – wo sonst das Leben tobt, wo Bordelle, Kneipen, Theater und Clubs rund um die Uhr geöffnet haben, steht das Leben plötzlich still. Eine historische Herausforderung für die Bewohner und Geschäftsleute – selbst in den Bombennächten im Ersten und Zweiten Weltkrieg war das nicht passiert.

Von einem Tag auf den anderen ist die wichtigste Lebensader gekappt. Die überaus außergewöhnliche soziologische und wirtschaftliche Struktur des Viertels sorgt dafür, dass seine Bewohner noch sehr viel stärker als andere an den Folgen der Corona-Pandemie leiden werden. Der Pleitegeier kreist über dem Kiez, tausende von Existenzen und Arbeitsplätzen sind auf engstem Raum bedroht, das Wort Insolvenz macht überall die Runde. Viele hier arbeiten schon in normalen Zeiten am Rande der Legalität. Fast alle leben davon, dass sich Menschen treffen, begegnen, miteinander feiern oder sich lieben. Unvorbereitet stehen jetzt viele vor dem wirtschaftlichen Aus. Dazu kommen die Menschen, die sich im Schatten der Glitzerwelt eingerichtet haben, deren soziales Umfeld die Kneipen und Bars der Straße waren, die vom Flaschensammeln lebten oder den Spenden der Partygäste. Ihnen fehlen neben den Einnahmen, ein sicherer Schlafplatz, die Möglichkeit, sich zu waschen und sozialer Anschluss.

Doch der Kiez wäre nicht der Kiez, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Und so erwacht nach der ersten Schockstarre das, was das Viertel immer auch geprägt hat: Kreativität, Solidarität und Zusammenhalt. So erleben die NDR Autoren Alexander Cierpka und Tom Häussler wie ein Polizeibeamter der Davidwache plötzlich zur Vertrauensperson wird, wie sich die härteste Kneipe auf dem Kiez in eine Suppenküche verwandelt und welche Ideen Prostituierte und Barbesitzer entwickeln, um in dieser Krise zu bestehen.

Morgen gibt es dann die nächste und die hat nichts mit Corona zu tun. Versprochen!

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Das Leben mit dem Corona-Virus auf der Welt https://www.wihel.de/das-leben-mit-dem-corona-virus-auf-der-welt/ https://www.wihel.de/das-leben-mit-dem-corona-virus-auf-der-welt/#comments Wed, 15 Apr 2020 10:33:37 +0000 https://www.wihel.de/?p=101246 Das Leben mit dem Corona-Virus auf der Welt | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich kann ja selbst Corona schon nicht mehr hören und auch die täglichen Updates, eingeleitet durch Push-Meldungen auf dem Smartphone, verlieren immer mehr ihren Reiz. So schnell sich das tägliche Leben doch geändert hat, so langsam scheint es wieder aus diesem Ausnahmezustand heraus zu gehen und in Geduld sind wir Menschen ja nur bedingt geübt – da können die Experten noch so lange und eindringlich sagen, dass wir erst am Anfang stehen, wenn Manfred keinen Bock mehr hat, Zuhause zu bleiben, dann hat Manfred eben keinen Bock mehr, Zuhause zu bleiben. Die Freiheit zum Grillen ist unantastbar!

Tatsächlich ist aber meine Vermutung, dass das noch wirklich sehr lange so gehen wird. Vielleicht nicht mehr mit dauerhaft Homeoffice und dermaßen zahlreich geschlossenen Läden, aber bis wir wieder den Status erreicht haben, den wir vielleicht im Januar hatten … das wird dauern. Selbst mit Impfstoff in diesem Jahr, denn der muss auch erstmal in großen Mengen produziert und dann verteilt wird – da verlangt allein schon die Logistik weitere Geduld.

Und dann muss man auch erstmal einen Arzt finden, der einem den Bums gibt – ich mein, ich hab nicht mal einen Hausarzt, geschweige denn kann mich erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem war.

Lange Rede, kurzer Sinn (den wir alle auch schon kennen): Das Leben hat sich radikal geändert und so schnell lässt es sich auch nicht zurück drehen. Aber eben nicht nur für uns, sondern für nahezu alle Menschen auf diesem Planeten.

Great Big Story, bekannt für seine zahlreichen kurzen Dokumentationen, hat 8 Filmemacher rund um den Globus gefragt, ob sie kleine Beiträge erstellen können, die genau diesen Wandel und das Leben mit dem Corona-Virus verdeutlichen – und die haben natürlich geliefert:

We are all living through an exceptional time. In late-2019, the world was rocked by COVID-19—a global pandemic that has changed the way we all live our lives. Millions of us around the world are staying indoors, practicing social distancing to protect ourselves, and others, from the disease. Our daily routines have been disrupted, and many of us have been separated from friends, family and work. We checked in on eight households to see how they are feeling, how they are passing the time, how they are keeping connected to others, and what they are looking forward to in a post-pandemic world. From Beijing, China, to Mashhad, Iran, to Melbourne, Australia, here’s how we’re all working through this thing, one day at a time, together.

Anthony Hopkins ist das beste Beispiel dafür, dass ich ein ziemlicher Dödel bin, denn ich halte ihn für einen der besten Schauspieler der Welt – immerhin hat er den ultimativen Tipp rausgehauen, wie man richtig böse gucken kann, was mir beruflich durchaus des Öfteren weitergeholfen hat (wer es verpasst hat: Nicht blinzeln. Braucht ein bisschen Übung, ist aber unheimlich (und) effektiv).

Und doch kann ich vermutlich die Filme mit ihm, die ich gesehen hab, an einer Hand abzählen, müsste mich dazu aber erstmal an aller erinnern. Schlimm, dieses Fernsehen, wie es einem das Hirn zersetzt.

Das wird auch nur noch besser, dass er sich offenbar selbst um seinen Instagram-Account kümmert (den ich mir auch noch gar nicht genauer angesehen hab) und irgendwann in den letzten Tagen selbst ein Video aufgenommen hat.

Und das wiederum macht alles nur noch besser, denn er ist einer von uns und schiebt sein Haustier vor, um ein bisschen Quatsch zu machen. Wobei, Quatsch ist das auf keinen Fall, sondern vielleicht sogar schon Kunst.

