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Gedanken-Tüdelüt (45): Ein bisschen Nachdenken kann nicht schaden :: Was is hier eigentlich los ::

Gedanken-Tüdelüt (45): Ein bisschen Nachdenken kann nicht schaden

Gedanken-Tüdelüt (45): Ein bisschen Nachdenken kann nicht schaden
© bigstockphoto / studiostoks

Ich befürchte fast, es geht nicht nur mir so, aber: mir fällt es mittlerweile schwer, glauben zu können, was in den Nachrichten kommt. Es ist kein Geheimnis, dass die Medienlandschaft sich in den letzten Jahren massiv gewandelt hat (vielleicht auch nur in meiner Wahrnehmung) – ging es früher noch um die Nachricht an sich, zählt heute nur noch, der erste zu sein und die reißerischste Schlagzeile zu liefern.

Früher konnte ich mich noch auf ein Medium verlassen, dass eine Schlagzeile noch als Schlagzeile verstanden hat, heute sieht man dann unter anderem sowas:

Gut, wählt man den Focus halt ab und löscht die App. Aber wir leben nun mal auch im Zeitalter der Fake News – gepaart mit diesem unbedingten Drang, der erste sein zu wollen, führt das automatisch dazu, dass selbst die sattelfest geglaubten Redaktionen Meldungen nicht mehr verifizieren. Sie vernachlässigen ihre Aufgabe und begeben sich auf das gleiche Level ihrer Leser: einfach glauben, was gesagt wurde (und es eben replizieren). Somit fällt diese Aufgabe schlussendlich auf mich als Leser zurück – genau das möchte ich aber nicht. Ich möchte Nachrichten vorgefiltert und bereits durch Erscheinen im Medium selbst mit einem gewissen Wahrheitsgehalt versehen.

Aber in einer Welt in der Donald Trump nicht nur Präsident werden kann, sondern auch Präsident so sein kann, wie er es tut, seh ich aktuell keinen Lichtblick. Im Gegenteil.

Anderes Beispiel zum gleichen Thema (und das ist auch der Punkt, über den ich mich tatsächlich innerlich aufgeregt hab): letzte Woche ging ein Video durchs Netz, in dem Hunter Hobbs todesmutig und unter Einsatz seines Lebens herausgefunden hat, wie lange es dauert, bis man in einer Excel bis ans Ende der Tabelle scrollen kann.

Das Video hat Stand jetzt 1.045.335 Aufrufe und ist zum Glück nicht so lang, wie Hunter Hobbs für die Erkenntnis der Menschheit gebraucht hat: 9 Stunden 36 Minuten.

9 Stunden und 36 Minuten setzt sich jemand hin und filmt sich dabei, wie er dauerhaft die Cursor-Taste gedrückt hält. Und die Leute? Feiern es offenbar. Die Frage ist nur: warum? Was machen wir mit der Erkenntnis? Und warum ist das so toll?

Schließlich war der erste Gedanke allein schon, als ich die Überschrift las: Junge, drück doch einfach CTRL/CMD + Cursor runter und fertig. Aber es heißt nun mal „INSANE EXCEL CHALLENGE! Over 9 hours to reach the bottom of Excel..“

Man könnte nun sagen, dass der Kollege einfach nichts besseres mit seiner Zeit anfangen kann, genauso sprechen die über 1 Mio Aufrufe dafür, dass er mit diesem Problem nicht allein ist. Man könnte aber auch sagen: wenn wir nur noch auf die abfahren, die besonders laut schreien, brauchen wir uns am Ende über gar nichts mehr wundern.

Was ich schlussendlich sagen will: hinterfragt die Dinge einfach ein Mal mehr, auch wenn es – gerade bei Nachrichten und Schlagzeilen – schwer fällt, es eigentlich nicht eure Aufgabe ist und feiert nicht sofort jeden Mist, nur weil die Überschrift total fancy geil klingt. Die ganze Clickbait-Scheiße sollten wir eigentlich hinter uns gelassen haben.

Nur wer selber denkt, wird schlau.

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Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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