Einzelhandel – :: Was is hier eigentlich los :: https://www.wihel.de Entertainment, LifeStyle, Gadgets, Kultur und ein bisschen WTF Mon, 10 Nov 2025 06:16:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 Hinter den Kulissen des größten Retourezentrums in Europa https://www.wihel.de/hinter-den-kulissen-des-groessten-retourezentrums-in-europa/?pk_campaign=feed&pk_kwd=hinter-den-kulissen-des-groessten-retourezentrums-in-europa https://www.wihel.de/hinter-den-kulissen-des-groessten-retourezentrums-in-europa/#comments Tue, 11 Nov 2025 11:14:36 +0000 https://www.wihel.de/?p=164275 ]]>

Eigentlich bemüh ich mich, bei Onlinebestellungen Retouren weitestgehend zu vermeiden. Außer halt bei Klamotten, weil man ja nie weiß, wie die sitzen und passen und ein L bei dem einen Shop muss nicht gleich ein L bei dem anderen Shop sein. Jetzt könnt ich behaupten, dass ich das vor allem der Umwelt zu Liebe mache, aber eigentlich fängt das schon bei dem Aufwand an, das Paket wieder zurückbringen zu müssen. Zumal so mancher Händler mittlerweile Umverpackung nutzt, die man nur sehr schwer wiederverwenden kann und die wenigsten von uns haben ja ausreichend Kartonagen Zuhause rumliegen, um direkt Ersatz parat zu haben.

Dazu natürlich die latente Angst, dass einem der Account gesperrt wird, weil man zu exzessive retourniert, was vor allem daran liegt, dass „zu exzessiv“ nirgendwo genau definiert ist. Natürlich mit Absicht.

Und genau deswegen hab ich auch ein schlechtes Gewissen, dass ich in den letzten Wochen bei Amazon recht viel retourniert hab, weil keines der Sitzkissen meinen Anforderungen entsprochen hat (und ich deswegen schlussendlich einfach einen neuen Schreibtischstuhl gekauft hab). Bleibt nur zu hoffen, dass die langjährige Historie davor ausreicht – wie gesagt, sonst versuch ich das zu vermeiden.

Dazu kommt natürlich das Wissen, dass die Mehrheit der Retourware gar nicht mal mehr in den Handel kommt, obwohl sie noch total gut dafür geeignet wäre. Der eine oder andere Skandal bei Amazon ist bekannt, aber auch sonst weiß man ja, dass alles unter perfekt verpackte und aussehende Produkte aus den (virtuellen) Regalen verschwindet. Ich mein, es gibt ja sogar Verordnungen, wie Bananen aussehen müssen ...

ntv war vor ein paar Tagen zu Besuch in einem der größten Retourenzentren der Welt und hat nicht nur geschaut, was mit Paketen passiert, die wir so leichtfertig wieder an den Absender zurückschicken, sondern auch mit den Leuten vor Ort gesprochen:

Und eigentlich wär das ja alles kein Problem, würde der Einzelhandel nicht auf breiter Front so sehr verkacken, wie er es halt tut.

Man hört es ja immer wieder, das Internet macht den Einzelhandel kaputt. Ein bisschen was ist da auch dran, denn schließlich ist es äußerst komfortabel, sich online zu informieren, Produkte zu vergleichen, Preise zu analysieren und den niedrigsten zu finden und dabei aus einer schier unendlichen Auswahl wählen zu können. Ich bin da ehrlich, ich würd fast alles online kaufen.

Das hat aber nicht nur was mit meiner Faulheit und dem Wunsch, so wenig Kontakt zu fremden Menschen wie möglich haben wollen zu tun, sondern auch, was der Einzelhandel gegenüber dem Internet als Mehrwert bietet. Denn das sieht ... ziemlich mau aus.

