Martin
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Gedanken-Tüdelüt (59): Die Sache mit dem Obst & Gemüse

Wer kennt es nicht? Die Mutter, die zu Hause immer geschimpft hat, dass man doch auch mal was Gesundes essen soll. Die Mutter, die auch noch heute bei jedem Telefonat fragt, ob man nicht auch mal wieder einen Apfel gegessen hat? Genauso eine hab ich abbekommen.

Das hat sich mittlerweile zum Glück ein wenig gelegt, denn auch sie musste einsehen, dass 400km Entfernung eine sehr schlechte Argumentationsgrundlage sind, um ihren Sohn zu etwas mehr Obstverzehr zu zwingen. Das sah früher noch ganz anders aus, da wurde mir das ganze Zeug so lange vor die Nase gehalten und so lange auf mich eingeredet, bis ich erschöpft aufgab. Guantanamo-Häftlinge wissen, wie das ist.

Dabei hab ich gar nicht wirklich was gegen Obst. Manches mag ich sehr gern (vor allem Bananen und Birnen), anderes finde ich recht egal (Erdbeeren, Kirschen, …) und wieder anderes muss ich nicht haben (z.B. Stachelbeeren). Es spricht also eigentlich nichts dagegen, mehr Obst zu essen oder?

An sich nicht, aber Obst hat nun mal die doofe Angewohnheit – genau wie ein Duschvorhang – irgendwann zu schimmeln. Und wie soll man ein Lebensmittel mögen, dass bei Nichtbeachtung die beleidigte Leberwurst spielt und aus Trotz in den sicheren Schimmeltod geht? Ich fang ja auch nicht an, mir einen Arm abzuschneiden, nur weil ich beim Arzt als gesetzlich Versicherter kaum Beachtung geschenkt bekomme (wobei, das ist eigentlich die Idee …)

Außerdem kann man Obst in den meisten Fällen nicht einfach so essen, sondern muss den ganzen Kram erst noch behandeln – waschen, schnippeln, ggf. zuckern … du kennst das. Und für mich ist genau das der Hauptgrund, warum Obst nicht so richtig in den Alltag integriert werden kann – es sträubt sich so.

Gerade sind Line und ich in Amsterdam, bisschen Urlaub machen (wobei Urlaub anders aussieht, aber das ist eine andere Geschichte). Und was hier auffällt: die Holländer habens durchschaut. Hier gibt es Salate und Obst nicht nur en masse, sondern auch bereits fertig geschnippelt und verzehrbereit. Und das find ich mega gut. Gilt übrigens auch für diverse Salate (also die Dinger mit Bulgur, Humus usw.) und selbst Leberwurst gibt es fertig portioniert, sodass man sie nur noch aufs Brot schmeißen muss.

Zeigt natürlich, wie faul wir Kunden eigentlich sind – serviert man uns den Kram nicht auf dem Silbertablett, rühren wir es nicht an. Auf der anderen Seite: Kunde ist König und vielleicht schafft damit auch gleich noch ein paar Arbeitsplätze mehr … sowas wie professionelle Obst-und-Gemüse-Rationierer, Chief of Schnibbeling, Head of Portioning oder ähnliches.

Und vielleicht ist das das große Geheimnis, warum man von den Holländern in den Nachrichten kaum etwas hört: die sind hier alle so entspannt, weil die sich über solchen Mist keine Gedanken machen müssen.

Mehr Obst hab ich trotzdem nicht gegessen, aber irgendwas ist ja immer.

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