Mülleimer – :: Was is hier eigentlich los :: https://www.wihel.de Entertainment, LifeStyle, Gadgets, Kultur und ein bisschen WTF Sun, 18 Jan 2026 10:27:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 Der Mülleimer der Zukunft https://www.wihel.de/der-muelleimer-der-zukunft/?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-muelleimer-der-zukunft https://www.wihel.de/der-muelleimer-der-zukunft/#comments Thu, 20 Mar 2025 07:11:57 +0000 https://www.wihel.de/?p=161947 ]]>

Ich hab es ja lange für ein Gerücht gehalten, bis ich selbst Vater geworden bin, aber ... ach, eigentlich ist das Quatsch, ich hab kurz vor dem Vaterwerden dahingehend gar nichts für ein Gerücht gehalten, denn bei all diesen übergroßen Projekten, die von so vielen Variablen bestimmt werden, dass man sich gar nicht so viel Wissen vorher anschaffen kann, wie man bräuchte, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, hab ich das gar nicht erst versucht. Entsprechend auch keine Gerüchte aufgeschnappt und mich voll und ganz darauf verlassen, dass Line sich in ihrem Mutterschutz schon ausreichend schlau gemacht hat. Klingt fies und faul? Vielleicht, kann aber auch einfach unabgesprochene und dennoch gut aufgeteilte „Arbeit“ sein.

Und irgendwo hat man ja auch gehört, dass Kinder ab einem gewissen Alter Schränke und Schubladen öffnen, als gäbe es kein Spielzeug auf der Welt. Wenn du es öffnen kannst, dann musst du es öffnen.

Findige Kapitalisten haben da natürlich schnell das Geld gewittert und kleine Tools erfunden, damit das eben nicht so einfach passiert und auch wir haben davon ein bisschen was verbaut. Aber es gibt eben auch Dinge, die kannst bzw. willst du nicht komplett absichern, denn Absicherung geht oft auch immer mit Einschränkungen in Sachen Bequemlichkeit einher.

Wovon ich rede: Das Kind räumt regelmäßig meinen Papierkorb im Arbeitszimmer aus. Irgendwo süß, aber auch nervig, denn ich schmeiß das Zeug da ja nicht umsonst rein. Jetzt könnte ich natürlich einfach einen Eimer mit Deckel oder so einem Tretschalter organisieren, aber ... dann kann ich da nicht mehr einfach so was reinwerfen. Bequemlichkeit, ihr versteht schon.

Bleibt mir also wohl nichts anderes übrig, als das zu machen, was Blytical gemacht hat – den Eimer der Zukunft zu bauen:

The moment I saw the video of a trash can from the future, I knew I had to build one myself.

Was ein Aufwand, aber auch ein cooles Bastelprojekt. Müsste alles nur ein bisschen schneller reagieren.

Ich versteh ja bis heute nicht, warum Menschen ihren Müll einfach rumliegen lassen. Es mag ein alter Mutti-Spruch sein, aber er ist eben wahr: Zuhause machen die das doch auch nicht. Oder vielleicht doch? Man mag es sich kaum vorstellen. Aber ich versteh ja auch nicht, warum BMW-Fahrer eben so sind, wie sie sind, wie man die FDP wählen kann und wieso die Menschheit generell daran scheitert, einfach ein bisschen rücksichtsvoller mit sich selbst zu sein.

Auf der anderen Seite: Man wird ja ganz offensichtlich auch von „höheren Mächten“ (a.k.a. Behörden) verarscht. Dazu muss man zum Beispiel an Bahnhöfen nur mal in die Mülleimer schauen, die vermeintlich dabei helfen sollen, Müll direkt beim Wegwerfen zu trennen – und dann sieht man, dass die vermeintliche Trennung nur am Einwurf passiert, am Ende aber doch alles im gleichen Sack landet. Dazu kommt dann noch, dass Mülleimer nicht selten sehr unlogisch stationiert sind. An manchen Ecken wird man damit direkt erschlagen, an anderen sucht man die Dinger meilenweit und wird doch nicht fündig. Was dennoch keine Ausrede sein sollte, dass man seinen Scheiß einfach wieder mitnimmt und dann bei passender Gelegenheit entsorgt.

Vielleicht hilft da aber das kleine Projekt von Fanjun Bu Ilan Mandel, Wen-Ying Lee und Wendy Ju. Die haben nämlich einfach mal selbstfahrende Mülleimer auf die Menschheit losgelassen und beobachtet, wie die Leute darauf reagieren. Wenig überraschend kommt das nicht überall gut an, finde aber persönlich die Idee sehr grandios – auch wenn es sich gleichzeitig falsch anfühlt, dass man den Leuten für sowas quasi noch hinterher rennen muss:

Fanjun Bu, Ilan Mandel, Wen-Ying Lee, and Wendy Ju. 2023. Trash Barrel Robots in the City. In Companion of the 2023 ACM/IEEE International Conference on Human-Robot Interaction (HRI '23). Association for Computing Machinery, New York, NY, USA, 875–877.

Wenn es aber zur Müllvermeidung hilft, dann sollte das großflächig ausgerollt werden.

Ehrlich, ich lebe wirklich gern in Hamburg. Die Leute sind ganz ok, die Wege nicht zu kurz und nicht zu lang, die Einkaufsmöglichkeiten optimal und mit dem Wetter kann man auch klar kommen. Im Grunde wird man auch nicht sonderlich stark durch die Politik belästigt - lediglich die zahlreichen Baustellen werden auf Dauer lästig.

Aber für die meisten Sachen gibt es ein erstes Mal und so ist das auch mein erster größerer Kopfschüttelmoment über eine Aktion der Stadt: denn in Hamburgs Innenstadt gibt es jetzt neue, fancy Mülltonnen.

Die sollen nicht nur moderner aussehen, sondern haben auch eine solarbetrieben Füllstandsanzeige. Wow. Wenn wir eines gebraucht haben, dann eine Anzeige, ob der Mülleimer voll ist oder nicht - früher musste man noch direkt reinschauen, stell euch das mal vor. Total 2013 war das.

Gleichzeitig muss man den Müll nun mittels Kippklappe in den Behälter deponieren, was aus zwei Gründen ziemlicher Murks ist. Denn zum einen muss man den Mülleimer nun unweigerlich mit den Händen berühren, was logischerweise alles andere als hygienisch ist. Zum anderen hat man damit den Flaschensammlern die Möglichkeit genommen, Pfandflaschen aus den Mülleimern zu fischen.

Ich bin nun auch kein sonderlich großer Fan davon und letztendlich kann es auch nicht die Lösung sein, den Leuten das Sammeln von Pfandflaschen so attraktiv wie möglich zu machen, denn das Problem ist ja ein völlig anderes. Aber wenn man Leute nun schon dazu bewegen muss, dass das Sammeln von Pfandflaschen die einzige Möglichkeit ist, das Einkommen aufzubessern (und ich bin mir sehr sicher, niemand von denen hat Freude daran), warum zum Henker muss man dann auch noch diese Option verbauen? Aus ästhetischen Gründen? Buäh!

Darüber hinaus kostet so ein fancy solarangetriebener Wasserstands-Wifi-Hyper-Mülleimer mal eben 5.000€. Einer. Wie viele Pfandflaschen das sind, könnt ihr euch selbst ausrechnen.

Hamburg, das ist ein ziemlicher Scheiß-Move.

[via]

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