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Angesehen (02): Sherlock

Ich weiß, es ist ein bisschen spät für einen Lobgesang auf die Serie Sherlock, immerhin ist gerade die 4. Staffel in Deutschland am Wochenende zu Ende gegangen – aber genau diese eine letzte Folge treibt mich dann doch dazu an, meiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Die letzte Folge war so ziemlich das Großartigste, was ich in den letzten Jahren im Serienformat gesehen hab.

Spätestens mit Breaking Bad hat dieses Genre den Erfolgsstartschuss gelegt – endlich ging es mal um Qualität und Tiefgang. Kannte man bisher nur die eher seichte Unterhaltung vom Fließband, schafften es Walter White und Co. uns länger an den Fernseher zu heften und fiebernd auf die neuen Folgen zu warten. Oder anders ausgedrückt: Serien wurden endlich wie Filme – nur Länger.

Walking Dead ist da ein anderes Beispiel, was sich mittlerweile aber auch perfekt dazu eignet, um aufzuzeigen, wie eine großartige Serie mit einigermaßen innovativer Idee sehr langsam und qualvoll stirbt. Ich wünsch mir fasst, dass es endlich mal vorbei ist.

House of Cards, ebenfalls sehr großartig, hat wiederum gezeigt, dass das ganze Thema Politik extrem spannend sein kann – selbst wenn es zum Teil wirklich hart verworren ist und man zwei Mal überlegen muss, wie es eigentlich zu der Situation kam, in der Frank Underwood und seine Artgenossen gerade stecken.

Und dann kam irgendwann Sherlock und macht eigentlich genau das, was ich so liebe und hasse: es wird noch mehr auf Qualität gesetzt und dafür stark an Quantität gespart. 4 Staffeln klingen viel, da aber jede Staffel „nur“ 3 Folgen hat, sieht das gleich wieder ganz anders aus. Obendrein dauert es gefühlt Jahrzehnte, bis eine neue Staffel erscheint (was aufgrund der Auftragslage für Benedict Cumberbatch und Martin Freeman durchaus verständlich ist).

Aber man weiß eben auch jedes Mal: das Warten lohnt sich. Das liegt vor allem an dem guten Fingerspitzengefühl für die Charakterentwicklung, aber auch an der visuellen Aufmachung – absolut nichts wirkt vollkommen überzeichnet oder nur halbgar hingerotzt. Sherlock Holmes ist eigentlich ein ziemlicher Kotzbrocken ohne jegliches Gefühl für ein soziales Miteinander – aufgrund seines Intellekts und der ständigen Logik macht das aber alles irgendwo Sinn oder zumindest nachvollziehbar. Es fällt schwer, ihn nicht zu mögen.

Und auch Dr. Watson, der zwar nicht an die Genialität eines Sherlock Holmes heranreicht, ist durchaus ein beachtlicher Charakter, nicht zuletzt, weil auch er die Marotten von Holmes ertragen muss – das aber stets mit erhobenem Haupt. Wenn man so will, ist Dr. Watson in Sherlock seinem Partner ebenbürtig, nur eben auf andere Weise.

Was mich aber am meisten fasziniert, sind – wie angesprochen – die visuellen Aspekte der Serie. Das geht bereits mit der einfachen wie genialen Darstellung von SMS-Gesprächen los und fand in der letzten Folge unter anderem mit der Glasscheiben-Szene seinen Höhepunkt. Ja ich weiß, jeder glaubt, dass man Glas doch sehen müsste – ich bin aber auch schon mal gegen eine Glastür gerannt, weil es weder Spiegelung noch Schmierstreifen gegeben hat. Es ist also durchaus möglich.

Weiterer sehr gelungener Kniff: der erneute Auftritt von Moriarty, der eigentlich ganz bestimmt tot war, aber ein letzter Zweifel blieb dann doch immer noch. Und dann wird er einfach wieder gezeigt (im Übrigen mit einem sehr genialen Einstieg in seinen wohl letzten Auftritt) und als Zuschauer weiß man gar nicht, was gerade los ist. Verzögert kommt dann die Auflösung, dass es sich um eine Rückblende handelt – aber genau dieser kleine Kniff war mehr als genial.

Zum Schluss: das Ende. Das war tatsächlich ein bisschen cheezy, aber auch genau passend und ebenfalls – ich weiß, ich wiederhole mich – von Genialität gezeichnet, denn war perfekt geeignet für den Abschluss der Folge, der Staffel und/oder auch der Serie.

Was eigentlich schon wieder traurig machen müsste, denn niemand will, dass solch eine Serie zu Ende geht. Wie gesagt, es hätte aber auch kaum besser sein können, also warum nicht aufhören, wenn es am schönsten ist?

Fazit

Sherlock war das Beste, was ich in den letzten Jahren gesehen hab und ich kann mich da auch nur wiederholen. Es war ein bisschen wie ein Essen im leckersten Nobel-Restaurant der Stadt: Die Portionen sind klein, aber jeder Bissen ist ein voller Genuss. Und das liegt einfach daran, dass hier (vermutlich) eben kein Wert daraufgelegt hat, Masse für die Masse zu produzieren, sondern wirklich eine hohe Qualität abzuliefern. Und genau so will ich eine Serie haben.

* Wobei ich natürlich auch nichts dagegen habe, wenn bei gleichbleibender Qualität mehr Folgen herausspringen würden. Aber wäre es dann immer noch so toll, wie es jetzt war? Man weiß es nicht genau … bis dahin nehm ich aber gern mehr.

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