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Gedanken-Tüdelüt (35): Über den Untergang von Serien | Was is hier eigentlich los?
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Gedanken-Tüdelüt (35): Über den Untergang von Serien

Gedanken-Tüdelüt (35): Über den Untergang von Serien | Kolumne | Was is hier eigentlich los? | wihel.de
© bigstockphoto.com / stefanocapra

Gestern Abend lief im Fernsehen irgendwo ein Werbespot, der das Ende von DVB-T mal wieder ankündigte. Kein neues Thema, dafür aber durchaus ein ärgerliches, wenn man sich nur mal anschaut, wie viele Geräte man dadurch ersetzen müsste. Bei uns im Haushalt wären es theoretisch schon zwei, wenn es dazu auch noch neue Antennen braucht, sogar 4.

Ließ uns dennoch nicht in Panik ausbrechen, denn die Momente, in denen wir wirklich noch lineares Fernsehen schauen, kann man mittlerweile an einer, wenn nicht sogar an einer halben Hand abzählen. Dank Netflix und Co. bestimmen wir unser Fernsehprogramm einfach selbst – notfalls auch einfach durch die zahlreichen Mediatheken, die es mittlerweile gibt – die Möglichkeiten als Fernsehnutzer sind ja mittlerweile sehr vielfältig, man ist einfach nicht mehr abhängig von dem Mist, den irgendwelche Programmleiter einem vorsetzen.

Gestern haben wir dann nun die neueste Folge The Walking Dead geschaut und ich muss sagen: wow, das war mal richtig schlecht. Ist die neue Staffel doch dank Negan extrem stark gestartet – auch wenn dieses beklemmende Gefühl, dass man durch ihn bekommt alles andere als geil ist – war das gestern ein unerwarteter Tiefpunkt. Wer Carl und Enid sowieso schon ziemlich überflüssig fand, wird spätestens jetzt über eine Petition nachdenken, die beiden Figuren aus der Serie zu verbannen.

Der entscheidende Satz kam aber dann von Line, die meinte: „Ich weiß nicht, wie lang ich das noch gucken kann, so schlecht ist das“. Harter Tobak, gerade weil The Walking Dead ja tatsächlich mal eine der geilsten Serie überhaupt war. Aber ich muss ihr Recht geben – im Moment weiß man einfach nicht, wo die Serie hin will. Ich hab zwar noch ein ungefähres Gefühl dank der Comics, aber wer wirklich frisch, fromm, fröhlich und frei jede Woche neu in dieses Universum eintaucht – der muss sich mittlerweile sehr hilf- und planlos vorkommen.

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Bild via Youtube

Fear The Walking Dead ist da noch eine ganz Ecke furchtbarer. Wir haben uns mehr oder weniger durch die zwei Staffeln gekämpft, immerhin reden wir immer noch von Walking Dead, nur eben deutlich früher angesiedelt. Aber OH MEIN GOTT, wie schlecht war das alles? So viel Potential und so viel Unvermögen in Sachen Dialogen, Erzählen von Handlungssträngen und auch schauspielerischer Leistung. Hat mich dennoch nicht davon abgehalten, die erste Staffel auf DVD zu kaufen.

Artähnlich verhält es sich mit How To Get Away With Murder. Stark gestartet und dank der komplexen Zusammenhänge und ständigen Twists hat es wirklich Spaß gemacht, die erste Staffel zu schauen. Ein altbekanntes Muster, dass hier aber wunderbar funktionierte. Also haben wir uns hier auf die zweite Staffel gefreut, aber mittlerweile ist das alles so verwirrend, das Muster ist radikal ausgelutscht und irgendwie wirkt alles nur noch so, als ob man mit Biegen und Brechen immer noch einen draufsetzen muss – das aber wiederum ohne Sinn und Verstand und die Gesamtgeschichte vernünftig weitererzählen zu wollen.

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Bild via ABC

Woran liegt das also, dass Serien immer schlechter werden und wir dennoch vor der Mattscheibe kleben und uns dieses Martyrium immer wieder aufs Neue antun?