Lange Rede, kurzer Sinn: Weil seine Katze dafür sorgt, dass er gesund bleibt und unterhalten wird, hat er ihr zum Dank ein wenig Chopin vorgespielt. Ich hab zwar von klassischer Musik genauso viel Ahnung wie von der kompletten Filmografie von Hopkins, finde das aber einfach nur toll:

Und jetzt gucken wir uns einfach gemeinsam den Instagram-Account von ihm an, der ist bestimmt auch einfach nur toll.

PS: Könnte wohl auch Schubert sein, so ganz sind sich die Kommentatoren auf Instagram nicht einig. Ihr seht: Ich hab keine Ahnung. Muss ich aber auch nicht haben um es gut zu finden. So!

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Kurt Krömer zur Lage der Nation https://www.wihel.de/kurt-kroemer-zur-lage-der-nation/ https://www.wihel.de/kurt-kroemer-zur-lage-der-nation/#comments Mon, 23 Mar 2020 15:43:07 +0000 https://www.wihel.de/?p=101001 Kurt Krömer zur Lage der Nation | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich hatte vor einer Weile schon mal das eine oder andere Video von Kurt Krömer aus seiner Show Chez Krömer verbloggt, was wir letzte Woche zum Anlass genommen haben, die Videos auf YouTube etwas genauer bzw. intensiver unter die Lupe zu nehmen. Was jetzt echt investigativ klingt, meint eigentlich nur: Wir haben uns die Videos angesehen. In voller Länge und ein paar mehr.

Fazit: Tolle Sendung, sollte man sich öfter mal anschauen bzw. in der aktuellen Lage hat man ja Zeit dazu, also nutzt sie dafür. Und danach kommt ihr wieder auf wihel.de zurück und schaut euch die anderen Beiträge an.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Grundsätzlich fand ich Kurt Krömer okay bis gut, aber das eine oder andere Mal auch einfach nur nervig. Diese Berliner Schnauze kann halt doch schnell arrogant wirken und einem tierisch auf den Sack gehen und womöglich ist das der Grund, dass ich bisher wenig Lust hatte, sein Tun und Schaffen genauer zu verfolgen. Line will auch immer Dokumentationen und Podcasts zu recht schwierigen Themen schauen und hören – ich will mich in meiner Freizeit damit nicht belasten, dafür ist allgemein zu viel Scheiße auf der Welt los.

Nichtsdestotrotz, der man gewinnt immer mehr meine Sympathien und das können ja auch nicht viele von sich behaupten.

Auf jeden Fall hier ein kurzes Video, das letzte Woche irgendwie in meinen Fokus geraten ist (hier stand vorher „über das ich gestolpert bin“ – was für ein dämlicher Ausdruck, niemand stolpert über irgendwelche Videos, weil auch niemand im Netz surft. Dafür sind wir alle viel zu bewegungsfaul und wirklich keiner holt sein Surfbrett raus, quetscht sich in einen Neoprenanzug und setzt sich nass vor den Rechner …) und das ein weiterer Grund dafür ist, dass ich ihn noch ein Stück sympathischer finde:

Bleibt zu Hause! 😷🙏🏻

Gar nicht so doof, der Mann.

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Warum Teller von Penn & Teller eigentlich nie redet https://www.wihel.de/warum-teller-von-penn-teller-eigentlich-nie-redet/ https://www.wihel.de/warum-teller-von-penn-teller-eigentlich-nie-redet/#comments Wed, 18 Mar 2020 11:50:24 +0000 https://www.wihel.de/?p=100952 Warum Teller von Penn & Teller eigentlich nie redet | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Vermutlich wäre es komplett falsch, mich als Fan von Pen & Teller zu bezeichnen, schließlich hab ich sie nur intensiver verfolgt, als es „Fool us“ auf Netflix gab – aber das fand ich maximal unterhaltsam und hab die – wenn ich mich richtig erinnere 2 – in kürzester Zeit weggesuchtet. Mein Eindruck: Die beiden sind aktuell die absoluten Koryphäen in Sachen Illusion und Magie.

Erst später ist mir dann mal bewusst geworden, dass die beiden auch schon unfassbar alt sind, was man zumindest damals auf Netflix so noch gar nicht wahr genommen hat (wobei die sicherlich auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte, bevor sie meine Aufmerksamkeit bekommen hat).

Und noch viel später ist uns dann aufgefallen, dass Penn unfassbar viel abgenommen hat, trotzdem aber immer noch eine beeindruckende Statur vorweisen konnte.

Ihr merkt also: Sympathien sind da, aber so richtig sind wir nie in die Szene eingetaucht und ehrlicherweise will ich das auch gar nicht. Muss schließlich auch mal reichen, dass man nur an der Oberfläche kratzt und das genießt, was sich dabei ergibt – den ganzen Kopf und mehr sollen andere da reinstecken.

Was aber auch schnell auffällt: Teller redet bei Shows und Auftritten eigentlich nie. Das ging sogar soweit, dass ich anfangs mutmaßte, dass er gar nicht reden kann – kann er aber. Und im nachfolgenden Video redet er sogar recht viel und erklärt die Idee hinter den schweigsamen Auftritten:

penn and teller on talks at google
teller explains the whole story behind his silence on stage

Macht Sinn. Und coole Typen nach wie vor. Nachfolgend auch einmal das komplette Interview für alle, die dieser Tage ein bisschen mehr Zeit haben:

Penn & Teller stopped by the Google NYC office to discuss their limited-run Broadway show, closing Aug 16th, 2015.

Erst diese Woche hab ich einen kurzen Artikel gelesen, der das Thema Julian Assange aufgenommen und mal wieder etwas beleuchtet hat. Wer sich nicht mehr erinnert: Assange ist hauptsächlich dafür bekannt, Wikileaks (mit)gegründet zu haben – eine Plattform, an die man anonym Informationen schicken kann, die nicht zwingend für die Öffentlichkeit bestimmt sein sollen, dadurch aber genau an diese geraten, Stichwort Whistleblower.

So dann auch geschehen und seitdem wissen wir, dass das US Militär unter anderem Zivilisten ermordet hat, plus noch ein paar andere Enthüllung mit weitreichenden Folgen. Ich denke, es sollte klar sein, worum es geht.

Finden natürlich diverse Staatsorgane gar nicht lustig und hatten somit automatisch einen neuen Feind, den es ruhig zu stellen geht, in welcher Form auch immer man das dann interpretieren will. Für Assange mündete das in Vorwürfen der Vergewaltigung und einem extrem langen Aufenthalt in der Botschaft Ecuadors.

