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Gedanken-Tüdelüt (57): Recht haben und Recht bekommen | Was is hier eigentlich los?
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Gedanken-Tüdelüt (57): Recht haben und Recht bekommen

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Was für ein langweiliges Thema, aber es wird noch viel schlimmer: eigentlich hatten wir das auch schon. Aber es gibt nun mal eben aktuell nur zwei große Themen, die mich beschäftigen: Ungerechtigkeit und der Straßenverkehr. Ein Zeichen, dass mein Leben eigentlich ganz okay verläuft, aber wir Menschen – und vor allem wir Deutschen – finden immer etwas zu mäkeln. Als ausgleichende Gerechtigkeit kann ich aber immerhin versprechen, dass es am Ende auch etwas zu lernen gibt, wenn auch in erster Linie für mich.

Was war passiert?

Mittlerweile muss man für das #asundaycarpic extra nach Berlin fahren #wihelontour #kaefer #berlin #dickereifen

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Wir waren am Wochenende in Berlin, kleine Feierei und außerdem wollte ich endlich mal wieder ein #asundaycarpic knipsen – dafür kann man schon mal nach Berlin fahren. Line wollte gern, dass wir mit dem Zug fahren, weils schneller geht und grundsätzlich entspannter ist. Hat sie Recht, aber es ist eben auch teurer und wenn man ein Auto hat, dann weiß man irgendwann die Flexibilität zu schätzen. Niemand hat Bock auf öffentliche Verkehrsmittel (wobei nicht die die schlimmsten sind, sondern die Menschen darin).

Also ab auf die Autobahn und gen Hauptstadt. Die Hinfahrt war noch ganz okay, aber auf der Rückfahrt gab es einen Moment, der mir wahrscheinlich noch die nächsten Tage im Kopf bleiben wird. Sonntags, kaum LKWs unterwegs, da halte ich mich vorwiegend auf der ganz rechten Fahrspur auf. Wie das dort so ist: es wollen auch andere mitmischen und kreuzen unweigerlich den Weg, ebenfalls von rechts kommend.

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Was ich damals in der Fahrschule gelernt hab: willst du auf die Autobahn, musst du über den Beschleunigungsstreifen auffahren. BESCHLEUNIGUNGSSTREIFEN. B-E-S-C-H-L-E-U-N-I-G-U-N-G-S-S-T-R-E-I-F-E-N. Aber nicht nur Gas geben sollst du, sondern auch den rückwärtigen Verkehr beachten. Was wie Beamtendeutsch klingt, kann tatsächlich Leben retten, denn die logische Folge bei Nichtbeachtung: es knallt und das gewaltig.

Und so fahren wir mit etwas mehr als 130 km/h gemütlich dahin, bis ein Vogel in einem Uralt-Mercedes auf die Autobahn will. Und natürlich – was tu ich eigentlich so überrascht – hat dieser Vollpfosten mit dem Stammbaum eines Kreises weder etwas von Beschleunigung, noch von Verkehr beobachten gehört.

Das muss man sich mal vorstellen: Autobahn fast leer, vor ihm nix, hinter ihm nix – aber dann einfach rüber ziehen. Es ist nur meinem Chuck Norris-eskem Mut und katzenhaften Reflexen zu verdanken, dass ich diesen „Ich spiel Tetris mit Cheats“-Spacko schon gesehen hab, als er ins Auto gestiegen ist, was mich nicht davon abgehalten hat, so lange wie möglich auf meiner Spur zu bleiben.

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Wie sich zeigte, ein wenig überraschend für ihn, denn vor lauter Bindungsängsten kam auch nach dem Verlassen des Beschleunigungsstreifens kein Anflug von Geschwindigkeitsaufnahme. Sollte mir Recht sein, hätte in der Nachbetrachtung aber auch ganz anders ausgehen können. Leben am Limit und so.

Es kann aber auch anders kommen

Dass ich aber die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hab (und trotzdem bin ich so ein Dickerchen), schon gar nicht im Verkehrsrecht, sollte mir vorgestern bewusstwerden. Unsere Straße mündet in eine etwas größere Straße, allerdings mit abgesenktem Bordstein. Weiß der Geier, welcher AfD-Wähler diese Sünde zu verantworten hat – war mir aber auch bisher egal. Denn wir haben ja noch immer Rechts vor Links (was auch wirklich nur im Verkehrsrecht einigermaßen tolerierbar ist), was stört mich da diese kleine Unachtsamkeit der Straßenplanung?

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Und so beharrte ich sehr lange auf meinem Recht der Vorfahrt und dachte bereits über eine Karriere als Hupkonzert-Pianist nach. Aber mein Vater schürte dann doch Zweifel in einer ähnlichen Situation in Leipzig, sodass ich dann doch mal das Netz nach einer finalen Antwort durchsuchte.

Und siehe da: so manch politische Gesinnung kann sogar noch vom Verkehrsrecht lernen, denn hier wird der rechten Vorzugsbehandlung tatsächlich Einhalt geboten. Abgesenkter Bordstein sticht selbst diese Regel aus, egal ob nun Ausfahrt, Spielplatz oder gar Straße mit Straßenschild.

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Das Wunderbare daran: nicht nur, dass ich wieder etwas gelernt hab, ich fahr jetzt auch wesentlich entspannter aus unserer Straße heraus. Dafür halt später – was auch schon wieder wütend macht.

Aber irgendwas ist ja immer.

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