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Und deswegen sind Blogs eben doch geil - Gedankentüdelüt (109) | Was is hier eigentlich los

Und deswegen sind Blogs eben doch geil - Gedankentüdelüt (109)

Und deswegen sind Blogs eben doch geil - Gedankentüdelüt (109) | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Ich will gar nicht schon wieder damit anfangen, dass Blogs ja schon seit Jahren als Tod gelten, denn damit verhält es sich genauso wie mit den Prognosen zum Sterben von Facebook, die seit Jahren rumgeistern. Wir alle kennen das Ergebnis: Facebook ist immer noch da, genauso wie Blogs – nur die goldenen Zeiten sind schlichtweg vorbei. Vermutlich ist das einfach der Lauf der Dinge und das Normalste von der Welt, nur eben für diejenigen nicht, die direkt drin stecken.

Vor ein paar Tagen hat sich aber mal wieder gezeigt, warum Blogs eben nicht sterben und vielleicht auch niemals sterben können – sie sind unabhängig. Zumindest zum Teil, denn auch so ein Blog will in irgendeiner Form bezahlt werden, mindestens das Hosting ist in den seltensten Fällen kostenlos – von der investierten Zeit will ich gar nicht erst reden.

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Denn vor ein paar Tagen kam mehr oder weniger überraschend die Ankündigung von Google: Google Plus wird eingestellt. Ob nun wirklich wegen irgendeinem Datenleck oder weil man schlichtweg den Anschluss verpasst hat und nicht mehr aufholen kann, sei mal dahingestellt – Fakt ist: Im nächsten August ist Schicht im Schacht. Im Grunde eigentlich auch so ein Tod, der schon vor Jahren prognostiziert wurde, nur war er hier wirklich absehbar, was vor allem daran lag, dass schlichtweg nichts brauchbares mit dem Netzwerk angestellt wurde. Einfach den Nutzern eine Kiste hinstellen und sagen „Macht mal“ funktioniert halt nur in den seltensten Fällen.

Tatsächlich aber bin ich darüber ein wenig traurig, denn ich hatte ja schon mal hier beschrieben, dass ich Google Plus zwar spät, aber dennoch für mich entdeckt hab und auch wenn die Story von damals kein Positivbeispiel ist, hat das eigentlich ganz okay funktioniert. Man könnte sogar behaupten, dass ich an allem schuld bin, denn ich hatte ähnliches auch mit Facebook gemacht. Damals hat aber der Dienst, den ich für den ganzen Spaß nutze, die Füße in die Richtung hochgerissen, weil Facebook die Schnittstellen hart reglementiert oder gar abgeschaltet hat. Blieb also noch Google Plus – was nun auch dicht macht. Insofern schon mal Entschuldigung an alle, war nicht meine Absicht.

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Ebenso hatte ich tatsächlich schon mit dem Gedanken gespielt, den Blog zurück zu fahren und da hin zu gehen, wo die Nutzer sind – sprich: den ganzen Spaß direkt in den sozialen Netzwerken zu veranstalten. Als Webseitenbetreiber hat man schließlich nur zwei Möglichkeiten: Content da hin bringen, wo die Nutzer sind – oder Nutzer zu sich holen. Und wir alle wissen, wie faul der Mensch ist. Warum sollte jemand sich die Mühe machen und eine Webseite ansurfen, wenn früher oder später von irgendwem anders der Content sowieso in den entsprechenden Dunstkreis gespült wird?

Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich diesen Weg nicht gegangen bin, denn die Schließung von Google Plus ist im Grunde das perfekte Argument für eigene Seiten: statt mit der Schließung sämtlichen Content und die eigene Community zu verlieren, kann man auf seiner eigenen Seite machen was man will. Die eher mehr als weniger vorhandenen Unabhängigkeit als Betreiber ist dermaßen ein Segen – da ist es eigentlich schade, dass einem das immer nur durch sowas bewusst wird. Gleichzeitig keine nervigen Algorithmen und schlichtweg die eigenen Spielregeln, sei es nun in Bezug auf die Art des Contents, die Darstellung oder schlichtweg den Inhalt.

