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Gedankentüdelüt (80): Was ist eigentlich Luxus (für mich) | Was is hier eigentlich los

Gedankentüdelüt (80): Was ist eigentlich Luxus (für mich)

Gedankentüdelüt (80): Was ist eigentlich Luxus (für mich) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Ich hatte es schon mal in einem kleineren Beitrag kurz definiert, aber da Weihnachten vor der Tür steht – und damit die alljährliche Konsumorgie – und auch gestern noch eine Situation Eintrag, in der es nicht gerade um unerheblich viel Geld geht, kann man das Thema ja mal ausführlicher beleuchten.

Ich glaube, Luxus lässt sich in zwei Arten definieren: allgemein gültiger Luxus und persönlicher Luxus. Allgemein wird vermutlich jeder zustimmen, dass eine Villa mit 30 Zimmern, goldenen Wasserhähnen, goldenem Föhn, goldenem Obst und Gemüse und goldenem Klopapier recht luxuriös ist. Unpraktisch ja, aber eben auch luxuriös. Dazu vielleicht noch ein paar Autos vor der Tür und eine ganze Armee an Angestellten, weil man gar nicht alle Zimmer in dieser Villa nutzen kann, sie aber trotzdem sauber gehalten werden müssen – vielleicht kennt man sogar nicht mal alle Zimmer.

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Und dann gibt es da noch den persönlichen Luxus, der deutlich unter diesem Niveau liegen kann. Dazu muss ich nur mal an meine Ausbildungszeit zurückdenken – das Einkommen unfassbar gering, aber irgendwie hat man es ja doch über die Runden geschafft. Der Wocheneinkauf bestand dann meistens aus Toast, Butter, ein paar Scheiben Wurst und ein bisschen TK-Ware, dafür gab es keinen Urlaub und auch sonst war das mit den Rücklagen eher schwierig. Es kam nicht selten vor, dass man den Pfennig öfter mal umdrehen musste, bevor man ihn ausgab.

Das hat sich mittlerweile gebessert und eigentlich sieht jeder Wocheneinkauf bei uns so aus, dass wir natürlich zum einen das kaufen, was wir tatsächlich brauchen – aber eben auch, was wir gerade wollen. Das kann von der etwas teureren Butter über das eine oder andere Getränk, dass ich noch nicht kannte, bis hin zu irgendwelchem Schund von Tchibo gehen.

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Oder nehmen wir das angesprochene Beispiel von gestern: ich musste das Auto in die Werkstatt bringen, da die höchste Stufe des Scheibenwischers nicht mehr tat, wie sie sollte. Vielleicht verdreckt, vielleicht ein Kabel locker – vielleicht auch ein heimlicher Totalschaden und ich bekomm doch endlich die Gelegenheit für einen Neuwagen.

Tatsächlich war es der Scheibenwischermotor, der getauscht werden wollte. Vermutlich kein großes Teil, dass aber dennoch ein Loch ins Konto reißen kann – genauer gesagt ein um die 360€ großes Loch. Fies, aber muss ja sein, schließlich brauch ich das Auto an Weihnachten, um zu meinen Eltern zu kommen.

Und was mach ich? Ich sag einfach, dass die Jungs aus der Werkstatt loslegen sollen. Nicht, weil ich es geil finde, mal eben 360€ ärmer zu sein – aber, weil wir es können.

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Natürlich fänd ich es geil, wenn wir uns spontan ein neues Auto kaufen könnten, die vielleicht doppelt so große Wohnung auf dem Papier schon eingerichtet ist und wir nur noch einen Dienstleister dafür anrufen müssen und ich auch sonst überhaupt keinen Überblick über meine Finanzen bräuchte, weil einfach immer genug da ist.

Aber für mich ist schon Luxus, dass ich im Supermarkt eben nicht mehr auf die Preisschilder gucken muss (was wir dann doch irgendwie tun und vergleichen). Und weil ich, wenn es nötig ist, für Reparaturen größere Summen in die Hand zu nehmen, es einfach machen kann. Es tut weh, aber es ist problemlos möglich.

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Insofern ist doch der eigentliche Luxus ein gewisser Grad an Lebensqualität. Der muss nicht nobel sein, der muss nicht übertrieben sein, der muss nicht im totalen Konsumwahn ausarten. Aber er muss so sorgenfrei wie möglich sein.

Wenn man es also runterbricht, dann ist Luxus doch einfach nur Sorgenfreiheit. Und für dieses Schlusswort klopf ich mir jetzt einfach mal selbst auf die Schulter – gerade in Anbetracht der Materialschlachten zu Weihnachten.

Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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