Weihnachten usw.

Nun ist sie wieder da, die wunderbare Zeit vor, mitten und nach Weihnachten. Die Straßen voller wunderbarem Schnee, die Kinder platzen vor Vorfreude, die Wohnungen werden geschmückt und die Rezepte für große Familienessen werden aus den Schubladen geholt.

Ja ja, da ist sie, die wunderbare Zeit. Auf dem Weg zur Arbeit läuft man Gefahr, sich permanent auf die Schnauze zu legen. Die Öffentlichen halten sich nur noch nach Lust und Laune an ihre Fahrpläne. Die ersten 5 Minuten außerhalb der Wohnung entscheiden, ob man einen erbarmungslosen Erfrierungstod stirbt oder sich völlig durchgefroren doch noch sein Ziel erreicht.

Vor Weihnachten stürmen die Leute in die Einkaufsbordelle, nur um 65 Stunden später mit gekauften Sympathien säckeweise wieder in ihre trostlosen Wohnungen zu traben. Positiv an der Sache: das Geldgewicht hat rapide abgenommen.

Dann wird gekocht. Zwei Wochen Brutzeln, Schwitzen, Metzeln und Zerhacken für maximal 2 Stunden fressen. Natürlich, alles lecker. Mit dem einzigen Zweck danach zelebrierend zu jammern, wie fett man doch wird/geworden ist.

Beim Essen muss man sich dann mit den Leuten abgeben, die Gott gewollt zur Verwandtschaft gehören. Leute, denen man auf der Straße nicht mal einen Blick schenken würde, aber durch einen blöden Zufall genetischer Unvorhergesehenheit nun gegenüber sitzen muss, gezwungen ein Gespräch zu führen. Idealerweise oberflächlich um nicht neue Konflikte zu den seit Jahren totgeschwiegenen zu addieren. Und immer schön lächeln.

Der Weihnachtsbaum protzig geschmückt, als reine Illusion des Familienfriedens „Oh schau mal wie schön“ Genauso gut kann man gleich 500 Euro Geldscheine an die Bäume hängen. Glitzert nur nicht so schön, wenn das Licht drauf scheint.

Zur Bescherung kommen dann alle zusammen, um Tausende von Euro untereinander zu tauschen und sich bloß nicht anmerken zu lassen, dass nur eines im Kopf auftaucht „Oh Gott, bitte hab noch den Kassenzettel“ Falls Deutschland mal auf die Idee kommt, ein innovative neue Casting-Show ins Programm zu bumsen, sollte man genau zu dieser Zeit in die heimischen Wohnzimmer schauen. Da finden sich hervorragende Talente, die die größte Freude über den beschissensten Quatsch heucheln können.

Im Fernsehen laufen auch nur die gleichen schlechten 5 Filme, die jedes Jahr zu Weihnachten laufen (und dazwischen auch!). Ob auch Rambo wieder kommt? Was wäre Heilig Abend ohne Silvester Stallone in Festtagsmanier Gegnerhorden zu durchsieben. (Sensationelle Idee: Rambo 5 sollte dieses Mal in der GEZ-Zentrale spielen)

Oh ja Weihnachten ist was SCHÖNES!

Ich werd seit Mai das erste Mal wieder nach Hause fahren. Meine Mutter bekommt zwei Nougat-Marzipan-Brote und mein Vater eine Dose Cashew-Kerne. Warum? Weil Sie sich darüber freuen, ohne dass ich ein Vermögen ausgegeben habe. Weil es auch reicht, dass wir uns seit langem mal wieder sehen werden. Die Tage werden wir zu dritt (viert, da Hund) verbringen. Wir schauen uns Filme auf DVD an. Zu Essen gibt es Kartoffelsalat und Buletten. Wir werden einfach entspannen, zu dritt bleiben und reden. Ich werd meinem Vater den Rechner wieder in Gang bringen. Und einfach mal mit dem Hund spielen. Zwischendrin treff ich mich mit alten Freunden. Und warum ist genau das schön? Weil es um den Menschen an sich geht. Nicht wie viel man ausgegeben hat.

Es geht einfach nur darum, eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Ohne den ganzen Rotz, der einem durch tollwütige Konsumdiktatoren aufgezwängt wird.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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