Menschen – :: Was is hier eigentlich los :: https://www.wihel.de Entertainment, LifeStyle, Gadgets, Kultur und ein bisschen WTF Tue, 11 May 2021 06:49:15 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.2 Einem Kaffeeröster über die Schulter geschaut https://www.wihel.de/einem-kaffeeroester-ueber-die-schulter-geschaut/ https://www.wihel.de/einem-kaffeeroester-ueber-die-schulter-geschaut/#comments Wed, 12 May 2021 10:40:47 +0000 https://www.wihel.de/?p=114411 Einem Kaffeeröster über die Schulter geschaut | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich bewundere ja Leute, die sich für eine (einzige) Sache so richtig begeistern können und dann auch so dermaßen in die Materie eintauchen, dass man gar nicht anders kann, als sie als Experten zu bezeichnen. Und dabei meine ich wirklich Experte und nicht das, was da regelmäßig in irgendwelche Talkshows eingeladen wird und nur vor sich hinblubbert.

Die dann auch einfach Erfüllung in ihrem Schaffen finden und auf jedes noch so kleine Detail achten und dir einfach in 4 Stunden alles darüber erzählen können – dann hast du aber gerade mal 10% des kompletten Prozesses begriffen. Und kannst es trotzdem nicht einfach mal eben so nachmachen, denn Leidenschaft kann man nicht mal eben so lernen.

Die aber auch wissen, dass das, was sie tun, gerade alles andere als kriegsentscheidend ist und keine Leben davon abhängen. Und die dann eben auch kein Problem damit haben, in der weltumfassenden Wichtigkeitsskala eher weiter unten angesiedelt zu sein, sich aber dort auch ganz wohl fühlen, weil ihnen das Spaß macht, was sie tun und es beinahe schon egal ist, wie das andere finden. Die sich aber umso mehr freuen, wenn andere dafür dankbar sind.

Genau diesen Eindruck hab ich bei Anthony Holly bekommen. Der lebt in Los Angeles und ist ein Kaffeeröster – oder wie er sagt: coffee roaster, coffee guy und auch coffee specialist, was vermutlich einfach die beste Bezeichnung überhaupt sein kann, weil Holly einfach Spaß am Job, am Kaffeerösten hat und überhaupt am Umgang mit Kaffeebohnen hat.

Ein kleines bisschen kann ich das fühlen, was er meint:

Appreciate the art of roasting coffee. Take a behind-the-scenes look at how coffee is made, from sourcing the beans to roasting them to perfection. The process is almost as energizing and soothing as a cup of coffee itself.

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Der FC Bayern München hat wieder an seinen Sympathiewerten gearbeitet https://www.wihel.de/der-fc-bayern-muenchen-hat-wieder-an-seinen-sympathiewerten-gearbeitet/ https://www.wihel.de/der-fc-bayern-muenchen-hat-wieder-an-seinen-sympathiewerten-gearbeitet/#comments Wed, 24 Feb 2021 07:03:48 +0000 https://www.wihel.de/?p=111090 Der FC Bayern München hat wieder an seinen Sympathiewerten gearbeitet | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Mit dem FC Bayern München ist es ja ein bisschen wie mit Pizza Hawaii – die einen mögen es, die anderen hassen es und eigentlich gibt es keinen Weg dazwischen. Und so ist es auch mit den Bayern, die ja eigentlich recht erfolgsverwöhnt sind. Klar, bei einem gewissen Standing kommt man auch nicht drumherum, sowas wie Anerkennung zu zeigen und gerade in der letzten Saison mit insgesamt 6 Titeln kann man eigentlich nur seinen Hut ziehen.

Aber wir reden nun mal vom FC Bayern und der äußert sich eben gern auch mal zu Dingen, die nicht direkt etwas mit dem Fußball zu tun haben. Eines der neueren Beispiele war der Vorschlag von Karl-Heinz Rummennige, Fußballer doch bevorzugt zu impfen, weil wegen Vorbildfunktion und so. Ja genau, der Rummenigge, der auch nach Monaten noch nicht weiß, wie man einen Mund-Nasen-Schutz trägt. Davon mal abgesehen, dass es scheinbar noch nicht reicht, dass die Bundesligaprofis im Gegensatz zu den Amateuren nach wie vor seit Monaten spielen und weiter Geld scheffeln dürfen … das Argument wirkt halt mehr als fadenscheinig.

Besonders wenn man den Zeitpunkt betrachtet und der ganz zufällig mit diversen internationalen Reisen der Bayern zusammenfällt, wie zum Beispiel das Finale der Klub-Weltmeisterschaft. So kam es ja dann auch, wie es kommen musste: Mit Thomas Müller hat sich mal wieder ein Spieler infiziert. Aber der muss dann auch nicht – wie alle anderen Normalsterblichen – dort bleiben, wo er gerade ist, sondern darf trotzdem nach Hause fliegen.

Ein Schelm, wer hier wieder auf den Fakt zeigt, dass der Profifußball schon lange die Bindung zur Basis verloren hat. Da wundern dann auch nicht weitere merkwürdige Diskussionen mit sogenannten Experten, denn eigentlich … macht der FC Bayern ja nur das, was er schon immer gemacht hat – hart im eigenen Image und den damit zusammenhängen Sympathiewerten arbeiten.

Wird dann halt aber schwieriger, wenn sich doch mal ein Journalist bzw. Moderator das Recht raus nimmt, etwas kritischer nachzufragen. So wie es Jochen Breyer zuletzt im Sportstudio getan hat:

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, hat dem Vorwurf widersprochen, sein Klub wolle sich beim Impfen vordrängeln. Im sportstudio sagt er, er habe sich wohl missverständlich ausgedrückt. Mitte vergangener Woche hatte ein Interview mit Karl-Heinz Rummenigge für Aufregung gesorgt. Fußballprofis könnten – so argumentierte Rummenigge – Vorbilder bei der Impfung gegen das Coronavirus sein.

Außerdem spricht Rummenigge im sportstudio-Interview über die umstrittenen Reisen der Fußballklubs quer durch Europa im Rahmen des Europapokals, Spielergehälter in Zeiten der Coronavirus-Pandemie und die ebenfalls umstrittene Partnerschaft des FC Bayern mit dem Emirat Katar, das wegen anhaltender Verstöße gegen die Menschenrechte in der Kritik steht.

Ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass Rummenigge langsam aber sicher Richtung Rente geht.

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Ein Tag im Leben eines Solo-Seglers https://www.wihel.de/ein-tag-im-leben-eines-solo-seglers/ https://www.wihel.de/ein-tag-im-leben-eines-solo-seglers/#comments Thu, 11 Feb 2021 07:09:16 +0000 https://www.wihel.de/?p=110553 Ein Tag im Leben eines Solo-Seglers | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Dank Boris Herrmann ist das Thema Segeln zumindest im letzten Monat bei einigen Leuten deutlich präsenter, als es das vorher war – um nicht zu sagen: es ist das erste Mal aufgetaucht. So zumindest bei mir, denn ich hab mit Segeln mal so gar nichts am Hut, auch wenn ich glaube, dass das durchaus Spaß machen könnte, wenn man denn Bock drauf hat. Und das hab ich einfach nicht.

Dennoch verdient seine Leistung – nicht nur bei der Vendée Globe höchste Anerkennung, denn der Typ hat einfach mal die komplette Welt umsegelt und das in irgendwas um die 80 Tage, das muss man erstmal nachmachen, gerade im Hinblick auf einige sehr spezielle Stellen wie das Kap in Südafrika.

Was aber viel beeindruckender ist: Er war die ganze Zeit komplett auf sich allein gestellt. Was halt Zuhause und nur für ein paar Tage noch relativ einfach zu bewerkstelligen ist, sieht halt auf offenem Meer über einen sehr langen Zeitraum schon ganz anders aus. Der Natur ausgeliefert, ohne die Möglichkeit schnell an Hilfe oder Unterstützung in welcher Form auch immer zu kommen und vermutlich immer mit der Angst im Nacken, dass ein unglücklicher Moment dazu führt, dass das Rennen von jetzt auf gleich vorbei ist.

Bestes Beispiel ist da schon fast der Grund, warum Herrmann nicht aufs Siegertreppchen steigen konnte: Lange schlafen war ja während des Rennens ohnehin nicht angesagt, aber kurz vor dem Ziel kollidierte er mit einem Schifferboot und musste die restliche Strecke quasi im Schneckentempo zurücklegen. Ganz bittere Nummer war das.

Nachfolgend gibt es nun nicht Boris Herrmann, dafür aber Alan. Und der erzählt und zeigt ein bisschen von seiner täglichen Routine – ebenfalls allein auf einem Segelboot im Atlantik unterwegs:

In this episode I show my typical daily routine at sea on Wave Rover. Including how and when I sleep, how I cook, and fill my day. Wave Rover is also transiting through fog. She continues to progress North on her epic nonstop passage from Martinique to Prince Edward Island on the East Coast of Canada.

Wie gesagt, muss man wirklich Bock drauf haben.

Ich sag ja öfter mal, dass ich zu faul bin, um bestimmte Sachen zu recherchieren, was auch einfach stimmt, denn Recherche braucht – zumindest gute Recherche – Zeit. Zeit, die ich nicht selten gar nicht habe und wenn ich sie habe, verbring ich sie gern anders, zumal man ja nicht nur einfach rumsucht, man muss ja idealerweise auch noch gegenchecken und überprüfen, ob das stimmt, was man da gefunden hat.