Mittlerweile ist aber auch das schon wieder vorbei und Assange sitzt in einem britischen Gefängnis bzw. steht vor Gericht, wo darüber entschieden wird, ob er nun doch an die USA ausgeliefert wird oder nicht. In dem Artikel, den ich gelesen hab, zeichnete sich bereits ein Bild ab, dass da nicht alles rund gelaufen ist, in Sachen Vorwürfe gegenüber Assange oder auch seine Behandlung in besagtem Gefängnis.

Ein nicht unkompliziertes Thema, dem sich auch STRG_F angenommen und eine kleine Doku gebastelt hat, die mindestens dazu beiträgt, dass man sich selbst ein Bild machen kann. Und sollte. Denn eigentlich geht es schon lange nicht mehr nur um die Person Assange selbst.

Kriegsverbrechen der US-Armee, Überwachungsmethoden von Geheimdiensten oder interne E-Mails von Spitzenpolitikern – all das enthüllte Julian Assange mit seiner Whistleblower-Plattform Wikileaks. Den Preis, den er dafür zahlte ist hoch: Seit mehr als sieben Jahren lebt Assange abgeschnitten von der Außenwelt – erst im Asyl in der ecuadorianischen Botschaft, seit 2019 in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Ab Montag, dem 24. Februar 2020 verhandelt in London ein Gericht darüber, ob Julian Assange an die USA ausgeliefert wird. Die USA werfen Assange durch seine Enthüllungen u.a. Spionage vor. Ihm drohen bis zu 175 Jahre Haft. Wollen die USA Assange mit ihrem Vorgehen fertig machen? Oder ist Assange ein Straftäter, der womöglich den Rest seines Lebens zurecht hinter Gittern verbringen wird? In dieser STRG_F-Folge erfahrt ihr alles, was ihr über den komplexen Wikileaks-Fall wissen müsst, um Euch selbst ein Bild zu machen.

Wenn ich mal so überlege, ist eigentlich jede Videothek, die ich in meinen etwas mehr als 30 Lebensjahren kennengelernt hab, mittlerweile nicht mehr vorhanden – bis auf eine in Leipzig, wobei ich da auch nur selten dran vorbei fahre und mir gar nicht mal so sicher bin, ob das nicht doch einfach nur noch Fassade ist.

Internet und vor allem Streaming haben natürlich besonders hier so ziemlich alles vernichtet, was das Business in irgendeiner Form ausgemacht hat – ständige Verfügbarkeit ohne das Haus zu verlassen und das auch noch zu einem vergleichsweise unschlagbaren Preis – da kann deine Videothek noch so geil sein, da hast du keine Chance.

Dabei hab ich das selbst früher sogar recht exzessiv genutzt – gab ja noch kein Netflix und Co. und Filme illegal aus dem Netz laden … irgendwann sind wir doch alle aus dem Alter raus. Außerdem kann man sich in so einer Videothek deutlich besser inspirieren lassen, als in irgendwelchen Foren – aber auch hier stehen die hiesigen Streaminganbieter in nichts nach.

Lange Rede, kurzer Sinn: es ist vermutlich auch 2020 eine deutlich bessere Idee einen Sonnenstudio zu eröffnen als in eine Videothek zu investieren.

Außer in Bristol, denn dort gibt es mittlerweile die älteste Videothek der Welt, was an sich ja schon bemerkenswert ist. Noch bemerkenswerter ist aber, dass die Geschäfte sogar recht gut laufen:

20th Century Flicks is the oldest video rental store in the World. It’s small, close-knit crew has unwittingly become custodians of the largest collection of DVDs and VHS tapes in the UK, and faces a constant struggle to adapt and survive in the age of streaming and downloading.

“It’s an ode to the video shop experience and a bygone way of watching movies. With studios like Disney launching their own streaming services and joining industry kingpins such as Netflix and Hulu, we have an almost endless flow of entertainment available at the click of a button. It’s amazing to me that a little independent video store can survive the Netflix cull and even outlive Blockbuster. Drop into the shop next time you’re in Bristol for a dose of movie nostalgia, have a chat about film and go home with a VHS rarity and a bag of popcorn.” – Director, Arthur Cauty

Aber die Briten versteht man ja ohnehin nur bis zu einem gewissen Grad. In diesem Fall find ich das aber einfach nur großartig.

Denkt man mittlerweile an Trickshots, muss man unweigerlich auch mindestens an Dude Perfect denken – die Truppe, die sich echt einen großen Namen gemacht hat, indem sie einfach Dinge gekonnt und teils kunstvoll umher werfen. Ob man damit langfristig wirklich ein Leben finanzieren kann, bezweifle ich zwar, aber immerhin entstand bis jetzt der Eindruck, dass das problemlos möglich ist. Würde aber dennoch nicht schaden, wenn die Jungs sich in Sachen Werbung ein bisschen geschickter anstellen.

Und in der Theorie könnte man auch sagen, dass wir eigentlich in jeder Ausgabe der Win-Compilation mindestens einen Clip von den Jungs aufnehmen müssten, aber … ist halt am Ende doch irgendwie immer das Gleiche und mittlerweile weiß ja auch jeder, dass da einfach unfassbar viele Versuche vorher daneben gegangen sind. Nicht schlimm, hat aber dann nicht mehr wirklich was mit Perfect zu tun.

Ich will auch gar nicht behaupten, dass das womöglich bei Andy Varipapa jemals anders war, aber ich würd mich immerhin soweit aus dem Fenster lehnen, dass wir hier den allerersten Trickshot-Meister der Welt sehen.

Seine Spezialität waren aber nicht nur allein Trickshots, auch das Gewinnen diverser Turniere stand auf seinem Zettel, zum Beispiel die U.S. Open des Bowlings und das auch gleich zwei Mal hintereinander:

Andy Varipapa was considered to be “the greatest one-man bowling show on Earth”. Beyond his trick shot exhibitions, Varipapa was a solid professional bowler. In 1947, at the age of 56, he won the prestigious BPAA All-Star competition (predecessor to the U.S. Open) in a gruelling 100 game format, making him the oldest winner ever. He became the first to win two years in a row when he repeated in 1948.

Allein für sein breites Grinsen muss man ihn schon gern haben oder?

So dämlich, lustig und furchtbar das Debakel in Thüringen auch war, es hat wunderbar gezeigt, was für Flitzpiepen aktuell in der Politik tätig sind und zumindest bei Annegret Krank-Knackwurst ist das finale Endergebnis kein schlechtes.

