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Angespielt (06): FIFA 18 | Was is hier eigentlich los?
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Angespielt (06): FIFA 18

Die letzten Monate im Jahr sind immer so eine Sache: im Büro muss alles fertig werden, was man das ganze Jahr über geschoben hat, dazu muss man sich Gedanken über Weihnachtsgeschenke und die letzten Geburtstage machen, den ganzen Kram auch besorgen und mit etwas Glück kommt auch noch eine Grippe dazwischen.

In Sachen Krankheit ist mein Körper sich noch nicht so richtig sicher, ob er nun infiziert ist oder nicht – aber erschwerend zu den oben genannten Punkten kommt bei mir noch hinzu, dass eine ganze Vielzahl an Spielen auf den Markt geworfen wurde, die ich alle spielen will und muss – der innere Schweinehund giert danach.

Eines dieser Spiele ist natürlich FIFA 18, auf dass ich mich selbstverständlich wie ein kleines Kind gefreut habe – so wie sich bei jeder neuen FIFA-Version gehört. Und das obwohl sich FIFA mittlerweile „nur“ noch evolutionär (und nicht revolutionär) weiterentwickelt.

Aufgrund der zahlreichen Spiele habe ich es aber noch nicht mal geschafft, den Story-Modus komplett durchzuspielen, was mir beim Vorgänger für die Review wenigstens noch gelungen ist. Aber nicht nur die knappe Zeit hat Schuld daran, sondern auch die Story an sich – und das darf man durchaus negativ auffassen.

Allgemein

Will man es gemein ausdrücken, dann ist FIFA 18 wie FIFA 17, nur hübscher. Ich bin aber nicht gemein, zumindest noch nicht: FIFA 18 sieht sehr gut aus. Die Spielergesichter sind noch ein Ticken detaillierter, die Trikots wirken noch realistischer und selbst die Zuschauer haben eine kleine Frischzellenkur bekommen. Besonders schön wird es bei Regenwetter oder wenn die Spieler endlich anfangen zu schwitzen. Aber was nützt die beste Grafik, wenn das Spiel keinen Spaß macht?

Macht es bei FIFA 18 definitiv, auch weil sich grundsätzlich nicht viel geändert hat. Im Story-Modus selbst muss man relativ früh einen Freistoß schießen, der bei mir auch direkt im Netz gelandet ist – manch einer behauptet, dass die Freistöße zu leicht ins Tor gehen, für mein Erfolgserlebnis war es aber genau richtig. Für Hardcore-Spieler kann es aber durchaus zu einfach sein.

Auch bei den Elfmetern hat sich wieder etwas getan, nicht unbedingt zum Nachteil – sieht man mal von den permanenten Wechseln zwischen den Versionen ab. Muss man sich reinfuchsen, ist aber auch nicht gerade Raketenwissenschaft.

Die KI wirkt ein bisschen schlauer, die Zweikämpfe ein wenig realistischer – insgesamt gibt es am Spiel, den Animationen und dem Spielfluss nichts zu meckern. Ja, es wirkt alles ein wenig langsamer, das tut den Dribblings und kniffligen Situationen aber keinen Abbruch.

Der Storymodus: The Journey

Damit konnte FIFA 17 letztes Jahr richtig punkten. Handlung statt nur stumpfes Kicken und ein bisschen Manager-Kram – das war neu und hat Spaß gemacht. Zwischendurch wurde die Handlung ein bisschen träge und man musste sich mehr oder weniger durchbeißen, bis man die nächste Zwischensequenz bekam – aber den Karriere-Beginn seines Protagonisten mitzuverfolgen und vor allem mitzugestalten, das motiviert ungemein. Geendet hat die Story mit der Nominierung Alex Hunters zur Nationalmannschaft.

Ungefähr dort knüpft nun auch die neuerliche Geschichte an, allerdings geht es – irgendwie war das ja abzusehen – nicht mehr steil die Karriereleiter hoch. Stattdessen versaut es der Agent und aus dem erhofften Wechsel zu Real Madrid wird ein Abstecher in die amerikanische MLS.

Dort wird genauso Fußball gespielt und es braucht nicht viel, bis man auch im neuen Team zum Helden aufsteigt – Leistung setzt sich eben auch bei FIFA 18 durch und mit etwas Glück winkt natürlich der Wechsel zurück nach Europa.

Was bei der Story-Fortsetzung auffällt: es gibt wesentlich mehr Handlung. Es wirkt beinahe so, als hätten die Macher gemerkt, dass ein Story-Modus eine coole Nummer ist, aber auch nur richtig Spaß macht, wenn genug Story da ist.

Aber es wirkt auch so, als ob man sich sehr stringent an diese Anforderung gehalten hat, dabei aber vergaß, dass eine Story nicht nur davon lebt, möglichst viele Zwischensequenzen abzuliefern, sondern die Handlung an sich auch stimmig sein muss. Und das ist sie bei FIFA 18 leider hinten und vorne nicht.

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Hat das ganze Wechsel-Theater mit ausbleibendem Happy End noch gut funktioniert, ist alles danach nur noch Füllmaterial und macht auf mich den Eindruck, dass man irgendwas erzählt, um irgendwas zu erzählen. Da mangelt es einfach an Tiefgang, zumal zwischen den einzelnen Dialogparts die Pausen zu lang wirken und die Reaktionen nicht immer nachvollziehbar sind. Oder um es anders auszudrücken: man kommt schnell an den Punkt, dass das alles wie eine schlechte Soap aufgezogen ist.

Es spricht da auch für sich, dass ich den Modus noch nicht komplett abgeschlossen und stattdessen in andere Spiele abgedriftet bin – hier hat man das Potential zwar einigermaßen erkannt, aber bis zur vernünftigen Ausschöpfung ist es noch ein langer Weg. Ein bisschen schade.

Aber genug der Meckerei: FIFA 18 kann man sich trotzdem ohne Bedenken kaufen. Das Spiel wirkt rund, der Story-Modus macht trotz Macken und seichter Handlung Spaß und ich bin mir sicher, dass da noch eine ganze Menge an Lebenszeit reinfließen wird. Jegliche Negativ-Punkte sind – wie auch beim Vorgänger – Kritik auf ganz hohem Niveau. Vielleicht ist es auch das immer wiederkehrende Problem mit der Erwartungshaltung – man muss sich einfach davon verabschieden, dass in Sachen Fußballsimulation noch große Würfe passieren. Stattdessen gilt es wie in der Champions League die letzten Prozente herauszukitzeln und genau hier kann die FIFA-Reihe noch einiges hervorzaubern. Und sei es nur eine bessere, tiefere Handlung im Story-Modus, sodass man den auch ein zweites oder gar drittes Mal durchspielen will.

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Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert.
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