Zum einen natürlich, dass manche Serien deutlich kürzer angedacht waren, als sie es mittlerweile sind – der Zuschauer-Erfolgsdruck führt nun mal leider viel zu oft dazu, dass Serien künstlich aufgebläht und gestreckt werden. Ja, teilweise sogar zwangsweise in eine völlig andere Richtung entwickelt werden müssen, obwohl man eigentlich schon alles erzählt hat. Dass darunter die Qualität leidet, erklärt sich von selbst.

Auf der anderen Seite sind wir aber auch selbst Schuld. Ständige Forderungen nach neuem Futter ist natürlich und auch wir freuen uns hier zu Hause, wenn es mal wieder heißt, dass XYZ eine weitere Staffel bekommt. Aber immer öfter stellen wir auch fest: eigentlich wär ein Ende mit Schrecken viel besser als Schrecken ohne Ende.

Genauso liegt es natürlich an uns, dass wir uns das jedes Mal wieder antun – wir könnten genauso gut einfach mit der Serie aufhören. Aber dann ist da eben doch die Neugier, wie es weitergeht und vor allem: ob es nicht doch noch besser wird. Wir haben schließlich auch so manche Tage in unserem Leben, in dem wir einfach schlecht abliefern, nicht genug Motivation haben und es einfach mal schleifen lassen. Immer 100% geben ist halt nirgendwo möglich. Und vielleicht lernt man auch erst dadurch die großartigen Momente wieder schätzen.

Ebenso ein netter Effekt: wir lernen wieder, auch einfach mal eine Serie abzubrechen, weil es schlichtweg nicht mehr geht. Fällt uns hier zu Hause durchaus noch schwer, aber bei ein paar Serien mussten wir einfach aussteigen. Hoffen wir dennoch, dass es nicht all zu viele werden. Denn am Ende gewinnen wir alle nur, wenn die Qualität hoch bleibt. Nicht bei einer einzelnen Serie (was natürlich geil wäre), aber insgesamt.

Fandest du gut? Dann erzähl es weiter:

Kürzlich

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  1. Ich finde, dass „TWD“ eigentlich noch nie „eine der geilsten Serien“ war. Sie war zwischendurch immer mal für Höhepunkte und sogar verbesserte Staffeln gut, macht aber leider immer wieder die gleichen dämlichen Fehler – gerade vor dem Hintergrund der tollen Comic-Vorlage leider zumeist ein Ärgernis (so dass man sich eh irgendwie dran gewöhnt hat, dass man alle paar Wochen mal wieder derbst enttäuscht wird). Bei „FTWD“ hatte ich nach der ersten Staffel tatsächlich mehr Hoffnung – aber auch recht schnell zerstört. Wirklich schlimm…
    Habt ihr „Westworld“ angefangen? Bisher grandios.

    • Martin

      TWD und GoT waren für mich immer die Highlights – vielleicht aber auch, weil sie zusammen mit BB die ersten waren, die uns in diesen ganzen Serien-Sumpf gezogen haben. Und gerade nachdem sie durch Negan so fulminant gestartet sind, war die letzte Folge einfach ein Schlag in die Fresse. Aber du hast Recht, die Hänger gab es zwischendurch immer wieder – hab ich wohl bewusst verdrängt ;)

      Westworld hab ich auf dem Schirm, aber du weißt ja – ich bin ein großer Fan der deutschen Sprache ;) Aktuell sind wir noch mit Black Mirror beschäftigt, wobei hier die 4. Folge der 3. Staffel zwar zur Abwechslung mal ein Happy End hatte, aber schon nicht mehr so stark war, wie alle davor …

      Davon mal abgesehen sind die Highlights aber im Moment wieder spärlich gesät

      • Ah, verstehe. Deutsch soll im Frühjahr glaube ich folgen. Notfalls halt was Gutes „altes“ schauen: Silicon Valley, You’re The Worst, Gotham, …

        • Martin

          Das machen wir auch immer wieder mal, siehe Banshee (die für mich noch immer das beste Staffelfinale hatte, auch wenn die letzte Staffel eher überflüssig war). Gotham ist eine gute Idee, da hatte ich die 1 Staffel sehr gemocht.

          Ansonsten guck ich mal auf diesem komischen Serienblog vorbei, keine Ahnung ob du den kennst. serieslyawkward oder so .. ;)

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