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Gedanken-Tüdelüt (23): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie | Was is hier eigentlich los?
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Gedanken-Tüdelüt (23): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie

Gedanken-Tüdelüt (23): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de
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Eine kleine Frage zum Einstieg: guckt irgendwer von den U30-Jährigen eigentlich noch normales Fernsehen? Und wenn ja, was guckt ihr dann eigentlich? Die Frage ist tatsächlich ernst gemeint, denn ich hab bei uns zu Hause festgestellt, dass wir nun seit gut einem Jahr eigentlich gar kein „normales“ Fernsehen mehr schauen – einzige Ausnahme sind tatsächlich nur die Lokalnachrichten (Hamburg Journal FTW! Und für irgendwas muss sich die Rundfunkgebühr ja lohnen) und vielleicht mal der eine oder andere deutsche Krimi. Eben genau die wenigen Sachen, die man nicht auf Netflix, Amazon Video und Co. findet und die dort wahrscheinlich auch nur bedingt erfolg hätten.

Ansonsten besteht der filmische Alltag bei uns eigentlich nur noch aus Serien und hin und wieder mal ein Film, aber selbst das ist die Ausnahme, was nicht zuletzt an der Länge liegt. Abends ein, zwei Folgen einer Serie funktionieren einfach besser als ein Film, den man bei steigender Müdigkeit womöglich noch abbrechen muss.

Aber warum ist das so?

Nun, zum einen ist es einfach deutlich angenehmer, wenn man sich zu jedem gewünschten Zeitpunkt aussuchen kann, was man sehen will und wie viel man davon sehen will. Klar, lineares Fernsehen wird mit Sicherheit noch einige Jahrzehnte seine Daseinsberechtigung behalten, aber ein Blick in das hiesige TV-Programm zeigt auch, dass der Trend zu Streamingdiensten nicht nur eine subjektive Wahrnehmung von mir ist und definitiv nicht nur etwas mit der eigenen Bequemlichkeit zu tun hat. Wer tut sich denn wirklich noch die Wollnys und die 3.268 Ausgabe vom perfekten Dinner an?

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Am besten auf den Punkt gebracht hat es wohl – der mit House of Cards wohl erst so richtig beim breiten Publikum angekommen ist – vor drei Jahren auf den Punkt gebracht:

Gebt ihnen (den Zuschauern), was sie wollen, wann sie es wollen und in der Form, in der sie es wollen.

Dass es daran aber auch bei den Streamingdiensten scheitert, sieht man ebenfalls daran, wie nervig es doch ist, wenn wir mal wieder eine Woche auf die neue Folge Game of Thrones, Walking Dead, House of Cards usw. warten müssen. Eine ganze Woche, die einen aus Stimmung und auch Handlung herausreißt – zumindest mir geht es so, dass ich eine Serie am besten fühlen kann, wenn ich mal drei, vier, fünf Folgen am Stück gucke. Und wenn man dann zwischen zwei Staffeln (oder diesem unsinnigen Aufteilen von Staffeln) auch noch mehrere Monate warten muss, ists schnell wieder vorbei mit dem kompletten Spaß.

Viel schlimmer aber noch ist das Ende einer Serie. Mit etwas Glück – und eigentlich ist es absurd, dass so zu sagen – erwischt man ein echt verhunztes Ende einer Serie, wie z.B. bei Dexter, dass den Abschied leichter macht. Aber mir graut es bereits jetzt davor, wenn Game of Thrones oder auch The Walking Dead zu Ende gehen. Was machen wir denn dann? Was gucken wir denn dann?

Denkt doch nur mal an Breaking Bad – bis heute hab ich keine Serie gefunden, die daran anknüpfen konnte. Klar, es gibt andere großartige Serien, aber nichts, dass es so verstand, durch Bild, Ton und Handlung zu fesseln, selbst wenn nicht wirklich viel auf dem Fernseher passiert ist. Man konnte die Hitze und den Staub in Alburquerque förmlich spüren.

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Allein die Zeit, die man dann wieder verschwenden muss, um mal eine wirklich gute Serie zu finden … Gerade jetzt, während so gar nichts wirklich großartiges läuft, macht sich das wieder bemerkbar.

Bosch hab ich angetestet, aber diese omnipräsenz von Titus Welliver nervt ja irgendwann tierisch.

12 Monkeys ebenfalls ausprobiert, aber wenn man den Film gesehen hat, wirds hier auch eher enttäuschend.

The Strain auch angetestet und sogar die erste Staffel durchgekämpft, aber dass es am Ende nur wieder so ein Vampirkram ist, war eher enttäuschend.

Lucifer war ganz okay, wobei so manche Handlung von Lauren German nicht ganz nachvollziehbar war und Tom Ellis irgendwie nur sehr eindimensional auftritt. Vom Teufel hab ich da schon ein bisschen mehr erwartet.