Das können Reporter und Redakteure in der Regel besser als ich und wie mal ein Chef von mir sagte: Es macht mehr Sinn, seine Stärken einzusetzen, als an seinen Schwächen zu feilen (was aber auch nur bis zu einem gewissen Grad befolgt werden sollte – die eine oder andere Schwäche sollte man dennoch bearbeiten).

Wenn es allerdings um Nordkorea geht, dann braucht man nicht wirklich eine Recherche starten – das Land ist ohnehin so abgeschottet, dass man nicht wirklich etwas herausbekommt, außer man arbeitet bei irgendeinem Geheimdienst. Aber selbst die haben es nicht leicht und würden vermutlich auch keinen Unterhaltungsblog führen, wobei das sicher witzig und spannend wäre.

Zurück zu Nordkorea: Daher ist es nur logisch, dass sich der eine oder andere Mythos um das Land und seine Leute rankt – welche davon wahr sind und welche nicht, kann wohl niemand so wirklich sagen, aber allein die Vorstellung das Machthaber Kim Jong Un über Wochen vor Corona in seinem Zug davon gefahren ist … das hat was. So oder so, Nordkorea wirkt immer ein bisschen wie aus der Zeit gefallen und unwirklich.

Nicht gerade wenig bestätigt wird dieser Eindruck unter anderem auch durch das nachfolgende Video, dass Nordkorea an einem scheinbar beliebigen Regentag porträtiert:

A rainy day in Pyongyang, North Korea.

KOREA is part III of a project that explores areas marked by conflicts looking for a personal and contemplative look at its landscapes and people.(part I and II were featured on Nowness and Vimeo Staff Picks). Having the ultra-secretive North Korea as a subject imposed many obstacles whilst capturing the images due to restricted movements and constant supervision. Through these images and sounds, we look to evoke and shed light at the tense atmosphere of a country that looks displaced in time and space.

Da will man wirklich nicht alt werden. Und begraben werden. Oder sonst wie vor Ort sein.

Als Kind dachte ich unter anderem, dass das Erfinden oder Testen von Spielzeug der Traumjob schlecht hin sein muss – dank YouTube wissen wir zumindest, dass man mit Letztgenanntem sogar richtig viel Geld verdienen kann, zumindest gibt es mindestens einen YouTube-Kanal, der sich damit eine goldene Nase verdient.

Und ich muss immer an den Film mit Tom Hanks denken, in dem er über Nacht zumindest körperlich vom Kind zum Erwachsenen wird und dann auch in irgendeiner Firma anfängt und Spielzeuge erfinden oder testen muss. Hieß der Big? Weiß ich nicht mehr, meine aber, dass sich da auch sehr schnell herausstellt, dass Kinder die besseren Spielzeugexperten sind und Erwachsene schnell den Sinn dafür verlieren.

Außer man heißt Eddy Goldfarb. Der ist mittlerweile 98 Jahre alt, was an sich schon eine kleine Story wert ist – aber Goldfarb gilt vermutlich auch als der beste Spielzeugerfinder der Welt, denn nicht weniger als 800 Spielzeuge gehen auf seine Kappe.

Oder um es anders auszudrücken: Egal an welche Spielzeuge ihr denkt, die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass Goldfarb da in irgendeiner Weise dahinter steckt.

The New Yorker hat ihr besucht und ein wenig über sein Lebenswerk und ein paar seiner Erfindungen etwas detaillierter ge- und besprochen.

Eddy Goldfarb, who is ninety-eight, created such classics as the bubble gun, chattering teeth, and Kerplunk! Here’s how he did it.

Ein Opa, den sich wohl jedes Kind wünscht.

Ich hab natürlich keine Ahnung von Backen, wo ganz unwissend bin ich aber dennoch nicht. So weiß ich, dass Backen eine richtig hohe Kunst ist im Vergleich zum Kochen, weil man erst ganz am Ende weiß, ob man irgendwo einen Fehler gemacht hat oder nicht. Kann man beim Kochen immer noch während des Prozesses nachjustieren, muss man beim Backen einfach warten, bis der Ofen fertig ist. Würde ich es nicht besser wissen, würde ich sagen: Backen ist deutlich höher anzusetzen als Kochen, einfach weil man nicht schummeln kann.

Umso schöner ist es dann, wenn sich so mancher Fehler als gute Entscheidung entpuppt. Ich hab zum Beispiel das letzte Mal bei Lines Brownies die Menge für Öl und Wasser verwechselt und so deutlich zu viel Wasser in den Teig getan. Stellt sich heraus: War mega gut, weil die Brownies auch noch nach zwei Tagen so richtig schön sabbschig waren.

Und ich weiß auch, dass Filoteig ziemlich geil ist, aber unfassbar viel Aufwand bedeutet. Ist halt richtig dünner Teig, von dem man einfach mehrere Schichten braucht und entsprechend dauert das alles sehr lange – besonders wenn man den per Hand herstellt, was halt heutzutage kaum noch einer macht, schließlich gab es die Industrialisierung nicht umsonst.

Außer man heißt Giorgos Hatziparaskos und lebt auf Kreta, betreibt seit 1960 eine Bäckerei zusammen mit seiner Frau und macht seinen Filoteig nach wie vor per Hand, vollkommen egal, ob man mittlerweile 86 Jahre alt ist oder nicht:

At 86 years old, Giorgos Hatziparaskos is one of the last bakers in Greece making phyllo pastry by hand. With the help of his wife and son, he keeps the business going thanks to tourists visiting the Greek island of Crete.

Sollen die Leute doch mit ihren scheiß Maschinen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Den braucht man ohnehin nicht für Filoteig.

Ich hab ja gestern schon an dieser Stelle ein bisschen gejammert, dass das mit einigen Bestandteilen des Essens in Deutschland gar nicht mal so einfach ist, besonders wenn man eine Frau hat, die immer irgendwie in Schüben kocht. Das war natürlich sehr hohes Niveau und das Meiste, was Line kocht, ist einfach nur sehr gut – ich freu mich dennoch, wenn nach 4 Wochen Nudeln auch mal wieder was anderes auf den Tisch kommt, denn selbst bei den ganzen Nudelsorten, die es mittlerweile auf dem Markt gibt, egal ob Form, Farbe oder Größe – es bleibt eine Nudel.

Insofern hab ich auch ein bisschen Mitleid mit Patrick Grümmert, denn der beschäftigt sich den ganzen Tag mit Nudeln. Nicht viel Mitleid, aber ein bisschen, denn irgendwo hat sich Grümmert das ja auch ausgesucht, so als selbstständiger Unternehmer und Nudelproduzent.

Den beleuchtet nämlich eine neue Doku des NDR und wie jeder weiß, bin ich großer Fan von Dokus vom NDR, weil die halt zu 99,587% auch immer gut sind. So auch dieses Mal, allerdings hab ich so meine Probleme mit der Videobeschreibung.

Denn ich bin mir sehr sicher, dass nicht nur Patrick Grümmert den „Mut besitzt“ im „Kartoffelland Mecklenburg-Vorpommern“ was anderes anzubauen außer Kartoffeln und irgendwie finde ich auch Pasta Patrick beinahe schon frech.

Schließlich sehen wir hier einen Mann, der 10 Jahre Hotels gemanagt hat, was vermutlich nicht jeder kann und der dann den Mut besessen hat, auszusteigen, weil alles zu viel wurde – und sich dennoch was eigenes wieder aufgebaut hat. Würde zumindest behaupten, dass Gurken-Guido und Hirse-Hans deutlich andere Lebensläufe aufweisen.

Patrick Grümmert ist einer aus der Region und traut sich, im “Kartoffelland” Mecklenburg-Vorpommern selbst gemachte Nudeln anzubieten. Und zwar erfolgreich, sein Geschäft floriert. Alle wollen mittlerweile seine Nudeln haben, seine Soßen, Chutneys, Pesto, die ganze Produktpalette.

Patricks Leute fahren mit Pasta-Mobilen auf Märkte und verkaufen dort warme Pasta-Gerichte. 120 Portionen gehen in anderthalb Stunden über die Theke. Patrick Grümmert selbst lädt zu Kochkursen in seine Manufaktur ein, bietet Caterings an, verkauft seine Nudelprodukte und Soßen im Hofladen.

Im siebten Jahr betreibt Patrick Grümmert seine Nudelmanufaktur in der mecklenburgischen Pampa. Er ist gelernter Koch und innerhalb kürzester Zeit zum Hoteldirektor aufgestiegen, hat zehn Jahre lang als Manager für eine US-amerikanische Hotelkette an den schönsten Plätzen der Welt gearbeitet. Aber der Druck wurde immer größer. Am Ende war er völlig ausgebrannt, ist ausgestiegen und in seine Heimat zurückgekehrt. Kurzerhand hat sich Patrick Grümmert ein altes Bauerngehöft bei Schwaan gekauft, hier produziert er jetzt Nudeln.

Schön auch zu sehen: Mit Nudeln allein kommt man halt auch nicht weit.

Dass wir große Fans vom NDR sind, ist ja schon länger bekannt und ich behaupte sogar, dass kein anderer deutscher Sender so gut Dokumentation machen kann, wie der Sender hier im Norden. Da ist quasi für jeden etwas dabei, egal ob es eher leicht und wenig fordernd oder aber auch mal schockierend und mit der Realität direkt ins Gesicht sein soll – in der Mediathek findet man immer was.

Was aber dabei auch sehr schade ist: Das braucht halt Zeit und wenn man sich wirklich mal selbige nimmt und die Mediathek beackert, ist man auch schnell durch und muss schon recht lange auf neues Futter warten. Dabei fällt dann auch auf, dass der NDR recht viel wiederholt und recycelt, was auf Dauer auch nicht gerade Spaß bringt.