Natürlich bedingt geht das schon bei der Auswahl los – die ist allein schon durch physikalische Gesetze begrenzt. Ebenso muss ich mich mit anderen Menschen rumschlagen, die ebenfalls einkaufen wollen und wir alle wissen spätestens seit Corona, dass gegenseitige Rücksichtnahme zwei schöne Wörter sind, in der Gesellschaft aber nur noch bedingt stattfinden. Und wenn man dann mal Beratungsleistung braucht, sucht man vergebens nach hilfreichen Mitarbeitern – stattdessen zeigt einem jede Faser des Körpers, dass es die wohl beschissenste Idee überhaupt auf Erden ist, denjenigen ausgerechnet jetzt anzusprechen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Der einzige Vorteil ist lediglich, dass man sich die Versandzeit spart (es gibt natürlich noch weitere Vorteile, die haben aber nur indirekt Einfluss auf einen selbst).

Jetzt könnte man natürlich auf die verrückte Idee kommen, dass sich der Einzelhandel vielleicht verändern muss, um gegen die Onlinewelt zu bestehen. Nische finden, Vorteile erarbeiten, neue Felder erschließen – stattdessen kommen dann aber so wilde Ideen wie eine Onlinesteuer und Geheule am laufenden Band.

Supermärkte haben da noch eine Sonderstellung, weil hier der Onlinehandel zwar bisher versucht, Fuß zu fassen, aber noch kein probates Mittel gefunden hat, um wirklich effizient und kostengünstig zu arbeiten. Aber allein die Tatsache, dass der nachfolgende Supermarkt aus dem Jahre 1971 stammt, im Grunde aber genauso aussieht wie die Supermärkte, die wir aktuell benutzen, spricht Bände:

Schön und gruselig zu gleich. Und nein, das hat nichts damit zu tun, dass das wohl früher alles schon seiner Zeit voraus war ...

Es hätte ja durchaus das Jahr der Konsolen werden können, mit der Xbox und auch der neuen Playstation sind schließlich zwei Konsolen erschienen, auf die die Leute schon eine ganze Weile gewartet haben. In gewisser Weise gehörte auch ich dazu, aber allein dieses Hin und Her im Vorfeld bzgl. Preis und sonstigen Informationen hat dann doch schon hart genervt, genauso die Unsicherheiten der Hersteller zum Beispiel in Bezug auf die Abwärtskompaitibilität. Zumindest gefühlt würde ich behaupten, dass das vorher einfach wesentlich besser lief: Hier, das isse, das kann se, das kost se – fertig.

Aber es scheint ja ohnehin das Jahr der heißen Stricknadel zu sein, sieht man ja auch an Cyberpunk oder auch der aktuellen Aktion in Assassins Creed Valhalla – ich hab jedenfalls schon sehr lange keine Spiele mehr gesehen, die so sehr im Fokus standen und die teils dermaßen verbugt sind.

Zurück zu den Konsolen: So richtig wurde es dann aber eben doch nicht das Konsolenjahr, weil man a) den Erstvertrieb kolossal verbockt hat und b) auf gar keinen Fall damit rechnen konnte, dass Leute sich mit Konsolen eindecken, um sie dann für deutlich mehr Geld im Netz zu verkaufen. Ein Schelm, wer hier mal den Smartphone- oder auch Sneaker-Markt in den letzten Jahren beobachtet hat. Psssscht: Bei den Sneakern gibt es sogar Beispiele, wie man erfolgreich dagegen vor geht.

Das in Kombination mit einer ohnehin reduzierten Stückzahl zum Launch (da ist sie auch scheinbar wieder, die heiße Stricknadel) führt dann halt eben schnell zu frustrierten Gesichtern und zumindest bei mir zu deutlich vermindertem Bock auf die neue Hardware, frei nach dem Motto „dann halt nicht“.

Dabei kommen die wirklich schönen Geschichten ja erst noch – nämlich wenn die breite Masse Zugriff hat und die ersten Vollidioten versuchen, Verkäufer und Hersteller für dumm zu verkaufen. Eine Masche, die schon seit Jahrzehnten existiert und unter anderem 1991 in einem unterhaltsamen Lehrvideo von Nintendo thematisiert wurde:

A Nintendo training video from 1991 teaching retail workers how to handle customers with defective Nintendo products.

Aber das schlimmste ist ja immer: Man weiß, dass man eigentlich verarscht wird und darf sich trotzdem nichts anmerken lassen.