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Gedankentüdelüt (83): Das Internet im Internet oder wie ich lernte den Algorithmus zu hassen | Was is hier eigentlich los

Gedankentüdelüt (83): Das Internet im Internet oder wie ich lernte den Algorithmus zu hassen

Gedankentüdelüt (83): Das Internet im Internet oder wie ich lernte den Algorithmus zu hassen | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Ich gebe zu, so ganz ohne Vorsatz bin auch ich nicht ins neue Jahr gestartet, wobei ich mich weiterhin von körperlichen Tätigkeiten natürlich fernhalten will und auch sonst der Lebensstil schlichtweg aufrechterhalten werden soll (finanziell darf es natürlich immer gern mehr werden). Nein, dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, einfach ein bisschen aktiver in diesem Social Media zu sein, dass die Kids immer so feiern - oder gefeiert haben.

Gerade Twitter hab ich sehr stiefmütterlich behandelt. Immer mal mitgelesen, seltenst einen Like vergeben, aber sonst war das einfach nur ein weiteres Loch, in dass die Blogbeiträge geblasen wurden. Facebook war eigentlich die erste Wahl, stellt aber so ziemlich den Kern für diesen Beitrag dar, denn Facebook ist einfach kaputt.

Und damit mein ich nicht die zahlreichen Idioten, die sich ihre eigene Filterblase basteln, lustig von morgens bis abends um die Wette hetzen und so gar keine Scham davor haben, all ihre Dummheit in die Welt zu blasen - sie merken es ja auch gar nicht.

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Mit dem neuesten News-Feed-Update könnte Facebook zumindest auf dem Papier wieder mehr Spaß machen, sollen doch die Beiträge von Freunden und Bekannten wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. Für mich als Publisher natürlich der totale Super-Gau, aber das ist noch mal ein anderes Thema. Mit fremden Beiträgen hab ich ohnehin selten interagiert, insofern ist es natürlich super, von Leuten mehr zu sehen, zu denen man irgendeinen Bezug hat. Das Problem ist aber:

Dieser gottverdammte, verfickte Algorithmus. Ich hab die letzten Tage meinen News-Feed beobachtet. Davon mal abgesehen, dass es einfach tierisch nervt, dass das Ding permanent wild neu sortiert wird, nervt am meisten: mich interessieren die Beiträge von vor 2 Tagen oder gar noch mehr einen Scheiß. Nicht selten sind da schon an die 20 - x Beiträge drunter, jeder Depp hat wieder seinen ganz eigenen Hirnfurz abgegeben - was soll ich noch dazu sagen? Genau wie alle anderen nur das wiederholen, was zwei, bis drei Kommentare vorher schon gesagt wurde? Kommentieren nur um des Kommentierens willen?

Nee lass mal.

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Darüber hinaus ist das Ding noch immer von Videos zugemüllt, als gäbe es kein Morgen mehr. Klar, ein Teil ist durchaus unterhaltsam, wenn mir aber dann das dritte Video unterkommt, bei dem ich genau weiß, dass es nur ein fucking Re-Upload von jemand anderen ist, kommt mir direkt wieder mein Essen vom Vortag hoch.

Als ob das aber nicht reicht: Facebook macht auch andere Netzwerke mit seiner Überoptimierung kaputt, Stichwort Instagram - ist nur nicht so gravierend, da ein gutes Bild durchaus eine wesentlich längere "Gültigkeitsdauer" hat, als ein normales Status-Update. Ein Bild sieht auch in zwei Tagen noch gut aus.

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Und das ist letztendlich auch der Grund, warum Twitter - zumindest für mich - das deutlich geilere Netzwerk ist. Chronologische Timeline, schnell zu konsumieren und wenn ich doch mal Bock hab, zu irgendwas meinen Senf hinzuzugeben zu müssen, kann ich das auch noch ein wenig später machen. Klar, auch hier schadet es nicht, am Puls der Zeit zu sein, aber es gab einen Satz, den ich vor Ewigkeiten mal gelesen hab: Twitter ist wie ein Fluss. Ständig in Bewegung, wenn man mag, hält man das Gesicht eine Zeit lang rein, aber es ist kein Problem, zwischendurch auch wieder nach Hause zu gehen.

Facebook jedenfalls beweist einmal wieder mehr meine grundsätzliche Haltung zu Social Media: Algorithmus hin oder her, für mich funktionieren chronologische Timelines noch immer am besten. Alles andere ist schlichtweg eine Verstümmelung und führt langfristig zu einem großen Haufen Scheiße, der keinen Spaß macht. Und den hab ich bei Facebook definitiv verloren.

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Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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