Was aber nichts daran ändert, dass die Dokumentationen nahezu durchweg gut sind. Und ganz vorn mit dabei ist natürlich „Die Geschichte eines Abends“. Zumindest blog-technisch hatten wir Ende letzten Jahres einen Beitrag zu der Sendung mit Olli Schulz, die für mich auch die Beste der ganzen Reihe bisher ist, aber auch die Folge mit Roberto Blanco und Linda Zervakis ist mir noch gut im Kopf geblieben.

Und das ist tatsächlich ein sehr interessantes Format, weil es doch irgendwo Interview-Charakter hat, aber auch eben nicht, denn einen klassischen Moderator sucht man vergebens – statt dessen sprechen und befragen sich die Protagonisten einfach selbst. Teils ist es sogar genauso, wie wohl die eigentliche Idee der Sendung zu sein scheint: Da treffen sich einfach Leute, haben einen netten Abend, plaudern über Gott und die Welt und wir dürfen einfach zuhören.

Eine Folge, die mir durch die Lappen gegangen und bereits 2018 ausgestrahlt wurde: Lars Eidinger lädt ein und trifft sich unter anderem mit Kevin Kühnert, Sophia Thomalla und anderen.

Ein Herbstabend auf St. Pauli. Fünf prominente Gäste verbringen eine gemeinsame Nacht in einem Hamburger Filmstudio. Eingeladen hat Lars Eidinger, der exzentrische Popstar des Theaters.

Das ist keine normale Talkshow!

“Die Geschichte eines Abends” ist anarchischer Doku-Talk, wie der Abend verläuft, bestimmt Gastgeber Lars Eidinger. Mit dabei sind Model und Schauspielerin Sophia Thomalla, Juso-Chef Kevin Kühnert (SPD), Schlagerstar Stefanie Hertel, Herzchirurg Michael Hübler und Popsänger Drangsal. Keiner kennt die anderen bisher, niemand weiß, wie dieser Abend ablaufen wird. Ist das überhaupt eine normale Talkshow?

“Man trifft sich in privater Atmosphäre und erfährt Intimes voneinander. Der Eindruck wird ja normalerweise in Talksendungen vermittelt”, sagt der Gastgeber. Dabei spiele er dann doch auch nur den Lars Eidinger, den alle sehen wollen.

Wie gesagt, ich empfehle jedem einen Blick in die Mediathek – hier gibt es zum Beispiel alle weiteren Folgen und auch der YouTube-Kanal hat eine ganz beträchtliche Sammlung an diversen Dokumentationen.

Ich gehöre ja nicht unbedingt zu den regelmäßigen tagesthemen-Guckern, bin da eher Anhänger der Tagesschau, weil … um 20 Uhr guckt man halt Nachrichten, schön komprimiert auf 15 Minuten und maximal deprimierend, weil das die Eltern auch schon immer so gemacht haben. Und deren Eltern auch und vielleicht deren Eltern auch. Wie so ein Teufelskreis über Generationen hinweg und am Ende weiß irgendwann keiner mehr, warum wir zu dem Bums eigentlich einschalten.

Daher ist mir aber auch gar nicht klar, wo der Unterschied zwischen beiden Sendungen ist, zumal sie scheinbar im gleichen Studio stattfinden. Womöglich gibt es auch keinen gravierenden und doch sind die tagesthemen ein seit letzter Woche bekannter denn je, denn die ärzte waren zu Besuch und haben unter anderem die Titelmelodie beigesteuert.

Das hat natürlich Almans und Möchtegern-Evergreen-Punks gleichermaßen auf die Barrikaden getrieben, denn wie kann man nur und das ist ja auch nicht mehr meine Band von damals bla bla bla. Am Ende ist es aber vor allem eines: Ein genialer Clou für beide Seiten. Gerade in der aktuellen Situation hätte die Band wohl kaum mehr Aufmerksamkeit mit ein paar Minuten Sendezeit generieren können und auch die tagesthemen sind mal mehr als „nur eine Nachrichtensendung“. Wie passend, dass die Band dann zufällig auch noch ein neues Album herausgebracht hat und … Marketing ist eben alles.

Neben diesem Umstand haben die drei aber auch ein wenig mit Ingo Zamperoni geplauscht und ein paar Gedanken zur aktuellen Lage generell aber auch in Bezug auf den Kulturbereich geteilt. Nicht gerade eines der besten Interviews der Band, aber auch Zamperoni kann bestimmt mehr als er hier gezeigt hat – ändert nichts daran, dass ich finde, dass neben dem Auftritt selbst auch hier ein wenig mehr Aufmerksamkeit nicht schaden kann:

Das deutsche Corona-Hilfsprogramm “Neustart Kultur” ist weltweit einzigartig. Auflage: Orchester dürfen nicht abgewickelt, Häuser nicht geschlossen werden. “Neustart Kultur” soll das Überleben der Institutionen sichern, auch, um den Künstlern wieder Einkünfte und Gagen zu ermöglichen. Denn alle Freibeschäftigten im Kultursektor müssen, so sie allein und nur für sich arbeiten, momentan Arbeitslosengeld II beantragen. Viele empfinden den Gang zum Jobcenter als Schmach, kommt ihre Untätigkeit doch einem Berufsverbot gleich. Sie wollen dem Staat nicht zur Last fallen und haben doch keine andere Wahl.

Eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Band wie Die Ärzte trifft die Krise wohl weniger hart als die meisten anderen freien Musikerinnen und Musiker. Im Schnitt verdienen freie Musiker laut Künstlersozialkasse 13.000 Euro im Jahr – Brutto. Davon lassen sich weder Rentenpunkte sammeln noch Polster ansparen für schlechte Zeiten.

Ich schließe mich Sascha an, die schönste Stelle ist die, bei der die Corona-Leugner angesprochen und genauso schnell wieder zu den Akten gelegt werden.

… liegt doch tatsächlich in Michigan und ist eigentlich eine Kleinstadt namens Colon. Und wenn wir schon bei Enttäuschungen sind: Colon ist auch nur ein Mal im Jahr für ein paar Tage die Hauptstadt der Zauberei, muss dann aber ein ziemlich spannender Ort sein, besonders wenn man nicht in die zahlreichen Geheimnisse der Magie und Illusion eingeweiht ist.

Denn seit 78 Jahren treffen sich dort die mal mehr mal weniger berühmten Magier aus aller Welt zum Abbott’s Magic Get-Together.

Was mich übrigens daran erinnert, dass ich nicht nur gern über die Idiotie der anderen rede, sondern selbst ein ziemlicher Idiot bin, weil ich nach wie vor mich nicht darum gekümmert hab, die Show von Penn und Teller zu schauen. Dabei ist so ein VPN ja schnell eingerichtet …

Colon, Michigan is a rural town that is home to roughly 1,000 people. It’s also considered the mecca of magic. Rival magic shops, a magicians’ graveyard, and straightjacket escapes are just the beginning of what Colon has to offer. Welcome to ‘The Magic Capital of the World.’

Vielleicht im nächsten Urlaub dann.

Aus Gründen ist diese Woche mal ein bisschen weniger los …

Ich kann und will mich absolut nicht davon freisprechen, dass der Alman in mir relativ groß ist, zumindest was bestimmte Verhaltensweisen angeht. Ich bin einer der größten Parknazis der Welt, was ich schon öfter mal in diversen Beiträgen kund getan hab und auch wenn mir klar ist, dass eingezeichnete Linien nur eine Art Empfehlung und keine Anordnung sind, platzt mir doch jedes Mal der Arsch, wenn ich sehe, wie rücksichtslos manche Leute parken. Denn darum geht es ja eigentlich:

Da hat sich jemand Gedanken gemacht, wie man den Platz optimal nutzen kann und damit alle von diesem Wissen profitieren, hat derjenige Linien auf den Boden gezeichnet. Macht jeder mit, ist das eine tolle Win-Win-Situation – außer halt, wenn Jürgen kommt und einfach viel zu dumm ist, um Rücksicht auf andere zu nehmen. Aber wehe, du parkst dann zu dicht an seinem Wagen, dann bricht der 3. Weltkrieg aus.

Ähnliches Prinzip: unsere verhassten Nachbarn unter uns, die eigentlich von niemandem wirklich gemocht werden (sie werden toleriert und das ist für mich eigentlich die schönste Beleidigung überhaupt) haben das Glück und besitzen eine Garage. Die kostet nicht viel, die Anzahl ist stark begrenzt, sodass man sich lediglich auf eine Warteliste setzen lassen kann, wenn man auch eine möchte. Und trotz Besitz dieser Garage fährt der Typ seine Karre regelmäßig morgens aus der Garage, blockiert damit einen der freien Parkplätze – die halt vornehmlich für die Leute gedacht sind, die KEINE Garage besitzen – und lässt das scheiß Ding dort den ganzen Tag stehen. Und warum? Weil er abends mal für 10 Minuten seine Olle rumfahren muss. Ich hasse Menschen. Nicht alle, aber die meisten.

Dabei kann es auch so leicht anders gehen – in dem man Rücksicht nimmt und nicht nur an seinen eigenen Arsch denkt. Schließlich hört die eigene Freiheit da auf, wo die der anderen anfängt. Und es ist auch nicht besonders schwer, anderen Leuten etwas Gutes zu tun – so wie er das hier macht.

Ich glaube, sein Name ist Dave und Dave beobachtete regelmäßig, wie ein kleiner Junge mit seinem Fahrrad regelmäßig vorbei fuhr, eine Runde in seiner Einfahrt drehte und einfach wieder weg fuhr. Statt dafür zu sorgen, dass der kleine Scheißer das nie wieder macht – ist ja schließlich sein Grund und Boden – hat er stattdessen … seht einfach selbst:

Every night I would get an alert from my driveway security camera, and at first I was a bit annoyed, but then I found myself looking forward to the evening alert. And then inspiration struck, in the form of my wife giving me this great idea. What transpired has turned into the best part of an otherwise dreary pandemic summer.

