Martin
Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Was is hier eigentlich los

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104)

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Das muss ich offen zugeben: gerade in der Pubertät hab ich es mit der Ehrlichkeit nicht allzu ernst genommen. Wenn die kleinen Notlügen funktionieren, warum dann nicht die Definition der Notlüge ein bisschen strecken? Wir Menschen neigen ja ohnehin dazu, zu lügen – nicht selten unbewusst. Ziel ist natürlich immer, es sich so einfach wie möglich zu machen, aber ich hab mir damals oft jede Menge Ärger eingehandelt, den es nicht gebraucht hätte.

Sieht zum Glück für mich und meine Mitmenschen mittlerweile anders aus – auch ich lerne irgendwann dazu, selbst wenn es ein wenig länger dauert.

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Vorletztes Wochenende war es mal wieder so weit, der Scheideweg (hihihi, er hat Scheide gesagt) lag direkt vor mir. Eine Probefahrt für unser altes Auto war geplant und damit der Eindruck möglichst positiv ausfällt, dachte ich mir, dass ich vorher noch mal in die Waschanlage fahre. In die coole, wo moderne Sklaven zum Teil noch per Hand drüber putzen. Eigentlich eine miese Nummer, aber da bin ich egoistisch: der Wagen muss gut aussehen und das klappt mit manuellem Putzen einfach am besten.

Also runter zum Auto und losgefahren – dachte ich zumindest. Denn nach dem Drehen des Zündschlüssels ging alles, nur nicht der Wagen an. Ein fieses Knattern, alles blinkt wie verrückt, nur der Motor sprang nicht an. Geil, genau das, was man vor so einem Termin braucht.

Also dem potentiellen Käufer geschrieben und abgesagt. Fairerweise hab ich aber auch direkt geschildert, was das Problem ist und parallel den Pannenservice angerufen. Die haben wiederum die Daten aufgenommen, eine fadenscheinige Ferndiagnose gestellt und mit der Info aufgelegt, dass sich der Abschleppdienst melden würde.

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Tat er dann auch und war natürlich freundlich. Und ehrlich, denn bereits im dritten Satz fiel der potentielle Preis fürs Abschleppen: 300€. Ein bis zwei Herzinfarkte später hab ich das dann doch abgelehnt, denn selbst wenn das Geld für Reparaturen bei mir recht locker sitzt – das war zu viel. Aber der Kollege gab auch direkt den Tipp, dass es eigentlich nur die Batterie sein kann. Der Wagen stand eine Weile, es war noch die allererste Batterie drin, eigentlich logisch, dass die irgendwann mal runter ist.

Also kurzerhand eine neue Batterie bestellt, die ich nachmittags abholen konnte. Während der Wartezeit fleißig Youtube-Videos geschaut „Wie wechselt man eine Autobatterie“ und somit zum Automechaniker umgeschult. Parallel immer wieder mit dem potentiellen Käufer geschrieben und dabei festgestellt, dass wir uns so unsympathisch gar nicht sind.

Irgendwann kam dann die Mail, dass ich die Batterie abholen könnte. Also wieder los, das Ding abgeholt – krass wie schwer so ein oller Kasten doch sein kann – und direkt noch einen Abstecher zum Baumarkt gemacht. Ich bin jetzt nicht nur Automechaniker, sondern auch stolzer Besitzer diverser Ratschenaufsätze, einer Ratsche und richtig schnieken Automechaniker-Handschuhen (Batteriefett macht keinen Spaß an den Fingern).

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Gegen Abend dann ging es ans Eingemachte. Noch ein paar Videos geschaut, ein paar Notizen gemacht und dann die Batterie gewechselt.

Wider Erwarten lief das relativ unproblematisch. Ich hab mich zwar zwei Mal verschraubt, aber es ist nichts kaputt gegangen, lief für das erste Mal in weltrekordverdächtiger Zeit und vor allem: hat auf Anhieb funktioniert! Gefühlt startet der Wagen nun schneller, ein bisschen mehr Saft gab es obendrein – das war ein voller Erfolg. Abgesehen vom geplatzten Termin natürlich.

Was aber das Beste an der ganzen Nummer ist: aufgrund meiner Ehrlichkeit und dem regen Kontakt mit dem potentiellen Käufer schrieb der irgendwann, dass er genau diese Offenheit sehr zu schätzen weiß – und beim Preis gar nicht erst verhandeln will.

Letztes Wochenende fand dann die Probefahrt statt, entsprechend mit dem von mir erhofften Ergebnis: er nimmt den Wagen. Der schriftliche Kram muss natürlich noch erledigt werden, genauso wie die Ummeldung – aber es zeigt eben auch, dass man mit Ehrlichkeit noch immer am weitesten kommt. Wenn auch nicht immer sofort.

Ehrlichkeit währt am längsten - Gedankentüdelüt (104) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

Sag was dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden standardmäßig moderiert. Dein Kommentar erscheint erst, wenn er freigegeben wurde.

Ping & Trackbacks

  1. WIHEL (@wihelde)

  2. WIHEL (@wihelde)

Webmentions

  1. MobiTigger hat diesen Beitrag auf twitter.com geliked.