Angespielt (01): FIFA 17

Angespielt (01): FIFA 17
© EA

Wie, keine neue ? Nicht ganz, möcht ich es mal formulieren. Nach 27 Wochen am Stück kann ein kleines Päuschen nicht schaden, denn ehrlicherweise muss ich zugeben: es ist gar nicht so einfach, sich jede Woche ein Thema zu suchen, dass man etwas länger ausschlachtet und über das man sich aufregen kann. Natürlich gibt es immer wieder Kleinigkeiten, aber interessiert es wirklich jemanden, ob ich schon wieder vom Nazi-Nachbarn zugeparkt wurde oder dass ich in den verdammten Ü-Eiern (die aktuell Figuren zu Findet Dori haben) einfach nicht den Otter bekomme? Ich hab jede Figur zwei Mal, zwei sogar drei Mal – nur der Otter fehlt noch.

Stattdessen erweitern wir einfach mal das Themenspektrum um eine weitere Sparte, die mir immer viel Freude bereitet, aber zeitlich viel zu kurz kommt: Daddeln. Und mit FIFA 17 kam endlich mal wieder ein Titel, der mich schon wieder viel zu viele Stunden vor der Playstation fesselte.

Ich glaube, mein erster Teil war FIFA 98, grafisch damals das Nonplusultra – schwer zu glauben, wenn man sich die Grafik heute anschaut. Aber damals, als Teenager hat es einfach Spaß gemacht, endlich auch ans runde Leder zu treten, obwohl einem die eigenen Beine dafür immer im Weg standen.

Angespielt (01): FIFA 17
© EA

Mittlerweile sind wir beim 34. Titel der Reihe angekommen und da hab ich wirklich nur die Spiele gezählt, die auch das FIFA im Namen haben. Es sind also eigentlich noch deutlich mehr. In der Regel zeichnete sich FIFA vor allem durch die ständige Weiterentwicklung in Sachen Grafik und Spielmechanik aus – je realistischer, umso besser. Bei FIFA 17 hält aber nun ein nahezu komplett neuer Modus Einzug, den man so vorher in einer Fußball-Simulation noch nicht gesehen hat: der Story-Modus.

Der nennt sich The Journey und im Mittelpunkt steht das 17-jährige Talent Alex Hunter, das vom Spieler gesteuert wird. Sein Opa war im Fußball eine Legende und auch sein Vater war ein aufstrebender Superstar – bis ihn eine Verletzung seiner sportlichen Karriere beraubte.

Angespielt (01): FIFA 17
© EA

The Journey ist letztendlich derselbe Modus wie die Spielerkarriere aus dem Vorgänger, lediglich angereichert mit Cutscenes und eben einer Geschichte dahinter. Das klingt sehr negativ, ist aber in der Umsetzung definitiv gut gelungen. Hier und da wirkt die Dramaturgie zwar etwas „zu drüber“, aber insgesamt kommt man schnell dahin, dass man mit Hunter mitfiebert und auch niedergeschlagen ist, wenn es ans Ausleihgeschäft geht (was es auch im Vorgänger gab – hier konnte man sich der Ausleihe aber noch verweigern, das ist nun nicht mehr möglich).

Gerade am Anfang macht der Wechsel zwischen Training, Spiel und Story recht viel Spaß, allerdings kommt man schnell an den Punkt, an dem ordentlich Fahrt rausgenommen wird. Dann heißt es lediglich nur noch Spiel, Training, Spiel, Training, Training, Spiel – und irgendwann gibt es wieder mal eine Cutscene. Hier hat man definitiv Potential verschenkt, in dem man zum Beispiel auch Handlungsstränge einbaut, die nicht unbedingt etwas mit der Hauptkarriere zu tun haben. Auch der kleine Auftritt von Marco Reus kam dann zwar sehr überraschend, war aber genauso schnell wieder vorbei. Es liegt natürlich auch in der Natur der Sache, schließlich ist so eine Saison recht lang und vielleicht kommt das ja alles auch noch – zeitweise habe ich aber hier wirklich stoisch vor mich hingedaddelt, um endlich wieder mehr von der Story sehen zu können.

Angespielt (01): FIFA 17
© EA

Die anderen Modi habe ich ehrlicherweise noch nicht angespielt, dafür war The Journey zu fesselnd und gleichzeitig meine Zeit zu begrenzt.

Von der Spielmechanik her wirkt alles noch einen Ticken realistischer. Gegner stören gern auch mal direkt bei der Ballannahme, sodass man gerade hier eher zwei Mal überlegen muss, ob man den Pass nun fordert oder nicht. Auch wirken die Gegner insgesamt intelligenter, was sich vor allem am Passspiel bemerkbar macht. Konnte man früher noch so manches Mal einfach draufrennen und hatte den Ball einigermaßen sicher, ist es mittlerweile wirklich schwer geworden, dem Gegner den Ball direkt abzunehmen. Die Taktik bekommt so noch einmal mehr Gewicht geschenkt – 3er-Abwehrkette gegen 3er-Angriffskette ist da schon eine ganz andere Nummer (je nachdem, auf welcher Seite man(n) steht). Ebenso ist der Ball noch mal schwerer zu kontrollieren und prallt bei entsprechender Schusskraft auch gern mal bei der Ballannahme einen Ticken zu weit ab. Schön für den Gegner, schlecht für einen selbst – insgesamt aber gut für den Realismusfaktor.

Aber natürlich gibt es auch bei FIFA 17 ein paar Kritikpunkte. So ist das Publikum nach wie vor einfach schrecklich anzusehen. Klar, der Fokus liegt eindeutig auf dem Platz und nicht daneben, aber wenn die Kameraeinstellung die Tribüne zeigt und die Zuschauer extrem synchron Aufstehen, mit den Armen fuchteln und sich wieder setzen, ist das schon ein starker Kontrast zu den Spielern auf dem Feld.

Als Kommentatoren fungieren erneut Wolff-Christoph Fuss und Frank Buschmann. Beide leisten sich deutlich weniger Schnitzer als noch beim Vorgänger und auch die Wiederholungen wurden subjektiv wahrgenommen stark eingedämpft. Allerdings gibt es immer mal wieder Bemerkungen von Fuss, die von der Stimmlage her anders klingen als seine sonstigen Kommentare. Ob der Kollege hier während der Aufnahmen kurzzeitig erkältet war oder einfach nur die Qualität schlecht ist, hab ich noch nicht rausbekommen. Es stört zwar nicht das Spiel an sich auf dem Rasen, macht sich dann aber doch bemerkbar. Ein kleiner Knick in der fußballerischen Wahrnehmung.

Durch meine Vergangenheit bin ich natürlich ein wenig befangen in Sachen FIFA. Aber auch dieses Jahr hat sich das „Daraufhin fiebern“ gelohnt. Mir macht es einfach nach wie vor, wenn nicht sogar noch einen Ticken mehr Spaß, nach getaner Arbeit die Daddelkiste anzuschmeißen und Alex Hunter über den Rasen zu scheuchen. Damit er auch mal so eine Legende wird, wie sein Großvater.

[für diesen Bericht hat mir EA ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

Sag was dazu!

Kürzlich