Darüber hinaus hat sich für mich aber weiterhin bestätigt: Die CDU kannste nicht wählen, die FDP kannste nicht wählen und auch wenn die SPD seit langem mal wieder ein okayes Bild abgegeben hat, so richtig kann man die dank diverser gebrochener Versprechen in jüngster und ältestes Vergangenheit auch nicht. Und natürlich, dass Deutschland sein Nazi-Problem nie losgeworden ist, aber darum soll es hier nicht gehen, überhaupt ist das schon wieder alles viel zu politisch hier.

Aber es ist unfassbar bemerkenswert und ich kann selber kaum glauben, dass ich das jemals von mir gegeben hätte, aber: In der CDU gibt es auch Leute, die haben Verstand, geben teils recht schlaue Dinge von sich und das ist nicht mal Zufall. Okay, vielleicht gibt es auch nur genau einen, auf den das zutrifft, aber Ruprecht Polenz scheint einer der Wenigen zu sein, denen man wirklich zutrauen könnte, in Sachen Politik mitunter richtige Entscheidungen zu treffen.

Zumindest finde ich es ganz angenehm wie und was er im nachfolgenden, recht langen Interview mit Jung & Naiv von sich gibt:

Wir treffen den ehemaligen Generalsekretär der CDU, Ruprecht Polenz. Ruprecht war von 1994 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtiges Ausschusses im Parlament. Heute beobachtet er das politische Geschehen von der Seitenlinie.

Mit Ruprecht geht’s zunächst um seine Biografie: Warum haben seine Eltern Anfang der 50er “rübergemacht”? Was war und ist sein Bild von der DDR? Wie ist er in der BRD aufgewachsen? Wie hat er die Wende erlebt? Waren die Folgen der Treuhand-Politik nach der Wende alternativlos?

Wir sprechen über Ruprechts Politisierung: War er ein 68er? Warum ist er wegen Willy Brandt in die CDU eingetreten? Welche Überzeugungen hat Ruprecht? Es geht um den Vietnamkrieg und zweiten Irakkrieg: Wie stand und steht er zu den amerikanischen Abenteuern, die für Leid und Elend gesorgt haben? Wir sprechen über russische und israelische Annexionen sowie den US-Drohnenkrieg via Ramstein.

Außerdem geht’s um Facebook, Google & Co: Wer hat das Recht private und intime Daten zu besitzen?

Zum Schluss geht’s um die CDU: Wie kann sich ein/e CDU-WählerIn künftig noch sicher sein, dass man nicht mit der AfD zusammenarbeitet? Wie sollte die Union mit der innerparteilichen Konkurrenz namens “WerteUnion” umgehen? Und was ist das Problem der Union mit der Linkspartei? Wenn “Demokraten gegen die AfD zusammenstehen”, weshalb gehört die Linke für Ruprecht nicht dazu? Wieso verabschiedet sich die Union nicht von der abstrusen “Hufeisen”-Theorie?

Wer mag, kann bei ihm auch mal auf Twitter vorbeischauen. Aber nur, wenn man damit umgehen kann, dass sich das eigene Weltbild womöglich selbst zerstört – bei mir ist das ein klein wenig passiert. Gibt aber dennoch Schlimmeres als zu erkennen, dass nicht alle aus der CDU vollkommen Vollpfosten sind.

Ich fang den Beitrag direkt mal so an, wie die Dokumentation, die ich Samstag nach der Sportschau geschaut habe, selbst ungefähr anfängt: Eines der letzten Geheimnisse im Fußball ist das Tun und Handeln der Schiedsrichter. Ich mein, natürlich wissen wir, was ihre Hauptaufgabe auf dem Platz ist – aber außerhalb der Zeit zwischen An- und Abpfiff ist es doch ein größeres Mysterium, dieses Schiedsrichterdasein.

Ich wusste zumindest, dass die sich auch regelmäßig treffen, diverse Sport-Tests absolvieren müssen und die Aufgaben weit über 90 Minuten über den Platz laufen und mal bisschen in die Pfeife pusten hinaus geht.

Tatsächlich hat so ein Schiedsrichter aber (zumindest in der Theorie) einen ziemlich hohen Stellenwert. Er ist mit seinem Team dafür verantwortlich das Spiel zu leiten und dafür zu sorgen, dass sich alle in einem einigermaßen normalen Rahmen bewegen und entsprechend verhalten – man könnte sogar sagen, dass ein Schiedsrichter Chef auf dem Platz ist.

Umso erstaunlicher ist da im Vergleich die Bezahlung der Schiedsrichter und der Umstand, dass selbst in der Bundesliga das Schiedsrichterwesen noch immer nicht professionalisiert ist – also im Sinne von, dass die Schiedsrichter eben nicht hauptberuflich Schiedsrichter sind.

Nachfolgend eine kleine Dokumentation über Deniz Aytekin, einer der aktuell besten Schiedsrichter in Deutschland, die zwar keine Gründe für die bisherig ausbleibende Professionalisierung gibt und auch sonst leider sehr blass in Sachen Kritik bleibt, aber immerhin mal wieder einen kleinen Einblick in das Handeln auf und Neben dem Platz gibt:

Wer noch ein bisschen mehr erfahren will: wir hatten an dieser Stelle schon mal einen Beitrag darüber, was ein Schiedsrichter während des Spiels so alles erzählt, an dieser Stelle etwas mehr den Amateurbereich im Fokus und hier zumindest die Sicht in einem internationalen Spiel eines Schiedsrichters.

Trotz aller Nachteile: Spannender Job.

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Being British – Was es bedeutet, britisch zu sein https://www.wihel.de/being-british-was-es-bedeutet-britisch-zu-sein/ https://www.wihel.de/being-british-was-es-bedeutet-britisch-zu-sein/#comments Wed, 04 Dec 2019 11:09:06 +0000 https://www.wihel.de/?p=99147 Being British – Was es bedeutet, britisch zu sein | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Vor einer ganzen Weile schon hab ich mir ein kleines Tool installiert, dass mir als Bildschirmschoner die Luftaufnahmen auf den Mac schmeißt, die man sonst nur auf dem AppleTV hat. Gerade die Aufnahmen aus London die Themse entlang hab ich dabei ins Herz geschlossen und mittlerweile alle anderen Aufnahmen deaktiviert. So rotieren zwar nur noch drei oder vier, sind dafür aber die meiner Meinung nach Schönsten.

