The Social Network

Vor vielen vielen Monden bereits schon mal erwähnt, hab ich mich am Freitag mit meiner Püppi mal wieder ins Kino gewagt, um endlich mal wieder einen halbgaren Film für etwas mehr als 60 Euro zu sehen – The Social Network.

Was kann man von einem Film erwarten, der bereits im Vorfeld weder eine dreistellige Zahl an nackten Brüsten noch eine vierstellige Zahl an langsam sterbenden Kaninchen verspricht? Im Grunde nichts. Und dann auch noch Kino, wo es darauf geht, dass man bereits innerhalb der Arterie erkennen muss, dass der meuchelnde Gartenzwerg gleich mit dem Rasenmäher die Beinbehaarung entfernen möchte – und das möglichst mit 348db in Dolby-Surround-rechts-vorne-hinten-links-und-in-dir-drin-Sound.

Und dann dreht sich das auch noch ums Internet. Verdammt.

Zur Handlung selbst gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Die Story dreht sich darum, wie Marc Zuckerberg von Freunden und Bekannten verklagt wird und im Nachgang einiges nochmal Revue passieren lässt.

Allerdings war der Film gut. Ja wirklich.

Letztendlich wurde Marc Zuckerberg als ein Mensch dargestellt, den ich mir so noch nie vorgestellt hab, der aber letztendlich am ehesten Sinn machen würde. Ein Genie am Computer, intelligent, aber sozial völlig verkrüppelt. Der typische Egozentriker, der seine Ideen eiskalt erbarmungslos kompromisslos umsetzt und verwirklicht und mit einer anderen Persönlichkeit vermutlich gar nicht dazu in der Lage wäre. Und weil er im realen Leben sozial nicht klar kommt, den ganzen Mist ins Netz transferiert.

Wen verwundert es da, dass der Film (und die Idee zu Facebook) damit beginnt, dass Klein Marc von seiner Freundin verlassen wird? (Nach einem sehr sehr anstrengenden Wortwechsel – ich hätt ihm direkt zwischen die Eier getreten)

Sehr angenehm war vor allem der Teil, in dem Justin Timberlake alias Sean Parker sich wiederholt einen Fehltritt leistet und sowohl mit Minderjährigen als auch Koks von der Polizei aufgegriffen wird – und dementsprechend von Marc aussortiert wird.

Ich würde gern behaupten, dass ich Facebook jetzt mit völlig anderen Augen sehe. Dass da wirklich ein einzelner Mensch war, der diese Idee hatte, sich zahlreiche Nächte um die Ohren geschlagen hat, nur um stumpf in den Rechner zu hacken und diese Plattform zu bauen.

Tu ich aber nicht. Facebook ist Alltags-Gegenstand geworden. Fest verankert im Leben (und sei es nur das angucken von irgendwelchem Mist), allerdings auch nicht mehr wirklich wegzudenken. Und was die ganzen Querelen um Prozesse und Privatsphären-Geheule etc. betrifft – interessiert mich einen Scheiß. Dazu gibt es genug Diskussionen, die letztendlich nur an einem Punkt enden sollten: wer nicht für sich selbst bzw. seine Daten verantwortlich sein möchte, sollte nur beschränkt Zugriff auf das Internet bekommen. Alle anderen dürften intelligent genug sein, sich über dies, das und jenes ausreichend informieren zu können. Ist gar nicht so schwer, im Notfall kann man auch einfach mich fragen.

Zurück zum Film: Jesse Eisenberg hat sehr überzeugend gespielt, einige Wortwechsel waren sehr witzig, kurzum – wenn das alles so gewesen ist, find ich das recht spannend. Und wenn nicht, dann ist wenigstens ein guter Film dabei rausgekommen.

Schöner Satz am Ende des Films übrigens: Eine junge Anwältin Bevor sagt zu Zuckerberg, dass er kein Arschloch sei, aber sich große Mühe gebe, wie eines zu wirken. Hat doch auch was oder?

Zum Schluss lässt sich sagen: der Film dürfte weder Marc Zuckerberg, noch Facebook selbst schaden. Allerdings auch nicht sonderlich bereichern. Der einzige Verlierer ist Justin Timberlake (siehe Bild)

The Social Network

Also Kinners – gönnt euch mal was, geht einmal weniger innen Puff und investiert das Geld in ein bisschen cineastische Unterhaltung. Ihr werdet es nicht bereuen. (Und wenn doch, ist mir das auch egal)

PS: Marc, wenne ma kein Arschloch mehr sein willst, dann mach doch ma n schöneres Design!


Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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