Martin
Gedanken-Tüdelüt (11): A++ Blogger machen dumme Sachen | Was is hier eigentlich los?
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Gedanken-Tüdelüt (11): A++ Blogger machen dumme Sachen

Gedanken-Tüdelüt (11): A++ Blogger machen dumme Sachen | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de
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Es ist ja dann doch irgendwie immer das Gleiche: da sitz ich in meinem stillen Kämmerlein, surfe vollkommen naiv durch dieses Internet, das alle haben und stolper von Zeit zu Zeit über Dies und Das und denk mir „Mensch, wie dumm ist das denn? Muss das denn sein? Gibt es dafür denn nicht irgendeinen Paragrafen, mit denen die Bundeskanzlerin nicht mal wedeln kann?“.

Und dann sitz ich da und denk mir noch, dass man darüber doch mal schreiben könnte – so richtig schön schonungslos, direkt Namen und URLs nennen, am besten auch gleich noch Anschriften dazu und Kontostand direkt noch hinterher. Mal so richtig auf die Kacke hauen und zeigen, wer denn nun den längsten Rant-Penis von allen hat.

Das hält dann ungefähr 7,38 Sekunden an und danach kommt auch schon wieder von irgendwo ein Eichhörnchen daher und verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Und doch ist da dieses kleine Männchen in meinem Kopf, dass immer wieder mit seinem kleinen Kopf gegen die Wand haut und zumindest verlangt, dass man den ganzen Mist mal wieder runterschreibt.

Wer ein bisschen länger in diesem Internet lebt, der weiß auch, dass es einige Deppen gibt, die sich nicht zwingend an die moralischen (und auch juristischen) Spielregeln halten – warum auch, denn wo kein Kläger, da kein Richter. Und doch geht mir immer wieder regelmäßig die Hutschnur hoch, wenn ich bestimmte Dinge sehe.

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Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Kennzeichnen von Werbung. Wir kennen das alle von den alteingesessenen Medien, die immer wieder mit ihrer verstaubten Keule schwingen und rumweinen, dass man Werbung doch eindeutig erkennen und kennzeichnen muss. Gerade die altbackene Justiz in Deutschland ist da ein großer Motivator – mir selbst geht es dabei auch teilweise zu sehr um Prinzipien. Ob bei einem bezahlten Post auf Facebook nun zwingend Anzeige stehen muss oder ein einfaches sponsored reicht, macht für mich keinen Unterschied – für die Paragrafenreiter hingegen schon. First World Problem, darüber muss man sich nicht weiter aufregen.

Worüber man sich aber aufregen darf und auch muss: wenn man bezahlte Beiträge so gar nicht kennzeichnet. Da wäre zum Beispiel dieser eine A++ Blogger, den ich eigentlich ziemlich okay finde, der mir hier und da auch schon geholfen hat – und der dann aber ein Advertorial von Tipp24 ohne Kennzeichnung postet. Es ist sogar ein recht schönes Advertorial, sehr wenig Werbeblabla, dafür viel Anekdote aus dem eigenen Leben – eigentlich ein Paradebeispiel von Advertorial. Aber es fehlt eben die Kennzeichnung. Und dann sitz ich wieder in meinem kleinen Kämmerlein und denk mir „Mensch, Junge. Du bist eigentlich ein dufter Typ, ich find dich ziemlich okay, du hast mir hier und da auch schon geholfen – muss das denn wirklich sein? Hast du das nötig? Bist du so tief gesunken?“

Der gutmütige Gutmensch könnte nun meinen, dass das ja ein Versehen war und mein Gott, so eine doofe Kennzeichnung kann man doch auch mal vergessen. Ja, kann man. Aber wenn man vom Bloggen lebt und das seit einigen Jahren macht, dann kennt man die Spielregeln und dann weiß man, dass eine Kennzeichnung zwingend Pflicht ist. Nicht nur für das eigene Karma, sondern weil es diverse Gesetze wohl so vorsehen.

Der gutmütige Gutmensch könnte nun aber auch meinen, dass ich doch gar nicht wissen kann, ob für den Beitrag überhaupt Geld geflossen ist. Schließlich kann der gemeine A++ Blogger doch auch einfach vom Service überzeugt sein. Klar, kann er. Wenn ich aber in meinem Feedreader kurz vorher das gleiche Thema inkl. Kennzeichnung sehe, dann müsste ich schon verdammt viele Tabletten eingeworfen haben, um hier an Zufall zu glauben. Natürlich bin ich ein Fan der chemischen Keule und kann pflanzlichen Medikamenten mangels ordentlicher Wirkung nur sehr wenig abgewinnen – aber eben auch nur, wenn mein Imunsystem das fordert. War hier leider nicht der Fall.

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Die andere Geschichte ist das mittlerweile leidige Thema des Video-Rippens von Youtube und dem erneuten Hochladen auf Facebook. Die Kenner wissen, dass Videos auf Facebook einfach deutlich mehr Interaktionen hervorrufen, alles andere – aber eben nur Videos, die direkt bei Facebook hochgeladen werden. So ist halt der blaue Riese – seine Spielwiese, seine Regeln.
Die Diskussion zum gleichen Thema gibt es auch seit einigen Monaten, alles eben nicht neu. Ich selbst bin auch schon „Opfer“ einer solchen Aktion geworden, allerdings wurde damals ein Video von mir von Facebook runtergeladen und als eigenes wieder hoch. Schön ist das nicht.

