Martin
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Angespielt (02): Mafia 3

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Seit nun gut 3 Wochen ist Mafia 3 endlich draußen und seit diesem Tag war ich nur schwer von der Konsole zu trennen. Denn pünktlich zum Release hab auch ich ein Exemplar bekommen, um es auf Herz und Nieren zu testen – und mir New Bordeaux unter den Nagel zu reißen.

Glücklicherweise hab ich das Spiel auf der PS4 gedaddelt und war daher nicht einer der leidtragenden PC-Spieler, die sich über Frameraten-Beschränkung und eine ganze Ladung voll Bugs ärgern mussten. Ehrlich gesagt ist das Desaster an mir vollkommen vorbei gerauscht – fast schon ein Wunder, wenn man mal nachliest, was dort passiert ist.

Hauptfigur im Spiel ist der Afroamerikaner Lincoln Clay, der gerade frisch aus Vietnam zurück in sein altes Viertel kommt und das Glück hat, dort mit offenen Armen empfangen zu werden. Als Waise aufgewachsen fand er irgendwann Anschluss in der afroamerikanischen Mafia. Doch während des Krieges hat sich einiges getan und so findet sich Clay recht schnell mitten in einem Krieg wieder – nun eben in heimischen Gefilden.

Der Prolog endet damit, dass Ober-Mafiosi Sal Marcano nicht lang fackelt und diesen Zweig der Mafia kurzerhand auslöscht (Sorry für den Spoiler, man kommt aber auch sehr schnell am Anfang an den Punkt). Fast schon wie durch ein Wunder überlebt Clay allerdings diese Aktion und sinnt nun auf Rache.

Das Spielprinzip

Wer die vorherigen Mafia-Teile oder auch GTA gespielt hat, wird sich direkt zurechtfinden. Klassische Third-Person-Ansicht, man kann nahezu jedes Auto fahren, das man auch sieht und eine ordentlich große, (fast) offene Welt. Nichts, was man nicht schon gesehen hat, was aber dennoch einfach Spaß macht – gerade wenn man zu passender Musik aus dem Autoradio gen Sonnenuntergang auf dem Highway fährt.

Das Setting der 60er-Jahre ist hier wirklich gut getroffen und wirkt sehr stimmig. Die Musik passt perfekt, das Wetter wechselt zufällig und auch der Tag-Nacht-Wechsel sind sehr stimmig. Das führt sogar soweit, dass die untergehende Sonne nach dem Regenschauer zwar sehr schön ist, aber eben auch ordentlich blendet. Wer hier nicht den Fuß vom Gas nimmt, hat schnell verloren.

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Die Grafik

Dabei ist Mafia grafisch recht ordentlich gelungen. Gerade in den Zwischensequenzen macht es Spaß, die Mimik der einzelnen Protagonisten zu sehen und genau zu wissen, wie Sprüche und Aussagen gemeint sind. Die nassen Klamotten im Regen wirken recht realistisch und auch sonst sind die Texturen ganz annehmbar. Es hätte meiner Meinung nach im Jahr 2016 aber durchaus realistischer sein können – so gibt es z.B. keine Einschusslöcher in der Karosserie der Wagen oder auch der Umgebung. Dass das durchaus geht, sieht man auch im Spiel selbst, denn hat Lincoln Clay mal ein paar Schüsse einstecken müssen, sieht man das der Spielfigur auch an. Es wirkt daher fast so, als hätten die Entwickler schlichtweg keine Lust (oder eher keine Zeit gehabt), diesen Detailgrad bis zum Ende durchzuziehen.

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Rambo oder Sam Fischer

Was mir an Mafia 3 aber besonders gut gefällt: die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Missionen zu bewältigen. Der Spieler hat immer die Möglichkeit zu entscheiden, ob er die Brechstange auspackt und zur Vordertür hereinstürmt, alles kurz und klein schießt und erst danach fragt, ob er die richtige Hausnummer erwischt hat. Oder er nimmt den langsameren dafür aber leiseren Weg und schleicht sich von hinten heran, um die bösen Buben mit seinem Jagdmesser zu erledigen und so das Nest nach und nach zu säubern. Passende Versteckmöglichkeiten finden sich eigentlich immer und dank Anlock-Pfiff ist diese Methode auch gar nicht so schwer.

