Line, sag mal was zu… Primark

Line, sag mal was zu... Primark

Drängelnde Menschenmassen, übles Anrempeln, böse Blicke und es liegt ein Geruch in der Luft, den man am liebsten nicht einatmen würde. Zerbrochene Kleiderbügel und Größenaufkleber liegen auf dem Boden, dazwischen zerknüllte Klamotten, billige Plastikgürtel und viel Staub. Dazwischen sitzen Kinder weinend auf dem Boden.
Menschen mit ausgefahrenen Ellenbogen und Wahnsinn in den Augen stürmen durch die Gänge. Die Situation ist mit einem Schlachtfeld vergleichbar.

Klingt nach dem 24. Dezember vormittags in der Hamburger Innenstadt?
Falsch. In den Schulferien oder auch am Wochenende geht es so bei der Bekleidungskette Primark zu. Gut, vielleicht hab ich ein klein wenig übertrieben, weinende Kinder gibt es dort nicht viele und auch nicht alle Kunden haben Wahnsinn in den Augen, drängeln und schubsen. Ich zum Beispiel nicht. Allerdings ich geh am Wochenende eher nicht bei Primark einkaufen, da ich aus jahrelanger Erfahrung weiß, das man sowas nicht machen sollte.

Primark steht wohl weder für Qualität, noch für Service. Dafür aber für kleines Geld. Und genau das ist wohl auch der Magnet für die Millionen an Kunden, die Primark monatlich besuchen.
Ich kannte Primark unter dem Namen Penneys schon aus Irland, als ich 2008 dort auf Oberstufenfahrt war. Bei begrenztem Taschengeld war Penneys damals sowas wie das Paradies auf Erden, denn dort bekommt man alles. Von T-Shirts über schicke Kleider, bis hin zu Schuhen, Schmuck, Taschen, Sonnenbrillen, Unterwäsche und sogar ein bisschen Dekorationskram für Zuhause. Leider konnte ich damals aufgrund des Koffergewichts natürlich nicht unbegrenzt einkaufen. Umso mehr hab ich mich gefreut, als es kurze Zeit später hieß, es wird ein Primark in Bremen eröffnet. Kurz nach der Eröffnung war ich mit ein paar Freundinnen auch dort und hab ordentlich eingekauft. Wie gesagt – für Schüler ist es super, weil man für wenig Geld viele Dinge kaufen kann.

In den letzten Jahren war ich dann auch regelmäßig bei Primark und hab auch immer viel gefunden, das mir gefallen hat. Bei meinem letzten Besuch in diesem Februar allerdings nicht mehr. Bei vielen Dingen weiß man langsam schon, dass man sie lieber nicht bei Primark kaufen sollte, denn so billig es auch ist, es rentiert sich einfach nicht. Taschen zum Beispiel sind bei Primark oft sehr billig verarbeitet und das sieht man ihnen auch an. Bei Schuhen ist das ähnlich, wobei man da Glück haben kann und ab und zu ein tolles Paar findet, was dann auch mehrere Jahre hält. Schmuck übersteht meistens nicht einmal den Heimweg.
Es lohnt sich, die Sachen vorher genau anzusehen und sich nicht vom günstigen Preis „blenden“ zu lassen. Manche Kleidungsstücke sind gut verarbeitet und halten mehrere Jahre. Basics kann man dort zum Beispiel sehr gut einkaufen und auch Blusen von Primark sind meistens eine gute Anschaffung. Von Jeans dagegen würde ich wieder abraten.

Ein riesiger Nachteil ist natürlich der Geruch der Kleidung dort. Die Sachen stinken zum Himmel. Vermutlich wurden sie in den Fabriken in Chemikalien gebadet, bevor man sie zum Verkauf verschickte. Waschen vor dem ersten Tragen sollte hier Pflicht sein. Gilt aber meiner Meinung nach für alle Kleidungsstücke und egal, wo ihr sie gekauft habt. (Auch für Socken!)

Viele kaufen auch bei Primark ein und nach einer Saison schmeißen sie die Sachen wieder weg, weil sie out sind, sich beim Waschen verzogen haben oder einem einfach nicht mehr gefallen. Je günstiger die Kleidungsstücke, desto geringer die Hemmungen, sie auch bald wieder auszusortieren. „Wegwerfmode“, so nennt sich der neue Trend, hab ich neulich irgendwo gelesen.

Für Schüler und zum Beispiel Menschen mit einem geringen Einkommen ist Primark sicherlich eine gute Alternative zu Markenklamotten. Man kann günstig einkaufen und trotzdem im Trend liegen. Primark kopiert den Stil von Zara, Mango oder auch Sportmarken. Man findet dort Garderobe für das Büro, aber auch für den Sport oder bunte Kleidung für die jüngere Zielgruppe. Viele Stilrichtungen werden abgedeckt und jeder würde dort wohl das ein oder andere Teil finden, das irgendwie zum eigenen Stil passt. Vermutlich auch einer der Vorteile, die Primark so beliebt machen.

Es wurde schon so viel darüber diskutiert, warum Primark so günstig verkaufen kann und es ist wohl auch den meisten Kunden klar. Erstens verzichtet Primark größtenteils auf Werbung und spart dadurch eine Menge Markteingkosten und zweitens produzieren sie unheimlich günstig. Und wir wissen alle, was das für die Fabrikarbeiter in Indonesien, Bangladesch und China bedeutet: Nichts Gutes. Dennoch lassen wir uns davon nicht abschrecken. Ob das moralisch vertretbar ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Nur so viel: Bei meinem letzten Besuch bei Primark habe ich festgestellt, dass die meisten Sachen dort nicht mehr unbedingt meinen Vorstellungen von einer guten Garderobe entsprechen und ich in Zukunft lieber in wenige hochwertige Teile investieren will, die lange halten und besser sitzen.

Vermutlich werde ich dennoch weiterhin zu Primark fahren und dort Socken, Strumpfhosen (mir ist noch NIE ein Primark-Strumpfhose kaputt gegangen! Die halten ausgesprochen gut) und Basic Tops einkaufen, aber ich werde versuchen, keine Kleidungsstücke mehr zu kaufen, „weil es ja nur sieben Euro kostet“ und dann trage ich es doch nur zwei Mal.
Qualität statt Quantität. Moral statt vollgestopftem Kleiderschrank und vor allem keine Wegwerfmode mehr.

[Bild via shutterstock.com/]

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Sängerin, Gelegenheitsgenießerin, Fotografie-Liebhaberin, manchmal eine Herausforderung, literaturbegeistert, verrückt nach Sommer, Sonne, Strand und Meer, moralisch flexibel und gekommen, um zu bleiben. Alle Beiträge von Alina ansehen.

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