(An dieser Stelle ein kurzer Einschub: ich habe absolut nichts dagegen, wenn Material geteilt und weiterverbreitet wird – meiner Meinung nach lebt davon das Internet, genauso wie nur dieser Blog dadurch einigermaßen funktioniert. Tolle Sachen finden und teilen, denn nur so erreichen diese tollen Sachen möglichst viele Menschen, die das wiederum toll finden. Aber eben immer unter Angabe desjenigen, der oder die es auch gemacht hat. Dass das nicht leicht herauszufinden ist, weiß ich auch – aber so ganz ohne Angabe und dadurch den Eindruck erweckend, dass derjenige, der es postet, selbst als Kreativschaffender dahinter stecken könnte, geht halt einfach gar nicht. Das war schon im Kindergarten kacke und ist es heute auch noch.)

Und dann hast du da diesen A++ Blogger, der auch noch in der Vergangenheit auf Twitter durch besonders lautes Geschrei immer wieder (unangenehm) aufgefallen ist, weil er sich besonders laut darüber beschwerte, wie verlogen und schlecht doch alles geworden ist. Mag sein – aber wie authentisch ist man, wenn man wenig später genau in die selbe Kerbe schlägt und ein Youtube-Video auf seiner Fanpage hochlädt und natürlich mit keiner Silbe erwähnt, dass vielleicht jemand anderes das Video überhaupt erst in die digitale Welt gebracht hat? Muss das denn sein? Hat der das denn wirklich nötig? Schließlich fand ich dich doch auch ziemlich okay und du hast mir hier und da schon geholfen?

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Besonders traurig sind dabei aber immer die, die nicht mitbekommen, dass sie verarscht werden. Das sind natürlich in erster Linie die, die die tollen Sachen gemacht haben (altmodisch gern als Urheber genannt). Aber eben auch die, die sich nicht auskennen und glauben, dass derjenige, der diesen Kram postet, ein ganz besonders geiler Hecht ist. Ist er leider nicht. Blender hat man sowas früher genannt.

Ich hab leider kein Rezept dagegen. Laut die Leute anprangern ist nicht meine Art, Konfrontation war noch nie meine Wahl (außer es ging direkt um mein eigenes Leid und Leben) – ich glaube lieber weiterhin an Karma, finale Gerechtigkeit und hoffe, dass die Leute es irgendwann von selbst blicken. Seien es nun die A++ Blogger oder eben ihre „Fans“, die sich nicht weiter verarschen lassen wollen.

Und so sitz ich dann weiterhin in meinem naiven Kämmerlein und freue mich auf das nächste Eichhörnchen.

PS: mal wieder weniger rantig geworden, als ich es gedacht hätte. Resignierend trifft es wahrscheinlich am ehesten – aber Konfrontation und ich, wir haben noch nie viele Biere miteinander getrunken. Darüber hinaus möchte ich mich nicht von solchen Methoden frei sprechen, denn auch ich hatte hier schon bezahlte Links, die als solche nicht gekennzeichnet waren. Ich war halt jung und das schnelle Geld (was im Nachhinein definitiv lächerlich wenig war) waren zu verlockend. Mittlerweile sind die alle verschwunden und ich bin ein bisschen schlauer. Wenn auch ihr noch solche Altlasten habt: einfach weg machen – und sei es nur für das eigene Karma. Wirklich, macht solchen Quatsch nicht.

Fandest du gut? Dann erzähl es weiter:

Kürzlich

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  1. Bei dem oben erwähten Beitrag über die Lotterie habe ich mich auch sofort gefragt, ob das Werbung ist. Für mein Empfinden war es zu offensichtlich, vor allem auch mit dem passend platzierten Link am Ende dieses Beitrags. Das es nicht als Werbung gekennzeichnet war, hat mich auch ein bisschen gestört!

    Einschub von mir, stets offline Lotto spielen. Lieber den Kiosk des Vertrauens unterstützen – viel cooler als online!

    • Martin

      umso schlimmer ist es ja, wenn man schon zu solchen mitteln greift und es dann doch irgendwie jeder mitbekommt …

      ich weiß gar nicht, ob ein kiosk überhaupt sonderlich viel daran verdient. wahrscheinlich ist das hier dann aber sowieso das übliche problem zwischen stationärem handel und dem internet

  2. Ach, das ist doch nur ein ungekennzeichneter Werbebeitrag für DC-Comics, mit dem verzweifelnden Superman da oben im ersten Bild!! ;)
    Ne, aber bin da ganz bei dir, weißte ja. Finde diese teilweise gelebte Doppelmoral auch mindestens unglücklich. Aber man muss zugute halten, dass immerhin viele Agenturen mittlerweile den seriösen Weg gehen und es tatsächlich eine Sache des Bloggers ist, ob er halblegalen Kram eben mitgeht oder nicht. In diesem Falle wundere ich mich besonders, da ja scheinbar gar kein Grund dazu vorlag (bei anderen wurden ja wie es sich gehört gekennzeichnet).
    Videos rippen ist dagegen uneingeschränkt kacke, zumal es das ja sicherlich auch irgendwo zum Teilen gibt/gab…

    • Martin

      ey, das bild hab ich gegen teures geld und 5 Kredite gekauft! Das ist jetzt MEINS!!111
      Du hast aber Recht, mittlerweile sind die meisten Agenturen einigermaßen cool drauf und kommen von sich aus schon mit diversen Pflichten zur Kennzeichnung an. Wir beide kennen ja auch eine, die es gerade bei Facebook ein bisschen zu genau nimmt ;)

      Vielleicht war es auch wirklich nur ein versehen, kann ja durchaus sein – aber wenn man das Bloggen als Existenzgrundlage nimmt, muss man mMn eben ein besonderes Auge drauf haben.

  3. Neuer Trend, virale Videos rippen und mit Copyright-Vermerk auf die eigene FB Page uploaden – scheint ein Berliner Problem zu sein ^^

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