So einfach und leicht kann man Menschen glücklich machen. In dem man einfach kein Arschloch ist.

Den letzten Urlaubstag sollte man ja immer besonders genießen, schließlich geht am nächsten Tag der Ernst des Lebens wieder los. Und das so richtig, denn zum einen muss man alles aufarbeiten, was liegen geblieben ist, gleichzeitig versuchen, wieder den Anschluss zu finden und nicht selten genau so weitermachen, wie man aufgehört hat. Klassische Dreifachbelastung, die dann gern auch noch mal damit garniert wird, dass man allen anderen vom Urlaub erzählen muss – obwohl man ohnehin schon keine Zeit hat.

Außer es ist Corona, dann bleibt zumindest der Smalltalk weg, was in den ersten Wochen durchaus schade war, aber gerade in dieser Situation sehr hilfreich ist. Mein letzter Urlaubstag stand nun gestern an und ich hab ihn … nicht genossen. Denn nicht nur auf der Arbeit blieb einiges liegen, sondern auch in meinem privaten E-Mail-Postfach, sowie im Feedreader und überhaupt müssen die Beiträge für den heutigen Tag ja noch vorgeschrieben werden.

Genau wie auch dieser – mit dem kleinen Unterschied, dass ich mir an meinem letzten Urlaubstag aber doch mal zwei Stunden Zeit nehme, die Füße hoch lege und Kurt Krömer sowie Gregor Gysi bei ihrem Gespräch lausche. Denn wir alle wissen ja, dass die beiden Herren nicht selten außerordentlich schlagfertig sind und überhaupt sehr gut im Reden. Ich würde sogar so weit gehen, dass Gregor Gysi ein durchaus sympathischer Typ ist, auch wenn ich mal vor Jahren einen längeren Artikel über sein Schaffen gelesen habe, bei dem er nicht sonderlich gut weg kam, gerade was sein Privatleben angeht.

Aber wer sind wir schon, dass wir aus der Ferne urteilen, sehen wir doch immer nur einen kleinen Teil des Ganzen. Nachfolgend etwas mehr, denn beide Videos ergeben zusammen irgendwas um die 2 Stunden:

Hier ist der erste Teil des Gesprächs vom 17.12.2017 in der Berliner Distel zwischen
Gregor Gysi & Kurt Krömer.
Dabei erlebt Ihr die “Berliner Schnauze” unter den Komikern nicht nur so schlagfertig, wie ihn alle kennen und lieben, sondern auch so privat wie selten, denn er erzählt Gregor Gysi Vieles aus seinem Leben, was bisher noch nicht bekannt war.

Und hier ist der zweite Teil des Gesprächs vom 17.12.2017 in der Berliner Distel zwischen
Gregor Gysi & Kurt Krömer.

Und eine kleine spontane Blogsuche zeigt dann auch, dass ich witziger Weise (mit einigen Jahren Abstand dazwischen) beide sogar zur Lage der Nation habe zu Wort kommen lassen.

Ich denke, über die Sinnhaftigkeit von Waffen brauchen wir uns nicht großartig unterhalten, ebenso wenig über die Sinnhaftigkeit des Besitzes von Waffen in privater Hand. Und wir brauchen auch nicht darüber sprechen, dass es doch viel besser wäre, wenn es gar keine Waffen auf der Welt geben würde. Ja, wäre es, aber die Menschheit ist nun mal vollständig bekloppt und irgendein Trottel schafft es immer wieder, alles mühsam aufgebaute mit Leichtigkeit und seinem Arsch wieder einzureißen. Ich mein, ich durfte mal beinahe nicht in ein Fußballstadion, weil der Ordner glaubte, ich würde mein sündhaft teures Smartphone als Wurfgeschoss verwenden wollen …

Immerhin, manch staatliche Organisation versucht immerhin ein bisschen regulierend einzugreifen und der eine oder andere hat sicher auch schon gesehen, wie Handfeuerwaffen in teils riesigen Schmelzkesseln eingeschmolzen werden. Ein bisschen beeindruckend, aber vielleicht auch einfach nur Sisyphus-Arbeit, denn es braucht ja keiner denken, dass für eine eingeschmolzene Waffe nicht mindestens zwei neue produziert werden.

Jason Young hat eine recht wortlose Dokumentation über zwei Menschen gemacht, die in den ersten Minuten des Videos sich scheinbar einfach nur dazu entschieden haben, möglichst abgeschieden und einigermaßen autark zu leben. Das ist visuell natürlich ganz große Kunst und einfach nur schön anzusehen – zum Ende hin sieht man aber, was John und Nancy Little so besonders macht und was vielleicht der eigentliche Grund für diese Dokumentation ist:

Written and directed by Jason Young (Animals, Inside Time), Gun Killers takes us into the rural, secluded paradise that retired blacksmiths John and Nancy Little call home. As the tranquil light of a typical day of harvesting vegetables descends into the night, we experience the secret work that John and Nancy are sometimes called upon to undertake for the RCMP.

Wie gesagt, irgendwo hab ich auch schon mal gesehen, wie Waffen eingeschmolzen und dadurch zerstört werden – wusste aber nicht, dass da auch im privaten Bereich heimlich (!) Privatleute mit eingespannt werden.

Ich glaube, das einzige Mal, dass ich Helge Schneider wirklich ernst erlebt hab, war in einer Doku vor ein paar Jahren, die sich um ihn gedreht hat. Da hat er ein bisschen von seiner Kindheit und seinem Zuhause erzählt und wie er zum Künstler wurde – hauptsächlich ist mir aber hängen geblieben, dass er irgendwann in seiner Schulzeit nur noch vorne ins Gebäude reingegangen und umgehend auf der Hinterseite wieder rausgegangen ist, weil … einfach kein Bock auf Schule.

Ansonsten steht Helge Schneider aber für Blödelei, vor allem aber für eine Unberechenbarkeit, die seinesgleichen sucht. In den meisten Fällen funktioniert das auch hervorragend, in seltenen Fällen denk aber auch ich mir „Wäh?“ Völlig normal, 100%ige Trefferquoten gibt es nicht.

Und dann taucht das nachfolgende Video auf, ebenso unberechenbar wie fast alles, was Helge Schneider so gemacht hat und zeigt ihn mal wieder von seiner ernsten Seite. Vor allem geht es darum, wie Künstler mit der Corona-Scheiße umgehen, was es für sie bedeutet, nicht auftreten zu können und eben auch, dass die Lockerungen, die man aktuell vorgenommen hat und demnächst vornehmen wird, nicht die ultimative Lösung für jeden sind:

Ein bisschen erschütternd. Auf der anderen Seite: Nach dem Video, letzten Freitag ist Helge Schneider dann eben doch vor leeren Rängen beim Free ESC auf ProSieben aufgetreten. Naja.

Ich hab ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Lieferfahrern: Als Kunde finde ich sie natürlich super, weil sie mir das schnell bringen, was ich kurz zuvor bestellt hab. Ebenso hab ich auch schon selbst Kuriere in Auftrag gegeben, was eigentlich unfassbar selten bis gar nicht vorkommt, aber wenn man sie denn mal braucht, sie sind sie recht schnell da und erledigen ihren Job – insofern eigentlich ganz cool und scheinbar war zumindest bis vor Corona ja auch Bedarf da, der der ganzen Branche Recht gibt.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und sich so ein Fahrradkurier mit mir die Straße teilt … das wird nicht selten kritisch, wobei ich mich hier nicht ausnehme, denn mittlerweile hat sich eine regelrechte Antipathie entwickelt. Merkwürdigerweise spielt dabei eigentlich nie eine Rolle, dass ich mit meiner Blechkiste dann doch am längeren Hebel sitze, als der Drahteselcowboy – aber nicht selten lernt man final durch Schmerzen (was natürlich nicht heißt, dass ich einen von ihnen jemals über den Haufen gefahren hätte – aber scheinbar ist das mit dem Verkehrsregeln auf dem Fahrrad noch mal eine ganz andere Herausforderung …)

Was ich damit sagen will: Eigentlich sind Lieferfahrer, ob nun auf dem Fahrrad oder im Auto oder per Flugtaxi oder was auch immer, ziemlich cool und – wenn wir den Terminus ohnehin schon einmal benutzen können – sowas wie systemrelevant, auf der anderen Seite machen sie es einem aber auch nicht immer leicht, dass man sie mögen kann.

Law Chen hat ein kleines Portrait über Lieferfahrer in Manhattan gemacht, dass nicht nur aufgrund seiner Geschichte(n) und Protagonisten toll ist, sondern auch visuell ein richtiger Augenschmaus:

A slice of life in the time of corona. Thousands of invisible front line workers risk their health every day to bring food to your couch. They aren’t just immigrants struggling to survive in New York City. They aren’t just the delivery men and women you don’t look at when you open your door. They are the backbone of this city, they are the essential. Most importantly, they are people too and they deserve our respect and recognition now more than ever. Tip generously if you’d like and give them PPE if you can.

I’ve been riding alongside couriers and messengers in the city for a decade. In the past, I’ve been mistaken as a delivery biker whenever I carry any sort of bag even in my own building, probably because I’m asian. That used to annoy me, but now I realize they’re more needed than most of us.

