Mein Leben nach dem Google Reader

Mein Leben nach dem Google Reader

Und damit geht der Preis für die theatralischste Headline diese Woche an mich – yes! Natürlich hab ich mein Leben nicht vom Google Reader abhängig gemacht, aber die Blogger unter den Lesern wissen: er war (und ist auch noch ein bisschen) ein extrem wichtiges Werkzeug für’s Bloggen. Und selbst für diejenigen, die Content einfach nur konsumieren wollen, stellte er wohl eines der besten Werkzeuge dar – ohne große Schnörkel oder sonstigen aufgeblähten Kram.

Und dann dreht Google den Saft einfach ab. Der Schock saß schon ein bisschen tief, wobei sich bei mir auch direkt die Motivation breit gemacht hat, neue Möglichkeiten zu finden. Einige kennt man ja schon und viel mehr hab ich in den letzten Tagen auch getestet, sodass ich nun mal mitteilen möchte, wie ich mich neu organisiert habe:

Am Rechner

Feedly: man liest immer wieder, dass Feedly eine gute Alternative ist. Dem kann ich zu 90% zustimmen – ist doch vollkommen egal, ob dazu noch eine Erweiterung installiert werden muss oder nicht, Hauptsache der Mist läuft. Ich hab sogar über einige kleinere Bugs (manche Einstellungen ließen sich nicht speichern) hinwegsehen können – der Useransturm war ja nicht von gerade von Pappe. Was Feedly aber für mich disqualifiziert hat, ist die einfache Tatsache, dass eingebettete Vimeo-Videos nicht angezeigt werden. Youtube ja, Vimeo nein. Schade, aber will ich haben.
Hier geht es zu Feedly.

NewsBlur: ist zum Teil kostenpflichtig, hat aber auf den ersten Blick einen guten Eindruck gemacht. Man kann extrem viel einstellen und sich alles so zusammen frickeln, dass es übersichtlich ist – mit etwas Geschick bekommt man das Google Reader-Feeling recht schnell hin. Aber auch dieser Dienst hat sich nach wenigen Tagen von selbst disqualifiziert, denn NewsBlur ruft nicht einfach die Feeds normal ab, wie man das kennt – NewsBlur ruft die Feeds ab, die man nach deren Logik am meisten mag. So spannend Logarithmen auch sein können, ich möchte keine Bevormundung durch Software. Wenn ich alle Feeds updaten will, dann mein ich auch ALLE. Ich empfinde es daher als Frechheit, dass mir mancher Content erst Stunden später angezeigt wird – fadenscheinige Serverleistungsargumente hin oder her.
Hier geht es zu NewsBlur.

NetNewsWire: ist ein eigenständiges Programm für Mac und derzeit mein Favorit. Es sieht nicht sonderlich schön aus, aber tut solide das, was es soll. Ganz nett ist hier die Möglichkeit innerhalb des Programms surfen zu können – klicke ich auf einen Feed-Titel, öffnet sich ein neuer Tab und mir wird die Original-Seite angezeigt – so muss man nicht ständig hin und her wechseln. Zudem kann man ganz bequem einzelne Feed-Items an Instapaper, Delicious und (via Script) Pocket senden – für mich absolut wichtig, ansonsten würdet ihr nicht so eine geile Win-Compilation erhalten. Ebenfalls nett: ich kann die Feed-Items sortieren, sodass die ältesten „neuen“ Items ganz oben stehen und ich mich einfach nur nach unten durch klicken muss. Das gibt es bei Feedly so nicht, hier war Scrollen immer angesagt (beim Google Reader allerdings auch). Ich möchte halt nicht die neuesten Beiträge zuerst sehen, spätestens wenn es um Quellenangaben bei Postings geht, soll gefälligst derjenige profitieren, der mir den Content zuerst präsentiert hat.
Hier geht es zu NetNewsWire.

Übrigens: natürlich kann man NetNewsWire auch Geld geben um die Werbung in der unteren linken Ecke zu entfernen. Aber ganz ehrlich: die ist dermaßen klein, das trainierte Auge guckt da gekonnt dran vorbei.

iPhone

Feedly: auch für das Smartphone stellt Feedly Apps zur Verfügung, die ich allerdings alles andere als geil finde. Das fängt beim Design an und hört bei den Funktionalitäten wieder auf. Die App hat keine 2 Stunden auf meinem Telefon überlebt.
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Reeder: warum lange suchen, wenn das Bestehende auch weiterhin funktioniert. Wichtig wird hier irgendwann sein, wie man seine ganzen Feeds über die unterschiedlichen Programm hinweg synchron halten kann. Ich hoffe ja, dass Reeder auch irgendwie mit NetNewsWire was macht – oder beide Programme zumindest über Feedly. Dann hat man zwar 3 Instanzen und eine Dient nur als „Brücke“, aber Hauptsache es funktioniert. Einziges Manko auch hier: die Reihenfolge der „neuen“ Items – würde ich auch gern von alt nach neu sortieren können, aber der kleine Mann aus dem Osten begnügt sich. Es ist ja auch wesentlich einfacher mit etwas Schwung nach unten zu swipen, als das Mausrad so lange zu drehen, bis es glüht.
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iPad

Reeder: auch hier gibt es absolut nichts zu meckern, abgesehen von der Reihenfolge der ungelesenen Items.
[appbox appstore 375661689]

Mr. Reader: so toll Reeder auch ist – ich bin dennoch gewechselt und das sogar mit finanziellem Aufwand. Mr. Reader sieht eigentlich gar nicht so viel anders aus als Reeder, macht mir aber dennoch mehr Spaß beim Content konsumieren – die Gesten sind ein bisschen anders, das Interface ein bisschen umfangreicher. Hier war es einfach ein Bauchgefühl und Geschmacksache, die mich zum Wechseln verleitet haben. Kann man machen, muss man aber nicht.
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Fazit

Mit NetNewsWire auf dem Mac, Reeder auf dem iPhone und Mr. Reader auf dem iPad fühl ich mich im Moment extrem wohl. Überall kann ich an meine diversen Dienste senden – dank Google Reader wird alles synchronisiert – bleibt nun nur noch abzuwarten, was ohne Google Reader passiert. Bis dahin ergebe ich mich der Illusion, dafür gewappnet zu sein.

Und warum kein Flipboard und dergleichen?
Ganz einfach: ich mag diesen ganzen Magazin-Style nicht. Ich möchte die Texte klar strukturiert haben, dazu die Videos idealerweise so angezeigt, wie sie auch verbloggt wurden. Sicherlich mögen diese Art von Diensten ihre Befürworter haben, aber mir ist das einfach too much. Zumal ich viele Sachen auch einfach nur überfliege – oder wer von euch kann mit Vollzeitjob pro Tag 300+ Artikel komplett lesen? Eben.

Vielleicht war ja für den ein oder anderen was hilfreiches dabei – und natürlich freu ich mich über weitere Hinweise oder gar Tipps, wie man z.B. Feedly noch weiter anpassen kann, damit es auch mir gefällt.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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