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Gedanken-Tüdelüt (41): Aufnahmestopp :: Was is hier eigentlich los ::

Gedanken-Tüdelüt (41): Aufnahmestopp

Gedanken-Tüdelüt (41): Aufnahmestopp
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Was für ein unschönes Wort oder? Gerade durch CDU oder CSU oder beide – für mich alles das gleiche Pack – hat das Wort noch mal zusätzlich einen negativen Touch bekommen, aber hier geht es mal nicht um Geflüchtete oder Immigranten. Ich hatte gestern meinen ganz persönlichen Aufnahmestopp, der natürlich auch bei mir auf Unverständnis hofft.

Seit ein paar Wochen hab ich eine unschöne Stelle am Unterarm – gerötet, manchmal juckt es und morgens irgendwie schorfig. Nichts, was mein Leben total einschränkt und an ein nahes Ende denken lässt, aber eben nicht schön und irgendwie unnormal.

Anfangs glaubte ich noch, dass das von allein schon wieder weggehen würde, schließlich wusste meine Oma schon: was von allein kommt, geht auch wieder von allein – tut es aber offenbar nicht. Line findet das leider gar nicht witzig und drängt mich nun seit einigen Tagen, doch mal einen Hautarzt aufzusuchen. Wo ich Ärzte doch als Berufsmenschen so unfassbar gern hab …

Gestern vormittag war ich also ein wenig unterwegs, erst zur Werkstatt, weil ein Lautsprecher den Geist aufgegeben hat (er röchelt aber noch ein wenig) und anschließend zum Hautarzt meiner Wahl. Nicht weit weg, die Bewertungen sind auch in Ordnung – spricht also nichts gegen einen Besuch.

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Die Räumlichkeiten waren entsprechend edel und die Vorzimmerdamen – man gönnt sich zwei – ebenfalls nett. Anfänglich zumindest. Ich also mein Problem kurz geschildert („Ich hab da was und finde, da kann ruhig mal ein Arzt draufschauen“). Man sei eine Terminpraxis und wenn es nicht akut wäre, sollten wir einen Termin machen. Wenn es aber schlimm ist, wäre da noch die Notfallsprechzeit, da kann man einfach hinkommen.

Ob nun akut oder nicht, kann ich als Letzter beurteilen – das ist ja auch der Grund, warum ich zum Arzt gehe: totale Unwissenheit darüber.

Wir einigten uns dann aber schnell darauf, dass ein Termin Sinn machen würde – schließlich war auch meine Zeit kostbar und einen Notfall hat man ja auch erst, wenn es ungünstig vom Körper absteht. Bis hierhin war auch alles gut – der Termin wär zwar erst im März gewesen, aber was solls. Genug Zeit, dass ich mich psychisch darauf vorbereiten könnte.

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Ob ich denn schon mal bei ihnen gewesen wär, war die nächste Frage. Natürlich nicht, sonst würde ich ja auch schon über Terminpraxis und Notfallsprechzeit Bescheid wissen. Oh, dass sei aber schlecht, denn durch die lange Wartezeit bis März hat man sich einen eigenen Aufnahmestopp verpasst.

Und ich so: wäh?

Ich kann ja verstehen, dass man sich eine gewisse Arbeitslast vom Hals halten muss – nämlich immer dann, wenn es zu viel wird. Macht Sinn und ist auch vernünftig.

Aber da hat man nun jemanden vor sich stehen, der offensichtlich ein Leiden und absolut keine Ahnung davon hat. Ein Leiden, bei dem man mit einem kurzen Blick sicher schon mal ein wenig Abhilfe schaffen kann. Und dieser jemand hat auch absolut kein Problem damit, bis März zu warten – fühlt sich ja immerhin nicht akut an. Dieser jemand zahlt auch gern für eine mögliche Behandlung, sprich: man verdient Geld mit ihm.

Und dann schickt man den einfach weg.

Als erstes schoss mir der hippokratische Eid in den Kopf, der aber offenbar so nicht mehr Anwendung findet – als modernere Version gibt es nun die Genfer Deklaration des Weltärztebundes, die wie folgt lautet:

Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich:
mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.
Ich werde meinen Lehrern die schuldige Achtung und Dankbarkeit erweisen.
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben.
Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.
Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren.
Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten.
Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein.
Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung.
Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und
selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.
Dies alles verspreche ich feierlich und frei auf meine Ehre.

Klingt super und gerade Zeile 5 passt doch hier perfekt zur Anwendung. Aber zeitgleich stellte sich mir die Frage: willste hier nun wirklich eine Szene machen um dann von einem Arzt behandelt zu werden, der keinen Bock auf dich hat? Der schneidet dir direkt den ganzen Arm und zur Sicherheit auch noch ein Bein ab – was man nicht hat, kann nicht krank werden.