Überhaupt fällt mir beim Betrachten des Bildschirmschoners dabei immer wieder auf, dass ich London mittlerweile sehr zu lieben gelernt hab, wobei ich gar nicht sagen kann, woran das genau liegt. So oft waren wir ja nun auch nicht da und wirklich leben will ich da nun auch nicht – aber irgendwas hat die Stadt an sich. Ist vielleicht aber auch nur der sich langsam entwickelnde Trennungsschmerz, schließlich wollen die Briten ja noch immer aus der EU raus und wenn ich nun an Johnson denke, geht es eigentlich auch schon wieder.

Simon Mulvaney hat ein paar unabhängige Filmemacher gefragt, was es für sie bedeutet, „britisch zu sein“ – im Kontext des Brexits sicher nicht das erste Mal, dass die Frage gestellt wurde – und hat dabei zahlreiche interessante und großartige Antworten bekommen, die mehr oder weniger in den nachfolgenden Film mündeten:

BEING BRITISH is a short-form documentary created independently by the filmmakers of Great Britain, to answer the question, ‘WHAT DOES IT MEAN TO BE BRITISH?’

Finder derlei patriotisch angehauchte Fragen ja grundsätzlich immer schwierig, aber das hier ist einfach gut. Wird Zeit, dass wir da noch mal hinfahren, bevor alles wirklich den Bach runter geht.

Das Schöne an dem zurückliegenden Wochenende: Es war unfassbar faul. Am Samstag haben wir einfach mal so gut wie gar nichts gemacht und auch den Sonntag hab ich erst ab Nachmittag im Arbeitszimmer verbracht. Ist ja ohnehin eine Frechheit, dass man nur zwei Tage in der Woche für eigenen Kram bekommt, aber wenn man die dann auch noch maximal prokrastinierend verbringt … gibt nicht viel, was schöner ist.

Und so hab ich die Zeit unter anderem genutzt auch mal Zeug zu schauen, den ich sonst nicht schauen würde. Phoenix zum Beispiel. Ich weiß, dass wir den Sender empfangen und er mit Sicherheit auch auffindbar in der Senderliste ist – aber mehr als „ganz weit hinten“ kann ich nicht genauer definieren.

Schade eigentlich, denn mindestens eine Perle hätten wir im Programm finden können und das ist das Gespräch mit Martin Sonneborn. Doof für Phoenix allerdings: das Internet. Denn da taucht besagtes Gespräch auch auf, was zwar für das Video total super ist, aber auch dazu führt, dass wir wohl weiter einen großen Bogen um den Sender selbst machen:

Ist Martin Sonneborn ein Aufklärer, ein Kämpfer gegen ein korruptes System? Oder zerstört er die Demokratie, weil er sie lächerlich macht? Seit 5 Jahren sitzt Martin Sonneborn im Europäischen Parlament und treibt manche seiner Kollegen zur Weißglut. In “phoenix persönlich” erklärt Martin Sonneborn, dass er seinen Stil geändert hat: weniger Klamauk, mehr Inhalte und Politik.

Und was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte: Der Moderator nervt mich maximal, wirkt massiv unsympathisch und warum man das Interview an so einem klapprigen Empfangstisch durchführen musste, weiß wohl auch nur der Fuchs. Umso bemerkenswerter (aber eigentlich wie immer), wie großartig Martin Sonneborn ist.

Als Pfeife bezeichnet zu werden, ist jetzt nicht unbedingt ein Kompliment, dass man gern erhalten möchte, suggeriert es schließlich doch, dass man nichts kann, außer vielleicht heiße Luft zu produzieren. Wobei, nicht mal das – zumindest sind meine Pfeif-Versuche immer recht kalt gewesen.

Ich kann aber auch nicht sonderlich gut pfeifen, zumindest nicht im klassischen Sinne mit gespitzten Lippen und einfachem Luft-Durchblasen. Stattdessen bin ich mehr der Zischer, was in den meisten Fällen okay klappt, aber nur an besonders guten Tagen krieg ich das auch einigermaßen laut hin.

Die deutlich bessere Pfeife ist da schon Sean Lomax und das mein ich in der positivsten Form, die man sich überhaupt vorstellen kann, denn Lomax ist Internationaler Champion im Pfeifen. Die weltbeste Pfeife im offiziellen Sinne quasi.

Und genau der hat sich mit Wired zusammengesetzt und ein bisschen über seine besondere Fähigkeit und sein Leben geplaudert:

International Grand Champion Sean Lomax loves whistling more than most. Watch him break down how he achieves his show-stopping performances.

Da wird selbst Roger Whittaker ein bisschen neidisch.

Was ich als Kind – neben Gameboy und Co. – auch immer haben wollte: eine Seifenkiste. Genau wie Gameboy und Co. hab ich es natürlich nicht bekommen, was sicherlich ebenso irgendein unentdecktes Trauma hervorgerufen und mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin – ob das nun gut oder schlecht ist, müssen andere beurteilen.

Irgendwann hab ich aber gelernt, dass Seifenkisten zwar für Kinder ziemlich cool aussehen, aber nur bedingt cool sind: Die Steuerung ist nicht ohne und sowohl Beschleunigung als auch Bremsen hat deutlich mehr mit Kraft, Geschick und Glück zu tun, als das Kinder überhaupt verstehen können.

Dennoch, ein eigenes Auto und das auch noch selbstgebaut, das hat schon was. Eine Nummer Größer spricht man dann schon von Cyclekarts, von denen ich bis hier hin noch nie etwas gehört habe, aber direkt fasziniert bin.

Kurzgesagt sind das auch nur Seifenkisten, allerdings motorisiert und entsprechend mal eben bis zu 70 km/h schnell. Logisch, dass so schnell eine eingeschworene Gemeinde entsteht, die sich entsprechend in Rennen – wie beim alljährlichen Cyclekarts-Treffen, misst.

eGarage war beim letzten Mal dabei und hat ein kleines Portrait darüber erstellt:

The cyclekart community is a small but widespread band of eccentric builders and racers. Centered around a love for creating, budget racing and having fun they meet annually in Tieton, a small town in eastern Washington for a weekend of races like no other.

Bevor wir uns Mia angeschafft haben und eigentlich auch bevor wir uns dazu entschieden haben, was wir für ein neues Auto kaufen wollten, hab ich ein paar Tage darüber nachgedacht, dass ein Roller es ja auch tun würde.

