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Angesehen (04): The Push | Was is hier eigentlich los? | wihel.de
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Angesehen (04): The Push

Angesehen (04): The Push | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Ich bin ein Opfer. Was mich direkt als unfähig darstellt, ist aber tatsächlich in seiner ursprünglichen Wortbedeutung gemeint, denn auf mich wurde gestern sozialer Druck ausgeübt.

Konkret ging es um das Geldsammeln für ein Abschiedsgeschenk von einem Kollegen. Da wir eine größere Firma sind, bin ich dazu übergegangen, die Geldbeträge etwas zu kürzen – wenn man für Geburtstage und sonstige Anlässe ständig 5€ oder 10€ gibt, bleibt am Monatsende nichts mehr übrig – wir müssen ja alle sehen, wo wir bleiben und so groß ein Hungertuch auch sein kann, es schmeckt einfach nicht.

Also zum Geldsammelkollegen hingegangen, Geld abgegeben – und dann die Liste gesehen, was die anderen so dazu gegeben haben. Wie sollte es anders sein: ich war am unteren Ende der Liste. Somit also ein nahezu perfektes Beispiel dafür, wie man sozialen Druck unterschwellig aufbauen kann.

Passenderweise haben Line und ich das Thema schon am Wochenende auf dem Tisch gehabt, womit wir auch beim eigentlich Kern sind: Die Dokumentation „The Push“. Wobei, eigentlich ist es mehr ein Experiment.

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Kurz zusammengefasst hat es sich Derren Brown dabei zur Aufgabe gemacht, einen Menschen dazu zu bringen, jemanden zu töten.

Jeder würde nun wahrscheinlich sagen, dass das ja vollkommen absurd ist – zumindest die meisten von uns haben sowas wie einen moralischen Kompass und dabei jemanden zu töten geht halt mal gar nicht zusammen. Braucht man nicht weiter drüber nachdenken, macht man einfach nicht.

Aber so einfach sind wir Menschen nicht gestrickt und letztendlich geht es darum, ob man mit einem ausgeklügelten System aus Lügen und psychologischen Tricks eben doch jemanden zu so einer Tat bewegen kann.

Kosten und Mühen wurden für das Experiment nicht gescheut, denn im Grunde sind alle Schauspieler – nur eben derjenige nicht, der zum Mord „überredet“ werden soll. Beeindruckend ist dabei, mit welchen Tricks das Opfer beeinflusst wird. Es geht los mit kleinen Schweinereien (nicht-vegetarische Snacks werden als vegetarisch gekennzeichnet) und dem einen oder anderen „Minibefehl“ („Nimm du mal die Tasche mit“) und endet irgendwann bei der Entscheidung: Mord – ja oder nein?

Beinahe am interessantesten fand ich dabei aber die Vorbereitung zum Experiment. Denn dankenswerterweise ist nicht automatisch jeder für derlei Beeinflussung empfänglich und so hat man im Vorfeld bereits ein Experiment durchgeführt, um potentielle Kandidaten zu finden. Dabei wurden die Leute zu einem Casting eingeladen, kamen in einen Raum und sollten dort irgendeinen Schrieb ausfüllen. In dem Raum selbst waren schon Leute, die bei einem Klingeln immer aufstanden und sich wieder hinsetzten. Die Leute, die schon im Raum waren, waren natürlich Schauspieler und taten wie ihnen befohlen wurde: mit jedem Klingeln standen sie auf oder haben sich wieder hingesetzt.

Die Frage hier war dann einfach: was würden die Kandidaten machen? Würden sie sich einfach mit hinsetzen bzw. aufstehen oder das Klingeln ignorieren? Einige taten so, andere so – und so fand letztendlich Derren Brown seine passenden Testobjekte.

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Wie gesagt, es ist eigentlich nur ein Experiment, was ich am Ende aber mit am schwierigsten fand, war nicht der Umstand, dass es wohl durchaus möglich ist, Leute zum Mord zu „überreden“, sondern eher, dass es durchaus Teilnehmer gab, die diesen Mord auch begangen haben/hätten. Da hilft es dann auch nur noch bedingt, wenn Brown am Ende es so verkaufen will, dass man sich diesen Beeinflussungen bewusst werden muss, um sich gegen sie wehren zu können – für mich steht bisher aber mehr im Raum, wie man mit Menschen umgeht, die zu so einer Tat bereit waren.

Visuell ist das alles nicht hollywood-reif – aber wer Spaß an solchen Gedankenspielen hat und zum Beispiel Die Welle nicht verkehrt fand, sollte sich The Push auf Netflix – hier der direkte Link – definitiv anschauen.

Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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