Warum ich im Bus nicht telefoniere

Jeder, der meine Nummer hat, wird sie kennen: die Melodie auf meiner Mailbox. Die macht gute Laune, lässt dir die Sonne aus dem Arsch scheinen und ist mal so ganz anders als „Hallo, hier ist deine Mudder – sprich nach dem Piep“
Ein Grund dafür ist, dass ich im Bus oder in der Bahn gar nicht telefoniere. Nie. Nichtmal, wenn meine Mutter anruft. Oder deine. Da führt kein Weg dran vorbei.

Vorgestern hatte ich das unwahrscheinliche Glück, im Bus ganz hinten in der Mitte zu sitzen. Ich sitze immer ganz hinten – hab durch Beschilderung und Flatulenzen da eindeutig mein Revier abgesteckt.

Warum ich im Bus nicht telefoniere

Neben mir nun Achmed. Achmed telefoniert gerne, denn Achmed hat gleich zwei iPhones. Ich gönn es ihm, denn vermutlich hab ich, getarnt durch meine Sozialabgaben jeden Monat, Achmed die iPhones gesponsort. Und Achmed telefoniert gerne im Bus. Und laut.
Aber das ist nicht schlimm, denn durch Achmeds Telefonat werde auch ich schlauer und lerne meine Mitmenschen besser kennen. So weiß ich nun, das Achmed gerne einen durchquarzt, das aber nie in Verbindung mit Alkohol macht – „weil sons muss isch wieda godzen, diggah, weißt?“.

Ich weiß auch, dass Achmed eine Freundin hat – wobei, ich weiß nicht, wie lange noch. Denn Achmed ist ein bisschen eifersüchtig und schon sauer, wenn seine Perle nach 10 Minuten nicht zurückruft. Weil der Achmed, der hat vorher angerufen und da war wohl besetzt. Seine Schnecke behauptet zwar, dass das nicht stimmt, aber Achmed „hadd iPhone, isch beweis dir“. Und in dem Moment hat mich Achmed wirklich überrascht, denn er wusste tatsächlich, wie man mit dem iPhone einen Screenshot macht – meine Mutter weiß das nicht. Aber die hat auch kein iPhone.

Das eigentlich Schlimme – neben der Tatsache neben Achmed sitzen zu müssen, während er breitbeinig sein Knie an meinem Bein schubberte – ist: ich hatte Kopfhörer im Ohr und hab diesen Vollspacko trotzdem gehört. Genau wie alle 963 Mitfahrgefangene auch.

Übrigens: sämtliche dieser Telefonate, die man in öffentlichen Verkehrsmitteln mitbekommt haben ALLE das Potential für eine ganze Reihe von Dokusoaps auf RTL2. Ich habe noch nie einen Professor oder Doktorin in der S-Bahn gesehen, die sich mit 120 dB über ein Handy darüber auslassen, warum „Schantal sich schon wieder hat flachlegen lassen“. Zufall?

Lehre für mich: ich brauch bessere Kopfhörer. Und werde nach wie vor nicht in Bus und Bahn telefonieren. Sonst könnt ich ja auch gleich Fan von Hollands Nationalmannschaft werden.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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