Damit kommt man eh besser durch den Verkehr, findet leichter einen Parkplatz und der Unterhalt ist im Vergleich zum Auto absolut lächerlich. Ist aber halt auch wirklich nur was für die Stadt und einigermaßen überschaubare Strecken, zumal man Wind und Wetter trotzdem ziemlich direkt ausgesetzt ist.

Wie man sieht, es kam nie dazu und das ist am Ende auch gar nicht so verkehrt, denn so wurde aus mir immerhin kein verrückter Typ, der den ganzen Tag nur an seiner Vespa rumschraubt und so tut, als würde er a) wissen, was er da tut und b) [irgendwas mit Tuning]

Ich will auch gar nicht behaupten, dass die Typen im nachfolgenden Video verrückt sind, aber zumindest, was sie machen, ist ziemlich verrückt. Nämlich aus alten Vespas völlig neue Fahrzeuge zu bauen:

A look into Indonesia’s DIY Vespa culture.

Mindestens einmal im Jahr bekomm ich einen Rappel und will unbedingt mal wieder Zeug aussortieren. Kennt ihr bestimmt, denn irgendwie sammelt ja jeder über Wochen und Monate irgendwelchen Mist zusammen, stopft damit seine Bude voll und fühlt sich irgendwann nicht mehr wohl, weil der ganze Kram kreuz und quer rumliegt und man keinen Platz mehr hat.

So geht mir das zumindest regelmäßig an zwei Stellen: im Kleiderschrank und im Arbeitszimmer. Denn bis zu einem gewissen Tag schaff ich es, akribisch und penibel darauf zu achten, dass alles, was ich so habe, an seinen eigenen Ort kommt – bis dahin sieht dann auch alles ordentlich aus, man findet Zeug schnell wieder und ich bin happy.

Aber dann kommt irgendwann der Tag, an dem die Anarchie wieder Einzug erhält und irgendwas liegt plötzlich woanders und dann denk ich mir „Ach scheiß drauf“ und leg noch andere Sachen dorthin, wo sie eigentlich nicht hingehören und dann ist irgendwann alles nur noch Chaos und ich muss entrümpeln.

Das ist auf der einen Seite äußerst befreiend und schafft neuen Raum, auf der anderen Seite aber auch totaler Quatsch, weil ich a) recht radikal beim Wegschmeißen bin und b) vieles davon bestimmt noch gut ist, sodass es andere gebrauchen könnten. Aber wann nimmt man sich schon mal die Zeit und bringt das auf den Flohmarkt? Zumal das ja auch wieder kostet und das nicht nur Geld.

Und so landen dann halt auch von mir unnötigerweise kleine Schätze im Müll, die vermutlich ein deutscher Nelson Molina rausfischen und in sein kleines Museum packen würde. Den Original Nelson Molina, der in New York Schätze aus Müll „rettet“, hat Nicolas Heller getroffen und eine kleine Doku mit bzw. über ihn erstellt:

For 34 years, New York Sanitation worker, Nelson Molina collected items in the trash on his route in East Harlem. Over 45,000 items, all catalogued and organized on the second floor of the M11 garage. Nelson retired from the job in 2015, but comes to the garage routinely to check in on his “museum.”

The collection is not open to the public since it is in an active garage, but our hope is to get a proper space with the help of this film. Please visit nycstrongest.org/treasures-in-the-trash to donate!

Und natürlich ist mir klar, dass es am allercoolsten wäre, einfach weniger zu haben, weil dann auch weniger in den Müll wandern würde. Aber werfe doch der den ersten Stein, der sich nicht so unlogisch verhält.

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Der Bahnbabo von Frankfurt https://www.wihel.de/der-bahnbabo-von-frankfurt/ https://www.wihel.de/der-bahnbabo-von-frankfurt/#comments Wed, 11 Sep 2019 14:25:52 +0000 https://www.wihel.de/?p=97754 Der Bahnbabo von Frankfurt | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Es gibt Menschen, die sind einfach da und es ist nett mit ihnen. Sind sie aber nicht da, vermisst man sie kurz und dann geht das Leben so weiter, als wären sie nie dagewesen. Ich würde mich dazu zählen, bin halt nie der gewesen, der großartig auf die Kacke haut, weil … ist halt nicht meine Art.

Und dann gibt es die, die betreten einen Raum und haben sofort jede Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Die unterhalten die Leute, ziehen sie in ihren Bann und sind einfach maximal präsent. Dass ist eine gewisse Zeit auch ganz nett und lustig, aber irgendwann kommt halt immer der Punkt, ab dem sie nur noch anfangen zu nerven und einem tierisch auf den Sack gehen.

Ich will nicht sagen, dass das auf Peter Wirth ebenso zutrifft, aber eine gewisse Tendenz lässt sich halt schon erkennen. Denn der Bahnbabo versteht nicht nur die Sprache der Jugendlichen und holt jeden da ab, wo er ist – er ist halt schon `ne echte Type. Und für die nächsten etwas mehr als 2 Minuten ist er definitiv die perfekte Unterhaltung:

In Frankfurt lenkt der „Bahnbabo“ alias Peter Wirth nicht nur Straßenbahnen – er hat auch einen ganz besonderen Draht zu den Jugendlichen der Mainmetropole. Nächstes Haltestelle: das Rathaus?

Wobei man auch sagen muss: als Bürgermeister doch mal was anderes, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Oder ist das schon dieses Trump-Phänomen, dem ich zum Opfer gefallen bin.

Woran man merkt, dass man alt wird bzw. ist? Die Fußballer, die aberwitzige Summen verdienen sind mittlerweile allesamt jünger und die, die frisch ihre Karriere beendet haben, im gleichen Alter wie man selbst. Und auch wenn das so ziemlich das natürlichste der Sache ist, passiert das doch ganz plötzlich und von heute auf morgen. Morgens aufgewacht gehört man nun auch zu denjenigen, die die Chance im Leben verpasst haben und nicht mit ihrem Hobby das große Geld verdienen.

Ein kleiner Trost ist da, dass Talent und harte Arbeit allein doch nicht ausreichen, damit man den ganz großen Durchbruch schafft, man muss auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und braucht nebenbei eine ganze LKW-Ladung Glück, damit man überhaupt nur in die Nähe kommt, wo andere regelmäßig in Sportschau und Co. zu sehen sind.

