Gedanken-Tüdelüt (21): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie

Gedanken-Tüdelüt (21): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie
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Eine kleine Frage zum Einstieg: guckt irgendwer von den U30-Jährigen eigentlich noch normales Fernsehen? Und wenn ja, was guckt ihr dann eigentlich? Die Frage ist tatsächlich ernst gemeint, denn ich hab bei uns zu Hause festgestellt, dass wir nun seit gut einem Jahr eigentlich gar kein „normales“ Fernsehen mehr schauen – einzige Ausnahme sind tatsächlich nur die Lokalnachrichten (Hamburg Journal FTW! Und für irgendwas muss sich die Rundfunkgebühr ja lohnen) und vielleicht mal der eine oder andere deutsche Krimi. Eben genau die wenigen Sachen, die man nicht auf Netflix, Amazon Video und Co. findet und die dort wahrscheinlich auch nur bedingt erfolg hätten.

Ansonsten besteht der filmische Alltag bei uns eigentlich nur noch aus Serien und hin und wieder mal ein Film, aber selbst das ist die Ausnahme, was nicht zuletzt an der Länge liegt. Abends ein, zwei Folgen einer Serie funktionieren einfach besser als ein Film, den man bei steigender Müdigkeit womöglich noch abbrechen muss.

Aber warum ist das so?

Nun, zum einen ist es einfach deutlich angenehmer, wenn man sich zu jedem gewünschten Zeitpunkt aussuchen kann, was man sehen will und wie viel man davon sehen will. Klar, lineares Fernsehen wird mit Sicherheit noch einige Jahrzehnte seine Daseinsberechtigung behalten, aber ein Blick in das hiesige TV-Programm zeigt auch, dass der Trend zu Streamingdiensten nicht nur eine subjektive Wahrnehmung von mir ist und definitiv nicht nur etwas mit der eigenen Bequemlichkeit zu tun hat. Wer tut sich denn wirklich noch die Wollnys und die 3.268 Ausgabe vom perfekten Dinner an?

Gedanken-Tüdelüt (21): Lineares Fernsehen und das Ende einer guten Serie
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Am besten auf den Punkt gebracht hat es wohl – der mit House of Cards wohl erst so richtig beim breiten Publikum angekommen ist – vor drei Jahren auf den Punkt gebracht:

Gebt ihnen (den Zuschauern), was sie wollen, wann sie es wollen und in der Form, in der sie es wollen.

Dass es daran aber auch bei den Streamingdiensten scheitert, sieht man ebenfalls daran, wie nervig es doch ist, wenn wir mal wieder eine Woche auf die neue Folge Game of Thrones, Walking Dead, House of Cards usw. warten müssen. Eine ganze Woche, die einen aus Stimmung und auch Handlung herausreißt – zumindest mir geht es so, dass ich eine Serie am besten fühlen kann, wenn ich mal drei, vier, fünf Folgen am Stück gucke. Und wenn man dann zwischen zwei Staffeln (oder diesem unsinnigen Aufteilen von Staffeln) auch noch mehrere Monate warten muss, ists schnell wieder vorbei mit dem kompletten Spaß.

Viel schlimmer aber noch ist das Ende einer Serie. Mit etwas Glück – und eigentlich ist es absurd, dass so zu sagen – erwischt man ein echt verhunztes Ende einer Serie, wie z.B. bei Dexter, dass den Abschied leichter macht. Aber mir graut es bereits jetzt davor, wenn Game of Thrones oder auch The Walking Dead zu Ende gehen. Was machen wir denn dann? Was gucken wir denn dann?

Denkt doch nur mal an Breaking Bad – bis heute hab ich keine Serie gefunden, die daran anknüpfen konnte. Klar, es gibt andere großartige Serien, aber nichts, dass es so verstand, durch Bild, Ton und Handlung zu fesseln, selbst wenn nicht wirklich viel auf dem Fernseher passiert ist. Man konnte die Hitze und den Staub in Alburquerque förmlich spüren.

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Allein die Zeit, die man dann wieder verschwenden muss, um mal eine wirklich gute Serie zu finden … Gerade jetzt, während so gar nichts wirklich großartiges läuft, macht sich das wieder bemerkbar.

Bosch hab ich angetestet, aber diese omnipräsenz von Titus Welliver nervt ja irgendwann tierisch.

12 Monkeys ebenfalls ausprobiert, aber wenn man den Film gesehen hat, wirds hier auch eher enttäuschend.

The Strain auch angetestet und sogar die erste Staffel durchgekämpft, aber dass es am Ende nur wieder so ein Vampirkram ist, war eher enttäuschend.

Lucifer war ganz okay, wobei so manche Handlung von Lauren German nicht ganz nachvollziehbar war und Tom Ellis irgendwie nur sehr eindimensional auftritt. Vom Teufel hab ich da schon ein bisschen mehr erwartet.

The Night Manager stach da schon aus der kleinen Masse hervor, aber Hugh Laurie wird wahrscheinlich (für mich) immer einfach nur Dr. House bleiben.

Aktuell sind wir dann mal bei Banshee angekommen. Zwar eine Serie, die auch schon wieder vorbei war, bevor wir angefangen haben, aber immerhin gut zum nebenbei gucken und an sich auch recht fesselnd. Die erste Staffel haben wir fast durch und wenn man so will, freu ich mich sogar auf die Zweite. Nur wird sich auch hier bald wieder die Frage stellen: was gucken wir danach?

Mir graut es jetzt schon wieder davor, aber immerhin: kein lineares Fernsehen. Denn da kommt weiterhin nur Mist.

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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