Das erste Mal Hurricane

Das erste Mal Hurricane
Martin – natürlich mit gebrandeter Tasche

Das erste Mal tut weh, heißt es immer – kann ich bei unserer kleinen Premiere vor ein paar Tagen nicht bestätigen, denn wir waren zum ersten Mal auf dem Hurricane. Eigentlich sind wir gar nicht so sehr die Festival-Typen. Im Zelt schlafen, total unvernünftig essen, die einzige Flüssignahrung aus Bier bestehend und hygienetechnisch auch ein bis zwei Jahrhunderte in der Zeit zurück geschickt werden – da sind wir Spießer und das sogar sehr gerne.

Glücklicherweise wurden wir aber dieses Jahr von Firestone eingeladen und hatten die Wahl zwischen urigem Gezelte und zivilisiertem Hotel – logisch, dass die Wahl da nicht schwer viel. Von einem Kollegen durfte ich mir da noch anhören, dass das ja total falsch wäre, die Zukunft sollte uns aber zeigen, dass die Entscheidung definitiv nicht die schlechteste war.

Das erste Mal Hurricane
Der schicke Firestone-Bulli

Angefangen hat aber alles am Freitag mit einer eigentlich sinnfreien Tour von Hamburg nach Hannover (besonders nachdem sich herausgestellt hat, dass wir alle aus Hamburg gekommen sind), schön am Festival vorbei. Es stand aber eine Fahrt mit einem alten VW-Bulli (dem man sein Alter definitiv nicht ansah) auf den Plan und dafür kann man eben auch so einen kleinen Ritt auf sich nehmen. In Sachen Effizienz natürlich völliger Humbug, aber die Fahrt hat sich am Ende gelohnt, wie Line – sie ist im Bus mitgefahren, ich mit dem Auto quasi hinterher – zu berichten weiß:

Ich bin ja wirklich kein großer Auto-Kenner und habe mich daher auch nie so richtig damit beschäftigt. Aber einen VW-Bulli, den wollte ich tatsächlich schon immer einmal fahren. Wenn man’s genau nimmt, wollte ich sogar einen besitzen, wenn „ich erwachsen bin“. Ich glaube, ich hatte sogar VW-Bulli bei SchülerVZ (ach ja, das gute, alte SchülerVZ) unter den Dingen gelistet, die ich mag. Das führte dazu, dass ich in einem Jahr viele kleine VW-Bullis und allen möglichen Kram mit einer Abbildung dergleichen darauf zum Geburtstag bekam. Ein Miniatur-Bulli steht sogar noch in meinem Bücherregal (echt jetzt, Martin, brauchst du jetzt gar nicht zu kontrollieren).

All das führte dazu, dass ich mich sehr über den Umstand gefreut habe, im Bulli mitfahren zu dürfen. Mit dabei waren Lina Mallon, Sascha Pietsch und Alexandra Oebel (Links zu ihren Festival-Recaps findet ihr weiter unten im Beitrag).

Und dann düsten wir also los in Richtung Scheeßel. Wobei düsen natürlich übertrieben ist, wir tuckerten mehr so über die Autobahn und später durch malerische Orte, bis wir nach ca. 2,5 Stunden am Ziel eintrafen. Während der Fahrt war für Essen und Getränke gesorgt, es wurden spannende Gespräche geführt und zwischendurch gab es natürlich auch noch eine kleine Foto-Pause, damit alle den Bulli ablichten konnten.

Das erste Mal Hurricane

Fun fact: Auf den Bildern sieht der Hintergrund großartig und idyllisch aus, nicht wahr? In Wirklichkeit standen wir am Rande eines -Parkplatzes, der auf einer Seite an das Feld angrenzte. Die andere Seite war aber weitaus weniger glamourös. Insgesamt eine sehr entspannte Fahrt mit sehr entspannten Menschen. Vielen Dank an dieser Stelle an Philipp, der den Bus gefahren ist – hast du gut gemacht, ich hätte es mir nicht zugetraut.

