Weibliche Actionstars altern anders

Weibliche Actionstars altern anders
Flickr Ripley and Abe T. Alien Pug50 CC BY Bestimmte Rechte vorbehalten

Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Actionstars: Die Frauen wissen, wann es genug ist! Käme eine in die Jahre gekommene Sigourney Weaver auf die Idee, auf Alienjagd zu gehen? Zwei Knarren am Gürtel und eine fette Maschinenpistole in den Händen – zugegeben, das sähe irgendwie eigenartig aus. Sicher kann Sigourney damit umgehen, aber die Jahre sind nun Mal nicht spurlos an ihr vorbeigegangen.

Männer wissen einfach nicht, wann Schluss ist

Ich kam auf die Idee dieser kruden These, als ich mir neulich den Action-Aufguss Red mit Bruce Willis angesehen habe. Der mit großen Schritten auf die 60 zugehende Action-Star wollte es noch mal wissen: Er spielt einen pensionierten CIA-Agenten, auf den es Hightech-Killer abgesehen haben. Mithilfe seiner alten Kumpels versucht er herauszufinden, wer ihn erledigen will. Wie gewohnt viel Schießerei und Explosionen – doch irgendetwas fehlte. Der Bruce Willis, den man hier sah, war einfach nicht mehr der topfitte, knallharte und schnelle Typ, den man aus den 80ern kennt. „War das schon immer so?“, habe ich mich gefragt. Und nein, es ist eher ein schleichender Prozess. Dank WATCHEVER konnte ich schnell ein paar seiner älteren Filme zum Vergleich heranziehen, und siehe da: Mit Twelve Moneys oder Pulp Fiction ist er dem Genre treu geblieben – aber der Pfiff, den er in Stirb langsam hatte, der war damals schon weg.

Der im Rentenalter angekommene Sly Stallone setzt dem Ganzen die Krone auf. Mit seiner Trilogie The Expendables lässt er gealterte Actionstars noch einmal vor die Kamera treten. Schwarzenegger, Li, Lundgren, Rourke, Willis und Co. – die Namen versprechen gute Unterhaltung. In den Kritiken liest man immer wieder von Selbstironie – das klingt nach vorgeschobener Entschuldigung. Ganz nach dem Motto: „Wir wissen, wir können es nicht mehr so gut wie damals, aber wir haben trotzdem Bock darauf und nehmen uns selbst nicht mehr so ernst“. Zwei vom alten Schlag, in dem Sly und DeNiro ihre Kräfte in einem Boxkampf messen, reiht sich hier ein.

Action-Heldinnen entwickeln sich weiter…

…oder hören gleich ganz auf. Die erste Actionheldin verkörperte Lynda Carter als Wonder Woman, die Serie lief von 1975–1979. Carter setzte in dieser Rolle neue Maßstäbe: schnell, clever und durchsetzungsstark. Dabei wurde ihre feminine Seite nie ausgeblendet. Auch die drei Engel für Charly sind in erster Linie attraktive Frauen, die ihre Weiblichkeit geschickt einzusetzen vermochten. In gefährlichen Situationen gewinnen sie den Kampf eher durch Cleverness oder glückliche Umstände als durch Kampfkunst oder Kraft. Lynda Carter und die drei Engel waren später noch in weiteren Filmen zu sehen, kehrten dem Genre Action aber den Rücken.

Sigourney Weaver war die erste Actionheldin auf der Kinoleinwand. Als Alien 1979 in die Kinos kam, war es Ellen Ripley, die als Einzige überlebte. Hier sind es nicht übermenschliche Kräfte oder brutale Kämpfe, die ihr Überleben sichern, sondern vor allem Cleverness. Ganz nach dem Prinzip des Judos „Siegen durch Nachgeben“ gingen Actionheldinnen bis dato vor. Heute dreht Sigourney mit Vorliebe seichte Familienkomödien.

Actionheldinnen passen sich immer mehr ihrem männlichem Pendant an, was bei Resident Evil zu beobachten ist. Milla Jovovich vereint ein blendendes Aussehen mit knallharter Action. Sie kann zuschlagen und ist äußerst geschickt im Umgang mit Waffen. Sie hat keine Angst und weint nicht. Angelina Jolie treibt das Actiongenre im Tomb Raider auf die Spitze. Das Einzige, was sie von einem männlichen Actionstar unterscheidet, ist ihr Äußeres.

Die aktuelle Entwicklung beunruhigt mich. Bis jetzt haben die Heldinnen gewusst, wenn genug war, und rechtzeitig in ein anderes Genre gewechselt. Mit der zunehmenden Angleichung weiblicher und männlicher Actionstars wäre es nur folgerichtig, wenn Milla und Angelina ihren Ruf als Actionheldinnen weiterhin pflegen würden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die beiden mit über 60 noch einmal alle zusammentrommeln und um die Wette ballern.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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