Martin
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Gedanken-Tüdelüt (38): Über das Älterwerden

Zugegeben, ich komm mir mittlerweile immer alberner vor, wenn es in irgendeinem Beitrag mal wieder darum geht, dass ich mich so unfassbar alt fühle und langsam aber sicher die Bindung zur heutigen Jugend verliere. Sei es nun die Wahl zum Jugendwort des Jahres, bei der ich nicht mal mehr die Hälfte der Worte verstehe oder auch einfach die Musik, die sich mittlerweile in den total offiziellen Charts so tummelt. Das ist zwar irgendwie alles nicht mehr meine Welt, kann ich aber mit viel gutem Willen noch auf andere Faktoren schieben, wie zum Beispiel Spotify und Konsorten, die einem eben ermöglichen, den eigenen Musikgeschmack noch individueller auszuleben und eben nicht mehr in den Laden zu rennen und irgendwelche dusseligen CDs zu kaufen.

Aber es mittlerweile eben auch die klassischen Momente, in denen ich mir alt vorkomme: das letzte Event mit viel Alkohol hat dann doch überraschend hart seine Spuren hinterlassen (und das, obwohl wir nur bei einer Alkoholsorte geblieben sind), die Haare fallen mir schon seit gefühlt 10 Jahren aus und auch die ersten grauen Haare liegen schon einige Monde zurück – dank fast regelmäßiger Kurzhaarfrisur fällt das nur nicht so auf.

Und dann ist heute der Tag gekommen, an dem die erste 3 vor dem Alter steht – die magische Grenze, an der man irgendwie offiziell erwachsen ist. Also so richtig erwachsen-erwachsen. Manche sind in diesem Alter schon Vater, vielleicht sogar mehrfach, verheiratet, haben sich womöglich schon ein Haus gebaut und das zweite Auto angeschafft.

via Giphy

Und ich such ’nen Job und schreib derweil Quatsch ins Internet, bin weder verlobt und unser Auto ist nun auch nicht gerade zum Angeben geeignet. Oder anders: der Zug, in dem die ganzen Erwachsenen einsteigen, ist heimlich an mir vorbeigefahren. Stattdessen kaufte ich mir den BB8 und freute mich wie ein Schnitzel, als der eher planlos als hochtechnologisch gesteuert durch mein Büro gewuselt ist.

Natürlich sind auch meine Problemchen über die Jahre größer geworden, genauso wie die Verantwortung, ebenso wie das monatliche Einkommen, dass zwar schwankt, aber mit keinem Taschengeld der Welt vergleichbar ist. Erwachsenenkram halt, den man als Kind überhaupt nicht wahrgenommen hat. Und doch hab ich das Gefühl, dass dieses „Erwachsen sein“ nie so richtig offiziell eingetreten ist.

„Erwachsen sein“ – was heißt das überhaupt? Wenn es darum geht, dass man diese ganze Feierei sein lässt, dafür am Wochenende früher als der Rest der Welt aufsteht, damit man auch im Haushalt was schafft oder vielleicht mal geplant ein Mittagsschläfchen macht – dann sind wir hier zu Hause schon seit Jahren erwachsen geworden. Wenn es bedeutet, dass man sich genau überlegt, wo man sein Geld fürs Alter investiert, ob man nun den oder den Bausparvertrag anlegt und wo man sich in 10 Jahren sieht – dann sieht wir nicht nur ein Mal falsch abgebogen.

via Pinterest

Auf der einen Seite hab ich mir von der komischen 3 im Alter mehr versprochen, denn ehrlich gesagt: dieser Tag fühlt sich nicht viel anders an, als der Tag davor. Auf der anderen Seite find ich aber auch das gerade irgendwie sehr schön. Wo andere um dieses Alter ein großes Gewese machen, kann ich mir genau wie gestern denken, dass es letztendlich auch nur eine Zahl ist. Genauso wie Job-Titel, die auch nur Schall und Rauch darstellen und weder etwas über die Fähigkeiten eines Menschen noch seinen Charakter aussagen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Geburtstag hin oder her, Zukunftsplanung hin oder her, beruflicher Status hin oder her – eigentlich geht es nur darum, wie zufrieden und im Reinen man mit sich ist. Und ich muss sagen: auch mit 30 find ich das alles eigentlich ziemlich okay. Könnte natürlich immer besser sein, könnte aber auch wesentlich schlechter sein.

Also stoßen wir einfach imaginär darauf an, dass wir uns selbst gut finden. Nicht beweihräuchernd, aber eben auch nicht bemitleidend. Und wer weiß: vielleicht werd ich irgendwann dann doch noch mal richtig erwachsen und kauf mir statt einem überteuerten Spielzeug, dass in letzter Zeit viel zu selten rausgekramt wurde, dann doch mal eine Heizdecke – im Alter friert man häufiger.

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