Das mit dem Hinterherfahren hat auch ganz gut geklappt, zumindest bis zur zweiten Ampel. Wie das aber eben so ist, Gelb-Phase, der Vorrausfahrende gibt Gas und dann wird ganz überraschend rot. Ein Mal Profis hinterherfahren … Also hab ich die Strecke dann eben alleine bewältigt und war wie durch Zauberhand vor den anderen im Hotel. Genug Zeit, um das Auto auszuladen, W-Lan klar zu machen, alles einigermaßen einzurichten und exakt 7 Minuten auf dem Bett zu entspannen \o/

Unser Hauptquartier war also die nächsten Wochen das Hotel Schnuck im idyllischen Örtchen Schneverdingen. Eine halbe Stunde hatten wir dann noch Zeit, bis die Taxen kamen, die uns endlich zum Festival-Gelände bringen sollten. Kurzer Zwischenstopp am Pressehäuschen und dann war es endlich soweit: die ersten Festivalmassen kamen uns entgegen.

Also aussteigen und einen kräftigen Fußmarsch hinlegen, bei dem wir direkt feststellten: Gummistiefel wären ’ne gute Idee. Das Gute war: hatten wir dabei. Das Schlechte war: sie lagen im Hotel. Konnte ja aber auch keiner ahnen, dass es auf einem Festivalgelände wirklich matschig zugehen würde. Klar, alle reden darüber, aber was wissen die denn schon? Glaubt ja auch niemand den Kram, der im Fernsehen kommt, genauso wenig die zahlreichen Märchen, die die Festivalerprobten von sich gaben. Nun denn, hinterher ist man immer schlauer.

Witzigerweise sollte sich auch an diesem Tag wieder herausstellen, dass die Welt ein Dorf ist, denn mitten in der wartenden Masse vor dem Einlass trafen wir Marc von Testspiel – bereits das zweite Mal, dass wir einfach irgendwo hingegangen sind und er plötzlich neben einem stand. Diese Blogger ey, wirste einfach nicht los.

Endlich auf dem Gelände angekommen, ging es zuerst zum Firestone-Stand, kurzes Vorstellen bei unseren Gastgebern und dann gab es auch endlich das erste Bier. Fragt mich nicht warum, aber auf so einer Veranstaltung schmeckt es doch gleich noch ein bisschen besser als allein vor dem heimischen Fernseher. Währenddessen haben gerade auch Royal Republic gespielt. Kannte ich bis dahin nicht, fand ich aber direkt gut – es wird also ein Top Wochenende werden.

Das erste Mal Hurricane
Lines Chucks: vorher-nachher

Zumindest so lange, bis die Durchsage kam, dass das Gelände evakuiert wird – na Halleluja. Fährste ein Mal von Hamburg nach Hannover nach Schneverdingen nach Scheeßel und schon fällt einem der Himmel auf den Kopf. Ein wenig ratlos, was wir denn nun machen sollten, watschelten wir zum Firestone-Stand zurück, die werden ja schon wissen, was zu tun ist.

Wussten sie auch, wobei die Hostessen sich wirklich Mühe gegeben haben, uns vom Stand vertreiben zu wollen. Aber wenn man als Hostess nur gefühlt 1,20m groß ist und dann einer der bekanntesten und gutriechendsten Blogger mit seinen 1,80m und einem leichten Bauchansatz erstmal da steht, dann wirste den eben auch nicht direkt wieder los. Somit war mein stoischer Pragmatismus endlich mal für etwas gut und wir versammelten uns wieder als kleine Gruppe, um im Regen zum Bus zu laufen.

Wirkte an sich alles ein wenig panischer als es hätte sein müssen, aber die Erfahrungen von Rock am Ring haben sicherlich ihre Spuren hinterlassen. Mehr als ein kleines Gewitter mit Regen war es am Ende nicht, dennoch ist Vorsicht die Mutter der Porzellan-Kiste und die wird schon wissen warum. Dennoch machte sich zu keiner Zeit das Gefühl breit, irgendwer wäre in Gefahr oder es wär vollkommen übertrieben. Ich fand es jedenfalls sehr okay.

Nach ein bisschen Warterei ging es also ins Hotel zurück – bisschen frisch machen, irgendwas zum Abendessen suchen und den Tag ausklingen. Es gab zwar noch die Möglichkeit, danach wieder zurück zum Gelände zu fahren, aber die Fahrt den ganzen Tag über hat dann doch sichtlich Spuren hinterlassen. Die Spießer kamen also wieder raus und gingen ein bisschen früher ins Bett als der Rest. Anmerkung von Line: Außerdem spielten abends KIZ und Rammstein und aus dem Alter (zumindest bei ersteren) sind wir allmählich wohl raus.