Die Gegner stellen sich dabei aber teilweise sehr doof an. Lockt man zum Beispiel ein von zwei Gegnern an, schaltet den ersten aus und pfeift den nächsten zu sich, würde zumindest ich stutzig werden, was denn mit dem anderen in der Zwischenzeit passiert ist. So ist es hier aber möglich, auch mal 5 Gegner an ein und derselben Stelle auszuschalten – immer mit dem gleichen Vorgehen.

Zudem scheinen mir die Gangster dringend einen Augenarzt-Termin zu benötigen. Denn wenn schon 4 Gegner mehr oder minder in der Tür liegen, würde ich auch als 5. zwei Mal überlegen, ob ein unbedachtes Nachgucken so eine gute Idee ist. Das schmälert den Spaß keineswegs, wirkt aber alles eben ein bisschen dumm.

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Und sonst so?

Ich hab mich wirklich auf den Titel gefreut und diese Freude wurde zum Großteil auch erfüllt. Es macht Spaß, durch New Bordeaux zu fahren und den ortsansässigen Gangstern nach und nach das Geschäft zu entreißen. Die Missionen sind rein vom Aufbau her nicht wirklich abwechslungsreich, werden aber dennoch nie so richtig langweilig – hauptsächlich weil man eben durch die Schleichvariante immer schaut, wie man am besten ans Ziel kommt.

Mafia 3 hat allerdings das Problem, dass es sich nicht mehr nur mit seinen Vorgänger-Titeln vergleichen muss, sondern unter anderem auch mit GTA 5. Und hier lässt das Spiel leider Federn. Die Welt ist nicht ganz so groß, es gibt nur 3 Radiosender mit leider recht beschränkter Musik-Sammlung (ich schalte mittlerweile das Radio regelmäßig aus) und immer mal wieder tauchen Unstimmigkeiten auf, die den Spaß dann doch einschränken. Mittlerweile braucht es nun wirklich keine Büsche mehr, gegen die man mit dem Auto fährt und den Kürzeren zieht. Auch hat Mafia 3 zwar viele Ansätze, die mir aber nicht konsequent durchgezogen wurden – in den Sümpfen tummeln sich zum Beispiel die Krokodile, sodass man sich zweimal überlegt, ob man den kurzen Weg durchs Wasser oder den Umweg per Auto nimmt. Wer aber recht zügig durchschwimmt, kommt eigentlich unbeschadet durch. Andererseits könnte man genau diesen Umstand nutzen, um Gegner auf biologisch korrekte Weise verschwinden zu lassen.

Auch wirkt das Schadensmodell der Autos recht altbacken. Oder anders ausgedrückt: die Dinger halten echt eine Menge aus, ohne dass man irgendwelche Schäden an der Karosserie sieht – auch hier zeigt GTA 5, dass das deutlich bessergeht und sich auch ruhig mal auf die Fahrphysik auswirken kann.

An einigen Stellen ist es aber auch sehr gut, dass Mafia 3 nicht allzu sehr auf Realität setzt. So kann ich mich noch gut erinnern, dass es gerade im ersten Teil nicht wirklich Spaß gemacht hat, mit dem Auto durch die Straßen zu heizen. Wer zu schnell war, wurde direkt von der Polizei kassiert und auch der Tank-Zwang mag zwar in der realen Welt unausweichlich sein, aber hat im Spiel dann doch sehr genervt. Genau das ist in Mafia 3 nicht der Fall, was bei der Größe der Stadt durchaus hilfreich ist. Keiner will 1 Stunde lang mit lediglich 50 km/h von einem Ende ans andere fahren.