The Night Manager stach da schon aus der kleinen Masse hervor, aber Hugh Laurie wird wahrscheinlich (für mich) immer einfach nur Dr. House bleiben.

Aktuell sind wir dann mal bei Banshee angekommen. Zwar eine Serie, die auch schon wieder vorbei war, bevor wir angefangen haben, aber immerhin gut zum nebenbei gucken und an sich auch recht fesselnd. Die erste Staffel haben wir fast durch und wenn man so will, freu ich mich sogar auf die Zweite. Nur wird sich auch hier bald wieder die Frage stellen: was gucken wir danach?

Mir graut es jetzt schon wieder davor, aber immerhin: kein lineares Fernsehen. Denn da kommt weiterhin nur Mist.

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Über Martin

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Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert.
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  1. Ach, „The Strain“ fand und finde ich eigentlich ganz unterhaltsam. Zwar irgendwie trashig, aber wenigstens was anderes. Und gerade läuft doch „Mr. Robot“! Und die zweite „Scream“-Staffel ist gerade zuende gegangen. Beides großartig bis gut.
    Aber ja, insgesamt stimmt das schon. Ich schaue bewusst eigentlich auch nur zu BVB-Spielen „fern“. Ansonsten eher „mal schauen, ob was läuft“ – da gibt es dann doch immer mal Perlen in dritten Programmen zu Unzeiten zu entdecken.
    Nach „Banshee“ solltest du „Burn Notice“ schauen, wenn noch nicht gesehen. War bei mir nämlich genau anders herum – als BN vorbei war, wurde „Banshee“ meine Ersatzserie… :)

    • Martin

      Ich habs doch nicht so mit Serien auf Englisch ;) Am Anfang von The Strain hatt ich ja noch gehofft, dass es eher in Richtung Zombie-Virus-Irgendwas-Gedöns geht. Diese ganze Vampirkiste ist ja über die letzten Jahre mehr als ausgelutscht und dann immer dieses „wir müssen den Meister töten und alle sind glücklich ….“ Meh.

      Das mit den dritten Programmen kenn ich, hin und wieder rutschen wir da auch mal rein. Wie so alte Leute ;)

      Burn Notice hab ich tatsächlich mal reingeschnuppert, aber so richtig zu vergleichen mit Banshee ist es ja nicht. Die zweite Staffel haben wir mittlerweile angefangen und du hattest Recht – bockt mehr. Dafür ist Burn Notice jetzt so ein bisschen dieses „Nebenbeigucken“, bei dem man nicht unbedingt immer alles mitbekommen muss

      • Ja, das stimmt, „The Strain“ hat definitiv Schwächen, auch gerne mal, was die Logik im Storytelling angeht. und Burn Notice ist natürlich komplett anders, war aber eben meine „Coolness Guilty Pleasure“-Serie. Eigentlich immer das Gleiche und gerne mal over the top, aber eben super zum Nebenher schauen. Genau das hat Banshee dann eingenommen – nur minimal brutaler… ;)

        • Martin

          Hehe, genau meine Einschätzung ;) Wobei ich Banshee mittlerweile schon recht fesselnd finde. Hier und da hätte man den einen oder anderen Strang noch etwas weiter verfolgen können (ey, da kommt der Sohn in die Stadt und könnte ihn auffliegen lassen und dann ist das so ’ne Luftnummer …), aber im großen und Ganzen haben sie die Twists gut hinbekommen. Und ja, brutal ist es, genauso wie das Muster recht gleich ist – Sex und Gekloppe gibt es einfach immer. Bin gespannt, wie es weitergeht und hoffe ja immer noch, dass sich alle mal zusammenreißen, der Kreis der Eingeweihten vergrößert und dann endlich mal in Banshee für Ruhe gesorgt wird ;)

          Was ich nur nicht verstanden hab (und da kannst du sicher helfen): neue Identität, einen Haufen Probleme an den Hacken – warum dann noch Raubüberfälle? Reicht der ganze Stress nicht eh schon?

          • Ohne den Raubkram wäre das für uns wohl ziemlich langweilig. „Ein Ex-Knacki, der untertaucht und nicht auffällt“ – spannend. ;)
            Ja, einige Stränge waren überflüssig und nur da, um sie abgehakt zu haben. Andere werden aber tatsächlich später noch einmal aufgenommen. Mir gefällt der ab der zweiten Staffel vermehrt vorkommende „Cross-Cut“ visuell sehr, bei dem man bereits den Ton einer späteren Szene hört, während man vorherige Bilder zu sehen bekommt. Freu dich schon einmal auf Staffel 3 – für mich die beste. :)

          • Martin

            Naja, mit Rabbit und nun dem komischen Indianer-Amisch-Mord-Kram ist man ja auch gut ausgelastet ;)

            Stimmt, visuell sehr stark gemacht. Ich mag auch diese kurzen Halluzinationen oder die Szenen mit der Antretung der Gefängnisstrafe – haben das Gefühl des Angstzustandes sehr gut rübergebracht.

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