WIHEL wird bestraft – und die Folgen

WIHEL wird bestraft - und die Folgen

Zuerst: vielen Dank für das zahlreiche Feedback. Ich fand es ungemein interessant, auch andere Gedanken dazu zu bekommen und vor allem auch zu erfahren, wer in welcher Form ebenfalls derartige Erfahrungen gemacht hat.

Selbstverständlich gibt es mittlerweile Neuigkeiten und nach Rücksprache mit Line auch Folgen.

Nochmals zur Erinnerung (und dieses Mal auch mit Namensnennung): der Fotograf Ivo Berg, zu finden hier, kam auf die Idee, mich darauf hinzuweisen, dass ich durch posten eines Bildes Urheberrecht verletzt haben soll und garnierte das Ganze mit einer Forderung von 100 €. Kann man auch alles hier nachlesen, genau wie die Kommentare.

Aktuell befinden wir uns immer noch im Status des Urhebernachweises.

Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen und ich habe mich mit einigen Leuten ausgetauscht, u.a. auch mit einem befreundeten Fotografen, der mir z.B. diesen Link geschickt hat. Wenn man ein bisschen weiterliest, kommt man unter anderem auch hier hin – ebenfalls sehr interessant und lesenswert, auch wenn mich die Kommentare dort erschüttern, weichen sie doch zum Teil erheblich von denen hier auf diesem Blog ab.

Was wird sich nun ändern?

Wir haben uns dazu durchgerungen, die Kategorie „Fotografie des Tages“ einzustampfen und sowohl sämtliche geposteten Beiträge, als auch die bereits geplanten zu entfernen und auch die Bilder zu löschen. Der Grund ist nicht, dass wir in irgendeiner Form das rechtliche Konstrukt anerkennen – wir haben einfach nicht die Kohle und die Eier in der Hose, hier auch nach Jahren noch eine Art Opfer darzustellen. Das wird nicht bedeuten, dass wir hier gar keine Bilder mehr posten werden – ich bin ehrlich: ich scheiß drauf. Wenn ich eine Bilderserie sehe, die mir überdurchschnittlich gefällt, wird diese hier genauso verbloggt, wie woanders auch. Viel mehr wollen wir aber nicht das Glück herausfordern und durch ein tägliches Bild – welche höchst wahrscheinlich von diversen Fotografen produziert wurden, die Qualität spricht da für sich selbst – massive Angriffsfläche bieten.

Für mich stellt das Posten eines Bildes spätestens durch die reine Verlinkung (also ohne das Hosten des Bildes bzw. einer Kopie davon auf dem eigenen Server) keine Urheberrechtsverletzung dar – oder seit wann darf man anderen Leuten keine Bilder mehr zeigen? In Deutschland scheinbar gar nicht.

Es tut mir leid für euch, denn es gibt soo extrem viele gute Bilder im Internet, die ohne die Verbreitung, wie sie nun mal auf Blogs und dergleichen statt findet, gar nicht wahrgenommen – wenn ich nur mal darüber nachdenke, wie viele Bilder ich jeden Tag allein durch meinen Feed sehe und wie viele wirklich großartige Kostbarkeiten dabei sind … spielt aber für die Juristerei keine Rolle.

Ganz besonders tut es mir aber für Line leid. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit und Kraft investiert werden, solche Bilder überhaupt zu finden. Und das Anlegen der Posts, auch wenn es nur ein Bild ist, ist nun mal auch nicht mit einem Fingerschnipp erledigt. Ich war eigentlich ganz froh, ihr hier eine Plattform bieten zu können, die genau zu ihr passt und bei der sie machen kann, was ihr Spaß macht. Gerade als Studentin hat man neben Studium und Arbeit nicht sonderlich viel Zeit, um fantastische Texte zu schreiben. Durch die Bilder war sie dennoch dauerhaft präsent und konnte sich als vollwertiges Mitglied in unserem Zweierteam fühlen. Fotografie des Tages war genau ihr Ding, in das ich mich eher einmischte, wenn selbst dafür ihre Zeit mal zu knapp wurde. So wird es nun vorerst wieder ruhiger um sie, was ich mehr als bedaure – denn bloggen macht wie Sex zu zweit mehr Spaß als alleine.

Auf wen bin ich sauer?