Gestern bereits versprochen, heute direkt geliefert: Eine Doku, die sich mal nicht im Corona und Co. dreht, wenngleich die aktuelle Situation einen Anteil hat, dass wir Zuhause die eine oder andere Doku mehr schauen. So hab ich mich am Wochenende mal hingesetzt und bin die eine oder andere Mediathek abgegrast, um ein bisschen Futter zu finden, dass wir uns einverleiben können, wenn wir am Wochenende mit den Lokalnachrichten durch sind, aber noch Kaffee in der Tasse ist.

Eine dieser Dokus ist die nachfolgende über Ronald Miehling, von dem zumindest wir bis zum Wochenende nichts gehört haben. Was insofern spannend ist, als dass Miehling zwischenzeitlich DER Drogenboss Hamburgs war – wenig verwunderlich bei dem Titel, haben wir doch mit Schnee in Hamburg eher selten Bekanntschaft.

Spannend dabei ist nicht nur der Werdegang Miehlings, der hier natürlich stark verkürzt dargestellt wird, sondern vor allem auch die Wiedersehen mit alten Weggefährten, was die so zu berichten und welche klugen Ratschläge sie im Nachhinein zu geben haben.

Ebenso natürlich, was Miehling rückblickend selbst zu seiner Karriere sagt und welche Zukunftspläne er hat. Um es direkt mal zusammen zu fassen: Es gibt viele Gründe, warum Klischees bis heute aufrecht erhalten werden können.

Dennoch, wie so oft bei Dokus vom NRD: Absolut sehenswert.

Ronald Miehling, genannt “Blacky”, war der “Schneekönig”, einer der größten Kokainhändler Hamburgs. Mit 17 entscheidet er sich ganz bewusst für eine Karriere als Krimineller, wird Zuhälter, Geldeintreiber, Drogenhändler. “Ich bin kriminell geworden, weil ich es so wollte, weil ich ein Abenteuer gesucht hab”, sagt er mit über 60 Jahren.

Ende der 1980er-Jahre versorgt Miehling Hamburgs Schickeria mit Kokain, handelt mit den kolumbianischen Drogenkartellen. Seine Welt teilt sich in zwei Hälften. In einer gibt es Geld, schnelle Autos und Frauen. In der anderen lauern Folter, Tod und Freiheitsentzug. Blacky wird reich. Für ein Vollbad gießt er 400 Flaschen Champagner in die Wanne. Sein wichtigster holländischer Partner wird bei lebendigem Leib mit Benzin übergossen und in Brand gesetzt.

Miehlings Geschäfte laufen lange gut. Doch die Polizei kommt ihm auf die Spur. Zwölf Einsatzwagen jagen Miehling. Die Polizei fährt BMW und Opel, Miehling einen Mercedes 500 SL. Er flieht nach Kolumbien, wird erst zwei Jahre später in Venezuela gefasst. Ronald Miehlings Vater war Polizist. Der Sohn saß fast 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis: “Mein Vater hat immer gesagt: Es ist dein Leben, und wenn du jetzt in diese Richtung gehst, dann wirst du auch irgendwann dafür bezahlen. Mit diesem Wissen habe ich es auch gemacht und ich habe auch dafür bezahlt.”

Auf seinen Freigängen trifft Miehling alte kriminelle Freunde, besucht Kurse der Agentur für Arbeit und versucht sich auf das Leben nach dem Gefängnis vorzubereiten: Wenn er jetzt noch ein einziges Mal kriminell wird, droht ihm lebenslange Haft.

Offen erzählt Miehling von seinem Leben als Drogenboss. Die Berichte der Mutter, der Freunde, ehemaliger Partner, der LKA- und BKA-Beamten, die ihn verfolgt und geschnappt haben, ergänzen Miehlings Erzählungen und verdichten sie zum einem Einblick in eine Welt, von der man sonst nur aus den Schlagzeilen erfährt.

Ein Jahr lang haben die Autoren Johannes Edelhoff und Timo Großpietsch Ronald Miehling während seines offenen Vollzugs mit der Kamera begleitet. Der Dokumentarfilm gibt eine Innensicht einer Welt, die man vielleicht ahnen kann, so aber nicht für möglich halten würde.

“Der Schneekönig” ist eine Entdeckungsreise durch die Heimat von “Blacky”, die er sich auf verschiedenen Freigängen aus dem Knast selbst wieder erschließt, das Psychogramm einer Verbrecherkarriere, ein ungeschminkter Blick in das Leben eines Mannes, der von seinen kriminellen Taten keinen Abstand nimmt und nichts bereut.

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Hamburg: Die Reeperbahn in der Corona-Krise https://www.wihel.de/hamburg-die-reeperbahn-in-der-corona-krise/ https://www.wihel.de/hamburg-die-reeperbahn-in-der-corona-krise/#comments Mon, 20 Apr 2020 10:53:58 +0000 https://www.wihel.de/?p=101294 Hamburg: Die Reeperbahn in der Corona-Krise | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich weiß, ich weiß, das Thema nervt mich auch, aber so schnell werden wir es auch mit den kommenden Lockerungen nicht los – ich geh sogar aus, dass es uns bis ins nächste Jahr begleiten wird. Und ich will auch gar nicht zu laut sagen, dass das alles ja gar nicht so schlimm ist, schließlich kümmern sich Gesundheitssystem und Politik ja (hoffentlich) nach besten Kräften, aber schaut man mal in die anderen Länder, muss man zugeben, dass es Deutschland bis hier hin gar nicht so schlecht gemacht hat.

Zumindest haben wir noch keine 22 Millionen Arbeitslose wie in den USA (WTF – das ist einfach mal ein Viertel der deutschen Bevölkerung), im Vergleich zu Spanien, Italien oder Frankreich sind die statistischen Zahlen einigermaßen okay und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es in Hokkaido die Rolle rückwärts mit erneutem Ausnahmezustand.

Was ich somit eigentlich sagen will: Irgendwie hat sich für alle beinahe alles verändert, aber es hätte noch wesentlich schlimmer kommen können. Und solange manche Leute Zeit haben, darüber zu jammern, dass Baumärkte zwar offen haben, aber Kirchen geschlossen bleiben müssen, kann es so schlimm in diesem Land nicht sein.

Der NDR war vor ein paar Wochen unterwegs und hat einen kleinen Blick auf das Leben auf der Reeperbahn geworfen – eine der belebtesten Straßen in Deutschland, die natürlich ebenso zum Erliegen kam, wie andere auch. Und auch dort zeigt sich, dass das Leben weiter geht – anders und vielleicht nicht unbedingt besser im Vergleich zu vor der Corona-Scheiße, aber eben doch irgendwie weiter.

Kleine Anmerkung noch: Ich bin ja großer Fan der NDR-Dokus und empfehle die eigentlich ausnahmslos weiter – so auch diese, aber irgendwie merkt man doch, dass sie mit recht heißer Nadel gestrickt wurde. Irgendwie fehlt da ein bisschen der rote Faden. Es gab auf jeden Fall schon bessere, nichtsdestotrotz ebenfalls sehenswert:

Eine Reportage über die wohl berühmteste Straße der Welt, die Reeperbahn. Hier – wo sonst das Leben tobt, wo Bordelle, Kneipen, Theater und Clubs rund um die Uhr geöffnet haben, steht das Leben plötzlich still. Eine historische Herausforderung für die Bewohner und Geschäftsleute – selbst in den Bombennächten im Ersten und Zweiten Weltkrieg war das nicht passiert.

Von einem Tag auf den anderen ist die wichtigste Lebensader gekappt. Die überaus außergewöhnliche soziologische und wirtschaftliche Struktur des Viertels sorgt dafür, dass seine Bewohner noch sehr viel stärker als andere an den Folgen der Corona-Pandemie leiden werden. Der Pleitegeier kreist über dem Kiez, tausende von Existenzen und Arbeitsplätzen sind auf engstem Raum bedroht, das Wort Insolvenz macht überall die Runde. Viele hier arbeiten schon in normalen Zeiten am Rande der Legalität. Fast alle leben davon, dass sich Menschen treffen, begegnen, miteinander feiern oder sich lieben. Unvorbereitet stehen jetzt viele vor dem wirtschaftlichen Aus. Dazu kommen die Menschen, die sich im Schatten der Glitzerwelt eingerichtet haben, deren soziales Umfeld die Kneipen und Bars der Straße waren, die vom Flaschensammeln lebten oder den Spenden der Partygäste. Ihnen fehlen neben den Einnahmen, ein sicherer Schlafplatz, die Möglichkeit, sich zu waschen und sozialer Anschluss.

Doch der Kiez wäre nicht der Kiez, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Und so erwacht nach der ersten Schockstarre das, was das Viertel immer auch geprägt hat: Kreativität, Solidarität und Zusammenhalt. So erleben die NDR Autoren Alexander Cierpka und Tom Häussler wie ein Polizeibeamter der Davidwache plötzlich zur Vertrauensperson wird, wie sich die härteste Kneipe auf dem Kiez in eine Suppenküche verwandelt und welche Ideen Prostituierte und Barbesitzer entwickeln, um in dieser Krise zu bestehen.

Morgen gibt es dann die nächste und die hat nichts mit Corona zu tun. Versprochen!

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Das Leben mit dem Corona-Virus auf der Welt https://www.wihel.de/das-leben-mit-dem-corona-virus-auf-der-welt/ https://www.wihel.de/das-leben-mit-dem-corona-virus-auf-der-welt/#comments Wed, 15 Apr 2020 10:33:37 +0000 https://www.wihel.de/?p=101246 Das Leben mit dem Corona-Virus auf der Welt | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich kann ja selbst Corona schon nicht mehr hören und auch die täglichen Updates, eingeleitet durch Push-Meldungen auf dem Smartphone, verlieren immer mehr ihren Reiz. So schnell sich das tägliche Leben doch geändert hat, so langsam scheint es wieder aus diesem Ausnahmezustand heraus zu gehen und in Geduld sind wir Menschen ja nur bedingt geübt – da können die Experten noch so lange und eindringlich sagen, dass wir erst am Anfang stehen, wenn Manfred keinen Bock mehr hat, Zuhause zu bleiben, dann hat Manfred eben keinen Bock mehr, Zuhause zu bleiben. Die Freiheit zum Grillen ist unantastbar!

