Gedanken-Tüdelüt (10): Warum wir selbst Schuld am beschissenen Verkehr sind

Gedanken-Tüdelüt (10): Warum wir selbst Schuld am beschissenen Verkehr sind
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Wenn man bereits direkt nach der Überschrift ob ihrer Doppeldeutigkeit ins Grübeln kommt, dann hat man eigentlich schon alles richtig gemacht. Besonders dann, wenn der Beitrag im Kopf schon deutlich weiter gestrickt ist als auf dem Bildschirm und die Doppeldeutigkeit einfach nicht verfliegen will. Insofern besteht die Herausforderung jetzt, genau diese Doppeldeutigkeit soweit wie möglich aufrecht zu erhalten. Und weil das Wort so toll ist, direkt noch ein paar Mal: Doppeldeutigkeit Doppeldeutigkeit Doppeldeutigkeit Doppeldeutigkeit Doppeldeutigkeit Doppeldeutigkeit . So.

Mir fällt es in letzter Zeit immer häufiger auf und auch am Wochenende auf der Autobahn, als aus den vom Navi geplanten knapp 4 Stunden summa summarum nahezu 7 geworden sind: wir, die wir alle im Auto sitzen, sind eigentlich allesamt ziemlich bescheuert und selbst Schuld daran, dass das Autofahren so wenig Spaß macht.

Auch bei meinen Eltern haben wir darüber gesprochen und fast einen Generationenstreit ausgelöst, denn natürlich hat mein Vater da über die Jahre eine andere Ansicht entwickelt als ich. Konkret hab ich einfach mal in den Raum geworfen, dass ich Autofahrer, die sehen, dass sie nicht über die Kreuzung kommen und dennoch fahren – und dadurch ganz bewusst den Verkehrsfluss behindern – hasse wie die Pest.

Natürlich kann ich verstehen, dass jeder schnell an seinen Bestimmungsort kommen muss, genauso dass man sich gegen die anderen Idioten, die statt einem selbst genauso handeln würden, irgendwie zur Wehr setzen muss. Aber seien wir doch mal ehrlich: wenn sich jeder wie ein Vollidiot benimmt, wird dadurch wirklich etwas besser? Oder kann es vielleicht doch sein, dass wir nur dafür sorgen, dass der Frustpegel noch weiter steigt, der gesamte Verkehr noch mehr ins Stocken gerät und sich alle nur noch mehr hassen? Weil man mit seiner eigenen Karre 10 Minuten eher 10 Meter weiter gekommen ist?

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Ich will mich da auch gar nicht von Fehlern frei sprechen, erst gestern konnte ich mich erfolgreich in die Deppen-Schlange einreihen: aktuell wird jede Route meines Arbeits- bzw. Heimweges durch Baustellen torpediert, entsprechend gibt es auch mehr Fahrbahnverengungen als Werbeunterbrechungen zur Prime Time. Kann man mit umgehen, schließlich hat der liebe Gott dafür das Reißverschlussverfahren erfunden – bis nach vorne fahren und dann nacheinander einordnen. Kennt ihr sicherlich, gab es mal in der Fahrschule und funktioniert in der Theorie wunderbar.

Doof wird es, wenn plötzlich jemand vor einem rückwärts einparken will. Wobei das gar nicht so doof ist, muss man halt warten. Aber dann gibt es eben Idioten auf der linken Nebenspur, die diese Situation ausnutzen, eben nicht bis nach ganz vorne fahren und stattdessen sich irgendwie reindrängeln müssen. So exakt gestern passiert und leider sind mir da auch ein wenig die Nerven durchgegangen – ich hab mich selbst dann vorbei gequetscht, nur um vor der Hohlbirne zu stehen.

Im Endeffekt eine unnötige Situation, aber auch eine unnötige Reaktion von mir – ob ich nun vor der Flachpfeiffe stehe oder dahinter, macht am Ende des Tages auch keinen Unterschied. Immerhin, es ist nichts weiter passiert.

Worauf ich eigentlich hinaus will (und was ich Line immer wieder sage – sie hat ja nicht so wirklich große Lust, sich diesen ganzen Fahrstress überhaupt anzutun): das Wichtigste im Straßenverkehr ist, zu wissen, wo die Bremse ist und vor allem: jede Menge Gelassenheit. So ein Auto fährt technisch gesehen sowieso von alleine, nur Anhalten kann ein Problem werden. Und natürlich immer die Dummheit der anderen.

Die Kollegen der Blogrebellen haben das Thema artähnlich besprochen, hier ging es aber eher um Radfahrer, die unbedingt in der Mitte der Fahrbahn fahren müssen. DIe haben dazu einfach mal bei der Berliner Polizei nachgefragt und ein kleines, interessantes Interview zu Papier gebracht, bei dem der eine oder andere Satz nicht nur auf die Fahrradthematik passt. Kann man sich ruhig mal durchlesen.

Wir alle wissen, es nützt nichts, wenn auf dem Grabstein steht „Er hatte Vorfahrt“.

Ronald Reinke, Polizei Berlin

Lasst uns einfach mal mehr Gelassenheit in den Straßenverkehr bringen. Und am besten auch gleich in den Alltag, ich bin sicher – wir werden alle davon profitieren. Und sei es nur der eigenen Nerven wegen.

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Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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