Der NDR hat die beiden Brüder Nick und Yari Otto längere Zeit mit der Kamera begleitet und geben so einen kleinen Einblick in den Weg zum Fußballprofi, der halt eben doch alles andere als leicht ist:

Die Zwillinge Nick und Yari Otto waren 16 Jahre alt und talentierte Fußballer, die in der Jugend vom VfL Wolfsburg spielten, als die beiden NDR Autoren Michael Maske und Boris Poscharsky angefangen haben, sie vor einigen Jahren mit der Kamera zu begleiten. Der große Traum der Brüder damals: Profi werden. Mit dem, was sie lieben, gutes Geld zu verdienen.

Es war kein immer leichter Weg, aber vor einem Jahr hatten sie es tatsächlich geschafft. Beim Traditionsverein Eintracht Braunschweig unterschrieben die Ottos ihre ersten Fußballprofiverträge. Von diesem Tag an war beim Fußball für sie nichts mehr wie zuvor. Sie standen im Fokus von Fans und Presse als erste Neuverpflichtungen einer völlig umgebauten Mannschaft. Fehlstart, Tabellenletzter, Manager- und Trainerentlassung bei Eintracht Braunschweig: willkommen in der realen Fußballprofi-Welt.

Die Autoren sind ganz nah dabei, wenn aus zwei Jugendlichen voller Hoffnung Fußballprofis werden, beobachten sie in ihrem ersten Berufsjahr, in dem sie mehr erleben als viele Profis in ihrer ganzen Karriere. Es gibt Hochs und Tiefs, die Wege der beiden Zwillinge trennen sich zwischenzeitlich. Über alles erzählen Nick und Yari Otto völlig offen. Am Ende der Saison und des Films sind sie in der Realität ihres großen Traums angekommen.

Hat halt alles mindestens seine zwei Seiten der Medaille.

Natürlich war auch in meiner Kindheit Kung Fu der heiße Scheiß. Wir hatten ja auch nix anderes, keine iPhones, Internet funktionierte nicht, weil Muttern telefonieren wollte und SMS haben uns das Taschengeld leergesaugt. Aber wenn ein Kung Fu-Film im Fernsehen lief – ja, wir waren auch zu 100% abhängig von den Programmdirektoren dieser Welt – dann war die Welt in Ordnung.

Was ich tatsächlich cool, aber auch ein bisschen absurd finde: dass das meistens auch noch Mönche sind, die sich da durch den Fernseher geprügelt haben. Denn denkt man mal an die religiösen Würdenträger hierzulande (krass, wie es einen schaudern kann, wenn man diesen Satz einmal wirklich aufschreibt), dann sind die vieles, aber keine Kampfkünstler.

Anders sieht es bekanntermaßen bei den Shaolin aus, die Religion für sich aber auch deutlich anders interpretieren und ganz nebenbei halt immer noch Kriegs- bzw. Kampfmönche ausbilden. Die BBC hat sich das mal ein bisschen genauer angesehen:

At the Shaolin Temple in China, a Buddhist warrior monk faces a test that will change the course of his life forever.

Discover just what people do for faith in some of the most stunning sacred places on Earth.

Wie gesagt, jetzt einfach mal an die Religionsvertreter hierzulande denken … lächerlich oder?

Ich bin bisher noch nicht mit einem E-Scooter gefahren und habe es bewusst auch in nächster Zeit nicht vor, bin aber schon jetzt maximal von dem ganzen Thema genervt. Sicher, die Menschheit braucht den Kram eigentlich nicht, aber nun ist er da und wird halt genutzt – so weit, so unspektakulär.

Genauso unspektakulär sind die ersten Gesetze, die die Politik erlassen hat, wie zum Beispiel das Fahrverbot auf Gehwegen und die Pflicht, mit den Dingern auf der Straße zu fahren. Ich kann zwar nicht aus Erfahrung sprechen, aber wenn man sich mal anschaut, wie gefährlich es ist, mit einem Fahrrad unterwegs zu sein (was sicherlich auch an der Dummheit mancher Fahrradfahrer liegt), wird das kaum sicherer mit einem scheiß Roller mit Mini-Reifen. Auf der anderen Seite: beim Aufeinandertreffen mit Fußgängern, steht der Gewinner eigentlich auch schon von vornherein fest und irgendwie war ja von Anfang an klar, dass alle Parteien zu doof sind, einen allgemein guten Umgang miteinander zu finden.

Nun gut, die Gesetze sind aber zunächst so, wie sie sind und ich bin immerhin Alman genug, um innerlich immer ein bisschen auszurasten, wenn ich Idioten mit den E-Scootern rücksichtlos durch die Fußgängerzone brettern sehe. Nicht, dass ich dann eingreifen würde – so schlimm ist es dann noch nicht – aber wenn sich damit einer aufs Maul packt, kann ich nicht versprechen, nicht der erste zu sein, der anfängt zu lachen.

Und deswegen hab ich auch maximal kein Verständnis für den Vogel in der nachfolgenden Spiegel-Reportage, der einen auf Dorf-Sheriff machen muss, aber auf sämtlichen Ebenen versagt und doch lieber wieder unter seinen Stein kriechen sollte, aus dem er hervorgekrochen ist:

Wildwest auf zwei Rädern: seit einige deutsche Großstädte den E-Scooter zugelassen haben, geht es auf den Straßen hoch her. Vor allem die Bürgersteige sind zu Kampfzonen geworden. Denn eigentlich ist hier das Fahren mit dem neuen Trend-Rollern verboten. Das Problem: viele halten sich nicht daran. Grund genug für Roland Stimpel vom “Fachverband Fußverkehr” dagegen vorzugehen.

Wie gesagt, irgendwie versagen alle. Und vielleicht haben wir es dann auch einfach alle nicht besser verdient.

Vermutlich hat jeder von uns schon mal darüber nachgedacht, was er mit dem ganzen Geld machen würde, wenn er im Lotto gewinnen würde. Was man sich davon alles kaufen kann, all die tollen Sachen, die sonst für immer nur ein Traum bleiben würden und arbeiten muss man auch nie wieder. Toll toll toll.

Aber Geld allein macht nun mal nicht glücklich, das wusste Oma schon. Man muss damit auch vernünftig umgehen und wenn man sich vornimmt, es zu vermehren, schadet es nicht, wenn man ein wenig Talent in Sachen Wirtschaft und Geschäft mitbringt. Oder einfach nur nicht auf jede dämliche Idee setzt, die einem durch den Kopf spukt.