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Also vergoss ich ein paar Tränen und fragte nach Kollegen in der Umgebung – Brüder und Schwestern, wissen wir ja mittlerweile auch. Wusste aber die Vorzimmerdame nicht, sie wohnt nicht mal hier. Sie hätte aber gehört, dass es in Blankenese auch Aufnahemstopps gibt.

Ach so, ja ja, hm, trotzdem Danke, tschüß.

Gut möglich, dass ich an dieser Stelle tatsächlich etwas sensibel reagiere, aber Ärzte, die potentielle Patienten mit einem Leiden wegschicken – das hab ich auch noch nicht erlebt. Finde ich sehr suspekt und ehrlich gesagt auch schlichtweg falsch.

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Falls wer einen (guten) Hautarzt in Hamburg Altona/Bahrenfeld/Ottensen empfehlen kann – ich kenn da einen, der einen kennt, der einen braucht. Im Gegenzug hat derjenige einen Hautarzt, den er nicht weiterempfehlen kann. Klingt doch nach einem guten Tausch oder?

Fandest du gut? Dann erzähl es weiter:

Über Martin

Martin
Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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  1. Ich arbeite nun seit fast 25 Jahren in verschiedenen Arztpraxen und seit ein paar Jahren gibt es auch bei uns immer mal wieder Annahmestopps für Neupatienten, nämlich immer dann wenn sich die Terminsituation zuspitzt wie in deinem Beispiel, wobei wirkliche Notfälle allerdings nie weggeschickt werden dürfen. Ob es sich um einen Notfall handelt entscheidet meist die MFA am Empfang. Ein Ausschlag der seit Wochen da ist, ist keiner. In deinem Fall hat die MFA meiner Meinung nach also völlig korrekt gehandelt, aber das nur am Rande…
    Ich selber habe für meine Sprechstunde (ich bin Orthoptistin und leite derzeit in 3 Augenarztpraxen die Sehschule) schon Annahmestopps ausgesprochen als meine Wartezeit auf den nächsten freien Termin im Bereich von 3-6 Monaten lag. Dass das für Patienten ärgerlich ist und sich falsch anfühlt verstehe ich persönlich sehr gut, bin ja selber auch Patient und habe das schon erlebt. Ich kenne aber eben auch die andere Seite und verstehe die unbedingte Notwendigkeit dieses Vorgehens. Viele Praxen sind derart überlaufen, dass es schlichtweg nicht anders möglich ist wenn man qualitativ hochwertige Medizin betreiben will. Würde man trotzdem jeden annehmen wäre kein geregelter Praxisablauf mehr möglich und wirklich alle wären unzufrieden.
    Kein Patient nimmt gerne noch längere Wartezeiten in Kauf, schon gar nicht mit Termin, schon gar nicht mit Kindern wie bei mir.
    Kein Patient ist zufrieden wenn der Arzt dann zB nur 3 Minuten für eine Behandlung Zeit hat.
    Kein Arzt kann in 3 Minuten gründlich und verantwortungsvoll arbeiten.
    Was oft vergessen wird: nach der Behandlung kommt noch die Bürokratie, lückenlose Dokumentation der Anamnese/Behandlung/Diagnose, Abrechnung, Rezepte, Befundberichte, Gutachten, manchmal Telefonate mit anderen Ärzten etc. und natürlich das gründliche Einsehen der Akte des nächsten Patienten der schon wartet.
    Einige Patienten müssen auch kurzfristig noch mal wieder kommen, d. h. man muss wenigstens ein paar Termine in 2, 4 oder 8 Wochen freihalten um die gesamte Behandlung überhaupt gewährleisten zu können.
    Kein Praxismitarbeiter ist bereit dauerhaft noch mehr Überstunden zu schieben als sowieso schon. Das ist in Arztpraxen nämlich eh nahezu täglich der Fall, denn du kannst ja nicht einfach den Laden dicht machen und die noch wartenden Patienten nach Hause schicken weil es 6 ist, du eigentlich Feierabend hast und gerne mit deinen Lieben zusammen abendessen oder zum Sport möchtest. Es gab Tage da saßen wir noch abends um 8 in der Praxis, regelmäßig. Geplantes Privatleben ist so unter der Woche nur sehr schwer möglich und spätestens da geht btw dann die Burnoutfalle los (auch da spreche ich aus eigener Erfahrung), die ein verantwortungsvoller Chef grade als Arzt im Blick haben und notfalls verhindern sollte. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Überstunden ja auch bezahlt werden müssen. Da die Ärzte seit der so tollen Gesundheitsreform aber nicht mehr pro Patient und erbrachter Leistung vergütet werden verdient der Doktor nichts an dir wenn er dich trotzdem behandelt (es sei denn du bist privat versichert). Er würde sogar noch draufzahlen, nicht nur finanziell sondern auch mit Frei- und streng genommen Lebenszeit.
    Mein Fazit: Der Fehler liegt mal wieder ganz klar im System. Da hilft nur den Ärger bitte nicht an dem fleißigen medizinischen Personal, egal ob Arzt oder Telefonistin (die sich in der Regel wirklich bemühen diesen überaus stressigen Job stets freundlich und mit einem Lächeln auszuüben) abzulassen, sondern beim nächsten Mal richtig zu wählen.