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Ohnehin scheint die große Zeit der Netzwerke tatsächlich ein wenig vorbei zu sein, zumindest der grundsätzliche Hype hat stark abgenommen. Klar, die Nutzer strömen weiterhin zu Bewegtbild oder nur Bildern, also Youtube und Instagram – aber in Sachen Text und Kuration kommt es mir fast vor, als hätten wir den Kampf zwar nicht gewonnen, aber einfach nur durchhalten müssen, bis die Nutzer zur Besinnung kommen. Wieder etwas mehr weg von vorgegebenen Newsstreams, bevormundenden Algorithmen und der eigentlichen Datensammelwut, die den meisten sträflich am Arsch vorbei ging.

Das einzige Manko, dass ich tatsächlich sehe, sofern die Netzwerke wirklich immer mehr ins Hintertreffen raten: neue Nutzer zu finden und schlichtweg Reichweite aufzubauen, wird nicht wirklich einfacher. Da zählt am Ende tatsächlich nur die Vernetzung untereinander und vor allem das Miteinander statt Gegeneinander. Sofern es aber auch wieder in diese Richtung geht, umso besser.

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Lange Rede, kurzer Sinn: macht eigene Seiten, scheißt auf die Abhängigkeit irgendwelcher fremdbestimmender Netzwerke und lasst uns uns gegenseitig helfen. Hat ja schließlich vorher auch ganz wunderbar funktioniert.

Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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Kommentare

  1. Blogs gelten als „als Tod“, soso, haben wir etwa G+ auf dem Gewissen? ;)
    Stimmt schon, Eigenständigkeit ist toll und ich habe lieber fünf Leser bei mir auf der Seite, als zehn Likes unter einem Facebook-Post.
    Das Problem wird, wie du andeutest, schlichtweg die Zersplitterung des Marktes sein. Statt zwei, drei großen Social Networks hat man dann etliche kleine plus vielleicht ein Facebook, das aber eh schon durch Mechaniken und Nutzerschaft kaputtgemacht wurde. KANN gut sein, weil es spezialisiertere Nischen-Netzwerke gibt, dürfte aber eher kacke werden, da es bereits jetzt X total ähnliche News-Aggregatoren gibt, die sowas wie RSS-Features für Dummies anbieten und sich eigentlich nur selbst Reichweiten bzw. Werbeeinnahmen durch Content-Anleihen erreichen wollen. Ob da wer wirklich irgendwo hängen bleibt? Ich denke nicht.
    Bleibt nur das „Durchhalten“, im Sinne von Passion weiter leben. Daher: Ein Herz für Blogs! <3

    • Mindestens haben wir G+ auf dem Gewissen, irgendwer muss ja Schuld haben ;) Gegen kleinere Netzwerke hab ich eigentlich gar nichts, sofern sie eben nicht – wie du angesprochen hast – nur stumpfe News-Aggregatoren sind und der Nutzer an sich nicht mehr auf die eigentliche Seite gehen muss. Sofern da APIs usw. vorhanden sind, kann das von mir aus auch noch ein bisschen mehr zersplittern, je weniger „Marktmacht“, umso besser.
      Ich find es einfach nur schön, dass das Durchhalten, was wir ja schon seit Jahren machen, mehr oder weniger belohnt wird – eben doch auf die richtige Karte gesetzt und nicht auf den nächsten Hype-Zug aufgesprungen (wobei das ja bei G+ nie wirklich ein Hype war). Was jedoch schade ist: eine gewisse Abhängigkeit ist eben doch da, denn wie neue Leser finden, wenn nicht durch solche Netzwerke? Da bleibt am Ende nur noch ein Herz für Blogs und die Gefälligkeit der Kollegen. Ein Herz für Blogs ist super, findet aber auch nur an bestimmten Tagen statt und die Nächstenliebe der Kollegen … kennste ja. Will sagen: ohne all die Netzwerke da draußen, egal wie groß oder klein sie sind, wirds auch für uns schwer.