Bugs

Wie gesagt hab ich mit der PS4-Version wohl richtig Glück gehabt und auch das Glitch-Monster hat mich weitestgehend verschont. Natürlich ist es merkwürdig, wenn durch den Tag-Nacht-und-Wetter-wechsel der gelbe Flitzer plötzlich schwarz ist, aber das trübt den Spaß nicht. Was ich von den drei Abstürzen nicht gerade behaupten kann und ich für ein PS4-Spiel dann doch schon bemerkenswert finde. Wo genau da nun der Fehler lag, kann ich nicht sagen, denn ein wirkliches Muster ließ sich nicht erkennen und auch eine Reproduktion war nicht möglich.

Das klingt fast schon schlecht

Wenn ich das so lese, tut es das wirklich. Das soll es aber gar nicht so sehr. Metaphorisch gesprochen ist Mafia 3 die kleine Schwester von GTA 5 – nicht ganz so groß, nicht ganz so umfangreich, aber doch irgendwie gut. Richtig punkten kann Mafia 3 definitiv bei der Story und den Zwischensequenzen, gerade was den Umfang angeht. Ich hatte zwischendurch schon befürchtet, dass es zu schnell langweilig werden könnte, aber man will dann doch nach jeder Mission wissen, wie es weitergeht oder den nächsten Bezirk einnehmen. Denn immer wenn man das geschafft und einem seiner Unterbosse zugewiesen hat, macht sich das durch freigeschaltete Goodies positiv bemerkbar. Ich war jedenfalls heilfroh, als ich nicht mehr die Stromkästen verkabeln musste und auch die Pistole mit Schalldämpfer war ein echtes Geschenk.

Es hätte aber durchaus mehr sein dürfen und das leider in nahezu allen Facetten. Drei Radiosender mit einer Hand voll Songs macht in den ersten Stunden Spaß, wird aber auf Dauer langweilig bis hin zu nervig. Die Autos fahren sich fast alle recht gleich und Unfälle oder anderweitige Beschädigungen haben nicht wirklich einen Einfluss auf das Fahrverhalten (mal abgesehen von zerschossenen Reifen). Auch die Nummer mit den Büschen liegt mir immer wieder schwer im Magen. Genauso verflog die Freude recht schnell als mit dem Boxkampf dann doch noch eine andere Richtung des Spiels kurz Einzug hielt – aber auch hier leider viel zu Eindimensional.

Pluspunkte gibt es immerhin für die alternativen Enden und die Möglichkeit, auch danach noch Kleinigkeiten einsammeln zu können um so die 100% an Spielfortschritt voll machen zu können. Außerdem erfahren wir endlich mal, wer hinter dem Attentat auf John F. Kennedy steckt. Ein netter Twist, der aber mit dem Spiel nur bedingt zu tun hat.

Die Ansätze sind wirklich gut und gerade die Verbesserungspunkte, die ich angesprochen hatte, wären durchaus drin gewesen, da teilweise vorhanden. Wie gesagt, es wirkt fast so, als hätten die Entwickler fehlendes Durchhaltevermögen bewiesen oder schlichtweg keine Zeit gehabt.

Und dennoch hat es Mafia 3 geschafft, mich dauerhaft an die Konsole zu fesseln und immer noch mal ein halbes Stündchen am Tag zu investieren, dass ich eigentlich nicht hatte. Angesichts der Euphorie, die sich bei mir im Vorfeld aufgebaut hat, bin ich durchaus zufrieden – aber eben auch nicht begeistert.

Fazit

Würde ich Mafia 3 empfehlen? Durchaus. Aber nicht zum Startpreis und nicht beim derzeitigen Stand der Technik. Klar, auf der PS4 gibt es nicht viel in der Hinsicht zu meckern, aber wenn ich für GTA 5 mittlerweile weniger zahlen muss, bekomm ich dafür einfach mehr – außer eben das Setting in den 60ern und eine wirklich gute Story. Mein Tipp daher: einfach noch ein bisschen warten und bei einem entsprechenden Angebot zuschlagen. Dann gibt es vermutlich auch bereits die großen Pacthes, die sich den technischen Mängeln angenommen haben und einem uneingeschränkten Spielspaß steht nichts mehr im Weg.

[für diesen Beitrag wurde mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

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