Was willst du?

Mittwoch stand wieder mal Pooca auf dem Programm, ein Abend mit guter Musik, neuen und alten Künstlern auf der Bühne und einigen Gesprächen, die nicht abzusehen waren, aber dennoch gut.

Eines davon war allerdings hervorstechend. Bei meinem letzten Eintrag hab ich über die Atmosphäre und den einen oder anderen Künstlern geschrieben, um allgemein einen Eindruck (und natürlich auch für die Werbung) zu geben.

Nun wurde ich aber Mittwoch von einer jungen Dame angesprochen, die ich nicht erwähnt habe und die darüber ein wenig erbost schien. „Natürlich geht es ihr nicht um Anerkennung“, aber gar nicht erwähnt werden war dann ja auch scheiße.

Das hat mich ein wenig ins Grübeln gebracht. Ich hab Society of Exiles hauptsächlich unter dem Aspekt gesehen, dass dort Hamburger Künstler, und natürlich auch Musiker außerhalb Hamburgs, Deutschlands und erstaunlicherweise Europas, auftreten und zolle ihnen meinen Größten Respekt dafür. Es gehört schließlich schon einiges dazu, vor allem, weil das Publikum definitiv kein leichtes ist.

Natürlich respektiere ich es, wenn sich (das muss man leider immer noch so deutlich sagen) eine junge Frau hinter das Mischpult stellt und vor, zwischen und nach den Auftritten für (musikalische) Stimmung sorgt, die Laune hoch und die Leute auf den Beinen hält. Denn auch hier: ein falscher Song und der Abend hat einen ekelhaften Fleck, den er auch nicht mehr los wird. Von daher erwähne ich auch noch mal Xenia mit lobenden Worten und danke ihr, dass sie genauso ihren Teil zu einem gelungenen Abend beiträgt, wie fast alle Bühnenprotagonisten.

Was willst du?

Der Punkt, der mich aber zum nachdenken brachte, war ihre Ansprache an sich bzw. ihr Inhalt. Warum sagt jemand, dass es ihm nicht um Anerkennung geht, aber der Sinn der Rüge es ist, dass Anerkennung gefehlt hat. Scheinbar so sehr, dass der Drang, dieses beim Autor anzumerken, so groß war, dass er es auch tatsächlich bei nächster Gelegenheit (und nach einem recht langen Zeitraum) tut?

Ich hab dann leider immer das Problem, solche Themen, unabhängig vom Inhalt, als größtenteils „Bla Bla“ abzutun und frag mich jedes Mal:

Du sagst das eine, meinst aber das völlige Gegenteil. Warum sagst du es nicht einfach?

Ich hab kein Problem damit, für den Inhalt des Blogs, einzelne Sätze oder Aussagen von mir Kritik einzustecken, solange sie sachlich ist. Kommunikation ist alles und genau das macht doch am Zusammensein am meisten Spaß. Aber warum verschwenden Menschen ihre Zeit mit Phrasen, die etwas verhüllen sollen, was doch so offensichtlich ist?

„Es geht mir nicht um Anerkennung, aber ich hab hart dafür gekämpft und für mich ist es eine Ehre hier auflegen zu dürfen. Ich hab in einem kleinen Laden angefangen und hab es immerhin schon bis hierhin geschafft“

Wunderbar. Das respektiere ich und davor ziehe ich auch meinen Hut. Gerade in Hamburg gibt es ja an jeder Ecke 12 DJs und einmal nicht aufgepasst, fällt man über einen Berg an Platten und CDs.

Aber glaubwürdiger bzw. sogar ernstzunehmender ist es doch, direkt zu sagen: (Ja, dein Text war gut), Aber warum hast du mich nicht erwähnt? Mir bedeutet das viel, ich geb jedes Mal mein Bestes, dafür wünsch ich mir auch Anerkennung.

Damit könnte ich mehr anfangen und für diese direkte und ehrliche Art gibt es dann auch dementsprechend Honorierung.

Ich wünsche mir eine Welt, eine Welt in der man offen und ehrlich miteinander umgehen kann, fernab von Phrasen und wörtlichen Verwaschungen. Eine Welt, in der man wieder aus einer Kloschüssel trinken kann.

Danke.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

Sag was dazu!

Kürzlich