Ein wunderbares Beispiel, wie man sehr viele Dinge nicht machen sollte, sind wohl die Buberts – eine der wohl berühmtesten Lottogewinner, die Deutschland so hat. Das liegt aber nicht an den 8 Millionen, die sie mal gewonnen haben, sondern daran, dass davon einfach nichts mehr übrig ist. Und das liegt vor allem an den Buberts selbst:

Reich werden ist schwer – reich bleiben, aber noch viel mehr! Fast acht Millionen Deutsche spielen regelmäßig Lotto, immer mit der Hoffnung auf den Riesengewinn. Wer das große Los tatsächlich gezogen hat, für den beginnt aber oft ein sorgenvolles Leben.
Dass viel Geld Neider, Schnorrer und Betrüger anzieht, musste Familie Bubert aus Bad Segeberg erfahren.
Focus TV hat die Lottogewinner über Jahre begleitet und mit der Kamera dokumentiert, wie das vermeintliche Lottoglück von damals acht Millionen D-Mark die Familie zerstört hat.

Tatsächlich soll Geld aber dennoch glücklich machen. Laut Studien ist ein Einkommen von 95.000€ ideal für die Lebenszufriedenheit, zwischen 60.000 und 75.000 gibt es das emotional beste Wohlbefinden.

Das dürfte wohl eines der deutschesten Videos überhaupt sein: ein Typ sitzt in einem ICE-Abteil und das Licht ist aus. Ein bisschen Gemütlichkeit, manch einer kennt das sicherlich. Und dann kommt plötzlich ein anderer Typ rein, natürlich ohne ein Wort des Grußes, macht das Licht einfach an und beginnt sofort, wichtig in seinen Rechner zu tippen.

Es kommt, wie es kommen muss und die beiden beginnen, wie die Blöden, das Licht an- und auszuschalten. Im Wilden Westen hätte man sich vermutlich einfach gegenseitig erschossen, aber die Zeiten sind leider und zum Glück vorbei – dennoch ist das hier auf so vielen Ebenen bezeichnend und steht ganz wunderbar für die zwischenmenschlichen Probleme auf diesem Planeten.

Wer das Video aber komplett schaut, wird auch sehen: die Lösung ist relativ simpel und ziemlich naheliegend. Wait for it:

Und so wurden aus Verlierern (denn das waren beide am Anfang) doch noch Gewinner.

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So und nicht anders geht man mit Nazis um https://www.wihel.de/so-und-nicht-anders-geht-man-mit-nazis-um/ https://www.wihel.de/so-und-nicht-anders-geht-man-mit-nazis-um/#comments Mon, 17 Jun 2019 14:06:51 +0000 https://www.wihel.de/?p=96225 So und nicht anders geht man mit Nazis um | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Bei aller Unpolitik, die ich hier versuche, wenigstens einigermaßen aufrecht zu erhalten, gibt es doch immer wieder mal Momente, in denen dieses Siegel gebrochen gehört. Allein die letzten Wahlen haben ja gezeigt, dass speziell der Osten Deutschlands ein schwerwiegendes Nazi-Problem hat. Auf die Gründe will ich dabei gar nicht erst eingehen, genauso wenig halte ich es für sinnvoll, mit Nazis zu sprechen – natürlich spielt da eine große Portion Dummheit mit rein, aber es ist nicht diese unwissende Dummheit, die sich durch Fakten und Argumente gerade rücken lässt. Nein, das ist die schlimme Form von Dummheit, gegen die man eigentlich nichts machen kann, weil sie nicht will, dass man was gegen sie macht.

Und mittlerweile leben wir ja ohnehin in einer Zeit, in der Politiker auch den dümmsten Scheiß verzapfen dürfen, ohne besondere Konsequenzen zu fürchten. Erinnert sich noch jemand an die Jahre, in denen schon unglückliche Formulierungen dazu geführt haben, dass jemand zurückgetreten ist? Das war schön oder? Aber das ist vorbei und mittlerweile darf selbst der Innenminister frei rumposaunen, dass er Gesetze besonders kompliziert macht (und mal nebenbei einfach irgendwo mit reinsneakt), damit sie niemand versteht und entsprechend in Frage stellen kann. Allein das verdient nicht nur mehrfachen Rücktritt, sondern ein Wochenende durchgängig Prügel mit dem Grundgesetz.

Aber es ist nicht alles verloren, denn nach wie vor gibt es Menschen, die den Rücken gerade machen und sich lautstark positionieren, auch direkt gegen Nazis und andere Rechtsidioten:

Schade nur, dass genau die immer noch in der Unterzahl sind. Übrigens: falls wer Twitter-Bots bauen kann, ich wünsch mir einen, der bei jedem Tweet eines CDU/CSU-Politikers (und von mir aus auch gern bei der SPD) mit „Dumm oder was?“ und bei jedem AfD-Tweet „Nein“ antwortet. Wird zwar auch nichts lösen, aber wenigstens ein bisschen ein schönes Gefühl erzeugen.

Einer der wohl wichtigsten, womöglich aber undankbarsten Jobs ist der in einer Notrufzentrale – zumindest wenn man diesem einen Film mit Halle Berry Glauben schenken will, dessen Name mir nicht einfallen will, der aber auch ein ziemlich stumpfsinniges Ende hat. Was extrem schade ist, weil der Anfang recht vielversprechend war und zeigte, dass die Jungs und Mädels in der Zentrale als Erstkontakt unfassbar wichtig sind – nicht nur was das schnelle Erfassen der wichtigsten Informationen angeht – aber eigentlich nie wissen, wie die Geschichten ausgehen und ob die ausgesendete Hilfe erfolgreich war.

Dazu kommt, dass der Job nicht sonderlich abwechslungsreich, dafür aber sicher krass stressig sein muss, immerhin geht es ja schnell mal um Menschenleben – da darf man sich keinen Hänger erlauben.

The Atlantic hat im Rahmen seiner Atlantic Selects – kurze Dokumentationen von unabhängigen Filmemachern, kuratiert bei The Atlantic – nun einen kurzen Film online gestellt, der Einblicke in den Alltag einer Notrufzentrale gibt – dabei meine Behauptungen aber nur bedingt bestätigt bzw. widerlegt. Denn aus dem Off gibt es keine Infos, was die knapp 8einhalb Minuten recht intensiv machen:

Keine Ahnung, ob man in dem Job wirklich alt werden kann.