Gedanken-Tüdelüt (05): Hamburgs erste Social Movie Night und warum Kino früher mehr Spaß gemacht hat

Gedanken-Tüdelüt (05): Hamburgs erste Social Movie Night und warum Kino früher mehr Spaß gemacht hat

Gestern also waren Line und ich bei Hamburgs erster Social Movie Night und im Nachhinein klingt das ein wenig nach sozialer Unterstützung für Menschen, die sich sonst kein Kino leisten können. War es aber tatsächlich nicht (ich wollte ja eigentlich auch erst ranten, warum das Ding Social Media Movie Night heißt, denn mit Social Media hatte das auch nur recht wenig zu tun – doof, wenn man selber doof ist und den Namen falsch im Kopf hat), sondern viel mehr eine Möglichkeit, einen Film recht früh sehen zu können – und ganz nebenbei auch noch mal zu checken, ob Filmstars auch wirklich echte Menschen sind. Spoiler: sind sie und sehr nett noch dazu.

Und so machten wir uns also auf ins Cinemaxx Dammtor, sahen The Huntsman and the Icequeen und haben festgestellt, dass weder Emily Blunt, noch , noch Chris mit überdurchschnittlicher Körpergröße gesegnet sind – Olivia Jones hingegen schon. Ein paar Menschen, die irgendwas mit Youtube machen, waren ebenfalls da und bereits hier merkte ich langsam: ich werd echt alt. Unfassbar, was für einen Hype entstehen kann um Menschen, die ich zum Großteil gar nicht kenne (abgesehen von Nilam, die es hin und wieder mal im Fernsehen gibt). Line hingegen kennt sie natürlich alle – aber die ist ja auch noch eine ganze Ecke jünger als ich. Noch.

Viel mehr hab ich aber festgestellt, das Kino früher mehr Spaß gemacht hat.

Gedanken-Tüdelüt (05): Hamburgs erste Social Movie Night und warum Kino früher mehr Spaß gemacht hat

Keine Ahnung, ob die Kinosäle (warum schreibt man eigentlich Kinosaal mit Doppel-a und Säle nur mit einem ä?) nach dem Film auch früher schon ausgesehen haben wie ein Popcorn-Massaker, aber mir ist das mittlerweile fremdschäm-peinlich. Zumindest ich wurde von meinen Eltern so erzogen, dass ich mich in fremden Gefilden mindestens so benehme wie zu Hause – besser noch, deutlich darüber. Wenn ich diese Annahme nun auf die heutigen Kinosäle projeziere, läuft es mir eiskalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie das bei so manchen zu Hause aussehen muss. Da stellt sich nicht mehr die Frage, ob Teppich, PVC oder Parkett, sondern eher „ach guck, bei euch kann man vom Boden essen – liegt ja genug rum“. Schön ist anders.

Am meisten stören aber die Deppen, die einfach nicht die Klappe und Blase halten können. Für mich war (und ist) Kino immer: hinsetzen, Film genießen, in die Handlung eintauchen, Figuren nachvollziehen, Handlung mit- und weiterdenken und sich danach freuen, dass es ein guter Film war. Oder eben nicht, kommt halt auf die Handlung und die Entscheidung der Figuren an. Mittlerweile kommt dann noch hinzu, zu hinterfragen, wie bestimmte Szenen gedreht worden – alles in allem aber sich auf den Film einzulassen.

Gedanken-Tüdelüt (05): Hamburgs erste Social Movie Night und warum Kino früher mehr Spaß gemacht hat

Kino bedeutet aber nicht, dass permanent jemand durchs Bild rennen muss, weil er/sie aufs Klo gehen muss (macht ihr zu Hause kein Sicherheitspipi? Opfer!), alle 30 Sekunden irgendwo ein Handydisplay angeht, weil eine verdammte WhatsApp-Nachricht nicht bis zum Filmende warten kann – ey, solange ihr nicht den Weltfrieden per WhatsApp herbeiführen könnt, lasst die scheiß Dinger doch einfach mal in der Tasche – oder ich Sitznachbar-technisch erfahren muss, dass er mit ihr, obwohl sie ja mit dem anderen und wie können die denn nur und die andere würde ja niemals, aber süß ist er ja schon und haste eigentlich gehört … Quatscht doch einfach vor dem Film. Oder danach. Oder per WhatsApp, während ihr während des Films zusammen auf Klo Selfies scheißt. Argh.

Ich möchte den Film genießen. Jedes einzelne Wort hören, Emotionen der Darsteller einfangen und wenn es nur ein leises Atmen ist – all das trägt zur Stimmung und zur Handlung bei (sofern es denn ein einigermaßen guter Film ist) und zieht mich als Zuschauer, in seine ganz eigene Atmosphäre. Keine Spannung kommt auf, wenn ich in meinem Sitz jedoch wie ein aufgeschrecktes Reh von deinem beschissenen Handydisplay angestrahlt werde, als würde direkt in meinem Auge eine Blendgranate hochgehen. Das ist scheiße! Dann guck halt zu Hause, da kannste auch mit Popcorn um dich werfen und freuen, dass du zwei Wochen später noch davon zehren kannst, wenn auf deinem Bankkonto mal wieder Ebbe ist. Ich möchte das nicht.

Gedanken-Tüdelüt (05): Hamburgs erste Social Movie Night und warum Kino früher mehr Spaß gemacht hat

Wahrscheinlich war das auch früher schon so, nur war man selbst noch zu blöd, dass mitzubekommen. Oder hat schlichtweg dazu gehört. Vielleicht ist aber auch das der Grund, warum wir mittlerweile gar nicht mehr so häufig ins Kino gehen – man bekommt ja doch nur die Hälfte mit.

Um das Ganze aber doch noch positiv abschließen zu lassen: der Film war überraschend witzig, recht unterhaltsam (und darauf kommt es ja an) und unter dem Hintergrund, dass es eigentlich eine Art Märchen war und als Botschaft hatte „Liebe kann alles besiegen“, angenehm unschmalzig und unmärchenhaft. Regisseur Cedric Nicolas-Troyan sagte schlussendlich: „Im Grunde ist es einfach ein Film, der entertainen soll“. Und das haben alle Beteiligten – damit mein ich nicht nur die Schauspieler im Film, sondern auch Robert Hofmann, der Kopf der ganzen Veranstaltung ist, Patrice Bouédibéla, der sehr angenehm, locker und witzig moderiert hat und sowieso alle, die das überhaupt ermöglicht haben – exzellent geschafft.

Ein schlussendlich gelungener Abend – wann bekommt man auch schon mal die Chance, Chris Hemsworth, Charlize Theron und Emily Blunt live, in Farbe und Schwarz-Weiß zu sehen? Eben, allein dafür hat sich gelohnt. Und vielleicht ist die Aufregung über all die Störenfriede, die mit aller Macht versuchen, einen perfekten Abend zu torpedieren, übertrieben. Aber auch nur vielleicht.

Hier noch ein paar Eindrücke vom gestrigen Abend:

Hamburg, das war großartig!!!#huntsmanandicequeen #socialmovienight

Posted by Social Movie Night on Tuesday, March 29, 2016

Wer mich auf dem oberen Bild findet, bekommt ein Eis. Sogar ein leckeres.

The Huntsman & the Ice Queen

Posted by Social Movie Night on Tuesday, March 29, 2016

Noch mehr gibt es auf Youtube, Twitter und dieses Facebook.

Und falls ihr mal die Möglichkeit habt, zu einer Social Movie Night zu gehen – geht hin!

[1. Bild via Twitter, Rest via Line’s Snapchat-Dingens]

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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