Mit der Schweiz hätten wir den Krieg gewonnen

Ok, eine sehr plakative Überschrift und prinzipiell möchte ich mich darauf auch nur minimal beziehen.

Ein Volksentscheid hat vor einigen Tagen ergeben, dass Minarette in den Bergen eher unerwünscht sind. „ok“ kann man sich da denken, den einen interessiert es, den anderen nicht. Ich hab es einfach beiläufig zur Kenntnis genommen … gibt ja schlimmeres, z.B. 18°C im November.
Schweiz, Volksentscheid, Minarette, Politik, Ausländer
Was viel mehr aufwühlt, sind die ganzen Reaktionen, die daraufhin eintrudeln. Da spricht der Vatikan von „politischem Extremismus“ und so ziemlich alle rechts liegenden Parteien in Europa loben die Schweizer für ihren Mut und schwenken die Fahne für „Demokratie und gesunden Menschenverstand“.

Es mag eine subjektive Wahrnehmung sein, aber die große Masse springt doch wieder auf diesen typischen Wir-hassen-Ausländer-Zug auf und lässt sich den moralischen Fahrtwind um die Nase wehen.

Ich hab nichts gegen Ausländer und halte mich auch für einen gewissen Prozentsatz tolerant. Aber ist mir irgendwie entgangen, dass es eine Reform in den Minarett-Staaten gab zur Förderung zum Bau von Kirchen und christlichen Glaubenseinrichtungen? Oder gab es in letzter Zeit Wahlen mit dem Ergebnis, dass ein Politikum das Sagen bekommt und dafür kämpft, das Frauen, ob inländisch oder ausländisch, das tragen dürfen, was sie wollen?

Ich finde es relativ gut, dass die Schweiz ihr Ding so durchzieht.

Da wäre einmal der Fakt, dass es ein Volksentscheid war. Also keine tunnelblickende Gruppierung, die sich Regierung schimpft und gerade Mal Lust auf Schlagzeilen hatte, sondern ein „ganzes“ Volk, dass seiner Meinung Luft gemacht hat und sich (zumindest nach dem Sinn des Volksentscheides) selbst bestimmt hat.

Hinzu kommt das, was ich schon seit einigen Jahren, ziemlich seit dem Zeitpunkt, als politisches Interesse aufkam, nicht verstehe: wenn ich in ein fremdes Land reise und womöglich dort lebe, wird von mir erwartet, dass ich mich den Sitten und Gebräuchen „unterwerfe“ und mein Lebensstil so weit wie möglich anpasse.

Kommt ein Ausländer nach Deutschland – besser gesagt in die Schweiz -, schreit nach Moscheen, Minaretten, wedelt hektisch mit seinem Gebetsteppich und dann – mein lieber Herr Gesangsverein – wagt es jemand, ihm dies zu verwehren, werden die typischen Rufe mit braunem Subtext (und auch anti-braunem Geschrei) sofort wieder herausgekramt.

Das beste Beispiel sind die Nachbarn meiner Eltern. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, die kommen aus Äthiopien, auf jeden Fall aus dem Ausland. Feiern kein Weihnachten, essen bestimmte Sachen nicht, aber haben dennoch soviel Anstand, sich den Garten nicht mit Elefanten zuzustellen und dann zu verlangen, dass man mit den riesigen Haufen Scheiße, den ein Elefant so produziert, zu Recht kommt.

Warum ist es also so schwierig, das eigene Maß an Toleranz so anzupassen, wie die Gegenseite, ohne sofort wieder in die Ecke des Ausländer-Hassers geschoben zu werden? (und da ist der geschichtliche Hintergrund einfach mal irrelevant, denn ich kann nichts dafür, was vor 60 Jahren passiert ist und muss mich dafür auch nicht schämen – wir sollten lediglich daraus lernen)

Ja und natürlich freuen sich alle rechtsorientierten Parteien. Da kann man aber einfach mal drüber stehen. Denn ich bin mir relativ sicher, dass die Schweizer nicht grundlegend aus Antipathie gegenüber Ausländern oder der Glaubensrichtung gehandelt haben. Ein paar Idioten gibt es überall, das gehört dazu. Obst fängt ja auch irgendwann an zu schimmeln und kann trotzdem sehr gesund sein.

Mit der Toleranz sollte man es definitiv nicht übertreiben, sonst bekommt man genau die Situation, die wir teilweise in Deutschland schon haben: Immigranten, die es nicht schaffen, sich einzugliedern, und im Gegenzug die Kluft zwischen „Einheimischen“ und „Ausländern“ mit ihrem Verhalten im Gastland nur zu vergrößern. Sorry, aber die Kriminalitätsstatistik kann da das eine oder andere Geschichtchen erzählen.

Und bevor jetzt einer kommt und meint, raus hauen zu müssen, dass das hier eine Verherrlichung der braunen Suppe und ihrer Meinung ist, dem sei gesagt: Mach n Kopf auf!

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

Sag was dazu!

Kürzlich