Martin
Gedanken-Tüdelüt (36): Was machen wir denn jetzt? | Was is hier eigentlich los?
Home > LifeStyle > Awesome > Gedanken-Tüdelüt (36): Was machen wir denn jetzt?

Gedanken-Tüdelüt (36): Was machen wir denn jetzt?

Gedanken-Tüdelüt (36): Was machen wir denn jetzt? | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de

Ach verdammt – ich versuch wirklich, die Politik hier soweit es geht heraus zu halten. Gerade weil ich auch nur meine bürgerliche Meinung zu dem ganzen Thema hab und nicht sonderlich viel Zeit investieren möchte, um mich durch diverse Artikel zu Arbeiten und zahlreiche andere Meinungen einzuholen. Ein bisschen Nachrichten-App, ein bisschen Tagesschau und ein wenig gesunder Menschenverstand reichen mir, um mir eine eigene Meinung zu bilden – und selbst die muss ich nicht jedem auf die Nase binden, der nicht danach fragt.

Aber doch beschäftigt mich der Kollege in Übersee ungewollt mehr, als mir das lieb ist. Dass er die Wahl gewonnen hat, war für mich gar nicht mal so überraschend – der Brexit hat da an Erwartungshaltung schon gute Vorarbeit geleistet. Und doch war mein erster Gedanke am Morgen danach: was machen wir denn jetzt? Das geht doch nicht.

Tja, was machen wir denn jetzt? Tatsächlich nichts. Die Wahl ist so ausgegangen, das System so bescheuert wie eh und je – jetzt müssen wir einfach damit klarkommen. Dieser Typ, der sowohl mit frauenfeindlichen als auch rassistischen Sprüchen weit unter der Gürtellinie ist nun mal Chef von Amerika. Und wenn das alles den Bach runtergeht, dann ist das eben so.

Ein wenig Hoffnung besteht dennoch und das mache ich an einer einfachen Beobachtung fest, die ich in den letzten Tagen mehrfach gemacht habe: dieser Typ hat einfach keine Ahnung.

Wie soll er auch? Die klassische Politik-Laufbahn hat er nie eingeschlagen, entsprechende Erfahrung ist nicht vorhanden und womöglich gibt es auch nur ein sehr begrenztes Interesse an den ganzen Wirkungsweisen und Zusammenhängen.

Gut erkennen kann man das an den kleinen und großen Rückziehern, die er nun nach dem Wahlerfolg Schritt für Schritt macht. Und dabei kommen immer wieder Formulierungen wie „Ich werde darüber nachdenken“ – und das sogar sehr häufig. Sei es nun der Einsatz eines Sonderermittlers gegen Hillary Clinton oder das weitere Vorgehen bei der Gesundheitsreform Obamas. Eigentlich spielt es gar keine Rolle, immer wenn es um ein komplexes Thema geht, wird Donald Trump darüber nachdenken.

Genauso wenn er über das Nachdenken hinausgekommen ist: jedes Mal liegt die Begründung darin, dass er mit den vorher Verantwortlichen gesprochen und die Komplexität verstanden hat, um dann zurückzurudern und von seinen Wahlversprechen zumindest in Teilen Abstand zu nehmen.

Um es kurz zu machen: auf mich wirkt der Kollege wie ein Kind bzw. Jugendlicher – gefangen im Körper eines 70-Jährigen. Er wirkt pubertär, unbeholfen, will aber gleichzeitig als der große Macker Macher wahrgenommen werden, ohne Belege liefern zu können, wie er das kann und dass er es kann. Denkt zurück an eure eigene Jugend – da finden sich mit Sicherheit Parallelen wieder.

Was die Hoffnung allerdings wieder mehr oder weniger zerstört: Donald Trump selbst. Dazu muss man sich nur die Art und Weise seiner Sätze im Vergleich zu Obama anschauen. Ging es bei Obama noch darum, dass „wir alle“ gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, spricht Donald Trump immer nur von „ich“.

Dabei war doch eine der Lektionen, die wir aus Game of Thrones gelernt haben: Das wichtigste sind die Ratschläge der Berater. Genauso wissen wir, dass man jedes größere Projekt immer nur in einem Team auf die Beine stellen und vielleicht sogar zu einem gewissen Erfolg führen kann.

Um diesen Gedankenbrei zum Abschluss zu bringen: ich hab keine Ahnung, was wir nun tun sollen. Vielleicht ist es ein Segen, dass der Kosmos von Donald Trump sich hauptsächlich um Donald Trump dreht. Vielleicht ist aber auch genau das der Fluch.

Resignierend muss man aber festhalten, dass wir es jetzt nicht mehr ändern können. Dass das Wahlergebnis nicht wirklich dem Politikverdruss auf der ganzen Welt entgegenwirkt, erklärt sich von selbst. Das aber liegt auch im Wahlsystem selbst fest verankert.

Hoffen wir einfach, dass das alles nicht ganz so schlimm wird, wie wir es befürchten.

Fandest du gut? Dann erzähl es weiter:

Kürzlich

Sag was dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Webmentions

  1. WIHEL ?? (@wihelde)

  2. Blogbox-Kurios (@BBKurios)