    • Martin

      Überstunden verlang ich ja gar nicht, um Gottes Willen. Aber wenn man schon Termine vergibt, dann kann man a) die auch so steuern, dass es gar nicht erst zu einer Überlastung kommt (mit Sicherheit hat man irgendwann einen gewissen Erfahrungsschatz erreicht, der einem sagt, wie viele Termine man neben einer Notfallsprechstunde noch annehmen kann – auch bei aller Bürokratie und sonstigem Drumherum) und b) seh ich nach wie vor keinen Grund für einen Aufnahmestopp, sofern potentielle Patienten kein Problem damit haben, auch mal länger auf einen Termin zu warten. Und wer damit ein Problem hat, wird den vorgeschlagenen Termin in weiter Zukunft schlichtweg nicht annehmen – dass es da aber eine generelle Verweigerung auf der einen Seite gibt, halte ich schlichtweg für falsch.

      Insofern kann ich deine Sichtweise nur bedingt verstehen, denn letztendlich schreibt niemand einem Arzt vor, wie viele Termine er machen muss. Inwieweit das allerdings durch die Gesundheitsreform beeinflusst ist, kann ich nicht beurteilen, ich kenn die Abrechnungsmodalitäten und den ganzen anderen Kram nicht.

      Ganz ehrlich ist es mir auch egal, ob der Arzt was an mir verdient oder nicht, denn darum sollte es in erster Linie nicht gehen (Stichwort erneut Genfer Deklaration). Hier mag sicherlich das System, wie du schon sagst, fehlerhaft sein, nur hilft mir das weder jetzt weiter, noch kann es ja die Lösung sein, dass auf die Patienten abzuwälzen.

      Mich stört letztendlich nur, dass man die Behandlung nicht aufgrund mangelnder Fachlichkeit verweigert, sondern aus Prinzip und dann nicht mal in der Lage ist, Alternativvorschläge zu machen oder dafür offen zu sein. Es kann mir keiner erzählen, dass ein Mitarbeiter in einer Praxis nicht mindestens einen Kollegen kennt, an den man verweisen kann. Wenn ich zum Arzt gehe, dann erwarte ich Hilfe, in welcher Form auch immer, sei es eben mit einem Termin, der von mir aus auch erst in 5 Monaten sein kann, oder einer Empfehlung an einen Kollegen – da dann komplett allein gelassen zu werden, fühlt sich nicht nur falsch an, sondern entspricht auch schlichtweg nicht meiner Weltanschauung in Sachen Medizin(er).