Tatsächlich ist aber meine Vermutung, dass das noch wirklich sehr lange so gehen wird. Vielleicht nicht mehr mit dauerhaft Homeoffice und dermaßen zahlreich geschlossenen Läden, aber bis wir wieder den Status erreicht haben, den wir vielleicht im Januar hatten … das wird dauern. Selbst mit Impfstoff in diesem Jahr, denn der muss auch erstmal in großen Mengen produziert und dann verteilt wird – da verlangt allein schon die Logistik weitere Geduld.

Und dann muss man auch erstmal einen Arzt finden, der einem den Bums gibt – ich mein, ich hab nicht mal einen Hausarzt, geschweige denn kann mich erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem war.

Lange Rede, kurzer Sinn (den wir alle auch schon kennen): Das Leben hat sich radikal geändert und so schnell lässt es sich auch nicht zurück drehen. Aber eben nicht nur für uns, sondern für nahezu alle Menschen auf diesem Planeten.

Great Big Story, bekannt für seine zahlreichen kurzen Dokumentationen, hat 8 Filmemacher rund um den Globus gefragt, ob sie kleine Beiträge erstellen können, die genau diesen Wandel und das Leben mit dem Corona-Virus verdeutlichen – und die haben natürlich geliefert:

We are all living through an exceptional time. In late-2019, the world was rocked by COVID-19—a global pandemic that has changed the way we all live our lives. Millions of us around the world are staying indoors, practicing social distancing to protect ourselves, and others, from the disease. Our daily routines have been disrupted, and many of us have been separated from friends, family and work. We checked in on eight households to see how they are feeling, how they are passing the time, how they are keeping connected to others, and what they are looking forward to in a post-pandemic world. From Beijing, China, to Mashhad, Iran, to Melbourne, Australia, here’s how we’re all working through this thing, one day at a time, together.

Anthony Hopkins ist das beste Beispiel dafür, dass ich ein ziemlicher Dödel bin, denn ich halte ihn für einen der besten Schauspieler der Welt – immerhin hat er den ultimativen Tipp rausgehauen, wie man richtig böse gucken kann, was mir beruflich durchaus des Öfteren weitergeholfen hat (wer es verpasst hat: Nicht blinzeln. Braucht ein bisschen Übung, ist aber unheimlich (und) effektiv).

Und doch kann ich vermutlich die Filme mit ihm, die ich gesehen hab, an einer Hand abzählen, müsste mich dazu aber erstmal an aller erinnern. Schlimm, dieses Fernsehen, wie es einem das Hirn zersetzt.

Das wird auch nur noch besser, dass er sich offenbar selbst um seinen Instagram-Account kümmert (den ich mir auch noch gar nicht genauer angesehen hab) und irgendwann in den letzten Tagen selbst ein Video aufgenommen hat.

Und das wiederum macht alles nur noch besser, denn er ist einer von uns und schiebt sein Haustier vor, um ein bisschen Quatsch zu machen. Wobei, Quatsch ist das auf keinen Fall, sondern vielleicht sogar schon Kunst.

Lange Rede, kurzer Sinn: Weil seine Katze dafür sorgt, dass er gesund bleibt und unterhalten wird, hat er ihr zum Dank ein wenig Chopin vorgespielt. Ich hab zwar von klassischer Musik genauso viel Ahnung wie von der kompletten Filmografie von Hopkins, finde das aber einfach nur toll:

Und jetzt gucken wir uns einfach gemeinsam den Instagram-Account von ihm an, der ist bestimmt auch einfach nur toll.

PS: Könnte wohl auch Schubert sein, so ganz sind sich die Kommentatoren auf Instagram nicht einig. Ihr seht: Ich hab keine Ahnung. Muss ich aber auch nicht haben um es gut zu finden. So!

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Kurt Krömer zur Lage der Nation https://www.wihel.de/kurt-kroemer-zur-lage-der-nation/ https://www.wihel.de/kurt-kroemer-zur-lage-der-nation/#comments Mon, 23 Mar 2020 15:43:07 +0000 https://www.wihel.de/?p=101001 Kurt Krömer zur Lage der Nation | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Ich hatte vor einer Weile schon mal das eine oder andere Video von Kurt Krömer aus seiner Show Chez Krömer verbloggt, was wir letzte Woche zum Anlass genommen haben, die Videos auf YouTube etwas genauer bzw. intensiver unter die Lupe zu nehmen. Was jetzt echt investigativ klingt, meint eigentlich nur: Wir haben uns die Videos angesehen. In voller Länge und ein paar mehr.

Fazit: Tolle Sendung, sollte man sich öfter mal anschauen bzw. in der aktuellen Lage hat man ja Zeit dazu, also nutzt sie dafür. Und danach kommt ihr wieder auf wihel.de zurück und schaut euch die anderen Beiträge an.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Grundsätzlich fand ich Kurt Krömer okay bis gut, aber das eine oder andere Mal auch einfach nur nervig. Diese Berliner Schnauze kann halt doch schnell arrogant wirken und einem tierisch auf den Sack gehen und womöglich ist das der Grund, dass ich bisher wenig Lust hatte, sein Tun und Schaffen genauer zu verfolgen. Line will auch immer Dokumentationen und Podcasts zu recht schwierigen Themen schauen und hören – ich will mich in meiner Freizeit damit nicht belasten, dafür ist allgemein zu viel Scheiße auf der Welt los.

Nichtsdestotrotz, der man gewinnt immer mehr meine Sympathien und das können ja auch nicht viele von sich behaupten.

Auf jeden Fall hier ein kurzes Video, das letzte Woche irgendwie in meinen Fokus geraten ist (hier stand vorher „über das ich gestolpert bin“ – was für ein dämlicher Ausdruck, niemand stolpert über irgendwelche Videos, weil auch niemand im Netz surft. Dafür sind wir alle viel zu bewegungsfaul und wirklich keiner holt sein Surfbrett raus, quetscht sich in einen Neoprenanzug und setzt sich nass vor den Rechner …) und das ein weiterer Grund dafür ist, dass ich ihn noch ein Stück sympathischer finde:

Bleibt zu Hause! 😷🙏🏻

Gar nicht so doof, der Mann.

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Warum Teller von Penn & Teller eigentlich nie redet https://www.wihel.de/warum-teller-von-penn-teller-eigentlich-nie-redet/ https://www.wihel.de/warum-teller-von-penn-teller-eigentlich-nie-redet/#comments Wed, 18 Mar 2020 11:50:24 +0000 https://www.wihel.de/?p=100952 Warum Teller von Penn & Teller eigentlich nie redet | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Vermutlich wäre es komplett falsch, mich als Fan von Pen & Teller zu bezeichnen, schließlich hab ich sie nur intensiver verfolgt, als es „Fool us“ auf Netflix gab – aber das fand ich maximal unterhaltsam und hab die – wenn ich mich richtig erinnere 2 – in kürzester Zeit weggesuchtet. Mein Eindruck: Die beiden sind aktuell die absoluten Koryphäen in Sachen Illusion und Magie.

Erst später ist mir dann mal bewusst geworden, dass die beiden auch schon unfassbar alt sind, was man zumindest damals auf Netflix so noch gar nicht wahr genommen hat (wobei die sicherlich auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte, bevor sie meine Aufmerksamkeit bekommen hat).

Und noch viel später ist uns dann aufgefallen, dass Penn unfassbar viel abgenommen hat, trotzdem aber immer noch eine beeindruckende Statur vorweisen konnte.

Ihr merkt also: Sympathien sind da, aber so richtig sind wir nie in die Szene eingetaucht und ehrlicherweise will ich das auch gar nicht. Muss schließlich auch mal reichen, dass man nur an der Oberfläche kratzt und das genießt, was sich dabei ergibt – den ganzen Kopf und mehr sollen andere da reinstecken.

Was aber auch schnell auffällt: Teller redet bei Shows und Auftritten eigentlich nie. Das ging sogar soweit, dass ich anfangs mutmaßte, dass er gar nicht reden kann – kann er aber. Und im nachfolgenden Video redet er sogar recht viel und erklärt die Idee hinter den schweigsamen Auftritten:

penn and teller on talks at google
teller explains the whole story behind his silence on stage

Macht Sinn. Und coole Typen nach wie vor. Nachfolgend auch einmal das komplette Interview für alle, die dieser Tage ein bisschen mehr Zeit haben:

Penn & Teller stopped by the Google NYC office to discuss their limited-run Broadway show, closing Aug 16th, 2015.

Erst diese Woche hab ich einen kurzen Artikel gelesen, der das Thema Julian Assange aufgenommen und mal wieder etwas beleuchtet hat. Wer sich nicht mehr erinnert: Assange ist hauptsächlich dafür bekannt, Wikileaks (mit)gegründet zu haben – eine Plattform, an die man anonym Informationen schicken kann, die nicht zwingend für die Öffentlichkeit bestimmt sein sollen, dadurch aber genau an diese geraten, Stichwort Whistleblower.

So dann auch geschehen und seitdem wissen wir, dass das US Militär unter anderem Zivilisten ermordet hat, plus noch ein paar andere Enthüllung mit weitreichenden Folgen. Ich denke, es sollte klar sein, worum es geht.