Wie sich am nächsten Morgen heraus stellen sollte: nicht die schlechteste Idee, war der andere Teil der Truppe doch erst zwischen 4 und 5 Uhr wieder im Hotel. Wir also fit wie ein Turnschuh waren bereit für den ersten, richtigen Festival-Tag, haben aber vorher noch Schneverdingen-City besucht. Einen tollen Rossmann haben die da.

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Wettercheck am Samstag

Bei aller Frische, die wir getankt hatten – es war umsonst, denn der Samstag fiel bekanntlich im wahrsten Sinne des Wortes komplett ins Wasser. An dieser Stelle muss man allen Verantwortlichen des Festivals aber ein großes Kompliment aussprechen, die Informationspolitik war aller erste Sahne. Zwar bekam ich im Gegensatz zu Line keine Push-Meldungen über die App, eine Neuinstallation hievte mich aber dann doch noch auf den Informationsolymp. So hieß es also Facebook checken, auf die nächste Push-Meldungen warten und sich in Geduld üben, während die Öffnung des Festivals immer weiter nach hinten verschoben wurde.

Eigentlich ein Grund, um langsam sauer zu werden, aber dank der zahlreichen Bilder und Kommentare auf Facebook war schnell klar: da war wirklich nicht viel zu machen. Wenn das Wasser teilweise bis zu den Knien steht, macht es eben keinen Sinn, den Pöbel rauszulassen. Was mich da tatsächlich nur genervt hatte, waren die zahlreichen neunmalklugen Kommentare auf Facebook von irgendwelchen Spackos, die nicht mal vor Ort waren, aber unbedingt besser wissen wollten, dass man das gesamte Festival doch einfach absagen sollte. Haters gonna hate, aber bitte für sich alleine, ihr Volldeppen. Aber so sind wir Deutschen eben – 80 Mio. Bundestrainer und Wetter-Veranstaltungsexperten in Personalunion.

Gegen 20 Uhr ging es dann aber doch noch zum Festivalgelände – im schnieken Mercedes-Transporter und mit jeder Menge Spaß. Doof war hier nur, dass das Festival für den Samstag dann doch noch abgesagt wurde. Gut war aber, dass unser Fahrer recht entspannt war und mit uns einfach bis zur Absage im Auto wartete, sodass wir direkt nach der Absage gleich wieder die Möglichkeit zur Rückkehr hatten. Die armen Tröpfe im anderen Shuttle hatten nicht so viel Glück.

Das erste Mal Hurricane
Samstagabend wurde abgesagt

Was also nun anfangen mit dem angebrochenen Abend? Logisch, die Hotelbar auf Festigkeit prüfen. Außerdem lief ja noch Fußball und man überraschenderweise hatte man auch einen Raum für uns mit Plane – wir kleinen Dreckschweinchen – vorbereitet. Dass der eher gut gemeint als gut war, dürfte das kleine zeigen:

Also ab an die Bar und Fußball gucken. Hier haben wir dann auch Sean, Manager von The London Souls kennen gelernt, nebst einem trinkfesten Finnen samt besserer Hälfte. Wie jeder weiß, sind solche Bekanntschaften die besten, also war auch klar, dass wir definitiv nach dem Schließen der Bar noch nicht ins Bett konnten. Somit war das Motto noch: ab nach Schneverdingen City in die angesagteste Bar, die der Ort zu bieten hatte.

Das erste Mal Hurricane
Heidegeist

M One war ihr Name und dass wir hier genau richtig waren, zeigten am Ende nicht nur die beiden Leinwände, auf denen original Sat1 und Pro7 liefen. In Schneverdingen weiß man eben, wie man Kunden anlockt. Ein wirklich toller Abend mit jeder Menge Heidegeist (irgendwas mit Schnaps und Mundwasser), tollen Gesprächen und viel Gelächter. Wir haben definitiv das Beste daraus gemacht. Anmerkung von Line: Und das bis 4 Uhr morgens… da sag noch mal einer, dass stecke so ein junger Körper leicht weg. Pustekuchen!