      • Bei uns nennen wir grundsätzlich mindestens 2 andere Praxen an die sich die abgewiesenen Patienten wenden können. Deinen Ärger darüber, dass das nicht geschehen ist verstehe ich vollkommen, das ist Mist, lässt den Patienten recht hilflos zurück.
        Annahmestopps sind trotzdem zeitweise notwendig, und zwar genau zur der Steuerung die du ansprichst. Schau mal: ich als Behandler weiß genau wieviele Patienten ich pro Stunde oder Tag adäquat behandeln kann. Bei mir sind es 4-5 pro Stunde, mehr geht einfach nicht. Also kann ich an einem 8 Stunden Tag Tag maximal 40 Patienten annehmen wenn ich ohne Pause durcharbeite, was bei mir zB Mittwochs immer der Fall ist. Bei anderen Berufen ist es ja auch so: Ein KFZ-Mechaniker kann auch nur eine bestimmte Anzahl von Aufträgen annehmen, genau wie ein Handwerker nicht 20 Baustellen gleichzeitig bedienen kann. Ein Kindergarten kann und darf btw keine 100 Kinder beaufsichtigen wenn nur Personal für 60 da ist etc…
        Außerdem muss ich gewährleisten, dass jede weitere, nötige Untersuchung auch in angemessener Zeit erfolgt. Ich kann niemanden untersuchen, feststellen, dass zB zur weiteren Abklärung ein neuer Termin erforderlich ist und den dann erst 5 Monate später anbieten. Das findet 1. der Patient scheisse und 2. was viel wichtiger ist, ist es medizinisch schlichtweg nicht tragbar. U.U. verschlimmert sich die Erkrankung in der Zeit, Folgeschäden sind dann nicht auszuschließen. Im schlimmsten Fall könnte ich dann als Behandler sogar verklagt werden (was btw immer mal vorkommt). Ich habe also eine große Verantwortung den Patienten gegenüber und muss mich gleichzeitig selber schützen und absichern.
        Nehme ich heute mehr Patienten an als ich eigentlich behandeln kann machen ich und das gesamte Team Überstunden (die Arzthelferin muss ja auch bleiben). Das geht mal, kommt ja auch oft genug vor aber doch bitte nicht auf Dauer und täglich. Bestelle ich diese Leute in 2 Wochen dann weil erforderlich wieder ein obwohl der Plan eigentlich schon voll ist weiß ich jetzt schon, dass ich an dem Tag ebenfalls Überstunden mache, mal ganz davon abgesehen dass dadurch für die Patienten die vllt schon 6 Wochen auf ihren Termin warten deutlich längere Wartezeiten entstehen.
        Was soll ich also sonst tun außer eben irgendwann zu sagen sorry, wir sind voll? 15 Stunden Tage sind ja auch keine Lösung.

        • Martin

          Aber es zwingt dich ja keiner, den Plan immer voll zu machen :) Du hast ja vorher schon gesagt, dass es üblich ist, dass ein paar Terminblöcke freigehalten werden für eben genau solche Fälle, wenn du jemanden zur Folgebehandlung wieder „ranholen“ musst. Das ergibt für mich letztendlich folgendes Bild: du weißt, wie viele Patienten du pro Tag behandeln kannst (je nach Situation eine bequeme Anzahl oder eben sportlich – ist ja jedem selbst überlassen). Du weißt auch, dass du bestimmte, ich nenn es mal so, Slots für Folgebehandlungen freihalten musst – somit hast du eigentlich komplette Planungssicherheit. x am Tag, x in der Woche minus x Slots für Folgebehandlungen, usw. Das kannst du dann auf den Monat hochrechnen und somit eigentlich auch schon fast aufs Jahr. Und am Ende müsstest du deinen Patienten dann irgendwann einfach nur sagen: bis dahin sind wir voll, können aber für später einen Termin machen – dann kann der Patient selbst entscheiden, ob er so lange warten möchte oder eben nicht. Und dann kommt das Sahnehäubchen: wenn er nicht warten will, empfiehlst du Alternativ-Kollegen. Das klingt für mich gerade total sinnvoll und ein Annahmestopp ist weiterhin nicht nötig ;) Oder denk ich das einfach zu einfach?

          • Nicht zu einfach aber nicht zuende. Du vergisst, dass es einen großen Teil Patienten gibt die regelmäßig, zB zu mir mindestens 4 mal im Jahr kommen müssen weil sie chronische oder Erkrankungen haben die eine längere und regelmäßige Behandlung erfordern. Zusätzlich gibt es einen großen Teil Erkrankungen bei bereits bestehenden Patienten gibt die du nicht planen kannst. Frau X hat ihre Brille verloren, Kind Y schielt plötzlich und Oma Z sieht nach einem Schlaganfall doppelt. Der kleinste Teil kommt einmal im Jahr zum Checkup oder nur einmal wie du mit einem Ausschlag. Und mit diesen Patienten ist ein Großteil der Termine gefüllt. Würde ich nun immer mehr neue Patienten annehmen die dann ja auch zum Patientenstamm werden und zu einem großen Teil regelmäßige Behandlung brauchen etc. wird es immer voller und die Terminsituation würde sich immer mehr verschärfen. So entsteht das ganze Dilemma ja erst. Anfangs habe ich erst in 3 Monaten etwas frei, dann erst in 5, später erst in 9 Monaten. Wo soll das hinführen? Das ist einfach nicht tragbar wenn man den Laden nicht vegrößern will oder kann. Mann muss das also irgendwie stoppen. Und wie denn sonst wenn nicht mit einem Annahmestopp?

          • Martin

            naja, ob der Patient nun 5, 6 oder 9 Monate warten müsste, sollte ja dem Patienten überlassen bleiben. Aber ich versteh langsam worauf das hinaus läuft – mit einer festen Zahl kannst du besser planen und weißt auch, wie viele Slots du für Folgegedöns freihalten musst – wird das mehr, wirds natürlich schwierig.

