Martin
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Gedankentüdelüt (64): Vom Suchen und Finden des Rechtschreipunk (inkl. Buchempfehlung)

Das spricht so unfassbar für mich, dass ich es bis heute nicht glauben kann: mehr oder weniger bin ich ein Fan des gesprochenen Wortes, genauer gesagt: von Poetry Slams. Nicht unbedingt von den besonders künstlerisch-emotionalen Texten a la Julia Engelmann (die ich dann doch sehr überbewertet finde, im Moment), aber humorig darf es gern zu gehen. Besonders wenn es dieser kleine, trockene Humor ist – Jan Philipp Zymny zum Beispiel drehte bei den Malen, bei denen ich ihn gesehen hab, immer sehr schnell hoch, was dann auch schon wieder anstrengend wird. Nee, ich mags entspannt, genau wie meinen Gin Tonic. So einen vorgetragenen Text muss man in Ruhe schlürfen können, darf nicht zu süß sein, aber bodenständig – eben kein Schickimicki.

Wie gesagt, ich mag Poetry Slam und da ist mir dann auch scheiß egal, was Jan Böhmermann davon hält – bin ja sowieso aus dem Alter raus, in dem man seine Meinung nach der Meinung anderer richtet – ist ja auch schon seit 45 außer Mode, wenn es auch in einigen Zügen wieder trendy zu werden scheint.

Irgendwann im Mai oder April sind wir nach Berlin gefahren. Hotel gebucht, Auto vollgepackt – Bloggerkollege und Win-Compilation-Kamerad Maik hatte geladen, schließlich stand der ESC vor der Tür. Den haben Line und ich in den letzten Jahren nie geschaut, also warum nicht dafür die knapp 300 Kilometer fahren? Wir sind schließlich nur einmal jung und meinem Haupthaar sieht man das nicht mal mehr an.

Dort angekommen waren bereits ein paar Menschenwesen vor Ort, unter anderem auch Peter. Sympathischer Typ vom Äußeren her und ein kurzer Plausch beim Bier sollte auch bestätigen, dass ihn nicht nur seine Tattoos und die grauen Haare auszeichnen würden.

Der Abend verlief dann, wie er verlief – irgendwas mit Alkohol, Musik, Alkohol, einem Trinkspiel und Alkohol. Oder so.

Eher durch Zufall bin ich dann ein paar Tage, vielleicht auch Wochen – nicht nur mein Haupthaar zeugt davon, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, sondern auch mein Gedächtnis – darauf gestoßen, dass Peter auch eine Webseite hat. Kurz gegoogelt – rechtschreipunk.de.

Kennste doch von irgendwoher? Das kann doch nicht sein? Hast du da etwa einen Poetry Slammer kennen gelernt und es nicht gewusst? Nee? Doch? Oder? Tatsache! Wie gesagt, spricht für mich, dass ich erst hinterher mitbekommen hab, was da eigentlich passiert ist. Oder wer.

Wie auch immer, auf seiner Seite ein bisschen rumgeschaut (die braucht tatsächlich mal ein Design-Update – diese Standard-Themes fetzen einfach nicht) und siehe da: ein Buch. So richtig aus Totholz, was man gegen Hartgeld erwerben kann, mit dem wunderbaren Namen „Es war eine gute Idee, dass wir den Hund ‚Opa‘ genannt haben„. Wenn schon nicht in Berlin, wollte ich wenigstens hier zuschlagen und wenn ich Peter damit einen Tag das Überleben sichern kann, umso besser.

Doof nur, dass man das Buch lediglich auf seinen Veranstaltungen direkt erwerben kann – eine kurze E-Mail später mit tricky Hinweis auf unser Treffen in Berlin, hab ich es dann aber doch sichern können. Die Tage verflogen ein wenig und ich hatte es schon fast vergessen, landete es dann doch in unserem Briefkasten. Der Urlaub war gerettet und ich konnte außer Comics auch mal was Anderes lesen.

Genau das hab ich auch in der letzten Woche getan und was soll ich sagen? In 1,5 Tagen hab ich den Schinken durch gehabt. Eine Handvoll sehr gelungener Texte aus diversen Veranstaltungen hat der gute Peter da zusammengesammelt und immer schwingt dieser trockene, leichte Humor mit, der mich fast immer mindestens zum Schmunzeln und ab und an auch zum spontanen Auflacher gebracht hat. Wenn man so will: die perfekte Dosis. Denn bedenke: willst du wirklich im vollen Bus ein Buch lesen und dabei laut lachen müssen? Montags? Während alle anderen Pläne schmieden, wie der nächste Amoklauf aussehen könnte?

Gut gefallen haben mir dabei nicht nur die kurzen Erklärungen vor den Texten, die unter anderem beschreiben, wie es zu den Texten kam bzw. warum – aber auch die angenehme Länge der Texte selbst. Wer keine Lust hat, wochenlang einen dicken Wälzer zu frühstücken, ist hier genauso gut aufgehoben wie derjenige, der auf dem Klo sitzt und mal Abwechslung zum Smartphone haben, aber dennoch die eine oder andere halbe Stunde totschlagen will.

Lediglich mit den Gedichten im hinteren Teil des Buches konnte ich nur bedingt etwas anfangen, was aber vor allem daran liegt, dass ich keine Ahnung von Gedichten hab und sowieso nicht damit umgehen kann, wenn das Reimschema von AA BB CC abweicht – sieht man auch daran, dass ich nicht mal den Fachbegriff dafür kenne.

Wie immer, lange Rede, kaum ein Sinn: kauf dir dieses Buch. Besuch Peters Vorstellungen. Und trink lieber einen Gin Tonic zu viel, als zu wenig, während du mit mir hoffst, dass so manche Geschichte hoffentlich autobiografischer ist, als es den Anschein macht.

Infos zu Buch und Peter findest du direkt auf seiner Seite.

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  1. Schön, dass sich die 300km-Reise doch gelohnt hat! :)
    Aber das Buch lag „damals“ sogar bei uns auf der Toilette. Also, daneben. Peter hatte es uns zur Einweihung geschenkt.

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