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M One – The place to be in Schneverdingen

Der letzte Tag stand also auf dem Programm und – yeah endlich – auch mit richtigem Festival-Feeling. Ab 11:30 Uhr war das Gelände offen und wir somit fast pünktlich irgendwann gegen halb drei auch vor Ort. Es ging direkt zu Tom Odell, der zwar schon spielte, aber seine beiden Hits Another Love und Magentised extra für uns aufgehoben hatte – vielen Dank noch mal dafür, wir revanchieren uns mit dem nächsten Bier. Ich geb zu: er hat auch mich ziemlich geflasht, auch wenn ich im Gegensatz zu Line kein Pipi inne Augen haben sollte.

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Tom Odell – Lines Favorit

Danach war etwas Luft mit Fotogeschieße, Nahrungssuche (Flammkuchen mit Lachs – richtig gut), Biergetrinke, Matschgestapfe und dem Checken der Lage am Merchandising-Stand. Klassischer Anfängerfehler, die geilen Sachen waren natürlich ausverkauft. Ich wusste es bereits am Freitag, dass der erste Gang am nächsten Tag direkt dahin gehen sollte, aber dieser verdammte Wassersamstag. Auch hier: hinterher ist man immer schlauer.

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Am Sonntag sogar richtig angezogen: Friesennerz und Gummistiefel

Weiter ging es dann zu James Bay, der nun wirklich nicht mein Fall war, aber was man nicht eben für die bessere Hälfte so tut. Das Wetter wurde weiter besser, wir aßen und tranken noch mehr und chillten uns knapp zwei Stunden auf eine naheliegende Wiese – einfach mal die Atmosphäre genießen, die Füße entspannen und sein. Einfach mal sein ist ja sowieso total wichtig und wird viel zu wenig gemacht, hier war es genau das Richtige.

Mein persönliches Highlight sollte aber noch kommen: Mumford & Sons. Letztes Jahr noch ein bisschen enttäuscht vom Konzert, fieberte ich dem Auftritt auf meine ganz eigene Weise entgegen und betete zu Petrus, dass er weiter durchalten würde – er hielt durch (auch du bekommst beim nächsten Mal ein Bier, versprochen!). Mittlerweile war es dunkel und wir auch echt durchgefroren, aber für Mumford & Sons kann man das schon mal auf sich nehmen, es würde sich schon lohnen.

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Mumford and Sons – Martins Highlight

Es lohnte sich und wie. Gerade die Stücke der letzten Platte schlugen ein wie eine Bombe und ich bekomm bereits jetzt noch Gänsehaut, wenn ich nur daran zurück denke. Geile Typen, geile Musik, geiler Ausklang – mein Pipi inne Augen-Moment.

Der Abend endete dann mit einem strammen Fußmarsch zurück zum Auto (wir standen am Scheeßeler Bahnhof) nebst Umweg, da die breite Masse noch nicht verstanden hat, dass eine Unterführung eben nur begrenzt Platz bietet und der letzten Nacht im Hotel. Überraschenderweise waren wir trotzdem vor den anderen, die mit dem Shuttle zurück fuhren, im Hotel und entsprechend am nächsten Tag auch wieder ein bisschen frischer als der Rest.

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An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an Firestone für die Einladung und die wirklich großartige Betreuung rund um das gesamte Wochenende. Gerade bei dem ganzen Evakuierungskram hätte man sich nicht besser aufgehoben fühlen können. Ebenso ein großer Dank an das ganze Punkt PR-Team für die großartige Planung, allen voran natürlich Leonie (und sorry für das Gemecker wegen Hannover. Hinterher können wir wenigstens drüber lachen und haben was, dass wir unseren Enkelkindern erzählen können). Ebenso an die gesamte Bloggertruppe, bestehend aus Sascha von Horstson, seiner besseren Hälfte Ole, Can von RAP-N-BLUES und seiner besseren Hälfte Alexandra sowie Lina Mallon und Luiseliebt. 90% kannte ich (persönlich noch) nicht, aber ich hätte den Samstagabend mit niemandem lieber verbracht.

Und natürlich ein großes Kompliment an alle, die das Festival möglich gemacht haben, allen voran FKP Scorpio, und das Social Media-Team sowie allen Helfern, die wenigstens den letzten Tag gerettet haben, und den zahlreichen Besuchern, die nicht nur durchgehalten sondern – so wie wir – das Beste aus allem gemacht haben.

Meine Hoffnung in die Menschheit ist wieder gewachsen, das hat alles sehr viel Spaß gemacht. Bis zum nächsten Jahr!

[dieser Beitrag entstand nach freundlicher Einladung zum Hurricane von Firestone]

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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