Finden natürlich diverse Staatsorgane gar nicht lustig und hatten somit automatisch einen neuen Feind, den es ruhig zu stellen geht, in welcher Form auch immer man das dann interpretieren will. Für Assange mündete das in Vorwürfen der Vergewaltigung und einem extrem langen Aufenthalt in der Botschaft Ecuadors.

Mittlerweile ist aber auch das schon wieder vorbei und Assange sitzt in einem britischen Gefängnis bzw. steht vor Gericht, wo darüber entschieden wird, ob er nun doch an die USA ausgeliefert wird oder nicht. In dem Artikel, den ich gelesen hab, zeichnete sich bereits ein Bild ab, dass da nicht alles rund gelaufen ist, in Sachen Vorwürfe gegenüber Assange oder auch seine Behandlung in besagtem Gefängnis.

Ein nicht unkompliziertes Thema, dem sich auch STRG_F angenommen und eine kleine Doku gebastelt hat, die mindestens dazu beiträgt, dass man sich selbst ein Bild machen kann. Und sollte. Denn eigentlich geht es schon lange nicht mehr nur um die Person Assange selbst.

Kriegsverbrechen der US-Armee, Überwachungsmethoden von Geheimdiensten oder interne E-Mails von Spitzenpolitikern – all das enthüllte Julian Assange mit seiner Whistleblower-Plattform Wikileaks. Den Preis, den er dafür zahlte ist hoch: Seit mehr als sieben Jahren lebt Assange abgeschnitten von der Außenwelt – erst im Asyl in der ecuadorianischen Botschaft, seit 2019 in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Ab Montag, dem 24. Februar 2020 verhandelt in London ein Gericht darüber, ob Julian Assange an die USA ausgeliefert wird. Die USA werfen Assange durch seine Enthüllungen u.a. Spionage vor. Ihm drohen bis zu 175 Jahre Haft. Wollen die USA Assange mit ihrem Vorgehen fertig machen? Oder ist Assange ein Straftäter, der womöglich den Rest seines Lebens zurecht hinter Gittern verbringen wird? In dieser STRG_F-Folge erfahrt ihr alles, was ihr über den komplexen Wikileaks-Fall wissen müsst, um Euch selbst ein Bild zu machen.

Wenn ich mal so überlege, ist eigentlich jede Videothek, die ich in meinen etwas mehr als 30 Lebensjahren kennengelernt hab, mittlerweile nicht mehr vorhanden – bis auf eine in Leipzig, wobei ich da auch nur selten dran vorbei fahre und mir gar nicht mal so sicher bin, ob das nicht doch einfach nur noch Fassade ist.

Internet und vor allem Streaming haben natürlich besonders hier so ziemlich alles vernichtet, was das Business in irgendeiner Form ausgemacht hat – ständige Verfügbarkeit ohne das Haus zu verlassen und das auch noch zu einem vergleichsweise unschlagbaren Preis – da kann deine Videothek noch so geil sein, da hast du keine Chance.

Dabei hab ich das selbst früher sogar recht exzessiv genutzt – gab ja noch kein Netflix und Co. und Filme illegal aus dem Netz laden … irgendwann sind wir doch alle aus dem Alter raus. Außerdem kann man sich in so einer Videothek deutlich besser inspirieren lassen, als in irgendwelchen Foren – aber auch hier stehen die hiesigen Streaminganbieter in nichts nach.

Lange Rede, kurzer Sinn: es ist vermutlich auch 2020 eine deutlich bessere Idee einen Sonnenstudio zu eröffnen als in eine Videothek zu investieren.

Außer in Bristol, denn dort gibt es mittlerweile die älteste Videothek der Welt, was an sich ja schon bemerkenswert ist. Noch bemerkenswerter ist aber, dass die Geschäfte sogar recht gut laufen:

20th Century Flicks is the oldest video rental store in the World. It’s small, close-knit crew has unwittingly become custodians of the largest collection of DVDs and VHS tapes in the UK, and faces a constant struggle to adapt and survive in the age of streaming and downloading.

“It’s an ode to the video shop experience and a bygone way of watching movies. With studios like Disney launching their own streaming services and joining industry kingpins such as Netflix and Hulu, we have an almost endless flow of entertainment available at the click of a button. It’s amazing to me that a little independent video store can survive the Netflix cull and even outlive Blockbuster. Drop into the shop next time you’re in Bristol for a dose of movie nostalgia, have a chat about film and go home with a VHS rarity and a bag of popcorn.” – Director, Arthur Cauty

Aber die Briten versteht man ja ohnehin nur bis zu einem gewissen Grad. In diesem Fall find ich das aber einfach nur großartig.

Denkt man mittlerweile an Trickshots, muss man unweigerlich auch mindestens an Dude Perfect denken – die Truppe, die sich echt einen großen Namen gemacht hat, indem sie einfach Dinge gekonnt und teils kunstvoll umher werfen. Ob man damit langfristig wirklich ein Leben finanzieren kann, bezweifle ich zwar, aber immerhin entstand bis jetzt der Eindruck, dass das problemlos möglich ist. Würde aber dennoch nicht schaden, wenn die Jungs sich in Sachen Werbung ein bisschen geschickter anstellen.

Und in der Theorie könnte man auch sagen, dass wir eigentlich in jeder Ausgabe der Win-Compilation mindestens einen Clip von den Jungs aufnehmen müssten, aber … ist halt am Ende doch irgendwie immer das Gleiche und mittlerweile weiß ja auch jeder, dass da einfach unfassbar viele Versuche vorher daneben gegangen sind. Nicht schlimm, hat aber dann nicht mehr wirklich was mit Perfect zu tun.

Ich will auch gar nicht behaupten, dass das womöglich bei Andy Varipapa jemals anders war, aber ich würd mich immerhin soweit aus dem Fenster lehnen, dass wir hier den allerersten Trickshot-Meister der Welt sehen.

Seine Spezialität waren aber nicht nur allein Trickshots, auch das Gewinnen diverser Turniere stand auf seinem Zettel, zum Beispiel die U.S. Open des Bowlings und das auch gleich zwei Mal hintereinander:

Andy Varipapa was considered to be “the greatest one-man bowling show on Earth”. Beyond his trick shot exhibitions, Varipapa was a solid professional bowler. In 1947, at the age of 56, he won the prestigious BPAA All-Star competition (predecessor to the U.S. Open) in a gruelling 100 game format, making him the oldest winner ever. He became the first to win two years in a row when he repeated in 1948.

Allein für sein breites Grinsen muss man ihn schon gern haben oder?

So dämlich, lustig und furchtbar das Debakel in Thüringen auch war, es hat wunderbar gezeigt, was für Flitzpiepen aktuell in der Politik tätig sind und zumindest bei Annegret Krank-Knackwurst ist das finale Endergebnis kein schlechtes.

Darüber hinaus hat sich für mich aber weiterhin bestätigt: Die CDU kannste nicht wählen, die FDP kannste nicht wählen und auch wenn die SPD seit langem mal wieder ein okayes Bild abgegeben hat, so richtig kann man die dank diverser gebrochener Versprechen in jüngster und ältestes Vergangenheit auch nicht. Und natürlich, dass Deutschland sein Nazi-Problem nie losgeworden ist, aber darum soll es hier nicht gehen, überhaupt ist das schon wieder alles viel zu politisch hier.

Aber es ist unfassbar bemerkenswert und ich kann selber kaum glauben, dass ich das jemals von mir gegeben hätte, aber: In der CDU gibt es auch Leute, die haben Verstand, geben teils recht schlaue Dinge von sich und das ist nicht mal Zufall. Okay, vielleicht gibt es auch nur genau einen, auf den das zutrifft, aber Ruprecht Polenz scheint einer der Wenigen zu sein, denen man wirklich zutrauen könnte, in Sachen Politik mitunter richtige Entscheidungen zu treffen.

Zumindest finde ich es ganz angenehm wie und was er im nachfolgenden, recht langen Interview mit Jung & Naiv von sich gibt:

Wir treffen den ehemaligen Generalsekretär der CDU, Ruprecht Polenz. Ruprecht war von 1994 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtiges Ausschusses im Parlament. Heute beobachtet er das politische Geschehen von der Seitenlinie.

Mit Ruprecht geht’s zunächst um seine Biografie: Warum haben seine Eltern Anfang der 50er “rübergemacht”? Was war und ist sein Bild von der DDR? Wie ist er in der BRD aufgewachsen? Wie hat er die Wende erlebt? Waren die Folgen der Treuhand-Politik nach der Wende alternativlos?

Wir sprechen über Ruprechts Politisierung: War er ein 68er? Warum ist er wegen Willy Brandt in die CDU eingetreten? Welche Überzeugungen hat Ruprecht? Es geht um den Vietnamkrieg und zweiten Irakkrieg: Wie stand und steht er zu den amerikanischen Abenteuern, die für Leid und Elend gesorgt haben? Wir sprechen über russische und israelische Annexionen sowie den US-Drohnenkrieg via Ramstein.

Außerdem geht’s um Facebook, Google & Co: Wer hat das Recht private und intime Daten zu besitzen?

Zum Schluss geht’s um die CDU: Wie kann sich ein/e CDU-WählerIn künftig noch sicher sein, dass man nicht mit der AfD zusammenarbeitet? Wie sollte die Union mit der innerparteilichen Konkurrenz namens “WerteUnion” umgehen? Und was ist das Problem der Union mit der Linkspartei? Wenn “Demokraten gegen die AfD zusammenstehen”, weshalb gehört die Linke für Ruprecht nicht dazu? Wieso verabschiedet sich die Union nicht von der abstrusen “Hufeisen”-Theorie?