            Insofern hat sich mein Verständnis für den Stop dann doch ein wenig vergrößert ;) Verärgert bin ich dennoch ein wenig, denn offenbar wäre ein Termin im März möglich gewesen und das ist mir persönlich dann doch noch nicht weit genug entfernt, um grundsätzlich abzulehnen – gerade in Verbindung mit den fehlenden Alternativen.

            Aber mal was anderes: du hast geschrieben, dass durch die Gesundheitsreform nicht mehr nach Patient/Behandlung abgerechnet wird – das macht in meinem Kopf ganz groß „WÄH?“, wonach soll man denn sonst abrechnen?

          • Genau, das ist insgesamt schwierig zu planen weil man Krankheit eben nicht planen kann. Und halte ich zB 10 Termine für Notfälle frei und es kommt dann keiner sitz ich rum und hab nix zu tun, das geht auch nicht.

            Das mit der Vergütung ist sehr komplex. Früher war es wie bei anderen Berufsgruppen auch – du hast eine gewisse Leistung erbracht, diese abgerechnet und vergütet bekommen. So sollte es ja auch sein.
            Jetzt ist es (zumindest bei gesetzlich Versicherten) anders. Die Krankenkasse guckt wieviele Versicherte gibt es in einem Bezirk (was meiner Meinung nach schon der erste Fehler ist, denn nicht jeder der zB in Dorf X wohnt geht auch dort zum Arzt). Danach errechnen sie ein Budget, eine Gesamtvergütung die dann unter allen Ärzten in diesem Bezirk prozentual verteilt wird. Gibt es also in dem Bezirk nun 50 Ärzte wird die Gesamtvergütung unter diesen 50 aufgeteilt. Verteilt wird nach Fallzahlen. Jeder Patient ist 1 Fall, egal ob er 1 oder 10 mal im Quartal kommt (was meiner Meinung nach der 2. Fehler ist und leider häufig dazu führt, dass Ärzte Patienten bewusst erst im nächsten Quartal zB zur Kontrolluntersuchung einbestellen, weil sie sonst quasi umsonst arbeiten). Wer mehr Patienten, also eine höhere Fallzahl hat bekommt auch prozentual mehr aus dem gesamten Topf. Allerdings bekommt man nur maximal die Fallzahlen vergütet die man 1 Jahr vorher im gleichen Quartal abgerechnet hat. Beispiel: im Quartal 1 2016 hatte ich 2000 Patienten/Fälle, also bekomme ich für das Quartal 1 2017 auch nur maximal 2000 Fälle bezahlt, auch wenn ich 2500 hatte. Erst im Quartal 1 2018 bekomme ich dann maximal 2500 Fälle vergütet.
            Natürlich gibt auch ‚Sondertöpfe‘ und Extras für bestimmte Behandlungen die gesondert vergütet werden aber das würde hier jetzt zu weit führen das alles aufzudröseln.
            Die Vergütung ist einfach nicht gerecht, weil es ein begrenztes Budget gibt, dass nach Fallzahlen verteilt wird. In einem Quartal bekomme ich vllt 20 Euro pro Patient, 3 Monate später vllt 30 Euro bei gleichem Aufwand und gleicher Leistung.
            Fair geht anders. Und simpel btw auch.

          • Das Budget ist btw auch noch verschiedenen, je nach Bundesland. Ich arbeite zB in Niedersachsen und Bremen. Augenärzte im Land Bremen bekommen fast doppelt so viel pro Patient wie in Niedersachsen. Für die gleiche Arbeit.
            Da kann man sich doch echt nur an den Kopf fassen und sich fragen was hier eigentlich los ist, oder? ;)

          • Martin

            Das ist ja völlig absurd!

          • Das ist es. Falls es dich interessiert kannst du das hier im Einzelnen noch mal genau nachlesen http://www.arztwiki.de/wiki/Gesamtverg%C3%BCtung

            Ich habe es etwas vereinfacht dargestellt, für’s Verständnis.
            Sick sad world.

          • Martin

            Ich hab nun nicht alles verstanden, was dort steht, bleibe aber weiter bei „absurd“ ;)

          • Das trifft es ja auch genau. Das Prinzip ist absurd und realitätsfern und die Komplexität des Ganzen hast du nun selber gesehen – da muss man überhaupt erstmal durchsteigen! Aber warum denn einfach wenn es auch kompliziert geht?

            Gewinnen tun bei diesem System übrigens nur die Krankenkassen, sonst keiner.

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