Moody bei der Bundeswehr

Ach wat war dat für ne schöne Zeit. Sag ich ganz offen – mir hat das Spaß gemacht. Wenn man ein mal das System durchschaut hat, dann kommt man da ganz gut zurecht. Und der Schlüssel zum Erfolg ist natürlich: stell dich doof und mach watt dir gesagt wird. Hat geklappt.

Mir fiel dann gestern wieder eine kleine Anekdote ein. Ich bin nach der Grundausbildung an die Führungsakademie in Hamburg gewechselt – Hamburch fetzt ja schließlich. Das erste Jahr war ich Superkellner für die ganz hohen Tiere (das zweite Jahr dann als Stabsdienstsoldat, aber dazu später mehr). Generäle, Diktatoren und sehr alte Menschen mit sehr modrigem Geruch so weit das Auge reicht. Ist euch das mal aufgefallen? Man kann das Alter der Menschen bereits an ihrem Geruch bestimmen. Extrem praktisch, dass die Natur die Verwesung bereits noch während des Niedergangs ansetzt – scheint auch nicht mehr so viel Zeit zu haben, geht mir aber ähnlich. Ich bin da quasi voll bei dir, Tod. Hau rein, digger.

Moody bei der Bundeswehr

Mein damaliger Vorgesetzter ist irgendwie bei der Marine hängen geblieben, das sind ja sowieso ganz merkwürdige Nasen. Typ Choleriker vom Dienst, mehr breit als hoch, kann alles, hat alles gerochen und wird sowohl für Untergang als auch Rettung der Menschheit verantwortlich sein. Das ist genau die Marke, die bereits um 6.30 morgens lauthals mit hochrotem Kopf rumblökt und man quasi Angst hat, dass der Kopf platzt der Kopf nicht schon nach den ersten zwei Worten die Wände gepflastert hat. Ihr merkt schon: ich kam nicht gut zurecht mit ihm.

Was man aber mit ihm definitiv machen konnte: saufen. Und so kam es nicht selten vor, dass wir gern mal nach Dienstschluss den Jägermeister ins Gefecht geschickt haben. Dieses braune Teufelszeug mit Kräutergeschmack. Es kann eigentlich nur des Teufels dünnster Durchfall sein – anders lässt sich der Dreck nicht erklären. Die erste Flasche war noch cool – im wahrsten Sinne des Wortes – weil sie direkt aus der Kühlung kam. Die Zweite hatte dann eine angenehme Temperatur von ca. 26°C – so brannte es wenigstens immer noch im Rachen und man wusste, dass man noch am leben und nicht voll genug war.

Moody bei der Bundeswehr

Da die Spätschicht auch gern mal ins Bett wandern würde, sind wir gegen 2 Uhr auf Stube gegangen – Baracke Baujahr 1648, bunt gemischt mit allen Dienstgraden, die ihre ordenbehängten Schwänze übers Gelände schleiften. Nun kann man sich vorstellen: Moody voller als jede Haubitze, Nachts um 2 – da krachen die Dezibel döller als die Bomben zwischen 39 und 45.

So kam es dann auch, dass in der gegenüberliegenden Stube recht schnell die Tür aufgerissen wurde.

„Alter, schon ma aufn Tacho geguckt?“
„Wäh – Schrrriddgeschwindigkeit“
„WOLLEN SIE MICH VERARSCHEN? HIER IST JETZT MAL GANZ SCHNELL RUHE“
„Aller, wss willsu denn du Kampfswerg? Quuatsch (gesprochen: Kuatsch) mich nich ssss blöd an. Schbin voll, schgeh ins Bett, Schüssi“ – Tür zu, Arschlecken

1. Das blöde an zwei Uhr nachts ist ja: niemand trägt Uniform und so sieht man auch keine Dienstgrade – also auch nicht, ob so ein Kampfzwerg Vorgesetzter oder Leibeigener sein könnte.
2. Wie gesagt, hab ich nach einem Jahr die Abteilung gewechselt. Ihr dürft jetzt raten, wer mein neuer Vorgesetzter geworden ist …

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

Sag was dazu!

Ping- und Trackbacks

Kürzlich