Wer mag, kann bei ihm auch mal auf Twitter vorbeischauen. Aber nur, wenn man damit umgehen kann, dass sich das eigene Weltbild womöglich selbst zerstört – bei mir ist das ein klein wenig passiert. Gibt aber dennoch Schlimmeres als zu erkennen, dass nicht alle aus der CDU vollkommen Vollpfosten sind.

Ich fang den Beitrag direkt mal so an, wie die Dokumentation, die ich Samstag nach der Sportschau geschaut habe, selbst ungefähr anfängt: Eines der letzten Geheimnisse im Fußball ist das Tun und Handeln der Schiedsrichter. Ich mein, natürlich wissen wir, was ihre Hauptaufgabe auf dem Platz ist – aber außerhalb der Zeit zwischen An- und Abpfiff ist es doch ein größeres Mysterium, dieses Schiedsrichterdasein.

Ich wusste zumindest, dass die sich auch regelmäßig treffen, diverse Sport-Tests absolvieren müssen und die Aufgaben weit über 90 Minuten über den Platz laufen und mal bisschen in die Pfeife pusten hinaus geht.

Tatsächlich hat so ein Schiedsrichter aber (zumindest in der Theorie) einen ziemlich hohen Stellenwert. Er ist mit seinem Team dafür verantwortlich das Spiel zu leiten und dafür zu sorgen, dass sich alle in einem einigermaßen normalen Rahmen bewegen und entsprechend verhalten – man könnte sogar sagen, dass ein Schiedsrichter Chef auf dem Platz ist.

Umso erstaunlicher ist da im Vergleich die Bezahlung der Schiedsrichter und der Umstand, dass selbst in der Bundesliga das Schiedsrichterwesen noch immer nicht professionalisiert ist – also im Sinne von, dass die Schiedsrichter eben nicht hauptberuflich Schiedsrichter sind.

Nachfolgend eine kleine Dokumentation über Deniz Aytekin, einer der aktuell besten Schiedsrichter in Deutschland, die zwar keine Gründe für die bisherig ausbleibende Professionalisierung gibt und auch sonst leider sehr blass in Sachen Kritik bleibt, aber immerhin mal wieder einen kleinen Einblick in das Handeln auf und Neben dem Platz gibt:

Wer noch ein bisschen mehr erfahren will: wir hatten an dieser Stelle schon mal einen Beitrag darüber, was ein Schiedsrichter während des Spiels so alles erzählt, an dieser Stelle etwas mehr den Amateurbereich im Fokus und hier zumindest die Sicht in einem internationalen Spiel eines Schiedsrichters.

Trotz aller Nachteile: Spannender Job.

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Being British – Was es bedeutet, britisch zu sein https://www.wihel.de/being-british-was-es-bedeutet-britisch-zu-sein/ https://www.wihel.de/being-british-was-es-bedeutet-britisch-zu-sein/#comments Wed, 04 Dec 2019 11:09:06 +0000 https://www.wihel.de/?p=99147 Being British – Was es bedeutet, britisch zu sein | Menschen | Was is hier eigentlich los?

Vor einer ganzen Weile schon hab ich mir ein kleines Tool installiert, dass mir als Bildschirmschoner die Luftaufnahmen auf den Mac schmeißt, die man sonst nur auf dem AppleTV hat. Gerade die Aufnahmen aus London die Themse entlang hab ich dabei ins Herz geschlossen und mittlerweile alle anderen Aufnahmen deaktiviert. So rotieren zwar nur noch drei oder vier, sind dafür aber die meiner Meinung nach Schönsten.

Überhaupt fällt mir beim Betrachten des Bildschirmschoners dabei immer wieder auf, dass ich London mittlerweile sehr zu lieben gelernt hab, wobei ich gar nicht sagen kann, woran das genau liegt. So oft waren wir ja nun auch nicht da und wirklich leben will ich da nun auch nicht – aber irgendwas hat die Stadt an sich. Ist vielleicht aber auch nur der sich langsam entwickelnde Trennungsschmerz, schließlich wollen die Briten ja noch immer aus der EU raus und wenn ich nun an Johnson denke, geht es eigentlich auch schon wieder.

Simon Mulvaney hat ein paar unabhängige Filmemacher gefragt, was es für sie bedeutet, „britisch zu sein“ – im Kontext des Brexits sicher nicht das erste Mal, dass die Frage gestellt wurde – und hat dabei zahlreiche interessante und großartige Antworten bekommen, die mehr oder weniger in den nachfolgenden Film mündeten:

BEING BRITISH is a short-form documentary created independently by the filmmakers of Great Britain, to answer the question, ‘WHAT DOES IT MEAN TO BE BRITISH?’

Finder derlei patriotisch angehauchte Fragen ja grundsätzlich immer schwierig, aber das hier ist einfach gut. Wird Zeit, dass wir da noch mal hinfahren, bevor alles wirklich den Bach runter geht.

Das Schöne an dem zurückliegenden Wochenende: Es war unfassbar faul. Am Samstag haben wir einfach mal so gut wie gar nichts gemacht und auch den Sonntag hab ich erst ab Nachmittag im Arbeitszimmer verbracht. Ist ja ohnehin eine Frechheit, dass man nur zwei Tage in der Woche für eigenen Kram bekommt, aber wenn man die dann auch noch maximal prokrastinierend verbringt … gibt nicht viel, was schöner ist.

Und so hab ich die Zeit unter anderem genutzt auch mal Zeug zu schauen, den ich sonst nicht schauen würde. Phoenix zum Beispiel. Ich weiß, dass wir den Sender empfangen und er mit Sicherheit auch auffindbar in der Senderliste ist – aber mehr als „ganz weit hinten“ kann ich nicht genauer definieren.

Schade eigentlich, denn mindestens eine Perle hätten wir im Programm finden können und das ist das Gespräch mit Martin Sonneborn. Doof für Phoenix allerdings: das Internet. Denn da taucht besagtes Gespräch auch auf, was zwar für das Video total super ist, aber auch dazu führt, dass wir wohl weiter einen großen Bogen um den Sender selbst machen:

Ist Martin Sonneborn ein Aufklärer, ein Kämpfer gegen ein korruptes System? Oder zerstört er die Demokratie, weil er sie lächerlich macht? Seit 5 Jahren sitzt Martin Sonneborn im Europäischen Parlament und treibt manche seiner Kollegen zur Weißglut. In “phoenix persönlich” erklärt Martin Sonneborn, dass er seinen Stil geändert hat: weniger Klamauk, mehr Inhalte und Politik.

Und was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte: Der Moderator nervt mich maximal, wirkt massiv unsympathisch und warum man das Interview an so einem klapprigen Empfangstisch durchführen musste, weiß wohl auch nur der Fuchs. Umso bemerkenswerter (aber eigentlich wie immer), wie großartig Martin Sonneborn ist.

Als Pfeife bezeichnet zu werden, ist jetzt nicht unbedingt ein Kompliment, dass man gern erhalten möchte, suggeriert es schließlich doch, dass man nichts kann, außer vielleicht heiße Luft zu produzieren. Wobei, nicht mal das – zumindest sind meine Pfeif-Versuche immer recht kalt gewesen.

Ich kann aber auch nicht sonderlich gut pfeifen, zumindest nicht im klassischen Sinne mit gespitzten Lippen und einfachem Luft-Durchblasen. Stattdessen bin ich mehr der Zischer, was in den meisten Fällen okay klappt, aber nur an besonders guten Tagen krieg ich das auch einigermaßen laut hin.

Die deutlich bessere Pfeife ist da schon Sean Lomax und das mein ich in der positivsten Form, die man sich überhaupt vorstellen kann, denn Lomax ist Internationaler Champion im Pfeifen. Die weltbeste Pfeife im offiziellen Sinne quasi.

Und genau der hat sich mit Wired zusammengesetzt und ein bisschen über seine besondere Fähigkeit und sein Leben geplaudert:

International Grand Champion Sean Lomax loves whistling more than most. Watch him break down how he achieves his show-stopping performances.

Da wird selbst Roger Whittaker ein bisschen neidisch.

Was ich als Kind – neben Gameboy und Co. – auch immer haben wollte: eine Seifenkiste. Genau wie Gameboy und Co. hab ich es natürlich nicht bekommen, was sicherlich ebenso irgendein unentdecktes Trauma hervorgerufen und mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin – ob das nun gut oder schlecht ist, müssen andere beurteilen.

Irgendwann hab ich aber gelernt, dass Seifenkisten zwar für Kinder ziemlich cool aussehen, aber nur bedingt cool sind: Die Steuerung ist nicht ohne und sowohl Beschleunigung als auch Bremsen hat deutlich mehr mit Kraft, Geschick und Glück zu tun, als das Kinder überhaupt verstehen können.

Dennoch, ein eigenes Auto und das auch noch selbstgebaut, das hat schon was. Eine Nummer Größer spricht man dann schon von Cyclekarts, von denen ich bis hier hin noch nie etwas gehört habe, aber direkt fasziniert bin.

Kurzgesagt sind das auch nur Seifenkisten, allerdings motorisiert und entsprechend mal eben bis zu 70 km/h schnell. Logisch, dass so schnell eine eingeschworene Gemeinde entsteht, die sich entsprechend in Rennen – wie beim alljährlichen Cyclekarts-Treffen, misst.

eGarage war beim letzten Mal dabei und hat ein kleines Portrait darüber erstellt:

The cyclekart community is a small but widespread band of eccentric builders and racers. Centered around a love for creating, budget racing and having fun they meet annually in Tieton, a small town in eastern Washington for a weekend of races like no other.