Überraschenderweise nicht auf die Fotografen in diesem Land. Von Moral kann man schon lange nicht mehr reden, warum denn auch? Dafür gibt es gerade bei diesem Thema viel zu polarisierende Sichtweisen. Sind wir doch ehrlich: wenn es das Gesetz die Möglichkeit bietet, relativ schnell und einfach Kohle zu machen, würde irgendwann jeder zuschlagen. Da kann man mir sonst was erzählen, hätte wäre könnte – wenn’s ums schnelle Geld geht, wird nicht lange gefackelt. Gerade wenn das Geld durch den Verkauf der Bilder ausbleibt.

um die schlichte Tatsache, dass Google Images zusammen mit anderen Suchdiensten über 1500 Kopien dieses Bildes im Netz findet – und regulär verkauft habe ich es beeindruckende 8 Mal. Deshalb gehe ich nun dagegen vor.

Ich bin auch nicht auf die Anwälte sauer, denn für sie gilt das Gleiche – Geld verdienen soweit es der Rahmen zu lässt. Nein, das eigentliche Problem ist die deutsche Rechtsprechung. Die Definitionen sind nicht klar und wenn man es direkt auf die Spitze treibt, dürfen wir als Blogger bei nahezu jedem Bild erstmal den halben Tag investieren, den eigentlichen Urheber ausfindig zu machen (den echten, nicht irgendwelche Idioten, die einfach Wasserzeichen auf Bilder klatschen) und um Erlaubnis zu fragen.

Der Kosten-Nutzen-Faktor ist einfach nicht gegeben und so funktioniert das Bloggen auch nicht. Da gibt es so gut wie keine Vorlaufzeiten etc. Man schreibt aus einem Impuls heraus, meist wird der Artikel direkt nach dem letzten Satz veröffentlicht – keine Wartezeit. Gedanken zum Thema, runterschreiben und raus mit dem Scheiß.

Inwieweit solche Methoden leztendlich gewinnbringend, förderlich oder schädigend sind, kann ich nicht abschätzen. Aber als Geschäftsmodell sicherlich lukrativ, schaut man sich einfach nur diesen und diesen Link an, den Maik in den Kommentaren gepostet hat. Spätestens da weiß man, dass man vermutlich doch ganz gut als Fotograf leben kann, falls man sich denn so seine Brötchen verdienen will.

Ich finde das gesamte Vorgehen nach wie vor fragwürdig – es ist immer bescheuert, jemanden auf ein Vergehen hinzuweisen und direkt eine Geldforderung mitzuschicken. Gleichzeitig sollte man dann auch die Eier in der Hose haben und auch gegen alle vorgehen, die dieses Vergehen ebenfalls begangen haben – siehe Links von Maik. Und das ist genau das, was mich ebenfalls sehr fuchsig macht:

Wie bereits gesagt werde ich auch dort weitere Schritte in Betracht ziehen.

Was soll sowas? Entweder ich störe mich an der Verbreitung und der zusätzlichen Publicity für mein Bild und gehe entsprechend gegen alle vor – oder lass es vollständig. Ganz oder gar nicht. Immer diese 08/15-Scheiße. Einen Dummen hat man gefunden, scheiß auf den Rest – macht eh nur Arbeit. Wenn ich mal so arbeiten würde, wisst ihr, was mein Chef dann zu mir sagen würde? „Deine Zukunft, die liegt jetzt hinter dir.“

Wenn man meint, solche Wege einschlagen zu müssen, dann soll man sie auch ganz gehen. Alles andere nervt und ist lächerlich. Da schäm ich mich sogar fremd. So macht Internet keinen Spaß und so sollte … DARF es nicht funktionieren. Schließlich gibt es genug Methoden, Mittel und Wege, seine Werke so zu schützen, wie man letztendlich andere zur Kasse bittet: schnell und einfach. Oder um es mit einem genauso unzulänglichen Vergleich verdeutlichen zu wollen, wie ich es bereits lesen durfte: schließ dein Auto nicht ab und heul dann rum, wenn es plötzlich weg ist.

Manchmal fragt man sich eben doch, warum wir deutschen solche Korinthenkacker sein müssen. Nicht wahr, liebe GEMA, GEZ, FDP und wie ihr nicht sonst noch alle heißt?

Kommt es nur mir so vor, dass Verhältnismäßigkeit schon immer eine Achillesverse von Politik und Justiz waren?

Wirre Gedanken, aber muss ja auch mal gesagt werden. Punkt.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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