Martin
Gedankentüdelüt (67): Transferrekorde, Financial Fairplay und anderer Fußballwahnsinn | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Gedankentüdelüt (67): Transferrekorde, Financial Fairplay und anderer Fußballwahnsinn

Gedankentüdelüt (67): Transferrekorde, Financial Fairplay und anderer Fußballwahnsinn | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Eigentlich ist es jeden Sommer das gleiche Spiel: in den Ligen sind die letzten Spiele absolviert, die Titel sind verteilt und die Trainerstühle werden fleißig neu besetzt. Danach herrscht erstmal Flaute, außer kommt es zufällig eine WM oder EM dazwischen, ab und zu auch mal ein Confed Cup.

Für manch einen Fußball-Fan beginnt dann die Zeit der Flaute oder positiv gesehen die Phase des Durchschnaufens. Und irgendwann fangen die Transferaktivitäten an. Da ich mittlerweile nur noch Sympathien für diverse Vereine hege, betrachte ich das Treiben zwar mit einigem Interesse, aber auch angenehmer Distanz.

Entsprechend fand ich auch DAS Thema in dieser Transferperiode gar nicht so wild, wie es letztendlich gespielt wurde: 222 Mio. für einen Spieler. Ein Batzen Geld, den man sich nicht ansatzweise vorstellen kann, der in entsprechender Bargeldform mal eben ganze Hallen füllen würde. Bis vor kurzem war gar nicht vorstellbar, dass jemand diese Summe für einen Spieler bezahlen würde oder überhaupt aufbringen kann – die Realität belehrt uns eines Besseren.

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Der Aufschrei war natürlich groß, aber ich kann dazu nur sagen: so what? Soll doch jeder mit seinem Geld machen, was er will. In England bezahlen die TV-Anstalten Unsummen, was nur dazu führt, dass mittelklassige Spieler total überteuert zwischen den Vereinen verschoben werden – auch hier ein kurzer Aufschrei und dann war das Thema auch wieder vom Tisch.

Dass der Fußball dahingehend ungerecht ist, ist doch schon lang bekannt und liegt in der Natur der Sache: die Vereine, die erfolgreich sind, bekommen noch mehr Geld und werden noch erfolgreicher – der Rest schaut zu. Wie unfair, könnte man meinen, aber auf der anderen Seite: warum Erfolg nicht belohnen und anderen für ihren „Misserfolg“ auch noch Geld in den Rachen werfen? Da eine Lösung zu finden, dürfte schwierig sein und kocht auch jedes Mal wieder neu hoch, wenn es um den Solidaritätspakt in unserer Bundesliga geht.

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Was ich viel diskussionswürdiger finde, sind zwei andere Themen: Financial Fairplay und das Transfersystem an sich.

Dass das Financial Fairplay mit dem Neymar-Deal ad absurdum geführt wurde, steht völlig außer Frage. Normalerweise gilt die Regel: gib nur so viel aus, wie du einnimmst. Simple Rechnung, versteht jeder, aber waren es nicht auch die Pariser, die versucht haben, durch aberwitzige Sponsoring-Verträge ihre Bilanzen zu schönen? Bandenwerbung für 200 MIo. kann man verkaufen – glaubt nur keiner. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde diesem Gebaren ein Riegel vorgeschoben.

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Beim Neymar-Deal hat sich der Spieler einfach selbst aus dem Vertrag gekauft. Ist natürlich auch eine Möglichkeit, hebelt aber das System aus. Doch auch hier gilt: wo kein Kläger, da kein Richter (was witzig ist, denn durchaus steht eine Klage von Barcelona gegen Paris im Raum).

Womit wir auch direkt beim zweiten Thema sind, denn beide gehen Hand in Hand: mittlerweile nicht mehr unüblich hat jeder Spieler bei seinem Verein als Arbeitgeber einen befristeten Vertrag. Gibt es auch in der Wirtschaftswelt und ist wie gesagt mittlerweile normal.

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Nun kann es passieren, dass man den Vertrag nicht erfüllen will – gern auch von beiden Seiten. Denn dann fließt von einem zum anderen Geld. Im Idealfall sind sich schnell alle Parteien einig, aber nehmen wir mal an, es ist nicht so: der Verein will Kasse machen, der Spieler aber nicht wechseln – wer hat dann das letzte Wort?

Will man als Spieler bei einem Verein spielen, der einen eigentlich nicht mehr will? Spielt man dann überhaupt noch? Fragen, die ein Tim Wiese wohl aus Hoffenheimer Zeiten am besten beantworten kann.

Und auch umgekehrt wird es eklig, wie man aktuell bei Dortmund und Dembele beobachten kann.

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Betrachtet man es mal nüchtern: Spieler werden nach Belieben ge- und verkauft, nicht selten mit einem gewissen Zwang von Spieler und/oder Verein – und schon sind wir beim modernen Menschenhandel. Der Spieler an sich ist nur noch Ware, die entsprechend versilbert wird. Mit etwas Glück eine Wertanlage, wenn man mal davon ausgeht, dass ein Dembele für 15 Mio. gekauft und für irgendwas um die 140 Mio. verkauft wird.

Ob das aber im Sinne des Erfinders ist …

Doch für Romantiker ist im Fußball schon lange kein Platz mehr, zumindest nicht im Profi-Sport. Letztendlich geht es am Ende des Tages auch hier nur ums Geld. Und da kann ein FC Bayern sich noch so gern als große Familie und Mia san Mia hinstellen – wenn der Umsatz nicht mehr passt, weht auch dort ein anderer Wind.

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Findet man sich jedoch damit ab, dass der Wahnsinn jedes Jahr ein bisschen mehr einkehrt, ist das eigentlich alles sehr unterhaltsam. Und da ist der Fußball dann auch wieder das, was er schon immer war: Unterhaltung.

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